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Caroline Bernard - Die Muse von Wien

Die Muse von Wien

4.4 von 5 Sternen bei 8 Bewertungen

Band 6 der

Verlag: Aufbau

Bindung: E-Book

Seitenzahl: 474

eISBN: 9783841214812

Termin: Neuerscheinung Mai 2018

Klappentext / Inhaltsangabe: Muse, Künstlerin, Geliebte. Klimt war ihre erste Liebe, für Gustav Mahler wird sie zur Muse - Alma Schindler wächst inmitten der Wiener Boheme auf, ist in den Salons der schillernden Metropole zu Hause, verfolgt den Aufstieg der Secession, inspiriert und verführt. Und sie ist Künstlerin, ihre Leidenschaft gehört dem Klavierspiel, vor allem der Komposition. Bis sie Gustav Mahler trifft und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Gustav erwidert ihre Liebe, jedoch zu einem hohen Preis: Für ihn soll sie ihre Kunst aufgeben ... Die Geschichte einer der faszinierendsten Frauen im Wien der Jahrhundertwende.
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  • Anfang des 20. Jh. Wien. Als Tochter des bekannten Malers Emil Jakob Schindler in einer wohlhabenden Wiener Familie aufgewachsen, ist die 20-jährige Alma Schindler schon in jungen Jahren eine begehrte Frau, da niemand ihrer Schönheit wiederstehen kann. Aber Alma ist auch künstlerisch begabt, liebt die Musik und komponiert selbst. Sie träumt davon, durch ihr eigenes Werk berühmt zu werden. Durch die Kontakte ihrer Familie bewegt sie sich in den besten, aber auch in illustren Kreisen, zu denen bekannte Maler, Literaten und Musiker gehören. Nach einer kurzen Liaison mit dem Maler Gustav Klimt verliebt sie sich auf den ersten Blick in den zwanzig Jahre älteren Musiker Gustav Mahler, als sie einander vorgestellt werden. Auch Mahler ist ihr gleich verfallen und umwirbt sie, macht ihr jedoch auch sofort klar, dass er nur die Ehe mit ihr eingehen wird, wenn sie ihrerseits die Musik aufgibt, so dass es keine Konkurrenz in ihrer Ehe geben wird. Alma lässt sich darauf ein, doch beschert ihr das ein Leben an der Seite eines Egomanen sowie den Verzicht auf die Dinge, die sie immer geliebt hat…


    Caroline Bernard hat mit ihrem Buch „Die Muse von Wien“ einen sehr gefühlvollen und spannenden historischen Roman über Alma Mahler (geborene Schindler) vorgelegt und sie dadurch wieder zum Leben erweckt. Der Schreibstil ist flüssig und emotional, schnell taucht der Leser in eine vergangene Zeit und bewegt sich an der Seite von Alma in der Wiener Künstlerszene, erlebt sie beim Musizieren und Komponieren, aber auch dabei, wie sie den Männern reihenweise den Kopf verdreht und genau um ihre Wirkung weiß. Die Autorin hat eine akribische Hintergrundrecherche betrieben und die Historie wunderbar mit ihrer Handlung verwebt. Fiktion und Realität verschmelzen hier auf ganz besondere Weise und lassen neben Alma auch Gustav Mahler und einige andere wiederauferstehen. Ebenso zeichnet die Autorin einen guten Querschnitt durch die damalige Wiener Künstlerszene und die Rolle der Frau zur damaligen Zeit. Die schwierige Lage der Juden in Europa sowie die Reisen und auch die klamme Haushaltslage der Mahlers sind gut inszeniert. Die Streifzüge durch Wien und New York sind lebhaft und farbenfroh und bilden die damalige Zeit wunderbar ab.


    Die Charaktere sind sehr detailliert gezeichnet und mit Leben versehen worden, so dass dem Leser das Empfinden vermittelt wird, bei seiner gedanklichen Zeitreise die persönliche Bekanntschaft dieser illustren Künstlerschar zu machen. In jungen Jahren ist Alma eine lebenshungrige und quirlige Frau, die sich nimmt, was sie will. Sie hat eigene Wünsche, träumt davon, mit ihrer eigenen komponierten Musik einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Doch dann wandelt sie sich völlig, als sie mit Mahler verheiratet ist, denn ihr sind die Hände gebunden. Durch das Versprechen, dass sie Mahler gegeben hat, hat sie sich ihr eigenes Gefängnis geschaffen, aus dem sie nicht mehr herauskommt. Sie gibt alles, was sie einst geliebt hat auf und ordnet sich ihrem Mann völlig unter, der sie oftmals mehr als Bedienstete behandelt, denn als geliebte Ehefrau. Man sieht Alma regelrecht verschwinden und nur noch als Schatten ihrer selbst ihre Pflicht tun. Von der einst sprühenden Frau ist nichts mehr übrig. Gustav Mahler isst ein sehr unnahbarer Mann, der kein anderes Talent neben seinem eigenen akzeptieren kann und will. Er ist ein Abbild seiner Zeit, in dem Frauen nur für den Haushalt, die Kinder und zur Unterstützung des Mannes da zu sein hatten.


