Jan Gießmann - Der Orden der Geweihten: Verräterin

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Der Orden der Geweihten: Verräterin

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Verlag: neobooks

Bindung: E-Book

Seitenzahl: 473

eISBN: 9783742770677

Termin: November 2017


  • Klappentext:

    Geboren als Kämpferin.

    Geschaffen, um Gerechtigkeit und Frieden zu wahren.

    Ausgebildet vom legendärsten Kriegerbund der Geschichte: den Geweihten.

    Nun scheint die Stunde gekommen, in der Elitekämpferin Cilana ihren Wert beweisen kann. Doch sie scheitert und bald findet sie sich in einem gnadenlosen Kampf auf Leben und Tod wieder.

    Mit dem mysteriösen Waldläufer Tyrgarn und dem Schmied Drigorn stürzt sie sich in die Abgründe einer ganzen Gesellschaft und stellt sich einer Welt aus Gewalt, Gier und Intrigen.

    Als Abtrünnige gebrandmarkt und erbarmungslos gejagt von den Häschern ihres eigenen Ordens, muss sie feststellen, dass Schwerter nicht die schärfsten Waffen sind!


    Eigene Meinung:

    Wie der Klappentext bereits verrät, gibt es hier keinen großen Weltrettungsplot, stattdessen muss die Geweihte Cilana mit ihren Verbündeten gegen eine finstere Sekte kämpfen.

    Entsprechend und auch passend zu ihrer Berufung gibt es viele Kampfszenen.



    Die Low Fantasy Welt, die der Autor hier entwirft, macht einen düsteren Eindruck, allerdings bleibt sie teilweise etwas blass, da relativ wenig zu Land und Leuten erzählt wird. Leider gibt es auch keine Landkarte im Buch. Auch über den Orden der Geweihten erfährt man nicht allzu viel, hier hätte ich mir ebenfalls mehr Hintergrundinformationen gewünscht, z.B. etwas über die Geschichte dieser Organisation. Wer darin eine Art religiösen Orden vermutet, liegt falsch. Ganz im Gegenteil, dieser Orden ist verfeindet mit den Paladinen, die wiederum Glaubenskrieger sind, wie man sie aus anderen Fantasysettings kennt. Allerdings wird leider nicht ganz deutlich, warum diese beiden Gruppierungen verfeindet sind.


    Cilana ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, allerdings nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber angesichts des düsteren Settings muss das auch nicht unbedingt sein aus meiner Sicht. Im Gegensatz zu Tyrgarn ist Cilana Atheistin, was zu einigen interessanten Gesprächen führt, wobei hier immer wieder die Kritik an der Religion überwiegt.


    Zu der Religion, die hier beschrieben wird, lässt sich sagen, dass sie sehr stark ans Christentum angelehnt ist, was durch Ausdrücke wie „Amen“ und „heilige Jungfrau“ angedeutet wird. Aber auch hier erfährt man relativ wenig über die Hintergründe dieser Religion.

    Ich persönlich finde es problematisch, wenn in Fantasysettings reale Religionen auftauchen und quasi eins zu eins übernommen werden. Das hätte man mit wenig Aufwand auch anders lösen können, also eine Anlehnung an eine existierende Religion, jedoch in einem „Fantasy-Gewand“. Wobei das vermutlich Ansichtssache ist.

    Irritierend fand ich in diesem Zusammenhang eine weitere Szene, in der ein Priester einige Leute beschuldigt „Heiden“ zu sein und es bis zur vor Ende keine Erklärung gibt, was denn genau mit Heiden gemeint ist – Menschen, die einer (älteren) Naturreligion anhängen? Atheisten, wie Cilana? Oder noch andere? Erst am Ende wird klar, dass damit Atheisten gemeint sind. Was allerdings wiederum bezogen auf reale Religionen keinen Sinn ergibt, da es eben heidnische Religionen gab und bis heute gibt, die mit Atheismus nicht vergleichbar sind.


    Auch wenn Cilana für einige der anderen Charaktere Sympathien hegt, ergeben sich daraus zunächst kaum romantischen Anwandlungen, so dass dieser Roman (fast) komplett ohne romantische Nebenhandlung auskommt. Bzw. zwar gibt es im Verlauf der Handlung doch etwas in dieser Richtung, allerdings kommt das dann so plötzlich, dass es sich wohl nur mit „Liebe auf dem ersten „Blick“ erklären lässt. Mehr verrate ich dazu nicht wegen Spoilergefahr.

    In jedem Fall hätte ich mir auch bei Cilana mehr Hintergrund gewünscht, da man so gut wie nichts aus ihrer Vergangenheit erfährt, weder in Rückblenden, noch in Gesprächen oder Erinnerungen.


    Gleich zu Beginn des Buches muss sich Cilana zur Wehr setzen, als ein Mann ihr gegenüber zudringlich werden will, und auch im weiteren Verlauf passiert das noch öfter, außerdem wird eine andere Frau vergewaltigt (was nicht direkt gezeigt wird), so dass hier zu den ohnehin schon reichlich vorhandenen Gewalttaten noch sexuelle Gewalt hinzukommt. Letzteres hat mir persönlich weniger gefallen, weil solche Handlungen auch in anderen Fantasy-Büchern oft über Gebühr verwendet werden, aber darüber ließe sich nun streiten.


    Überrascht hat mich hier und da die Verwendung von Fachbegriffen wie „Monotheismus“, „kognitiv“, „mental“ oder „pastös“ - dies fand ich persönlich weniger passend für das Setting, zumal die handelnden Charaktere keine Gelehrten sind, die eventuell eher solche Bezeichnungen verwenden würden. Aber selbst dann könnte man sich darüber streiten.


    Eine Nebenhandlung um den Charakter Arylan fand ich persönlich nicht gut nachvollziehbar – ein sehr junger Kämpfer, der noch nicht mal seine Ausbildung ganz abgeschlossen hat, wird von seinem Meister beauftragt, mit einer Einheit aus 5 Leuten eine Mission zu erfüllen. Allerdings sind manche aus dieser Einheit deutlich älter als er und erfahrener.


    In der Handlung taucht ein Magier als wichtige Nebenfigur auf, doch lange wird nicht klar, wie die Magie in dieser Welt funktioniert, welche Bedeutung sie gesellschaftlich hat, auch zeigt er sein Können lange nicht. Aber das wird ja möglicherweise noch in einer Fortsetzung ausgebaut.


    Die Erzählperspektive ist die des allwissenden Erzählers, eventuell wäre hier eine personale Erzählweise besser gewesen, aber darüber lässt sich streiten.


    Ein großer Pluspunkt des Romans ist der Stil des Autors. Dazu lässt sich sagen, dass sich dieser gut und flüssig lesen lässt und immer wieder interessante Vergleiche oder Metaphern mit einfließen, die dem Ganzen eine bildhafte Sprache verleihen. Hin und wieder gibt es auch etwas Humor, der gut platziert ist. Manchmal kommen die Gefühle der handelnden Personen nicht deutlich zum Ausdruck, an anderen Stellen gelingt dies dagegen sehr gut.

    Ein weiterer Pluspunkt ist eine überraschende Wende, zu der ich auch nicht mehr verraten möchte.

    Das Ende des Buches ist offen und zeigt deutlich, dass hier eine Fortsetzung geplant ist.


    Allen Kritikpunkten zum Trotz ist dem Autor insgesamt ein spannendes, solides Fantasy-Debüt gelungen, das auf jeden Fall einiges an Potential für weitere Bücher verspricht.

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