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Hala Alyan - Häuser aus Sand / Salt Houses

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Häuser aus Sand

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Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 396

ISBN: 9783832198558

Termin: Juni 2018

  • HALA ALYAN - HÄUSER AUS SAND


    Die amerikanische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel "Salt Houses", bei HMH, Boston


    DIE LEBENSWEGE DER FAMILIE JAKOUB

    „Häuser aus Sand“ von der palästinensich-amerikanischen Autorin Hala Alyan beschreibt die Generationen der Familie Jakoub. Ein um das andere Mal müssen sie ihre Häuser verlassen und fliehen. Jaffa, Nablus, Kuwait-Stadt, Amman, Beirut sind ihre Lebensstationen bis die jüngste Generation auch in Europa und Amerika ansässig wird. Der zeitliche Rahmen umfasst eine Spanne von 1963 bis 2014.

    Klappentext:

    Vor Jahren schon musste Salma ihre geliebte Heimat Jaffa verlassen. In Nablus hat sie mit ihrem Mann und ihren Kindern einen neuen Platz gefunden. Doch das Haus bleibt ihr stets fremd. Allein den Garten kann sie zu ihrem eigenen Reich machen, und unter ihren Händen wird er zu einem farbenfrohen Paradies. Ihre Tochter Alia dagegen fühlt sich mit dem Haus und Nablus so verbunden, wie Salma es mit Jaffa war. Doch der Kaffeesatz sagt auch Alia ein unruhiges und schwieriges Leben voraus. Salma verschweigt diesen Teil der Vorahnung und muss erleben, wie ihr Sohn ihr im Sechstagekrieg genommen wird und ihre Tochter nach Kuwait flieht. Alia hasst ihr neues, beengtes Leben und durchlebt, so wie ihre Mutter, nicht nur dieselbe Sehnsucht nach der Heimat, sondern auch den Widerstand ihrer Kinder gegen ihr Festhalten an den alten Regeln. Zwanzig Jahre später verlieren Alia und ihre Familie erneut ihr Zuhause und retten sich in alle Himmelsrichtungen: nach Boston, Paris, Beirut. Wieder einmal wird ihre Geschichte von anderen bestimmt und geschrieben. Erst als Alias Kinder in der Fremde auf einen Ort hoffen, der ihnen für immer bleibt, begreifen sie, dass die Überzeugungen ihrer Mutter deren einziger Halt in einer sich ständig ändernden Welt sind.

    Meine Meinung:

    Meine Vorstellungen und Erwartungen von diesem Buch waren andere. Ich wollte gern verstehen, warum die Menschen vertrieben werden, warum sie flüchten müssen. „Häuser aus Sand“ war weitgehend ein Bericht über den Werdegang der Familie Jakoub, von der nur Salma jemals in Palästina lebte.

    Die ersten Seiten mit Salmas Lesen aus dem Kaffeesatz fand ich ja noch ganz amüsant, aber bald darauf hatte ich die Lust am Buch verloren. Der ständige Personen- und Ortswechsel über 50 Jahre in verschiedenen Ländern und auch Kontinenten konnte mich nicht fesseln. Vor allem die weiblichen Personen erschienen mir austauschbar. Die Jakoubs leben in einer abgehobenen Welt. Sie haben keinen Zugang zum normalen Leben der Palästinenser, die in ärmlichen Verhältnissen oder in Lagern leben müssen.

    S. 21 „Parallelexistenzen, denkt Salma manchmal. Die eine isst zum Abendessen Lamm, die andere Gurken, und wer die eine, wer die andere ist, entscheidet das Schicksal aufs Geratewohl.“

    Einige der Hauptpersonen erscheinen mir wie aus der Zeit gefallen und Alia, die Vertreterin der zweiten Generation der Palästinenser auf der Flucht, bezeichnet u. a. Länder wie Frankreich oder Amerika als „Hurenländer“. Akzeptanz, Toleranz für andere Lebensweisen? Wie stehts damit? Die Jakoubs leiden nie materielle Not. Sie sind reich. Viele Frauen leben in ihren traditionellen Rollen, bleiben dort verhaftet, die Welt dreht sich um die Kinder, ums Aussehen, die Mode, um die Wohnungsausstattung. Für die Hausarbeit allerdings gibt es Bedienstete, die z. B. aus Indien kommen und ihre Familie nur aller zwei Jahre sehen. Mir erschien das wie Stillstand, gepflegte Langeweile, Tristesse. Die Sichtweisen sind oberflächlich und rückwärts gewandt, nicht zielführend. Es ist nur die logische Konsequenz, dass die Kinder ausbrechen und ihre Zukunft im Westen sehen...

