Christian Berkel - Der Apfelbaum

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Der Apfelbaum

4.1|6)

Verlag: Ullstein Hardcover

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 416

ISBN: 9783550081965

Termin: Oktober 2018

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  • Als der 17-jährige Einbrecher Otto von der 13-jährigen Halbjüdin Sala in die Bibliothek ihres Vaters beim Stehlen ertappt wird, ist es Liebe auf den ersten Blick zwischen den beiden. Sala hilft ihm, sich zu verstecken, während seine Freunde beim Klauen erwischt werden. Otto stammt aus einem ärmlichen Berliner Haushalt, während Sala aus wohlbehüteten Verhältnissen stammt. Eigentlich wollen Sala und Otto für immer zusammen bleiben, doch dann bricht der Krieg aus. Als Halbjüdin muss die schwangere Sala aus Berlin fliehen und erlebt eine wahre Odyssee über Spanien und Frankreich bis nach Argentinien, während Otto eingezogen wird und nach Kriegsende 5 Jahre in russischer Gefangenschaft verbringen muss. So werden die beiden für lange Zeit getrennt. Als Sala 1955 nach Berlin zurückkehrt, trifft sie dort nach vielen Jahren wieder auf Otto und kann nun endlich ein gemeinsames Leben mit ihnen beginnen.


    Der Schauspieler Christian Berkel hat mit seinem Buch „Der Apfelbaum“ einen intensiven und berührenden Roman vorgelegt, der auf wahren Begebenheiten beruht, lässt er den Leser doch an seiner ureigenen und sehr persönlichen Familiengeschichte teilhaben. Der Schreibstil ist flüssig und bildgewaltig, voller Emotionen und schwierigen Nachforschungen nach der eigenen Identität. Der Leser springt mit den ersten Zeilen mitten in die Handlung hinein und erlebt eine gefühlvolle Geschichte, die von Verfolgung, Entbehrungen, Flucht und Trennung geprägt ist. Der authentische Berliner Dialekt macht das Ganze noch realer und greifbarer. Berkels Erzählung reicht über drei Generationen hinweg und lässt den Leser über mehrere Ebenen am Leben seiner Eltern, seiner Großeltern sowie seiner Geschwister und sich selbst teilhaben, wobei er einige interessante Nebeninformationen einstreut, die den Leser durchaus zum Staunen bringen. So verzweigt wie die Äste eines Apfelbaums stellt sich die Geschichte von Christian Berkels Familiengeschichte dar mit vielen Umwegen, Trennungen und der Suche nach Menschen und ihrem Schicksal.


    Die realen Charaktere wurden sehr individuell und lebendig dargestellt, so dass der Leser sich gut mit ihnen identifizieren kann und mit ihnen das gesamte Gefühlsbarometer erleben darf, während man gleichzeitig immer im Blick hat, dass man den Autor als Schauspieler und öffentliche Person „kennt“ und schätzt. Auf diese Weise kommen einem die Protagonisten noch viel näher. Sowohl mit Sala als auch mit Otto hat der Leser gleich zwei sehr charismatische Charaktere, die Unmenschliches überstanden haben nur aufgrund ihrer inneren Stärke. Aber auch ihre schwachen Momente erlebt der Leser während der Flucht oder in Gefangenschaft, wo sie sich einsam unter Fremden durchschlagen mussten. Dass sich die beiden nach so vielen Jahren der Trennung doch noch einmal wiedersehen werden und dann auch zusammenbleiben, grenzt an ein Wunder, wenn man bedenkt, welche Wendungen ihr Leben genommen hat und wie sehr sich die beiden auch über die Jahre verändert haben.


    „Der Apfelbaum“ ist nicht nur ein sehr fesselnder und gefühlvoller Roman über ein Stück Zeitgeschichte, sondern vor allem eine sehr persönliche Familiengeschichte, die ans Herz geht. Absolute Leseempfehlung!


