Ruth Cerha - Bora. Eine Geschichte vom Wind

  • Buchdetails

    Titel: Bora


    Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt

    Bindung: E-Book

    Seitenzahl: 256

    ISBN: 9783627022259

    Termin: Juni 2015

  • Bewertung

    5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

  • Inhaltsangabe zu "Bora"

    Es weht die Bora auf der kleinen kroatischen Insel, der kalte böige Fallwind, der die Boote über das Meer treibt wie Nussschalen und Unruhe in das sonnensatte Inselleben bringt. Die Schriftstellerin Mara kennt das Wechselspiel der Winde, die trockene, salzige Bora und ihren Gegenpart, den schwülen, von Süden kommenden Jugo. Schon seit Jahren verbringt sie den Sommer auf der Insel, liebt den Geruch von Oleander und wildem Rosmarin und den Inseldialekt der Fischer, die im Hafen die schillernden Goldbrassen anpreisen. Doch dieser Sommer ist anders. Eine langjährige Beziehung ist in die Brüche gegangen und das Schreiben will ihr nicht mehr gelingen. Eines Morgens kommt Andrej auf die Insel - ein Fotograf, der nicht mehr fotografieren will. Er stammt aus einer der vielen Auswandererfamilien, die aus dem kommunistischen Jugoslawien nach Amerika flohen und Jahr für Jahr in den Sommermonaten in ihre alte Heimat zurückkehren. Mara und Andrej beginnen sich zu umkreisen, so als folgten sie dem Rhythmus der Winde, zart und zerrend, rau und rastlos. Als Mara beginnt, tief in die Geschichte von Andrejs Familie vorzudringen, die von Entwurzelung und der Vermischung von Kulturen erzählt und untrennbar mit der Geschichte der Insel verknüpft ist, wird eine Entscheidung unumgänglich. In hochaufgelösten Bildern erzählt Ruth Cerha von der Begegnung zweier Suchender, für die sich unerwartet die Möglichkeit einer großen Liebe auftut. Bora. Eine Geschichte vom Wind ist ein Roman von ungezähmter Schönheit, der mit viel Feingefühl um das Wagnis wirklicher Nähe und die Bedeutung einer inneren Heimat kreist.
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  • Inhalt:

    Mara ist Schriftstellerin und kommt seit vielen Jahren auf die kleine kroatische Insel, um dort den Sommer zu verbringen und an ihrem nächsten Buch zu arbeiten. In diesem Jahr ist ihr Kopf allerdings völlig leer und so lässt sie sich erstmal treiben.

    Andrej reist normalerweise als Fotograf durch die Welt und ist nirgendwo richtig zu Hause, aber er fühlt sich ausgebrannt und so verschlägt es auch ihn auf die Insel.

    Begleitet vom stetig wechselnden Wind lernen Mara und Andrej sich kennen und lieben und Mara taucht mehr und mehr ein in Andrejs Familiengeschichte, die eng mit der Vergangenheit der Insel verbunden ist.


    Meine Meinung:

    Ich bin auch einige Tage nach Beenden des Buches immer noch völlig hin und weg von der Atmosphäre der Geschichte. Cerha schafft es, die Stimmung dieses Inselsommers, inklusive Geräuschen, Gerüchen und Geschmäcken, so plastisch darzustellen, dass es sich anfühlt wie Urlaub zwischen zwei Buchdeckeln. Zugegeben, das momentane Wetter trägt das übrige dazu bei, dass ich mich den Charakteren unheimlich nah gefühlt und das Lesen richtig zelibriert habe, um die Insel nur ja nicht zu schnell verlassen zu müssen. Nach dem Lesen hätte ich am liebsten die Koffer gepackt und wäre sofort auf diese Insel gedüst.


    Der Großteil der Geschichte wird aus Maras Sicht erzählt, ein paar Kapitel auch aus Andrejs Sicht, sodass man einen Einblick erhält, wie unterschiedlich es den beiden mit ihrem Aufenthalt auf der Insel geht. Die Handlung ist sehr reduziert, man kocht, schwimmt, redet, es gibt ein Fest, man erforscht die Insel... im Vordergrund steht dabei, was es in den Figuren auslöst. Die Geschichte entwickelt sich langsam und behutsam, ohne zäh zu werden und fühlt sich ein bisschen an, wie ein einziger nicht enden wollender Sommertag.


    Besonders schön fand ich die absolut unkitschige und recht ungewöhnliche Beziehung zwischen Mara und Andrej. Ebenso wie die Winde Bora und Jugo sich abwechseln und der Insel ein sehr abwechslungsreiches Wetter bescheren, wechselt auch die Beziehung der beiden zueinander, sie entfernen sich, finden wieder zusammen, rütteln einander auf, missverstehen sich und behalten dabei trotzdem die ganze Zeit eine gewisse Unabhängigkeit.


    Eine weitere spannende Ebene erhält der Roman, als Andrejs Mutter auf die Insel kommt und mit ihr die Geschichte der kroatischen Auswanderer. Ohne dass man das Gefühl hat ein Geschichtsbuch zu lesen, verbindet Cerha die historischen Fakten geschickt mit den Erlebnissen der Figuren, sodass am Ende Mara mehr über "ihre" Insel weiß, Andrej mehr über seine Herkunft und er der Leser ein klein wenig mehr über kroatische Geschichte.


    Einen einzigen Kritikpunkt habe ich am Schluss dann doch noch:wink: Die Autorin neigt gelegentlich zu ausschweifenden Beschreibungen und manchmal geht es etwas mit ihr durch, sodass so ein Satz entsteht:

    Zitat

    Während ich da saß und Milan und Ivan beim Tanzen zusah, überschwemmte mich eine Welle von Sehnsucht, eine Welle von der Größe, wie sie im Mittelmeer niemals vorkommt, nicht einmal während der schlimmsten Winterbora, eine Sehnsucht, die nicht eine Quelle, sondern ein ganzes Quellgebiet zu haben schien und einen Fluss von der Breite des Mississippi speiste, mit all dem schlammigen Grund meiner Kindheit, dem obskuren Treibgut meiner Jugend und des frühen Erwachsenenalters, das in diversen Stromschnellen zwischen Felsblöcken hängen geblieben war, und den mit brackigem Wasser gefüllten Nebenarmen meines gegenwärtigen Lebens, die nirgendwohin führten.

    :roll: Das ist für mein Gefühl des Guten zu viel, aber da es Einzelfälle bleiben, kann ich da entspannt drüber wegsehen.


    Fazit:

    Wer überwiegend rasante Handlungen mag, dem rate ich dringend ab, dieses Buch zur Hand zu nehmen, es sei denn er/sie leidet an Schlafstörungen und braucht was zur Beruhigung. Ansonsten lege ich jedem dieses Buch ans Herz, der ausspannen, sich auf eine Insel träumen und so richtig vom Wind durchpusten lassen will.

    Mein absolutes Sommerhighlight bisher, volle :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    1. (Ø)

      Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt


    "We're all stories in the end. Just make it a good one." - The Doctor


    2019 gelesen: 0 gehört: 0 (2018: 25/13) aktiver SUB: 75

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