Bettina Storks - Das geheime Lächeln

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Das geheime Lächeln

3.9|7)

Verlag: Diana Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 480

ISBN: 9783453359741

Termin: März 2018

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  • Die freie Journalistin und Übersetzerin Emilia Lukin lebt mit Ehemann Vladi, einem Arzt, in einem kleinen Ort in der Nähe von Baden-Baden. Die Söhne Leo und Mischa sind bereits aus dem Haus und ihre kranke Mutter Pauline lebt in einer psychiatrischen Einrichtung. Emilia und Vladi haben Eheprobleme, weil Vladi sich einen Seitensprung geleistet hat, seitdem herrscht Eiszeit zwischen den beiden. Als Emilia den Auftrag bekommt, einen Auktionskatalog zu übersetzen, findet sie dort im Angebot das Foto eines Gemäldes mit dem Abbild einer Frau. Die „Frau im Schatten“ ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten, so dass Emilia vermutet, es handelt sich um ihre Großmutter Sophie Langenberg. Sophie galt als schwarzes Schaf der Familie und wurde von der Familie verstoßen, als sie als junge Frau in den 30er Jahren nach Paris ging. Seitdem hat niemand mehr über sie gesprochen, so ranken sich dementsprechend viele Geheimnisse um Sophie. Auch ihre Tochter Pauline wuchs ohne ihre Mutter auf und hat keine Erinnerungen an Sophie. Emilia ist neugierig und fährt zu der Auktion, am Ende ersteigert sie das Bild für sich. Doch sie will mehr über die „Frau im Schatten“ erfahren, deshalb fährt für einige Wochen nach La Lumière im Luberon, wo Sophie ein altes Haus besaß, welches sie nach dem Tod ihrer Tochter Pauline vererbte. Dort in der Abgeschiedenheit erhofft sich Emilia Abstand von ihren eigenen Problemen mit Vladi und vor allem endlich Informationen über ihre Großmutter Sophie. Durch Zufall lernt sie Jean-Pierre kennen, einen geheimnisvollen alten Mann, der ihre Großmutter gekannt hat und mit Sicherheit die Lücken füllen könnte. Aber Jean-Pierre ist ein schwieriger Zeitgenosse...


    Bettina Storks hat mit ihrem Buch „Das geheime Lächeln“ einen spannenden halb historischen Roman vorgelegt, der zu fesseln weiß. Der Schreibstil ist flüssig, dabei atmosphärisch dicht und an manchen Stellen sogar poetisch zu nennen. Der Leser wird gleich in den Bann gezogen durch den geheimnisvollen Prolog, der einen während der Lektüre immer wieder ins Gedächtnis kommt. Die Landschaftsbeschreibungen des Luberon sind so bildgewaltig und farbenfroh, dass man die zauberhafte Gegend regelrecht vor Augen sieht und die ockerfarbenen Felsen fast mit den Händen greifen kann. Die Handlung teilt sich in zwei Zeitebenen auf, die eine berichtet von der Gegenwart rund um Emilia, ihrer Familie und ihren Nachforschungen. Die andere lässt die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder aufleben und erzählt von Sophie und ihrem damaligen Leben in Paris bzw. in Frankreich. Durch den unregelmäßigen Wechsel der verschiedenen Zeitebenen gelingt es der Autorin, die Spannung der Handlung immer weiter zu steigern. Sie lässt den Leser die Geschichte Stück für Stück entdecken gleich einem Puzzle, das am Ende ein vollständiges Bild zeigt. Doch leider ist dies nicht so sehr gelungen wie in den anderen Romanen der Autorin. Die Geschichte ist zwar spannend und interessant, doch bleiben am Ende noch einige Fragen offen, die leider nicht beantwortet werden. Einige Male wirkt die Handlung recht verworren, da fehlt es dem Leser an mehr Informationen, um die Zusammenhänge zu verstehen.