    Intensive :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2017: 245/ 98377 Seiten

  • Die dreizehnjährige Halbjüdin Sala entdeckt in der Bibliothek ihres Vaters den siebzehnjährigen Einbrecher Otto. Zusammen mit ein paar „Freunden“ begibt sich der fast mittellose Otto oft auf Diebestouren. Mit dem Schlimmsten rechnend, muss Otto erstaunt feststellen dass das junge Mädchen ihn versteckt. Seine Freunde haben da weniger Glück. Eine Weile später macht er die zufällige Bekanntschaft mit Sala’s Vater, ein Freigeist der dem eigenen Geschlecht nicht abgeneigt ist. Er nimmt Otto unter seine Fittiche (nicht ohne Hintergedanken), lädt ihn zu sich nach Hause ein, um ihm die Welt der Bücher, denn Otto ist wissbegierig und klug, zu eröffnen. Ein Leben das sich so gänzlich von dem Berliner Hinterhausmilieu unterscheidet, in dem der junge Mann aufgewachsen ist. In der Bibliothek des Vaters, die ihm peinlicherweise nur allzu vertraut ist, trifft er wieder auf Sala, von da an ist ihr beider Schicksal, trotz Unterbrechungen, miteinander verbunden.



    Christian Berkel ist mir als Schauspieler sehr wohl bekannt, ich schaue seine Filme und Serien ausgesprochen gerne. Ich hatte erst etwas Bedenken dieses Buch zu lesen. Nicht jeder der ein eindrucksvoller und deshalb sympathischer Schauspieler ist, kann dies auf anderen Ebenen auch unter Beweis stellen. Christian Berkel schafft dies, fast mühelos. Ich könnte jetzt nicht sagen wer mich mehr anspricht, der Schriftsteller oder der Schauspieler. Ganz einfach macht der Autor es dem Leser allerdings nicht, sein Roman verläuft auf mehreren unterschiedlichen Vergangenheitsebenen die unterschiedlich schnell wechseln. Parallel zu der Lebens- und Liebesgeschichte seiner Eltern, werden auch deren Eltern und Geschwister porträtiert, ein Wechsel erfolgt ebenso in Berkels Kindheit und in die jüngere Vergangenheit der Mutter, die hochbetagt an demtiellen Veränderungen leidet.

    Fasziniert war ich welchen Umgang die Familie Anfang des letzten Jahrhunderts pflegte. Eine Tante Sala’s mütterlicherseits, Modedesignerin in Paris, staffierte die Duchess of Windsor aus. Sala’s Vater hingegen war unter anderem mit Herrmann Hesse bekannt.

    Bewegend und aufrüttelnd an diesem Buch ist jedoch zweifellos die Geschehnisse Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Sala muss als Halbjüdin flüchten, erst über Barcelona und Paris, kommt dann ins Internierungslager Camp de Gurs, Otto hingegen wird in den Krieg eingezogen und gerät sogar in russische Gefangenschaft.



    Fazit:

    Ein Familienporträt das kraftvoll, imposant und auch ein wenig traurig ist.

  • Überrascht …

    … hat mich , dass Christian Berkel , bekannt als Schauspieler, jetzt unter die Schriftsteller geht. Zunächst dachte ich : wieder so ein Möchtegern-Autor oder hat er einen Ghostwriter ?

    Aber dann las ich auf dem Umschlag die Zeilen von Daniel Kehlmann- und war wieder überrascht.

    Berkel erzählt uns eine Familiengeschichte , die der seinigen ähnelt und die fast unglaublich ist. Die ganze Bannbreite an Emotionen trifft den Leser : er fühlt mit , ist begeistert von der Kraft und dem Mut , den die Protagonisten aufbringen , um ihr schweres Schicksal zu meistern, leidet , ist schockiert.

    So besonders ist das Buch , weil der Leser nicht von außen auf die Familiengeschichte schaut , sondern sich scheinbar mittendrin befindet.

    Familie und vor allem auch Heimat – das sind die angesprochenen ernsten Hauptthemen, die Berkel aber mit seiner ganz eigenen Art stillen Humors begleitet.

    Er bindet diese – ansatzweise seine- Familiengeschichte in gekonnter Weise in den historischen Kontext – die Zeit des Dritten Reiches und des Nationalsozialismus - ein und beweist dabei , dass er gut recherchiert hat.

    Der Wechsel der Erzählperspektiv – auch er übernimmt diese zeitweise – stellt ein großes Plus für die Verständlichkeit der Geschichte und der Geschichten der Familie dar.

