Chris P. Rolls - Fluch der Schönheit

Eine besondere Begabung: Fluch der Schön...

4.3 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: MAIN Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 268

ISBN: 9783959492515

Termin: November 2018


  • Klappentext:

    Einzig an seinen Namen kann sich Arlyn erinnern, als er schwer verletzt von Bauersleuten im Wald gefunden wird. Auf dem Germonshof im Freien Land findet er eine neue Heimat, obwohl ihn ein düsteres Geheimnis umgibt und in ihm eine Macht zu schlummern scheint, die er weit mehr fürchtet, als die Rückkehr seiner Erinnerungen. Gerade als sich zwischen ihm und dem ältesten Bauernsohn zarte Bande zu entwickeln scheinen, wird Arlyn seine außergewöhnliche Schönheit zum Verhängnis. Fortgerissen von seiner Familie, hat seine lange Reise gerade erst begonnen.


    Eigene Meinung

    Der Start in den Roman war für mich ziemlich rätselhaft. Arlyn erlebt seinen bisher gütig-freundlichen Lehrmeister der Magie als unerwartet zornig und grausam. Dann stellt sich heraus, dass es sich „nur“ um einen Traum gehandelt hat. Auch wenn Träume natürlich rätselhaft sein können, hat mir hier ein wenig der Kontext für den Einstieg gefehlt. Allerdings wird dann im 2. Kapitel deutlich, dass Arlyn sein Gedächtnis verloren hat – was die Rätselhaftigkeit dann gewissermaßen erklärt. Trotzdem hat mich der Einstieg erst mal reichlich verwirrt.

    In den ersten Kapitel treten so viele Personen als Nebenfiguren auf (die auf einem Hof bzw. in einem Dorf leben) oder werden namentlich genannt, dass ich Schwierigkeiten hatte, diese alle zu unterscheiden.

    Zunächst wirkt der Protagonist Arlyn, aus dessen Sicht ein Großteil der Geschichte erzählt wird, oft unsicher, ängstlich und schüchtern, so dass hier eine Menge Entwicklungspotential für diesen Charakter gibt, welches sich in der weiteren Handlung auch entfaltet.

    Seine anfänglichen Eigenschaften machen ihn keinesfalls unsympathisch aus meiner Sicht, da es dafür eine gute Erklärung gibt: Seine Albträume und gelegentliche erschreckende Flashback deuten an, dass er traumatisierende Erfahrungen hinter sich hat, an die er sich jedoch zunächst nicht erinnern kann. Er wirkt bisweilen fast asexuell, zum einen, weil er keinerlei sexuelle Erfahrung hat und sich diese auch nicht vorstellen kann und weil er vor Berührungen zurückschreckt, bzw. es wird nicht deutlich, ob er diese generell ablehnt, oder sie aufgrund seiner traumatischen Vergangenheit fürchtet. Ob Arlyn tatsächlich asexuell ist, oder nur so wirkt, wird sich wohl noch im weiteren Verlauf der Handlung zeigen.


    Nach etwa einem Drittel des Romans, der sich größtenteils mit Arlyns Alltagsleben auf dem Hof und seiner besonderen Beziehung zu einem der Bauernsöhne, Piju, beschäftigt wird er durch ein schrecklichen Ereignis aus diesem Leben herausgerissen. Hier deutet sich an, dass der Roman, wie viele in der High Fantasy, den Handlungsmustern der klassischen „Heldenreise“ folgt – ein junger, unerfahrener Mensch (wenn auch hier mit einer traumatischen Vergangenheit) verlässt sein bisheriges, alltägliches Leben und begibt sich auf eine lange Reise voller Gefahren. In diesem Fall geschieht das gänzlich unfreiwillig. Immer wieder gibt es Andeutungen von Arlyns magischer Begabung, allerdings hat er sie vergessen und verdrängt die seltsamen Wahrnehmungen und Emotionen, die damit zusammenhängen.


    Es folgen zwei Kritikpunkte:

    Dass Arlyn später innerhalb relativ kurzer Zeit eine Sprache fließend lernt, fand ich ein bisschen unglaubwürdig, zumal er zwar gewissermaßen Unterricht bekommt, aber nicht gerade einen täglich mehrstündigen „Crash-Kurs“, der dazu eigentlich notwendig wäre. Oder aber vielleicht ist hier das Problem, dass nicht klar genannt wird, wie lange genau seine Reise dauert.

    Dass ein Charakter, der Arlyn später zum ersten Mal sieht, sofort mit starker Erregung auf ihn reagiert, fand ich ein bisschen übertrieben, aber das ist vermutlich Geschmackssache. Außerdem erklärt es einen Teil der weiteren Handlung.


    In der Gay Fantasy ist oft ein wichtigster Gesichtspunkt, wie die jeweilige Gesellschaft mit Homosexualität umgeht. Es gibt ja einige Romane in diesem Genre, in dem Homosexualität als etwas ganz selbstverständliches angesehen wird, ebenso wie Beziehungen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen. Wie sich das in diesem Roman verhält, möchte ich hier wegen Spoilergefahr nicht verraten und auch nichts zu weiteren Handlung. Bzw. nur so viel, wer hier einen wie in der High Fantasy typischen, buchstäblich weltbewegenden „Ein Held zieht aus um die Welt zu retten“-Plot erwartet, der dürfte zumindest in diesem ersten Band enttäuscht werden. Stattdessen würde ich den Roman eher in den Bereich der Romantasy einordnen, da hier die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren im Vordergrund stehen – was ja im Genre Gay Fantasy häufig der Fall ist. Was mir sehr gut gefallen hat ist, dass die Geschichte gänzlich ohne Kitsch erzählt wird.

    Einiges fand ich ein wenig vorhersehbar, dennoch wirkte der Roman insgesamt spannend auf mich und ich habe ihn in rechter kurzer Zeit „verschlungen“.



    Ein paar Worte zum Weltenbau: Über diese Fantasy-Welt erfährt man zu Beginn noch nicht allzu viel, z.B. zu den dort herrschenden politischen Verhältnissen. Das passt allerdings zur Geschichte, da Arlyn sich am Anfang nicht an seine Vergangenheit erinnert und entsprechend wohl auch nicht an Kenntnisse über seine Welt. Vieles spielt sich erst mal in einem ländlichen Raum mit einem harten Winter ab. Es gibt eine Landkarte im Buch, was ich definitiv als Plus sehe, auch wenn ich Schwierigkeiten mit der Darstellung auf meinem E-Book Reader hatte, da die Abbildung recht klein ist. Eine Legende über die Götter dieser Welt wird erzählt und erst im Verlaufe der Geschichte erfährt man dann stückchenweise mehr zu den Verhältnissen im Land und auch weitere Länder werden erwähnt und beschrieben.

    Der Sprachstil ist mitreißend, anschaulich und lebendig, so dass man sehr gut in diese Welt und insbesondere in die Gefühlswelten der Protagonisten eintauchen kann.

    Ein weiteres Plus: Auch wenn es sich um den ersten von drei oder vier Bänden handelt, endet das Buch nicht mit einem Cliffhanger.




  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Chris P. Rolls - "Eine besondere Begabung - Fluch der Schönheit" (Gay Fantasy)“ zu „Chris P. Rolls - Eine besondere Begabung: Fluch der Schönheit“ geändert.
  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Chris P. Rolls - Eine besondere Begabung: Fluch der Schönheit“ zu „Chris P. Rolls - Fluch der Schönheit“ geändert.