    Die Charaktere sind sehr individuell ausgearbeitet und wirken aufgrund ihrer Stärken und Schwächen sehr authentisch und real. Der Leser kann sich sehr gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen und kann sowohl mit ihnen leiden als auch Hoffnung empfinden. Emilia ist eine patente Frau, die von ihrem Ehemann vor kurzem sehr enttäuscht wurde. Sie kann bisher nicht verzeihen und macht sich dadurch auch das Leben schwer. Gleichzeitig ist sie eine neugierige und sture Frau, die sich in ihren Nachforschungen verbeißt und oftmals sehr ungeduldig und aufbrausend wird, wenn sie diese nicht schnell genug vorantreiben kann. Sie ist eine Frau, die ihre Emotionen lebt und sie nicht hinter einem Schleier versteckt. Ehemann Vladi ist ein netter Mann, der sehr geduldig und zuvorkommend ist. Jean-Pierre ist ein distinguierter älterer Herr, der bereits ein langes und ereignisreiches Leben geführt hat. Er ist verschwiegen, besitzt eine schriftstellerische Ader und wahrt die Dinge, die er erlebt hat, bis zuletzt. Er vertraut nicht leicht und muss jemanden erst besser kennen, bevor er sich nach und nach öffnet. Sophie ist eine interessante Frau, die bereits in jungen Jahren lernen musste, dass sie durch ihre eigenen Vorstellungen und dem Vorsatz, ihr eigenes Leben führen zu wollen, eine Geächtete in der eigenen Familie wurde. Ebenso musste sie einen Verrat unter Freunden verdauen und auf das Wichtigste in ihrem Leben verzichten. Doch sie hat sich nie unterkriegen lassen und einige wenige ihrer Träume erfüllt. Auch die übrigen Protagonisten wie der alte Bonnet, Fugin oder Chloè bereichern durch ihr Auftreten die Handlung.


    „Das geheime Lächeln“ ist ein fesselnder Roman, der Familiengeheimnisse und Historie in sich vereint. Alle Liebhaber dieses Genres werden diesen Schmöker lieben, man sollte allerdings etwas verquere Verhältnisse mögen und nicht enttäuscht sein, dass so einige Dinge im Dunkeln bleiben. Eine Leseempfehlung verdient das Buch aber dennoch.


    Unterhaltsame :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:.

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2018: 326/ 128525 Seiten

  • Meine Meinung:

    Der wunderbar geheimnisvolle Titel machte mich neugierig. Ja, ich wollte wissen, was es mit diesem geheimen Lächeln auf sich hat.


    Das Lächeln gehört zu Sophie Langenberg. Zu sehen ist es auf einem Bild, das Emilia Lukin bei der Arbeit an der Aufstellung für eine Auktion plötzlich auffällt. Die Frau auf dem Bild erinnert Emilia an ihre Grossmutter. Da sie diese nur vom Hörensagen kennt, beginnt Emilia nachzuforschen. Sie möchte wissen, für wen und wieso Sophie dem Maler Model gestanden ist - und wem dieses Lächeln gilt. Ihre Neugier führt sie an verschiedene Orte in Frankreich, wo Emilia schlussendlich die ganze Wahrheit über ihre Familie erfährt.


    Im ersten Erzählstrang lernen wir Emilias Familie - Ehemann Vladi, ihre Söhne Leo und Mischa samt ihrer Mutter Pauline - kennen und begleiten Emilia später auf die Reise an die Stationen, an denen Sophie lebte.


    Emilia und ihre Familie wirken sehr distanziert, ich spürte kein herzliches Verhältnis. Dazu trägt bei, dass die Eltern nicht mit Mama/Papa, sondern mit den jeweiligen Vornamen angesprochen werden. Emilia kommt als nüchterne und innerlich gehetzte Person rüber. Als sie beispielsweise im Luberon ankommt, erfährt der Leser, dass Emilia schon im Voraus Möbel bestellte. Alles voraus geplant, aber ihren Job-Auftrag hat sie vergessen?


    Nicht nur diese Szene wirkte konstruiert. Es werden spezielle Leitsätze in die Geschichte hinein drapiert und wie ein Mantra wiederholt. Diese Repetitionen wirkten mir zu inszeniert und unterbrechen den Lesefluss. Die Landschaften hingegen wurden sehr schön beschrieben, aber auch hier empfand ich vieles als zu gewollt poetisch.


    Mir gefiel der zweite Erzählstrang, in dem man Sophies Geschichte erfährt, viel besser und die Charaktere wesentlich sympathischer. Von Sophie hätte ich gerne noch mehr erfahren. Die Geschichte über Jean-Pierre Roche in Dieulefit fand ich aufschlussreich und sehr interessant eingewebt. Mein Lieblingsmensch ist aber der, der beide Teile miteinander verbunden hat: eindeutig Auktionar Thierry Bonnet.


    Fazit:

    Gut recherchierte und nette Geschichte, doch durch die sprachliche Distanziertheit konnte ich keine Emotionen zu der Protagonistin aufbauen.

    3.5 Punkte. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

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