    Ein lesenswertes Buch , denn es zeigt uns , wie wichtig unsere Wurzeln sind und wie wichtig es ist , uns selbst zu erkennen.

  • Eine persönliche Geschichte


    Christian Berkel, bekannt durch Film und Fernsehen, erzählt in seinem ersten Roman „Der Apfelbaum“ seine ganz persönliche Geschichte, von der nur er weiß, was wirklich oder erfunden ist.


    Er geht zusammen mit seiner an Demenz leidenden Mutter zurück zu seinen Wurzeln ins Berlin der 1930er Jahre, in denen sich Sala und Otto, zwei völlig unterschiedliche Menschen, kennen und lieben lernen. Ihre Liebe dauert über Jahrzehnte an, obwohl es ihnen die Zeit, in der Religionszugehörigkeit, Überleben und Existenzsnot eine entscheidende Rolle spielen, nicht leicht macht.


    Ich lese gerne Lebens- und Liebesgeschichten und tauche auch gern in die Vergangenheit ein, besonders in die Zeit des Nationalsozialismus und 2. Weltkrieges, doch bei diesem Roman ist es mir nicht gelungen, am Geschehen intensiv teilzunehmen und mitzufiebern. Obwohl der Zeitgeist aus meiner Sicht recht gut eingefangen wird, habe ich die Zeitsprünge im Geschehen, den plötzlichen Wechsel zwischen Gestern und Heute als den Lesefluss störend und anstrengend empfunden. Die Handlung im Gesamten zieht sich in meinen Augen zum Teil zäh in die Länge. Zudem sind mir die Figuren, nicht gerade wenige, fremd geblieben. Distanziert, oberflächlich und nicht greifbar ist die Liebe zwischen Sala und Otto an mir vorbeigegangen.


    Eine ganz persönliche Lebensgeschichte, auch wenn sie öffentlich wird, bleibt immer eine eigene, mit Gefühlen und Emotionen verbundene Geschichte, auf die der Leser als Außenstehender blickt und die ihn vielleicht nicht in dem Maße bewegen kann wie den Verfasser selbst.


    Christian Berkel, den Schauspieler, schätze ich sehr, mit dem Autor und seinem Werk bin ich nicht warm geworden.

  • BRILLANTE ERZÄHLUNG DEUTSCHER FAMILIENGESCHICHTE

    Nun kann der Schauspieler auch noch schreiben! Mir gefiel Christian Berkels Debütroman außerordentlich. Er hat eine wahre, schriftstellerische Begabung!

    In „Der Apfelbaum“ beschreibt er ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte anhand der ungewöhnlichen Liebe seiner Eltern in der Zeit der Nationalsozialisten. Diese aufregende Story der Beiden bildet den Kern des Buches.

    Die außergewöhnliche Handlung beginnt in Berlin im Jahre 1932. Sala und Otto verlieben sich Knall auf Fall ineinander bei einer sehr bizarren Situation. Zu dem Zeitpunkt ist sie zarte 13 und er erst 17 Jahre alt. Sie stammen aus vollkommen unterschiedlichen Welten – Otto ist ein typisches Arbeiterkind mit Berliner Schnauze, Sala hat einen intellektuellen, jüdischen Hintergrund.

    Christian Berkel gelingt ein tiefes Eintauchen in die Persönlichkeiten, besonders von Sala und Otto. Hier zeigt sich, dass sich der Autor äußerst gründlich mit seiner Familiengeschichte beschäftigt hat. Seine Recherchen müssen außerordentlich zeitaufwendig gewesen sein.

