Dörte Hansen - Mittagsstunde

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Mittagsstunde

4.1|15)

Verlag: Penguin Verlag,,

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783328600039

Termin: Oktober 2018

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  • Inhalt / Klappentext

    Die Wolken hängen schwer über dem flachen Land, als Ingwer Feddersen in das kleine nordfriesische Geestdorf Brinkebüll zurückkehrt. Hier leben seine Großmutter Ella, die dabei ist, den Verstand zu verlieren, und sein Großvater Sönke, der in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung hält. Der hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf, das ganze Land. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als die Landvermesser kamen und die Flurbereinigung begann? Als erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die Kinder plötzlich nicht mehr Bauern werden wollten? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und die Alten mit der Gastwirtschaft sitzen ließ? Jetzt ist er Archäologe, Hochschullehrer, lebt seit 25 Jahren in derselben Kielger Wohngemeinschaft, und seine Beziehung mit der Architektin Regnhild steckt in einer Sackgasse. Als die Uni sein Sabbatical genehmigt, geht er zurück in sein Dorf, versorgt die Alten und beginnt, Bilanz zu ziehen.



    Über die Autorin

    Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, arbeitete nach ihrem Studium der Linguistik als NDR-Redakteurin und Autorin für den Hörfunk und Print. Ihr Debüt Altes Land wurde 2015 zum "Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels" gekürt und avancierte zum Jahresbestseller 2015 der Spiegel-Bestsellerliste. Dörte Hansen lebt mit ihrer Familie in Nordfriesland.



    Mein persönliches Fazit

    Schon Hansens erstes Buch "Altes Land" hat mich vollkommen begeistert und über die Ankündigung eines neuen Buches war ich überglücklich. Und ich bin nicht enttäuscht worden, denn "Mittagsstunde" hat mich genauso gefangen genommen.


    Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Familie Feddersen. Der Familie gehört der örtliche Gasthof, welcher ein zentraler und beliebter Mittelpunkt des Ortes ist. Anhand dieser Familie erzählt die Autorin die Geschichte eines ganzen Ortes. Auch wenn die Geschichte in den Erinnerungen der Dorfbewohner noch weiter zurückgeht, so stellt doch die Flugbereinigung und der Besuch der Landvermesser einen zentralen und wichtigen Punkt der Handlung dar. Denn von diesem Punkt an beginnt sich das Dorf zu verändern. Land wird neu verteilt, Grenzen neu gezogen, das Land begradigt, Teiche zugeschüttet, Straßen gezogen, alte Schleichwege geraten in Vergessenheit. Althergebrachtes wird über den Haufen geworfen. Umbruch und Wandel - keine einfache Zeit für die alteingessenen Dorfbewohner, für die die neuen Regelungen nur mäßigen Sinner geben. Ging es denn bisher schlecht?


    Doch nicht nur das Land verändert sich, sondern auch die Leute. Die Alteingesessenen werden älter. Durch Krankheit und Tod lichten sich die Reihen der Bauern, die bei Feddersens sonntags zum Frühschoppen kamen. Auch an Ingwers Großaltern macht die Zeit keinen Halt. Großmutter Ella leidet an Demenz, Sönke ist geistig zwar hellwach, dafür aber körperlich sehr gebrechlich. Sönke lässt sein Leben in Brinkebüll noch einmal Revue passieren und so wird die Geschichte des Dorfes erzählt. Von seiner Tochter Marrett "Ünnergang" mit den Klapperlatschen, dem unehelichen Enkelkind. Von Hochzeiten, rauschenden Festen. Einschulungen, Unglücken. Von Zusammenhalt, Stillschweigen, Glück und Arbeit. Vom erwachsenen werden der Kinder bis zur Veränderung der Landwirtschaft.