    Die politischen Konflikte im Nahen Osten werden kaum thematisiert oder so erwähnt, dass ich sie googeln musste (Sechstagekrieg, Invasion in Kuwait...). Dann störten mich die vielen fremden Wörter im gesamten Buch. Sie werden zwar im Anhang erklärt, aber mich brachten sie immer wieder zusätzlich aus dem Konzept. Weiterhin erschloß sich mir der Sinn nicht, warum der Originaltitel „Salt Houses“ nicht beibehalten wurde, zumal im Text, wenn auch fast zum Schluß Bezug darauf genommen wird.

    Ich kann diesem Buch nur drei von fünf Sternen geben. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Hala Alyan - Häuser aus Sand“ zu „Hala Alyan - Häuser aus Sand / Salt Houses“ geändert.
  • Vor knapp 15 Jahren musste die Familie Yacoub die geliebte Villa in ihrer Heimat Jaffa verlassen. In Nablus haben die Palästinenserin Salma, ihr Mann Hussam, ihre Töchter Wadid und Alia sowie Sohn Mustafa zwar einen neuen Platz gefunden. Das Haus bleibt der Mutter allerdings stets fremd. Anders ergeht es Alia, die sich mit dem neuen Zuhause verbunden fühlt. Doch der Kaffeesatz sagt ihr ebenfalls ein unruhiges, schwieriges Leben voraus. Und so kommt es tatsächlich: Auch die zweite Generation der Familie wird in alle Winde verstreut. Alia hasst ihr neues, beengtes Leben und durchlebt wie ihre Mutter die Sehnsucht nach der Heimat. Auch ihre Kinder, die dritte Generation, müssen erst noch ihren Platz im Leben finden.

    „Häuser aus Sand“ von Hala Alyan ist ein beeindruckender Roman über eine entwurzelte Familie, über Generationenkonflikte und einiges mehr.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 13 Kapiteln, die abwechselnd aus der Sicht von Salma, Mustafa, Alia, Riham, Atef, Souad, Linah und Manar im Präsens erzählt werden. Darüber hinaus gibt es einen Epilog. Zwischen den Kapiteln liegen immer wieder größere Zeitsprünge, innerhalb der Abschnitte sind einige Rückblenden im Präteritum eingefügt. Insgesamt deckt der Roman den Zeitraum von 1963 bis 2014 ab. Auch die Schauplätze variieren. Sie reichen von Jaffa und Nablus über Kuwait bis Boston, Paris und Beirut. Dieser Aufbau gefällt mir sehr gut. Er erfordert beim Lesen einiges an Aufmerksamkeit, was mich allerdings nicht gestört hat.

    Der Schreibstil ist angenehm, anschaulich und einfühlsam. Viele Details und lebhafte Beschreibungen sowie die eindringliche Sprache mit starken Bildern konnten mich begeistern.

    Im Fokus der Geschichte steht Alia. Durch die Perspektivwechsel lernt der Leser jedoch auch die anderen Personen gut kennen, so dass es mir gelang, mich in die unterschiedlichen Sichtweisen hineinversetzen zu können. Die Charaktere wirken vielschichtig und authentisch.

    Inhaltlich hat der Roman nicht nur eine komplexe Familiengeschichte vor größtenteils orientalischer Kulisse zu bieten, die ich interessant und unterhaltsam fand. Eine Stärke des Buches liegt auch in der Vielfältigkeit der Thematik. Ich fand es spannend, mehr über Konflikte im Nahen Osten und deren Folgen zu erfahren. Politische und religiöse Hintergründe werden verwoben mit den persönlichen Erlebnissen und Schicksalen der Familienmitglieder. Auch die Aspekte Heimatlosigkeit, Sehnsucht, Trauer, Liebe, Krieg, Flucht und Vermissen bereichern die Geschichte und regen zum Nachdenken an.

