Holly Bourne - Was ist schon normal? / Am I Normal Yet?

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Spinster Girls – Was ist schon normal?

3.8|2)

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 416

ISBN: 9783423717977

Termin: Juli 2018

  • Zu wenig eindringlich...


    Klappentext (Quelle Amazon):

    Wir sind stark, wir lassen uns nichts sagen und küssen trotzdem. Wir sind die Spinster Girls!

    Alles, was Evie will, ist normal zu sein. Und sie ist schon ziemlich nah dran, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen?


    Evie ist 16 und leidet unter einer Zwangsstörung. Dabei möchte sie einfach nur normal sein. Ausgehen, Partys, sich verlieben ohne sich davor, während und danach die Hände wund zu waschen. Das erste Date mit Ethan aus dem Soziologiekurs…eine Katastrophe. Mit ihren Freundinnen Amber und Lottie tauscht sie sich aus über die erste Liebe, Jungs…aber auch über Gleichberechtigung. Als Evie Guy trifft, hofft sie, ihre Krankheit zu überwinden.



    Evie leidet unter einer bipolaren Störung, und an und für sich finde ich es sehr gut, dass Zwangsstörungen in Büchern thematisiert werden. Doch leider war mir das in diesem Buch zu unausgegoren. Da ich beruflich mit Menschen mit Zwangsstörungen zu tun habe, muss ich leider sagen, dass in " Was ist schon normal " diese Krankheit vor allem zu Beginn es Buches zu wenig eindringlich dargestellt wird. Ausser in den Therapiesitzungen mit ihrer Therapeutin Sarah, merkt man Evie ihre Krankheit nicht wirklich an. Ein Beispiel: sie spricht davon, dass sie sich viele Male, die Hände waschen muss. Doch sie tut es nicht! Evie geht ins Kino, an Partys und in die Schule…und ich habe einfach erwartet, dass diese Handlungen komplizierter und einschränkender dargestellt und beschrieben werden. Sie krault zum Beispiel ohne jede Berührungsangst ihrer Schwester durch die Haare (Seite 172) oder streicht einer Freundin, die Liebeskummer hat, über den Rücken(Seite 173). Das tut eine Person, die an einer Zwangsstörung leidet, die den Waschzwang einschliesst, schlichtweg nicht. So bekommt man den Eindruck, dass hier ein normales Mädchen über Zwangsstörungen spricht. Ich habe ihr die Krankheit leider nicht abgenommen, weil sie zu wenig in die Handlung integriert wurde. Erst ganz zum Schluss des Buches, bekommt man ein Gefühl für den Druck, den diese Krankheit auslöst. Auch die Verzweiflung, die sie bei den Angehörigen auslöst. Und bei der betroffenen Person. Da ist Evie zum Beispiel auf einem Konzert und verpasst das Meiste, weil sie in den Toiletten beim Hände waschen, blockiert.

    Ein zentrales Thema in diesem Buch ist der Feminismus. Die Freundinnen gründen den "Spinster Club" um über Themen, die Frauen beschäftigen, zu diskutieren und sich für die Gleichberechtigung einzusetzen. Gut gedacht, doch ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass 16jährige so diskutieren, wie die Mädchen hier im Buch "….zementiert doch nur diese total verallgemeinernden, völlig kranken Vorstellungen darüber, was Jungs und Mädchen zu sein haben." Ansonsten sind die Themen jugendgerecht " Liebe, Freundschaft, Party, Alkohol ".

    Evie ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, auch wenn sie mit einer Zwangstörung lebt. So denkt sie sich "Je weniger Mum wusste, desto besser"… ganz normal! Allerdings kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum sie ihren besten Freundinnen, nicht verraten will, dass sie unter der Zwangsstörung leidet. Eine Reaktion ihrer Mutter konnte ich auch nicht ganz verstehen. Da nimmt Evie endlich, wie ein ganz normaler Teenager, Freundinnen nach Hause….und die Mutter reitet ellenlang darauf rum, dass sie nicht darüber informiert wurde und die Freundinnen weg sein müssen, wenn sie mit Kochen beginnt. Da fragt man sich doch gleich, woher Evie ihre Zwangsstörung denn hat?

    Den Schreibstil empfand ich als frisch, frech und den Jugendlichen angepasst, ohne in den Jugendslang zu fallen.

    Dieses Buch ist der Auftakt über eine geplante Reihe "Spinster Girls". Innen im Cover könnte man seinen persönlichen "Spinster Girls" Ausweis ausschneiden…doch wer zerschneidet schon das Cover eines Buches? Ein Einlageblatt mit dem Ausweis wäre wohl cleverer gewesen.

    Mir hat das Buch im Grossen und Ganzen gefallen, wenn auch der Einstieg und die ersten 150 Seiten mich Punkto Zwangsstörung nicht überzeugen konnten.

  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „Holly Bourne - Spinster Girls, Was ist schon normal?/ Am I normal yet?“ zu „Holly Bourne - Was ist schon normal? / Am I Normal Yet?“ geändert.
  • Ich habe ihr die Krankheit leider nicht abgenommen, weil sie zu wenig in die Handlung integriert wurde.

    Vielen Dank für deine Rezension Igela  :winken: Habe ich mit großem Interesse gelesen. Anfangs dachte ich, das Buch könnte mich interessieren, aber ich ziehe es vor, wenn solche Erkrankungen lebensnah dargestellt werden. Danke für deine Einschätzung

    2018: Bücher: 133/Seiten: 51 609
    2017: Bücher: 190/Seiten: 77 472
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
    Dalai Lama

  • Habe ich mit großem Interesse gelesen. Anfangs dachte ich, das Buch könnte mich interessieren, aber ich ziehe es vor, wenn solche Erkrankungen lebensnah dargestellt werden. Danke für deine Einschätzung

    Ich muss dazu sagen, dass ich mit Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung arbeite...unter anderem auch mit eine bipolaren Störung. Daher war meine Erwartung hoch. Ich habe noch nie erlebt, dass meine Schützlinge (zur Zeit drei) einfach so auf eine Party oder überhaupt aus dem Haus gehen können. Und das tut die Protagonistin das halbe Buch über. Es heisst seitenweise es gehe ihr "besser"...doch auch dann sind die Zwangshandlungen zu wenig eindringlich dargestellt. Ich denke für alle, die diese Störungen nicht kennen, ist das Buch gut so wie es ist. Doch leider mit meinem beruflichen Hintergrund zu wenig authentisch und eindringlich.

  • Ich habe noch nie erlebt, dass meine Schützlinge (zur Zeit drei) einfach so auf eine Party oder überhaupt aus dem Haus gehen können.

    das verstehe ich sehr gut. Und mit ist es auch lieber, wenn solche Erkrankungen in Romanen realistischer dargestellt werden.

    2018: Bücher: 133/Seiten: 51 609
    2017: Bücher: 190/Seiten: 77 472
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
    Dalai Lama

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