    Es ist die ganze Bandbreite eines Dorfes. Und ich, selbst ein Dorfkind, habe mich in vielen Punkten wiedergefunden. Dörte Hansen beschreibt die eingeschworene Gemeinschaft der Dörfler und ihre Eigenarten auf so eindrückliche Art und Weise, dass ich das Gefühl habe mitten in diesem Ort zu sein. Dabei macht sie keine überflüssigen Worte und hochverschnörkelten langen Sätze. Ihre Landschaftsbeschreibungen sind so gut gelungen, dass ich das Rauschen der Bäume und die Schreie der Schwalben schon meinte selbst zu hören. Sie erzählt charmant von Schrullen, Macken und lustigen Anekdoten und einfühlsam von den Schicksalsschlägen, die einzelne Familien ereilen.

    Wie sie über die Demenz von Ella schreibt, ist für mich ein grandioses Meisterstück. Realistisch und so feinfühlig, dass es mir eine Gänsehaut beschert.


    Ich kann ehrlich gesagt gar nicht genug der lobenden Worte für dieses Buch finden, dass mich so berührt hat wie noch keines in diesem Jahr. Eine absolute Leseempfehlung von mir und :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: !

  • Nach „Altes Land“, das mir ausnehmend gut gefiel, las ich nun das zweite Buch von Dörte Hansen, das in derselben Gegend Norddeutschlands spielt, und in dem ähnliche Typen auftreten.


    Diesmal ist der Protagonist ein Mann, fast 50, unverheiratet, Dozent für Archäologie an der Uni Kiel, zuhause in einer WG. Irgendwie erscheint Ingwer immer noch eher als Student denn als Professor. Er ist ein ganz Lieber, einer, der anpackt, der organisiert, der nicht immer weiß, wo es langgeht, der aber seinen Weg jedes Mal findet. Irgendwie. So ein richtig liebevoller, behutsamer, sanfter Mann – einer von der Sorte, mit der man kuschelt, während die Erotik auf der Strecke bleibt.


    Er kümmert sich um seine Großeltern, bei denen er aufwuchs, nachdem seine Mutter mit 17 Jahren nach einem One-Night-Stand mit einem Unbekannten schwanger wurde. Großvater Sönke, dem Dorfwirt, geht’s körperlich nicht gut, Oma Ella leidet an Demenz. Haushalt und Gasthaus versorgt Ingwer gleich mit.

    Wie schön, dass eine Autorin ein Buch schreibt, in dem Sorge, Pflege und Haushalt von einem Mann erledigt werden.

    Vielen Dank, Frau Hansen, das hat mich sehr gefreut.


    Man erkennt die Atmosphäre des Debütromans wieder, auch wenn hier eher ein mitfühlender Humor zum Tragen kommt statt der ironischen Betrachtungen.


    Die Umwälzungen im Ort, das Ende des kleinbäuerlichen Lebens und eine Neuorientierung, die noch kein eindeutiges Ziel verfolgt, kennen Leser, die auf dem Land leben. Das Verschwinden der Familienbetriebe, die Schließung des Tante-Emma-Ladens, die Verbreiterung der Durchfahrtsstraßen, das Abwandern der jüngeren Generation – Brinkebüll ist überall.


    Im Vergleich zu „Altes Land“ wird den Dialogen in Plattdeutsch viel Platz eingeräumt. Weiter südlich beheimatete Leser kommen zwar mit, verstehen aber vielleicht nicht jedes Wort.


    „Mittagsstunde“ entfacht bei mir nicht dieselbe Begeisterung wie Hansens Erstling, dennoch: Ein lesenswertes, ruhiges Buch.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Im Vergleich zu „Altes Land“wird den Dialogen in Plattdeutsch viel Platz eingeräumt

    Danke dir für diese Anmerkung:friends: Auch wenn das Buch mich erst noch interessiert hat, nach diesem Satz, werde ich es sicher nicht mehr lesen. Böse Erfahrungen mit Dialekten aller Art gemacht. Mich stören die dermaßen beim Lesen, dass ich das Lesen kaum genießen kann.

    2019: Bücher: 103/Seiten: 42 566
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Aichner, Bernhard - Totenfrau

  • Emili , versuch es einfach mit Dörte Hansens erstem Buch. Sie ist auf alle Fälle eine Autorin, die sich zu entdecken lohnt.

    Danke für die Empfehlung :friends:Habe mir das Buch auf die Merkliste gesetzt.

    2019: Bücher: 103/Seiten: 42 566
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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