Donatella Di Pietrantonio - Arminuta / L'Arminuta

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Arminuta

3.9|4)

Verlag: Verlag Antje Kunstmann

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783956142536

Termin: September 2018

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  • Arminuta handelt von einem italienischen Mädchen in den 70ern, das bis zu ihrem 13. Lebensjahr bei einer Adoptivfamilie aufwächst, ohne es zu wissen. Mit einem Mal wird sie dann in ihre eigentliche Familie zurückgegeben. Im Gegensatz zur Adoptivfamilie ist diese sehr arm und kinderreich. Mit diesem Unterschied muss die Protagonistin zurechtkommen.


    Die unterschiedlichen Familiendynamiken, die im Buch aufeinandertreffen, sind unglaublich spannend formuliert. Während die Protagonistin mit ihrer Adoptivfamilie den Sommer am Strand verbrachte, nachmittags zum Ballettunterricht ging und zu dritt in einem Haus wohnte, zieht sie nun zu einer ihr völlig fremden Familie, von der sie bis zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. Dort herrschen völlig andere Verhältnisse - ihr "richtiger" Vater ist Arbeiter in einer Ziegelei, sie hat mit einem Mal viele Geschwister und das Geld ist knapp. Noch dazu wird das Fehlverhalten der Kinder mit Schlägen bestraft, was die Protagonistin so noch nicht kennt.


    Die Charaktere sind besonders vielschichtig in diesem Roman: Sie verhalten sich nicht nach dem Muster einer ihnen zugehörigen Rolle, bleiben aber dennoch ihrem Charakter treu. So kenne ich das auch aus dem echten Leben - eine mutige Freundin springt nun Mal doch nicht über jeden Graben. Niemand verhält sich nur nach dem Plan der Eigenschaften, die ihn ausmachen. Das ist im Buch gut gelungen, genau so wie die Charakterentwicklung der Protagonistin. Anfangs ist sie ein eher zurückgenommenes Mädchen. Mit Ausnahme weniger Ausbrüche nimmt sie ihre neue Lebenssituation hin und passt sich den Gegebenheiten an. Doch das erlebte formt sie, und ihre ganz besondere Beziehung zu ihrer Schwester ist eine einzigartige Beschreibung von Zusammenhalt unter Schwestern.


    Doch kommen wir nun zu dem, was mich dann doch sehr irritiert hat: In der ersten Hälfte des Buchs sind die Begegnungen der Protagonistin mit ihrem ältesten Bruder, dem 18-jährigen Vincenco im Vordergrund. Die beiden haben sich nicht als Bruder und Schwester kennengelernt, sind nicht in diesem Verhältnis aufgewachsen. Daher entsteht aus dieser Verwirrtheit eine sexuelle Aufladung, die mir dann doch etwas zu viel war. Immer wieder gibt es Momente, in welchen die beiden Grenzen überschreiten oder sich mitreißen lassen. Mehr als ein Kuss ist am Ende nicht wirklich dabei, aber dennoch ist diese Thematik für mich ein ganz klares No-Go. Ich möchte nicht über hundert Seiten hinweg von dieser sexuellen Verwirrtheit zweier pubertärer Geschwister untereinander hören, zumal ich allein den Altersunterschied von 13 zu 18 Jahren in dem Alter schon problematisch finde.


    Dieser Aspekt hat meine Wertung des Buchs doch stark hinuntergezogen. Die zweite Hälfte des Buchs nimmt dann Abstand von dieser Beziehung und hat das Ruder noch ordentlich herumgerissen. Mit Abstand von dieser Thematik ist das Buch ganz besonders, aber so gefiel mir ein großer Teil einfach nicht. Daher nur 3 unentschlossene Sterne von mir. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Das Original heißt "L'Arminuta".


    Deine Rezension Knü habe ich nur überflogen, da ich das Buch heute bekommen habe und erst selbst lesen möchte. Danach schaue ich, welchen Eindruck es bei mir hinterlässt und ob ich da Gemeinsamkeiten entdecke...

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Donatella Di Pietrantonio: Arminuta“ zu „Donatella Di Pietrantonio - Arminuta / L'Arminuta“ geändert.
  • Es ist schon einige Zeit her dass ich das Buch las, jedoch für mich war/ist es eine sehr eindrücklicher Geschichte.

    Doch kommen wir nun zu dem, was mich dann doch sehr irritiert hat: In der ersten Hälfte des Buchs sind die Begegnungen der Protagonistin mit ihrem ältesten Bruder, dem 18-jährigen Vincenco im Vordergrund. Die beiden haben sich nicht als Bruder und Schwester kennengelernt, sind nicht in diesem Verhältnis aufgewachsen. Daher entsteht aus dieser Verwirrtheit eine sexuelle Aufladung, die mir dann doch etwas zu viel war.

    Schade dass sich das zu starke fokussieren auf die Szenen mit Vincenzo dazu geführt hat dieses Buch etwas abzuwerten.


    Jedoch betrachten wir in diesem Zusammenhang die ganzen familiären Verhältnisse. Für das Mädchen welches aus einem behüteten, fürsorglichen Elternhaus in eine Familie abgeschoben wird welche völlig anders als alles was sie kannte ist, ist es zuerst einmal ein grosser Schock. Klar lesen sich seine plumpen Zudringlichkeiten und die in der Schwebe hängende fast inzestuöse Beziehung im ersten Moment unangebracht. Dennoch das Gefühl geliebt zu werden, was ihr sonst nur noch von Adriana entgegen gebracht wird, ist etwas das sie in diesen Momenten sehr dringend benötigt.


    Dies ist jedoch nur ein kleiner Aspekt in diesem vielschichtigen Roman dessen Gesamtbild sich aus dem Blick in die Vergangenheit aus Erinnerungen, mit Episoden der Gegenwart und kurzen Hinweisen auf eine noch in fernen Weite liegenden Zukunft bildet. All dies macht den Roman interessant und so wahr.

    Die Handlung der Geschichte zwischen einem Schmerz des Verlustes und dem Wunsch seinen Platz in der Familie wieder zu finden ist voller Gefühle, zart und gleichzeitig mit seiner etwas rohen Sprache sehr intensiv.


    Etwas möchte ich noch anmerken. Ich habe sicher den Roman aus einem andern Blickwinkel gelesen. Denn diese Tatsache wie auch das Wissen woher Pietrantonio ist, hatte ich vor Augen.

    In vielen Gebieten von Mittel- und Süditalien war es im letzten Jahrhundert nicht unüblich war das arme Familien eines ihrer Kinder einer begüterten, reichen Familie übergaben welche es dann adoptierten. Wie viel Elend dadurch entstand kann man sich nur vorstellen.


    Auch wenn in dem Buch der Ort nicht erwähnt wird, man jedoch weiss woher die Autorin stammt, zudem weiss dass in ihren Büchern die Abruzzen eine wichtige Rolle einnehmen, liegt es auf der Hand.


    Ich kann die deutsche Übersetzung nicht beurteilen, jedoch in der italienischen Version wird vieles im Dialekt der Bergen Abruzzen wiedergeben somit spielt dies sicher auch eine Rolle beim lesen. Jedoch kann ich sagen das Wort "Arminuta" gibt es im "hoch-italienischen" gar nicht sondern es ist ein spezifisches Wort des Dialektes der Abruzzen und somit kann das Wort sowohl geschrieben wie gesprochen nur diese Form sein " L'Arminuta" ansonsten verliert es jedes Signifikant "die Zurückgekommene" und ist bedeutungslos. Schade dass die Übersetzer solche wichtigen Details nicht berücksichtigen.

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