    Beide Eltern werden von ihm durchdringend analysiert und mit konkreten, fassbaren, substantiellen Charaktereigenschaften versehen. Seine Mutter Sala und die eigenwillige, distanziert wirkende Großmutter Iza, die Jüdin ist, stellt er als starke Frauen dar. Sala wächst sehr unkonventionell beim Vater auf, da Iza sie beide für einen anderen Mann verläßt. Der Vater, ein feinsinniger gebildeter Mann, sexuell nicht auf ein Geschlecht festgelegt, läßt dem Mädchen viele Freiheiten. Sala leidet unter der scheinbaren Gefühlskälte ihrer Mutter. Sie gibt ihr außerdem u. a. die Schuld an ihrer Orientierungslosigkeit, an ihrer Unwissenheit, was das Judentum betrifft. Sie fühlt sich als Deutsche und muss trotzdem die Repressalien der Nazis erleiden. Durch Umwege über Frankreich, wo sie bei Verwandten lebt, gerät sie doch in die Fänge des Systems. Sie wird in einem Lager in der französichen Ortschaft Gurs (Pyrenäen) interniert, übersteht Hunger, unsägliche unhygienische Zustände und entkommt durch Glück der Deportation nach Auschwitz. Es ist sehr spannend wie sich ihr weiterer Weg gestaltet. Otto hingegen zieht als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg, gerät in russische Kriegsgefangenschaft, wo auch er unfaßbare Dinge erleben und überleben muss. Erst 1950 kehrt er zurück ins zerstörte Berlin. Die beiden Liebenden müssen noch manche Hürde überwinden, bis sie sich endlich wieder in die Arme schließen können. -

    Über 48 Kapitel wechselt der auktoriale Schreibstil mit Abschnitten, die in der Ich-Form geschrieben wurden. Diese abwechselnde Erzählweise brachte mich anfänglich leicht aus dem Takt des Leseflusses. Das ist meine einzigste, leichte Kritik am Buch. Eventuell wären passende Überschriften hilfreich gewesen, mit dem Wechsel der Zeitebenen besser zurecht zu kommen. Die Ich-Perspektive berichtet aus der Gegenwart und der Autor tritt als Interviewer seiner betagten, leicht vergeßlichen Mutter in Erscheinung.

    Mich beeindruckte sehr die gewandte, detaillierte, wohlformulierte Sprache des Autors, die mich vergessen ließ, dass dies sein erster Roman ist. Dialoge entwickelten oft eine eigene Dynamik und wirkten nicht erdacht. Die autobiografischen Elemente wurden geschickt mit fiktionalen Handlungsebenen verwoben. Spannungsreich und sehr souverän erzählt er die Geschichte seiner Familie über drei Generationen von Ascona (Künstlerkolonie), Berlin, Paris, Lager in Gurs, Leipzig, Rußland bis nach Argentinien. Gerne würde ich noch ein Buch über diese Familie lesen. Vielleicht ein weiterer Roman, in dem Christian Berkels Großeltern die Hauptrollen einnehmen? Beide, der Großvater Johannes Nohl und die Großmutter Iza-Gustava Gabriele Prussak, lebten ein sehr ungewöhnliches Leben.


    Chapeau, Christian Berkel! Ich empfehle dieses Buch sehr gern mit der Höchstbewertung! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Christian Berkel erzählt in dem Buch die Geschichte seiner Familie. Man kann in bei der Recherche buchstäblich über die Schulter schauen.
    Er schreibt das Buch als fiktives Interview seiner Mutter.
    Die Geschichte wird in Episoden erzählt. Dadurch wird die Geschichte etwas sprunghaft. Auch stehen nirgends Zeitangaben, so dass man erst an der Handlung erkennt, wann und wo man gerade ist. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt.
    Er lässt die Zeit des Nationalsozialismus Aufleben. Die Halbjüdin Sala fühlt sich zwar als Deutsche, gerät aber trotzdem in die Fänge des Regimes und kann sich nur durch Glück und durch Hilfe anderer Menschen retten. Otto ist während dieser Zeit im Krieg und später in russischer Kriegsgefangenschaft.
    Die Geschichte wird vom Kennenlernen von Otto und Sala bis zu ihren Wiedersehen nach dem Krieg erzählt.
    Christian Berkel beschreibt seine Eltern Otto und Sala sehr feinfühlig. Ich konnte mich in sie hineinversetzen und habe mitgefiebert.

    Mir hat das Buch gefallen, nur hat mich der sprunghafte Schreibstil gestört. Deshalb einen Stern Abzug.

    Sub: 5363:twisted: (Start 2017: 5312)

    gelesen 2019: 11

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten

    gelesen 2017: 86 / 4 abgebrochen / 33551 Seiten
    gelesen 2016: 101 / 6 abgebrochen / 40098 Seiten
    gelesen 2015: 90 / 38733 Seiten

    :montag: Giulia Conti - Lago Mortale

    :study: Maria Adolfsson - Doggerland Fehltritt

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

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