Liane Moriarty - Nine Perfect Strangers

  • Neun sehr unterschiedliche Menschen reisen an einem unbarmherzig heißen Tag zu einer 10 tägigen Wellnesskur ins abgelegene Ressort Tranquillium House im einsamen Australien an. Sie kommen mit sehr unterschiedlichen Erwartungen. Die einen versuchen dem Jahrestag eines schrecklichen Todesfalls zu entgehen, die anderen erhoffen sich Hilfe für ihre Eheprobleme. Mancher erwartet einfach eine Auszeit mit Massagen und Yoga, ein mentales Detox, Gewichtsverlust, oder einen Neustart fürs Leben.


    Es sind allerdings anders als der Titel suggeriert nicht wirklich 9 völlig Fremde, sondern zum einen gibt es das junge reiche Ehepaar Ben und Jessica und des weiteren die dreiköpfige Familie mit Napoleon, Heather und der 20-jährigen Tochter Zoe.


    Dort treffen sie unter anderem auf Yao, den ehemaligen Sanitäter und nun Gesundheitsberater und auf die Direktorin Masha. Ehemals sehr erfolgreiche Businessfrau, die vor 10 Jahren nach ihrem Beinahe-Tod durch Herzinfarkt ihr Leben völlig verändert hat. Durch die ständigen Perspektivwechsel bekommt man zu jeder Person schnell eine interessante und unterhaltende Eigen- und Fremdwahrnehmung.


    Schon bald kommt den Angereisten manches befremdlich vor, wie der Stacheldrahtzaun, die durch Code gesicherten Türen, die täglichen Blutabnahmen, dass die Koffer gefilzt wurden, oder sie ein Sprech- und Kontaktverbot auferlegt bekommen.


    Bis zum letzten Drittel des Buches deuten keinerlei Ereignisse daraufhin, dass man tatsächlich einen Thriller liest. Die Autorin nutzt bis dahin die recht immense Seitenzahl um ihre Figuren detailreich und mit ihren jeweiligen Hintergründen und Erwartungen ausführlich einzuführen. Es geschieht wahrscheinlich mit einem gewissen Augenzwinkern, dass die abgehalfterte Autorin Frances sich im Roman darüber erzürnt, dass in der heutigen Verlagsbranche kaum mehr Wert auf eine umfassende Ausarbeitung der Charaktere gelegt wird. Gleich zu Beginn eines Buches werden von den Agenten, Verlegern und Lesern packende Ereignisse erwartet. Besonders gefallen hat mir wie üblich auch diese Buch-in-Buch Geschichte um Frances und ihr zur Zeit recht verzweifeltes, erfolgloses Leben als Schriftstellerin.

    Im letzten Drittel allerdings entwickelt sich die Handlung dann schnell, spannend und unglaublich weiter. Mehr dazu will ich nicht verraten.


    Mich konnte auch für das Buch einnehmen, dass in einem quasi Abspann das weitere Schicksal der Beteiligten recht ausführlich und versöhnlich geschildert wird.

    Das Setting erinnert vom Anfang an über lange Strecken an Klassiker von Agatha Christie.


    Den vorherigen Roman der Autorin kenne ich noch nicht, kann daher keine Vergleiche anstellen. Aber mich hat die aktuelle Lektüre definitiv neugierig gemacht und ich habe mir das Buch „Tausend kleine Lügen“ bereits ausgeliehen.


    Dieser Thriller ist für alle Leser, die auf der Suche nach einem „anderen“ bzw. ungewöhnlichen Thriller sind und sich auch für die Feinheiten der auftauchenden Figuren interessieren.


    4 von 5 Punkten