    „Die Muse von Wien“ ist ein gelungenes Abbild der damaligen Gesellschaft und mit Alma Mahler als tragische Figur derselben. Ein sehr fesselnder Roman, der den Leser mitreißt und mit der Hauptprotagonistin mitleiden lässt. Absolute Leseempfehlung für ein Highlight!


    Spannende :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • "Ich weiß, daß der Mann in der Welt draußen das Pfauenrad zu schlagen hat, während er sich zu Hause »ausruhen« will. Das ist das Los der Frau. Aber nicht das meine!" (Alma Mahler-Werfel)


    Wenn man so will, zeigt dieses Zitat den Lebensentwurf von Alma Mahler-Werfel auf, die im Mittelpunkt des historischen Romans "Die Muse von Wien" von Caroline Bernard steht. Klimt war ihre erste Liebe, für Gustav Mahler wird sie zur Muse – Alma Schindler wächst inmitten der Wiener Boheme auf, ist in den Salons der schillernden Metropole zu Hause, verfolgt den Aufstieg der Secession, inspiriert und verführt. Und sie ist Künstlerin, ihre Leidenschaft gehört dem Klavierspiel, vor allem der Komposition. Bis sie Gustav Mahler trifft und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Gustav erwidert ihre Liebe, jedoch zu einem hohen Preis: Für ihn soll sie ihre Kunst aufgeben …


    Das Cover des historischen Romans erinnert an ein Portrait in Sepia und zeichnet sich durch eine schlichte Eleganz aus. Der Betrachter sieht eine vornehm gekleidete Frau vor einem historishcen Gebäude in Wien stehen. Ihr hochgeschlossenes weißes Kleid wirkt züchtig , der Saum des Rockes bedeckt die Knie und die Schuhe sind eher praktisch. Trotzdem bleibt der Blick des Betrachters an ihr hängen. Ihre Haltung wirkt selbstbewusst, stolz und aufrecht, und sie trägt nicht nur einen kecken modischen Hut, sondern auch einen auffälligen Mantel lässig über ihrem Arm, die in einem leuchtenden roten Farbton schimmern. Auch der einprägsame Titel des Buches greift das Motiv der Liebe auf und ist in fein geschwungenen, großen roten Lettern gestaltet worden.


    Tatsächlich zieht sich die Liebe wie ein roter Faden durch die Lebensgeschichte von Alma Mahler-Werfel, die sich nicht in das enge Korsett der traditionellen Pflichterfüllung pressen lassen, sondern ihr Schicksal nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten wollte und als eine femme fatale in der Kunst-, Kultur- und Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts gilt.


    Caroline Bernard schreibt in einem mitreißenden Stil, und es gelingt ihr mühelos, ihre schillernde Protagonistin in ihrem historischen Roman zum Leben zu erwecken. Das Geschehen wird aus der Perspektive von Alma vermittelt, und man kann sich in die gefühlvolle, mitunter launische und kapriziöse schöne junge Frau einfühlen, wenn wir sie auf ihrem Weg durch die Salons in der Metropole der K. und K. Monarchie begleiten. Trotzdem ist Alma mehr als ein oberflächliches Party-Girl, das sich in der Bewunderung von berühmten Zeitgenossen sonnt. Krankheit und Tod sind ihre ständigen Begleiter, und sie erweist sich im Laufe ihres Lebens als eine starke Persönlichkeit, die zahllose Schicksalsschläge hinnehmen und den Verlust von Vater, Partnern und Kindern verkraften muss.



    Auch wenn sie die gemeinsamen Jahre mit dem Musiker Gustav Mahler in der Retrospektive verklärt, ist ihre Verbindung nicht glücklich; der wesentlich ältere Workaholic zeigt sich als ein egozentrischer Macho, der nach ständiger Aufmerksamkeit und Bewunderung verlangt und seiner freiheitsliebenden Frau das Leben an seiner Seite nicht leicht macht. Insoweit ist ihre Flucht in eine leidenschaftliche Affaire mit Walter Gropius, der ihr zweiter Mann nach dem Tod von Gustav Mahler wird, durchaus nachvollziehbar.



