Joe Ide - Stille Feinde / Righteous

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Stille Feinde

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Verlag: Suhrkamp Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 398

ISBN: 9783518468708

Termin: Juni 2018

  • ...aber es steht doch Thriller drauf?


    Klappentext (Quelle Amazon):


    Isaiah Quintabe, der geniale Privatdetektiv ohne Lizenz, der meistens für die einfachen Leute in Long Beach, L.A., Probleme löst, stößt auf das Wrack des Autos, mit dem vor Jahren sein Bruder Marcus getötet worden war Schnell ist ihm klar: Es war kein Unfall, sondern Mord.

    Gleichzeitig meldet sich die damalige Freundin seines Bruders – ihre Halbschwester in Las Vegas steckt in Schwierigkeiten. Hoffnungslos spielsüchtig hatte die mit ihrem Freund versucht, die 14K-Triade zu erpressen. IQ und sein Sidekick Dodson machen sich auf nach Las Vegas, um die Situation zu entschärfen. Gleichzeitig regt sich der Verdacht, dass IQs toter Bruder Marcus vielleicht doch kein Heiliger war und Verbindungen zu dem ruandischen Gangster Seb Habimana hatte. IQ muss an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen, denn zudem haben sich noch ein übler Kredithai und die Locos Surenos 13, eine mächtige Gang, an seine Fersen geheftet. Schwerstarbeit für IQ und Dodson, die zur Hochform auflaufen. Und im Hintergrund lauert ein düstrer Feind …



    Vor 8 Jahren hat Isaiah Quintabe seinen Bruder Marcus durch einen Unfall verloren. So die offizielle Version. Doch Isaiah ist überzeugt, dass Marcus ermordet wurde und sucht fieberhaft den Täter. Isaiah arbeitet als Privatdetektiv und wird von Marcus Freundin Sarita gebeten, ihrer Halbschwester Janine zu helfen. Diese steckt wegen Spielschulden in Schwierigkeiten. Isaiah, heimlich verliebt in Sarita, eilt mit Partner Deronda nach Vegas.


    Ach herrje … schon im Prolog die erste Wackelsituation. Isaiah entdeckt acht Jahre nach dem Unfalltod zufällig auf einem Schrottplatz das Mordwerkzeug, den Accord, mit dem sein Bruder getötet wurde. Da habe ich das erste Mal gezögert, habe jedoch trotzdem weiter gelesen. Und gehofft, dass dies die einzige holperige und konstruierte Stelle in der Handlung ist.

    War es leider nicht! Immer wieder gibt es unlogische Szenen, an den Haaren herbei gezogene Ermittlungsergebnisse und einen überheblichen "Ermittler". Der, erst den Anführer der Bande "Locos Surenos 13" verprügelt und ihn dann zusammenflickt. Mit … ich zitiere…."er besass einen Erste Hilfe Kasten, auf den jeder Sanitäter stolz gewesen wäre. Eine Mini- Herz- Lungenmaschine, ein Blutdruckmessgerät, eine Notfalldecke, Kühlpads, Wärmepackungen, Traubenzucker, Verbrennungssalbe, Kompressionsverbände, Riechsalz, Pinzetten, verschiedene Antiseptika in unterschiedlichen Darreichungsformen, zwölf verschiede Sorten Verbandmaterial und eine Sammlung anderer Dinge." (Seite 255).

    Die Geschichte dreht sich um die Mördersuche des Bruders und den Freundschaftsdienst für die angebetete Sarita. Dann geht es aber auch noch um viele andere Figuren, die auftauchen, ein kurzes oder längeres Gastspiel haben und wieder verschwinden. Warum muss ich als Leser wissen, wie der Typ vom Imbisswagen, der sich schlussendlich als Isaiahs Partner herausstellt, den Wagen finanziert hat ? (Seite 57). Solche unrelevanten Details gibt es wie Sand am Meer und machen das Lesen sehr ermüdend und verwirren. Viele kleinere Sequenzen über das Leben, das Denken und Handeln von Nebenfiguren werden künstlich aufgepolstert und irgendwie (... und egal wie) in die Hauptgeschichte eingeflochten. Und das nicht immer schlüssig, sondern konstruiert.

    Ich möchte nicht direkt das Wort " langweilig" in den Mund nehmen. Doch die wenigen brisanten Szenen, in denen hauptsächlich geprügelt wird, erinnern an einen laschen Wildwestfilm. Spannung? Gänsehaut? Fehlanzeige!

    Die Sprache wurde dem Setting angepasst. Da die Geschichte hauptsächlich auf den Strassen, Bordellen, Clubs und Hinterhöfen von Vegas spielt, ist diese sehr derb. Gossensprache, mit einer Vorliebe aller Figuren für das Wörtchen "Mutherfucker"…das gefühlt auf jeder zweiten Seite eingesetzt wird.

    Ach ja, der Autor hat auch die Comicsprache eingesetzt….vielleicht um besonders dringlich zu zeigen, dass diese Szene spannend sein soll? Drei Mal: "ZACK - KLACK! BOOM ! ZACK - KLACK ! (Seite 247) !

    Die Nebenfiguren bleiben oberflächlich und blass und sind sehr klischeehaft. Für den "genialen Privatdetektiv", wie er laut Klappentext genannt wird, konnte ich mich gar nicht erwärmen. Ich weiss nicht, wie seine Verwandlung geschehen konnte. Doch seit dem letzten Band hat er sich negativ verändert. Was in "IQ " noch witzig daher kam, ist nun spröde und langatmig.

