Erich Follath - Siddhartas letztes Geheimnis

  • Buchdetails

    Titel: Siddhartas letztes Geheimnis


    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 384

    ISBN: 9783421047830

    Termin: Neuerscheinung August 2018

  • Bewertung

    5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

  • Inhaltsangabe zu "Siddhartas letztes Geheimnis"

    Eine faszinierende Reise durch Geschichte und Gegenwart des Buddhismus Er war Entdecker, Wissenschaftler, Abenteurer – und ein zutiefst gläubiger Reisen-der auf der Suche nach Erleuchtung. Gegen den Willen des chinesischen Kaisers zog der Mönch Xuanzang im Jahr 629 durch Wüsten und über Gebirgspässe der Seidenstraße nach Indien, auf der Suche nach Zeugnissen des Religionsstifters Siddharta Gautama. Siebzehn Jahre und viele dramatische Erlebnisse später kehrte er im Triumph in die Heimat zurück, seine spirituelle Suche machte ihn zur Legende. Bestsellerautor Erich Follath hat sich ein Jahr lang auf seine Spur begeben und zeichnet das Leben und die Abenteuer des Xuanzang nach. »Siddhartas letztes Geheimnis« lässt sich gleichermaßen als spannende historische Biografie, als Einführung in den Buddhismus und als geopolitische Analyse der heutigen Weltmächte China und Indien lesen. Ausstattung: 16-seitiger farbiger Bildteil
    Weiterlesen
  • Aktion

  • Bestellen

  • Viel mehr als ein Sachbuch


    In einer buddhistischen Zeitschrift war dieses Sachbuch kürzlich sehr positiv rezensiert und empfohlen worden, weshalb ich es mir auch gekauft habe. Mich hatte gerade die Mischung gereizt aus Reisebericht, Historie und Religion. Und ich bin wahrhaftig nicht enttäuscht worden!


    Ein wenig ringe ich um Worte, weil ich das Gefühl habe, diesem Buch nicht wirklich gerecht werden zu können. Jeder Versuch, es in nur eine Kategorie einzuordnen, ist zum Scheitern verurteilt. Es ist so viel mehr als ein Sachbuch! Es ist auch aus literarischer Hinsicht wertvoll. Ganz zu schweigen von den Perspektiven aus Geopolitik und Religionsgeschichte.


    Erstens einmal – was war der Anlass zu diesem Buch? Der Autor Erich Follath ist Wissenschaftsjournalist, und viel gereist. Er hat bereits ein Buch über einen berühmten Reisenden veröffentlicht, den Muslim Ibn Battuta. Da lag es vielleicht nicht so fern, auch einen chinesischen Reisenden in den Fokus zu nehmen – den Mönch Xuanzang, der im 6. Jahrhundert von China bis nach Indien reiste, um die Quellen des Buddhismus zu erforschen.


    Erich Follath hat zweifellos seine Hausaufgaben gemacht. Sowohl das damalige Reisetagebuch des Mönches, als auch seine Biographie, erstellt von Hui Li, hat er gelesen (und auf der Reise dabei). Er wählt genau (oder zumindest annähernd genau) dieselbe Route, die Xuanzang damals gewählt hat. Aus China über das heutige Usbekistan, Kirgisistan, Pakistan… bis nach Indien. Dort zu den berühmtesten Stätten des Buddhismus, an denen der Buddha geboren wurde, gelehrt hat, und verstarb. Danach auf einer etwas weiter südlicheren Route zurück nach China.


    Das Buch ist sehr gut aufgebaut. Zunächst eine Einleitung mit dem ironischen Titel „Kann es sein, dass Gott bloß stört?“ Hier trifft Erich Follath auf verschiedene radikale Gläubige, und fragt sich, wie das zusammenhängt mit Politik und Eingriffen in die Weltgeschichte. Danach ein ausführliches erstes Kapitel, in dem die ganze Reise des Mönches Xuanzang nacherzählt wird. Und zwar mit Herzenswärme, viel Verständnis und Augenzwinkern! Das war spannend wie ein Roman, und wurde für den Leser erlebbar gemacht. Danach folgt erst die Beschreibung der eigenen Reise.


    Während der Reise verfährt er zweifach. Er ruft sich am jeweiligen Ort in Erinnerung, was die Erfahrungen Xuanzangs auf dieser Etappe waren. Das kontrastiert er mit dem Ort, wie er heute ist. Und mit seinen eigenen Erinnerungen, denn an den meisten Stätten ist er bereits gewesen. Ebenfalls eingeflochten werden Betrachtungen über den Buddhismus, und wie sehr die Politik die Geschichte eines Glaubens beeinflussen kann.


    Das Ergebnis ist einfach nur großartig! Eines der wenigen Sachbücher, das man, schon allein der literarischen Qualitäten wegen, am liebsten gleich noch einmal lesen möchte. Ich würde absolut nicht zögern, es in eine Riege einzuordnen mit den großen Reiseschriftstellern Bruce Chatwin, oder Colin Thubron. Erich Follath schafft dabei verschiedene Dinge. Seine Beobachtungen sind sehr genau, und dabei oft hintersinnig. Gerade zur Großmannssucht der Chinesen stellt er sehr treffende Beobachtungen an, ohne jedoch jemals Gefahr zu laufen, verleumderisch zu klingen. Er regt den Leser zum eigenen Nachdenken an. Er zeigt sehr genau auf, wie sehr Politik und Religion oft zusammenhängen. Wie Bürokratie gewisse Strömungen behindern kann. Und – was mich sehr positiv berührt hat – es gelingt ihm tatsächlich, den Buddhismus klar und ohne Verzerrung darzustellen. Sowohl aus der Sicht Xuanzangs, als auch aus der heutigen. Als Sahnehäubchen obendrauf gibt es dann noch teils wunderschöne Naturschilderungen!


    Ich kann das Buch wirklich nur jedem Geschichtsinteressierten empfehlen. Es ist auch für Nicht-Buddhisten unbedingt geeignet, da die Darstellung einführend und verständnisvoll ist. Ein großer Akzent liegt auf der kritischen Darstellung Chinas, aber das liegt einfach daran, dass ein Großteil der Reiseroute in China liegt. Wie gesagt, ist es dabei viel mehr als ein Sachbuch.

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)