    Positiv zu erwähnen ist es, dass die Zusammenhänge der Familie Yacoub in einem Stammbaum dargestellt, was den Überblick erleichtert. Hilfreich für die Lektüre ist außerdem das Glossar.

    Die Aufmachung des Hardcovers finde ich toll. Die Optik gefällt mir durch ihre Sinnbildlichkeit sehr. Auch die Metapher des Titels ist sehr treffend und ansprechend, obwohl ich nicht ganz verstehe, warum man vom amerikanischen Original („Salt Houses“) abgewichen ist.

    Mein Fazit:
    „Häuser aus Sand“ von Hala Alyan ist ein in mehrfacher Hinsicht gelungener Roman, der mich überzeugen konnte. Ich empfehle die Lektüre vor allem denjenigen wärmstens, die einmal eine etwas andere Familiengeschichte lesen möchten.


    Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  • Häuser aus Salz

    Die palästinensische Familie Yakoub muss nach dem Einmarsch israelischer Soldaten im Jahr 1948 die Heimat in Jaffa verlassen und findet in Nablus im Westjordanland eine neue Heimat. Für die Kinder ist Jaffa nur eine ferne Erinnerung, ihre Wurzeln bilden sie in Nablus. Doch auch dort ist nur eine Heimat auf Zeit, sie werden aufgrund der politischen Lage in alle Winde zerstreut: Kuwait, Amman, Paris, Boston...


    Im ersten Kapitel lernen wir Salma kennen, die ihrer Tochter Alia am Vorabend ihrer Hochzeit aus dem Kaffeesatz liest. Alia ist eine lebenslustige, unkonventionelle junge Frau und eigentlich die Hauptperson des Romans, denn von ihrem Leben erfahren wir am meisten. Am Ende ist sie eine verwirrte alte Frau, die in der Vergangenheit lebt, aber in lichten Momenten ihre Kinder und Enkel erkennt und sich ihres Alters bewusst wird. Diesen Zyklus eines gelebten Lebens fand ich sehr berührend.


    Jedes Kapitel wird von einem anderen Mitglied der Familie erzählt. Dank des vier Generationen umfassenden Familienstammbaums am Anfang des Buchs kann man der teilweise doch verwirrenden Familienkonstellation gut folgen.

    Zu Beginn hatte ich ein wenig Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, doch als ich mit den einzelnen Personen erst einmal vertraut war, wollte ich gar nicht aufhören zu lesen. Am Schluss hätte ich gerne gewusst, wie es mit der vierten Generation weitergeht.


    Es ist nicht nur die persönliche Geschichte der Familie Yakoub, der Leser erfährt viel über den Krieg im Nahen Osten und dessen Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die persönlichen Schicksale, die hinter den Fernsehbildern stehen, sind einem normalerweise nicht bewusst. Hala Alyan erzählt nicht nur von im Krieg vermissten Söhnen, sondern auch von der Langeweile der Kinder, die sich tagelang mit ihren Familien in den Häusern verschanzen müssen und dem Schicksal zurückgelassener Hausmädchen.


    Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Was ich allerdings ausgesprochen ärgerlich finde, ist die deutsche Übersetzung des Titels. Im englischen Original heißt das Buch „Salt Houses“, wobei im Text auf die „Häuser aus Salz“ Bezug genommen wird. Sie sind ein Sinnbild der verlorenen Heimat, Häuser, die von einer Flutwelle (und nicht der Wüste) davongetragen werden. Weshalb die Übersetzerin der Meinung war, ohne Not „Häuser aus Sand“ daraus zu machen, ist mir rätselhaft. Abgesehen davon ist das Buch jedoch hervorragend und flüssig übersetzt. Eine berührende Familiengeschichte, die darüber hinaus Einblicke in die schwierige politische Situation im Nahen Osten gibt. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

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