    Eine eigene Karriere blieb Alma Mahler-Werfel verwehrt. Trotzdem hat sie als Muse, Künstlerin und Geliebte ihre Spuren in der Zeitgeschichte hinterlassen. Mich hat dieser historische Roman sehr beeindruckt, und ich würde mich über eine Fortsetzung freuen. Gern vergebe ich die Höchstpunktzahl von 5 Sternen.

  • Meine Meinung:

    Ende der 80er Jahre reiste ich mit zwei Freunden nach Wien - einzig um das Hundertwasserhaus und das Secession-Gebäude mit Klimts Beethoven-Fries zu sehen. Klimts Bilder faszinieren mich heute noch. Gustav Mahlers Symphonien hingegen mag ich nicht so, aber mich interessierte die Geschichte um die Frau, die diesen beiden (und vielen anderen) Männern den Kopf verdrehte.


    In "Die Muse von Wien" begleiten wir Alma Schindler von 1886 bis 1911, also von ihrem siebzehnten Lebensjahr an bis kurz nach dem Tode Gustav Mahlers. Alma wird als schöne und lebenslustige Frau beschrieben, die gerne die Oper und Gesellschaften besucht und zu flirten weiss. Ganz Wien ist angetan von Alma, doch sie will eigentlich nur den Maler Gustav Klimt. Als dies nicht klappt, lässt sie sich auf Gustav Mahler ein und heiratet bald darauf den viel älteren Musiker. Alma ist eine begnadete Klavierspielerin und liebt es stundenlang am Klavier zu sitzen, zu spielen, Texte zu vertonen und zu komponieren. All dies gibt sie mit der Hochzeit auf, denn Mahler wünscht es sich so. Ob sie wirklich weiss, auf was sie sich da einlässt?


    Mir gefiel Caroline Bernards "Rendezvous im Café de Flore" einiges besser als der vorliegende Roman. Im erstgenannten Buch konnte die Autorin aufgrund zweier Zeitebenen kreativer schreiben und konnte bei der Gegenwartsgeschichte ihre Fantasie walten lassen. Da "Die Muse von Wien" ausschliesslich historischen Persönlichkeiten gewidmet ist, bleibt logischerweise die Fantasie auf der Strecke. Die Autorin muss sich an Fakten halten und hat nur einen kleineren Spielraum, um eigene Ideen einzubringen. Wenn dann noch die Protagonistin eine diffizile Person ist, wird es als Leser schwierig, Begeisterung für das Gelesene aufzubringen.


    Alma ist leider genau solch eine Protagonistin, eine anstrengende Person, zu der ich keine Verbindung aufbauen konnte. Unreif, über weite Strecken fordernd, dann aber auch übertrieben unterwürfig. Es macht den Schein als ob sie nur auf Mahlers Forderungen einging, damit sie als verheiratete Frau von ihrer Mutter wegkommt.


    Die Männer aber fand ich alle noch schwieriger. Gustav Klimt, der hinter allen Rockzipfeln her war; Walter Gropius, der sich unmöglich verhält; und der egozentrische Gustav Mahler. Eindrücklich geschildert waren in dem Zusammenhang die Szenen bei der Sommerfrische, als Alma sich auf Familienzeit freute, Gustav sich aber erneut absonderte und absolute Ruhe, sogar von den Nachbarn und Bauern ringsherum, verlangte.


    Man ärgert sich beim Lesen total und würde die eine oder andere Figur am liebsten auf den Mond schiessen. Für Autoren ist es sicher nicht leicht, solche schwierigen historischen Persönlichkeiten darzustellen, denn viele Leser mögen solche Figuren nicht sehr. Caroline Bernard ist es aber gelungen, eine flüssige und gut lesbare Geschichte über Alma zu erzählen und die Figuren glaubhaft darzustellen. Gerade in der oben beschriebenen Situation konnte ich gut mit Alma mitfühlen, wenn sie sich allein gelassen fühlte.


    Trotzdem fehlte mir in Almas Darstellung teilweise eine gewisse Tiefe, damit man ihr Tun oder ihre Gefühle besser nachvollziehen hätte können.


    Fazit:

    "Die Muse von Wien" liefert einen interessanten Einblick ins Wien Anfang des 20. Jahrhunderts und ins Leben von Alma und Gustav Mahler.

    3.5 Punkte :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: