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Dominik A. Meier - Maschinenengel

Maschinenengel

3.5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Independently published

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 478

ISBN: 9781723937910

Termin: September 2018

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  • Maschinenengel - Dominik A. Meier


    Selfpublishing

    478 Seiten

    Dark Fantasy/Scifi

    Einzelband

    22. September 2018


    Inhalt:


    Es gibt keine Helden. Wenn die Dunkelheit über die Menschheit hereinbricht, gibt es keine strahlenden Ritter in der Finsternis und keine Tapferkeit, die Licht in die Nacht bringt, kein Leuchtfeuer der Hoffnung. Dann gibt es nur noch uns.

    Wir sind der Orden des Weißen Raben, die Milites Ordinis.

    Mit Feuer und Stahl stellen wir uns den Schrecken, die aus der Hybris der Menschheit geboren wurden.

    Wir stellen uns Fleisch gewordener Angst und Albträumen, die auf der Erde wandeln. Mein Name ist Rah sechs-sechs-sieben.

    Diese Bezeichnung ist alles, was ich habe. Mein Leben ist vorgezeichnet und mein Tod steht außer Frage.

    Ich hatte mich damit abgefunden – bis jetzt.

    Denn jetzt gibt es Ira in meinem Leben. Eine Adeptin. Ein Maschinenengel.


    Meinung:


    Als der Autor auf mich zutrat und fragte, ob ich sein Buch lesen möchte, war ich hin und her gerissen.

    Aber er wusste, mich zu überzeugen.

    Und jetzt sitze ich hier, habe die Geschichte beendet und weiß absolut nicht, was ich davon halten soll.

    Nicht im negativen Sinne, sondern einfach... umpf.

    Anhand des Klappentextes habe ich eine Art kybernetischen Roman erwartet, Soldaten, die irgendwas bekämpfen, ein bisschen Zukunftsmusik sozusagen, aber was ich bekommen habe war so viel mehr.


    „Rah sechs-sechs-sieben“ ist Squadleader einer Truppe zusammengewürfelter Ordenskrieger der Milites Ordinis.

    Gemeinsam mit seinen Kollegen geht er auf Missionen, zieht in Kriege und macht eigentlich das, was ich mir immer vorgestellt habe, wenn ich an Spezialeinheiten des Militärs gedacht habe.

    Sie hantieren mit schwerem Geschütz, fahren in Panzern durch die Gegend, haben kaum Freizeit und sind immer auf dem Sprung zum nächsten Einsatz. Unter Rahs Führung sind schon viele Soldaten gestorben, aber das bringt dieser Job nun mal so mit sich.

    Als Leser steigt man direkt bei einer Gedenkfeier ein und hat fast überhaupt keine Zeit sich einzugewöhnen.

    Ich hatte zu Beginn tausend Fragezeichen im Kopf. Nicht, dass ich das Gelesene nicht verstanden hätte - nein, da hat der Autor es geschafft eine vernünftige Balance zu halten - allerdings konnte ich einfach keine emotionale Bindung aufbauen.

    Was Gefühl und das Mitfiebern angeht, ist die Geschichte so starr wie ein Eisblock. Militärisch genau, strukturiert, wenn man das so sagen will. Perfekt für, sorry, Klischee - perfekt für Männer.


    Trotz der fehlenden Emotionalität hat es der Autor geschafft, dass Rah - aus dessen Sicht das Ganze erzählt wird - mir einigermaßen sympathisch blieb. Vor allem beim zweiten Part der Story.

    Das Buch hat zwar nicht direkt eine Gliederung, aber es gibt einen klaren Schnitt kurz nach der Hälfte.

    Welcher das ist, kann ich euch nicht sagen. Nur, dass ich die Mischung der Charaktere, Story, der Schauplätze und Co rückblickend betrachtet ziemlich abstrus und äh, chaotisch finde. Es kam ziemlich überraschend.

    Der gesamte Verlauf der Geschichte war für mich absolut unvorhersehbar.

    Diese Unvorhersehbarkeit fesselte mich und stieß mich gleichermaßen ab.

    Ein klein wenig mehr Input im Klappentext hätte ich schön gefunden.

    So aber fühlte ich mich wie in Treibsand geworfen.


    Kommen wir nun zu Rah und Ira. Der Versuch einer Liebesgeschichte ist bei mir leider gescheitert.

    Die Gefühle habe ich dem Squadleader im ersten Teil des Buches überhaupt nicht abgekauft. Natürlich lag der Fokus nicht unbedingt darauf, es kam mir halt so vor, als bräuchte man die kleinen, feinen Liebesbekundungen zur Auflockerung einer sonst sehr blutigen, technisierten Story. Davon bin ich Fan... wenn man es authentischer umgesetzte hätte.

    Ein weiterer Punkt, der mich zeitweise etwas genervt hat, war dieses ständige „nachdenken und zweifeln“ über Gott und die Welt.

    Es ist zwar ein essentieller Part der Geschichte, war aber mitunter ziemlich... unnötig, fand ich.


    Aber der Liebespart spielt ja auch nur eine sehr untergeordnete Rolle.

    Vor vielen vielen Jahren bauten Wissenschaftler und Technologen gewisse Institute, Dutzende von Ihnen wurden im Laufe der Geschichte wieder zerstört. In diesen Einrichtungen sollte, um es grob auszudrücken, „das Universum erforscht werden“ - es galt Kreaturen zu erschaffen, die Unendlichkeit zu analysieren und den Glauben der Menschheit auszureizen.

    Aufgabe der Milites Oridinis ist es nun das, was aus den Instituten entkommen konnte, einzudämmen und zu zerstören.

    Davon und dafür leben sie.


    Nebenher stehen den Kämpfern fast unerschöpfliche Möglichkeiten der Lebensverlängerung zur Verfügung. Kybernetische Arme, Beine, Augen, Mund, Nase - es gibt nichts, das „Maschinenengel“ nicht hat.

    Und als wäre das nicht schon faszinierend genug gewesen - der Autor hat auch noch weitere Dämonen, Götter, Engel, Fratzen und Unendlichkeiten mit eingebaut. Actionmäßig wird einiges geboten, wenn auch die Spannung unter dem fehlenden „Mitfiebern“ etwas leiden musste. Trotzdem lässt es sich super lesen, es ist verständlich und irgendwie muss man wissen, wo es hinführt - auch ganz ohne vorherigen Plan.


    Fazit:


    „Maschinenengel“ ist wieder eins dieser Bücher, das sich schlecht in eine Genreschublade stecken lässt.

    Es ist eine Mischung aus High-Tech-Scifi, Fantasy und Kuddelmuddel.

    Der Autor schafft es den Leser an die Geschichte zu fesseln, obwohl man sich den Protagonisten überhaupt nicht verbunden fühlt.

    Das ist wie mit verbundenen Augen jemand Fremden über ein Minenfeld folgen, von dem man nicht weiß, dass es eins ist.

    An Action wird einiges geboten und auch der ein oder andere Überraschungseffekt kommt hier zum Einsatz.


    Empfehlen würde ich die Geschichte technikaffinen Menschen, die einen Hang zur Mythologie und Göttern haben, die durch komplexere Denkweisen gut durchsteigen und Freude am bloßen Kampf und der Rettung der Welt finden.

    Für mich war es emotional zu wenig, trotz tollem Humor und komisch kosmischer Anziehungskraft der Erzählung.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️? (3,5/5)

    (4 Sterne auf gängigen Portalen, abhängig von der Tendenz)

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