Lucie Flebbe: Jenseits von Wut

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Jenseits von Wut

4.3|4)

Verlag: GRAFIT

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 309

ISBN: 9783894255879

Termin: August 2018

  • "Bochum, ich komm aus dir, Bochum, ich häng an dir..."

    (Herbert Grönemeyer)



    Mit diesem Zitat aus dem berühmten Lied von Herbert Grönemeyer möchte ich diese Rezension beginnen. In den letzten Jahren hat sich Lucie Flebbe einen guten Namen als Autorin von spannenden Kriminalromanen gemacht, die in der Ruhrmetropole spielen. Auch der neue Krimi "Jenseits von Wut", der den Auftakt zu ihrer neuen Reihe darstellt, ist hier angesiedelt. Knall auf Fall steht Edith › Eddie‹ Beelitz auf der Straße : Ehemann Philipp war eindeutig die falsche Wahl. Weil bei der Bochumer Polizei Personalnotstand herrscht, kann Eddie kurzfristig in ihren ungeliebten Beruf zurückkehren, und das sogar in Teilzeit bei den Mordermittlern. Die haben gut zu tun: Vor dem Jobcenter liegt die Leiche der arbeitssuchenden Ronja Bleier – sie wurde brutal erschlagen. Eddie, die gehofft hatte, nur Schreibarbeiten übernehmen zu müssen, ist überfordert. Wie soll ausgerechnet sie dabei helfen, einen Mord aufzuklären?



    Das Cover spiegelt unsere gesellschaftliche Realität. Bochum ist eine Stadt mit vielen sozialen Brennpunkten. Die auffälligen Schriftzüge erinnern an ein Graffiti, das an eine grau verputzte Wand gesprüht worden ist, und bleiben im Gedächtnis haften. Dahingegen hat mich der gewählte Titel, der gewisse Assoziationen an einen berühmten Roman von John Steinbeck weckt, weit weniger überzeugt.




    Der Plot dieses Romans hat mich sofort angesprochen. Der Wiedereinstieg in diesen Beruf ist schwierig und wird jede alleinerziehende sensible Frau an ihre Grenzen führen. Auch das Setting in der Ruhrmetropole passt perfekt. Lucie Flebbe ist ihrem vertrauten Milieu treu geblieben und hat den scharfen Kontrast von dem "reichen" Süden und dem "armen" Norden deutlich herausgearbeitet. Handwerklich gesehen, ist der Krimi gut gemacht. Lucie Flebbe schreibt in einem gut lesbaren, flüssigen Stil, baut viele unerwartete Wendungen ein und hält die Spannung auf einem konstant hohen Level. Auch sprachlich gesehen ist der Krimi überzeugend. Lucie Flebbe beweist viel Sinn für Humor und verwendet viele umgangssprachliche Kraftausdrücke, die zu ihren jungen, mitunter aufsässigen und ungeschliffenen Protagonisten passen. Auf diese Weise entwickelt der Ruhrpott-Krimi einen gewissen schnoddrigen Charme, dem man sich nicht entziehen kann.




    Trotzdem bin ich etwas zwiegespalten, was dieses Buch angeht. Grundsätzlich hat mir die glaubhaft geschilderte Entwicklung von Eddie von einer eingeschüchterten Maus, die sich von ihrem dominanten, herrschsüchtigen Mann nach seinem Willen formen läßt, zu einer selbstbestimmten Frau, die ihr Leben wieder in die eigenen Hände nimmt, auch wenn sie zwangsläufig mal auf die Nase fallen wird, gut gefallen. Trotzdem hat Lucie Flebbe einige Charaktere in diesem Buch überzeichnet, was sie flach und klischeehaft erscheinen läßt, und die Handlung wirkt an manchen Stellen ziemlich konstruiert und nicht nachvollziehbar.




    Insgesamt halte ich diesen Krimi für einen soliden Auftakt zu einer neuen Reihe, die sich sicherlich steigern wird. Deshalb vergebe ich heute vier Sterne und freue mich auf weitere Bücher aus der Feder von Lucie Flebbe

  • Trotzdem hat Lucie Flebbe einige Charaktere in diesem Buch überzeichnet, was sie flach und klischeehaft erscheinen läßt,

    Aber vielleicht ließe sich dazu sagen:


    Ein Einstieg in eine neue Bochum-Krimi-Reihe, der die wichtigsten Charaktere sehr plastisch vorstellt, während einige der „supporting actors“ wahrscheinlich in der Folge noch mehr Tiefe gewinnen werden, wie dies schon in der Leseprobe zum zweiten Band am Ende dieses Buch zu sehen ist.


    Zunächst bin ich wegen der altbekannten Struktur „absolut unsichere und unselbstständige Person führt ihre Unsicherheit und Unselbstständigkeit ad nauseum vor, doch ab einem bestimmten Punkt beginnt Eddie die weiblichen Vorbilder um sich herum auch wirklich als Vorbilder wahrzunehmen und das gibt ihr den Impetus, sich selbst zu ändern und sich nicht mehr alles gefallen zu lassen. Von absolut niemanden.


    Eddies ich-erzählende Passagen werden immer wieder unterbrochen von den Gedankenströmen eines überaus gewaltbereiten Menschen namens Zombie, der wirklich kein allzu angenehmer Mensch zu sein scheint. Und der – natürlich – für die Geschichte schlussendlich eine große Rolle spielen wird.


    Gelungener Einstieg, der bestimmt viele Leserinnen und Leser gespannt auf die Folgebände machen wird.

  • Von jetzt auf gleich steht Eddie mit ihrer kleinen Tochter auf der Straße. Sie hat es eigentlich schon lange gewusst, dass sie mit Philipp die falsche Wahl getroffen hat, und nun gibt es kein zurück mehr. Eigentlich war ihr der Job bei der Polizei schon immer verhasst, aber nun muss sie schauen, wie sie über die Runden kommt. Es herrscht Personalmangel bei der Polizei und daher kann sie sofort in Teilzeit bei den Mordermittlern anfangen. Doch statt Büroarbeit hat sie gleich einen Fall zu klären: Vor dem Jobcenter wurde die arbeitssuchende Ronja Bleier brutal erschlagen aufgefunden.

    Dies ist mein erstes Buch von Lucie Flebbe. Mir gefällt der authentische Schreibstil, der Ruhrpott-Atmosphäre vermittelt. Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge. Neben dem Teil um Edith Beelitz gibt es einen weiteren Strang, der von Zombie berichtet. Zombie ist unsympathisch und das ändert sich auch nicht, als ich mehr über ihn erfahre. Seine Gedankengänge sind einfach erschreckend.

    Eddie war froh, dass sie ihren Job nicht mehr ausüben musste und hat sich von ihrem Mann unterdrücken lassen. Er hat sie nach seinen Wünschen geformt und sie hat sich nicht gewehrt. Doch dann hat er sie vor die Tür gesetzt und sie hat begriffen, dass sie sich schon viel zu lange hat unterbuttern lassen. Aber Philipp reicht es nicht, dass sie weg ist, er macht ihr das Leben schwer und das auf ziemlich drastische Art.

    Obwohl sich Eddie mit ihrem Fall schwertut, gelingt es ihr mit der Zeit immer besser, sich in ihrem neuen Leben einzurichten. Ich konnte mit Eddie fühlen und trotzdem kam sie mir nicht nahe.

    Die Geschichte nimmt immer mehr Fahrt auf und durch den Wechsel der Perspektiven und viele Wendungen bleibt die Geschichte bis zum Schluss sehr spannend.

    Ein spannender Auftakt einer neuen Krimi-Reihe.

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