Gert Hofmann - Der Kinoerzähler

  • Amazon schreibt:" Der Enkel Gert Hofmann geht als Kind jeden Tag mit dem Großvater ins Kino (23 Sitzplätze, viele Stehplätze), wenn der zum Stummfilm erzählt und Klavier spielt. »Aufpassen und nicht schlafen jetzt, wir kommen an eine sehr schöne Stelle!« ruft er in den unruhigen Zuschauerraum und bringt, sein Bambusstöckchen in der Hand, den Leuten die Romanze auf der »Hintertreppe« zwischen Fritz Kortner und Henny Porten nahe. Dabei fühlt er sich als Künstler und zu Höherem berufen. Dann kommt der erste Tonfilm nach Limbach. Der Kinobesitzer hofft, mit den sprechenden Bildern mehr Zuschauer ins Kino zu locken. Der Film und der Kinoerzähler sind von da an Feinde: je lauter der eine tönt, desto weniger darf der andere sagen. Bis sich die Nazis in Limbach breitmachen: da hofft der Großvater, daß »die Bewegung« den deutschen Stummfilm zu ihrer Sache macht... Der Roman wurde von Bernhard Sinkel mit Armin Mueller-Stahl in der Rolle des Großvaters verfilmt."


    Nach den ersten Seiten hatte ich den Eindruck, einen mir neuen großen ERzähler gefunden zu haben. Dieser Eindruck blieb auch eigentlich bis zum Schluss, obwohl ich den irgendwann herbeisehnte. Denn er bekommt die Geschichte irgendwann nicht mehr richtig zum Tragen. Zu Beginn ist es eine reine Lesefreude. Wir lernen die Familie kennen mit der herrlich lakonischen Großmutter, der stillen Mutter und dem kinoerzählenden Großvater. Das macht Freude und bringt einen immer wieder auch zum Schmunzeln, das ist wirklich gut forumuliert bewirkt einen schönen Lesefluss. Dass der Icherzähler unscheinbar bleibt ist wohl gewollt und stört überhaupt nicht. Wir können unverstellt durch seine Augen schauen, mit seinen Ohren hören. Alles hat eine erfrischende Leichtigkeit und man wünscht sich, dass es immer so weitergeht. Leider geht es immer so weiter und das geht natürlich dann doch nicht. Die Geschichte kriegt eine Schräglage in tragische und dann stimmt der Erzählton nicht mehr, dann hakt es und holpert manchmal gar. Da helfen dann auch wunderschön gedrechselte Sätze nicht mehr wirklich. Der Ausbruch des tausendjährigen Reiches macht natürlich auch nichts besser. Da wird was lakonisch gemeint ist schnell auch mal zynisch, da verschwindet der jüdische Kinobesitzer dann doch zu nebenbei.

    Was bleibt sind aber wunderschöne erste hundert Seiten, die locker fünf Sterne verdienten und eine Lust auf alte Spielfilme. Lust auf mehr von Hofmann? Ich weiß noch nicht.

  • Tut mir leid. Ich habe sogar eine ganz andere Ausgabe, die ich bei Amazon nicht gefunden habe. Ich habe die Welt Edition. Also die Serie von der Zeitung "Die Welt". Das Bild sieht aber etwas nach Bernd Pfarr aus, ist aber nur geraten.

  • Das Bild sieht aber etwas nach Bernd Pfarr aus,

    tja :scratch:. Michael Sowa wäre auch möglich. Man findet weder bei Amazon noch auf der Verlagsseite einen Hinweis. :(

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


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