Friedrich Glauser - Schlumpf Erwin Mord

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Schlumpf Erwin Mord

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Verlag: Unionsverlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 256

ISBN: 9783293203365

Termin: Juni 2005

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  • Autor: Friedrich Glauser
    Titel: Schlumpf Erwin Mord, erschien erstmals 1936
    Seiten: 256 in 21 Kapiteln
    Verlag: Unionsverlag
    ISBN: 9783293203365


    Der Autor:
    Friedrich Glauser (1896 – 1938) war ein Schweizer Schriftsteller, der in seinem kurzen bewegten Leben Erfahrung in Landerziehungsheimen, Arrestzellen und psychiatrischen Kliniken sammelte und nach Morphiumsucht und Entmündigung in die französische Fremdenlegion aufgenommen wurde. Dort wurde er kurz darauf wegen Herzstörungen für dienstuntauglich eingestuft und ausgemustert. Im Morphiumdelirium entfachte er einen Zimmerbrand und wurde kurz darauf in ein Psychiatriezentrum abgeschoben. Die Details der diversen Entmündigungen, Aufenthalten in Haft- und Arbeitsanstalten, sowie psychiatrischen Kliniken erspare ich mir. Es ist aber offensichtlich, dass Glauser wusste, wovon er schrieb als er über Randständige, von der Gesellschaft abgehängten Personen schrieb. Neben diversen Essays, Gedichten und Briefwechsel, sind es vor allem seine Kriminalromane, für die er heute bekannt ist.
    Bereits der erste Studer-Roman wurde ein grosser Erfolg und so folgten noch ein paar weitere. Allerdings stirbt Glauser kurz nach seinem Durchbruch als Schriftsteller, sodass diverse Romane unvollendet bleiben und er selbst den Erfolg seiner Romanfigur gar nicht mehr in Gänze miterleben konnte.


    Inhalt: (Klappentext)
    Der Mord im Gerzensteiner Wald, wo der Handelsreisende Witschi erschossen aufgefunden worden ist, scheint ein Routinefall zu sein: Der Verdächtige, ein Vorbestrafter, der im übrigen ein Liebesverhältnis mit der Tochter des Ermordeten hat, sitzt bereits in Untersuchungshaft auf dem Schloss Thun. Sein Versuch, sich in der Zelle zu erhängen, wird von Studer, Fahnder der Berner Kantonspolizei, im letzten Moment vereitelt. Was als Schuldbekenntnis ausgelegt werden könnte, wird für Studer zum Ausgangspunkt für seinen Kampf um Schlumpf, von dessen Unschuld er überzeugt ist.


    Meinung:
    Man merkt, dass Glauser sich beim Erschaffen seines Wachtmeisters Studer an Simenons Kommissar Maigret orientierte. Auch Wachtmeister Studer ermittelt aus dem Bauch heraus, interessiert sich für die Menschen, die Atmosphäre, das Zusammenleben im Dorf. Er hat kriminalistisches Gespür und Erfahrung, aber keiner, der sich Notizen machen würde, oder irgendwie strukturiert vorgeht. Lieber unterschlägt er auch mal Beweise, die er für fingiert hält, misstraut Obrigkeiten und fühlt sich nur der Gerechtigkeit und seinem Spürsinn verpflichtet. In der Kneipe und auf dem Dorffest erfährt man mehr, als durch Befragungen auf der Polizeiwache! Hier sind die Menschen in ihrem Element, unverfälscht. Man sieht, wer sich versteht, welche Gruppen sich aus dem Weg gehen, wer noch mit wem eine Rechnung offen hat. Zur Polizei geht man hier eher nicht; die Probleme kann man auch besser untereinander lösen. Da braucht es schon einen hemdsärmeligen Ermittler, der hier zwar fremd ist, aber Situationen rasch erfassen kann und das richtige Gespür mitbringt.
    Insofern ist der Kriminalfall ganz nett, aber wie bei Simenon liegt der Reiz viel mehr an der Beschreibung des Dorflebens, den Charakteren und vor allen Dingen Lokalkolorit! Eine Menge Schweizer Begriffe (Chabis, Chrind, G’schtürm) tönen (sic!) womöglich ungewohnt, sind aber authentisch und helfen dabei, das Dorfleben entsprechend zum Leben zu bringen.
    Fazit: wer gerne Maigret, Miss Marple und ähnliche Krimis liest, und zur Abwechslung mal ins Schweizer Dorfleben der 1930er Jahre eintauchen möchte, der ist mit diesem Roman gut bedient. Keine «anspruchsvolle» Literatur, aber gute Unterhaltung!

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