    Dieses Buch ist die Fortsetzung von " IQ " und ein Beweis, dass meist der weite Teil nur ein Abklatsch des Ersten ist. Hier habe ich mich durchgequält und kann kaum fassen, dass ein Buch auf dem Thriller steht so wenig spannend sein kann.

    1. Stille Feinde

      (Ø)

      Verlag: Suhrkamp Verlag


  • In dem Buch geht es um IQ, einen Privatdetektiv mit großem Herz für die einfachen und ärmeren Leute hat.
    Eine Sache lässt ihn seit 8 Jahren nicht los-der Unfalltod seines Bruders Marcus. Er glaubt nicht an einem Unfall und vermutet Mord dahinter, dieser Verdacht spitzt sich zu als er den Wagen auf einem Schrottplatz findet, der der Beschreibung nach dem Unfallauto gleicht.
    Dann meldet sich die Freundin seines Bruders, denn ihre Halbschwester hat Spielschulden und somit unangenehme Personen gegen sich.

    Das Buch hat mir gut gefallen. Es ist voller Action und Spannung. Das Buch besteht aus zwei Handlungssträngen, was ich sehr gut finde.
    IQ finde ich als Charaktere gut beschrieben und man fühlt sehr mit seiner Trauer um den Bruder mit. Ein sehr unterhaltsames Buch mit gutem Ende!

  • Mickrige Palmen und windschiefe Strommasten - West Coast Glamour sieht anders aus! Und der Beginn der Story hält, was das Cover verspricht. Die Szenerie ist pure Tristesse, das Personal Trash. Im Zentrum ein Detektiv der anderen Sorte. Schon seine Initialen lösen beim Leser ein Schmunzeln aus: I.Q. Vollkommen angemessen, denn er verfügt nicht nur über eine überragende Intelligenz, ein überaus klares Denkvermögen. Darüber hinaus ist er mit Instinkten ausgestattet, die ihm stets das richtige Bauchgefühl vermitteln. Seiner eigenen Herkunft entsprechend sieht er sich als Anwalt der kleinen Leute, in seiner beruflichen Tätigkeit kümmert er sich zunächst um deren Belange. Doch in diesem Roman öffnet sich für ihn eine neue Dimension. Eine alte, nie vollständig vernarbte Wunde bricht erneut auf: der Verlust seines Bruders hat ihn zwar traumatisiert, aber mit einem inneren Kompass ausgestattet. Traumwandlerisch sicher bewegt sich der junge Isaiah durch einen sozialen Dschungel - Der Roman jagt seinen Ermittler ohne Lizenz quer durch die unterschiedlichsten Milieus von Kalifornien, I.Q. kommt mit sozialen Aufsteigern ebenso in Kontakt wie mit knallharten Gangstern. Die abgebrühte Sprache, der lakonische Witz machen dem Leser knallhart klar: diese Lektüre wird kein Spaziergang!

  • Beitrag an bestehenden Thread angehängt :wink:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Tad Williams - The Witchwood Crown
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

    :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • Der siebzehnjährige Isaiah muss hilflos mit ansehen, wie sein großer Bruder vom Fahrer eines Honda Accords überfahren wird. Der Fahrer flüchtet und für Isaiah bricht eine Welt zusammen. Acht Jahre später findet er zufällig auf einem Schrottplatz eben jenen Unfallwagen und stellt fest, dass der Fahrer wohl gezielt einen Anschlag auf Marcus verübt haben muss. Trotz dieses traumatischen Erlebnisses und seinen Abbruch der Schulbildung, steht er mit beiden Beinen im Leben. Ein hartes, entbehrungsreiches Leben erst als Dieb und später als Privatermittler für die eher kleinen Fälle. Seine Klienten sind allesamt nicht vermögend sehen sich aber mit Problemen wie Stalking, Mobbing und auch Diebstahl konfrontiert.



    Als ich das Cover das erste Mal sah, dachte ich eigentlich einen Roman von Don Winslow vorzufinden. Da habe ich mich getäuscht, doch der Sprachstil und die Art des Autors seine „Geschichte“ zu erzählen sind doch irgendwie ähnlich.

    Joe Ide zeichnet nicht das typische Bild von L.A. keine sonnengebräunten Bikinimädchen, keine heißen Schlitten. Nein hier werden die dunklen Seiten gezeigt, die Bandenkriminalität, Drogen- und Spielsucht und zwischendrin Leute die entweder das Eine bekämpfen oder vom Anderen quasi überrollt worden sind.



    Der Schreibstil des Autors ist äußerst kompakt und viele Informationen sind sehr geschickt versteckt und genau aus diesem Grund handelt es sich in meinen Augen nicht um einen Thriller , denn es kommt so gut wie gar kein Spannungsaufbau zustande. Die vielen verschiedenen Zeitsprünge, parallel verlaufenden Handlungen und eine ausufernde Anzahl von Personen verhindern einen Spannungsaufbau komplett. Zunehmend hat mich auch die Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung des I.Q. und der Reflektion durch sein Umfeld gestört. Es wird ständig betont wie klug er doch ist, seine Handlungen lassen darauf aber keinesfalls schließen.


    Ich habe mir tatsächlich wesentlich mehr von diesem Thriller versprochen.

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