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Alexander Pechmann - Sieben Lichter

Sieben Lichter

3.3 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Verlag: Steidl GmbH & Co. OHG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 166

ISBN: 9783958293700

Termin: März 2018

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  • In der kleinen Hafenstadt Cove liegt 1823 die "Mary Russell" vor Anker. Sie ist kein gewöhnliches Schiff, sondern Gegenstand einer Ermittlung und heißer Spekulation: in der Kajüte befinden sich die Leichen von sieben brutal erschlagenen Männern, der Kapitän ist verschollen. Dem Forscher und Prediger William Scoresby und seinem Schwager fällt die Aufgabe zu, die wenigen Überlebenden zu befragen und sich anhand der Zeugenaussagen ein Bild zu machen, warum und vor allem durch wen die sieben Seeleute zu Tode gekommen sind.


    Nach und nach setzt sich aus den zunächst teils widersprüchlich erscheinenden Augenzeugenberichten ein plausibles Bild zusammen, das die meisten Fragen beantwortet, dem Theologen Scoresby aber in ganz anderer Hinsicht Rätsel aufgibt.


    Alexander Pechmann trifft in diesem modernen Roman ausgezeichnet den Erzählton eines im positiven Sinne altmodischen Seefahrtsabenteuers (auch wenn die "Mary Russell" höchstens in Rückblenden tatsächlich auf See ist) und vermag sich auch hervorragend in die Denkweise jener Zeit hineinzuversetzen, in der etwa dem vermeintlichen Willen Gottes noch eine ganz andere Bedeutung zugemessen wurde, ohne aber in verquaste Philosophiererei zu verfallen.


    Mit 161 Seiten ist das Buch nämlich von der schmalen Sorte und schön kompakt gebaut. Zwar spielt sich ein Großteil der Handlung nicht "live" ab, sondern wird in Form mündlicher Augenzeugenberichte serviert, doch dadurch sind wir sofort mitten in den Nachforschungen und können gemeinsam mit den beiden "Ermittlern" trefflich spekulieren, was wirklich passiert sein könnte. Das Ganze kommt eher als psychologische Studie denn als Krimi daher, was dem Spannungsgehalt aber überhaupt keinen Abbruch tut und auch nicht bedeutet, dass es ein Buch für Zartbesaitete ist - die Beschreibungen von Tatort und -hergang haben es durchaus in sich.


    Ein sehr schöner kleiner Roman für Liebhaber von Segelschiffen, Meutereien und Seebären mit dem zusätzlichen Plus, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. (Das Buch von Scoresby, das im Roman über den Fall verfasst, existiert tatsächlich, gilt aber im Gegensatz zu diesem hier aufgrund zahlreicher theologischer Exkurse als ziemlich unlesbar :lol: ).

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Ich habe dieses Buch heute beendet und weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.

    Es ist von der Thematik gesehen interessant, weil es sich hier um einen Roman zu einem realen historischen Fall handelt. Zu Beginn hatte ich gewisse Probleme, die Aussagen der verschiedenen Seeleute, bzw. deren Persönlichkeiten auseinanderzuhalten. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich dann besser heraus, was an Bord wohl vorgefallen war. Ich habe aber irgendwie ein Aha-Erlebnis vermisst. Mit der Hauptfigur Scoresby (Schwager des Erzählers) konnte ich nichts anfangen. Warum hat er sich so in den Fall verbissen, statt sich um seine reguläre Arbeit und um seine frisch angetraute Ehefrau zu kümmern?:-k

    Vom Sprachstil hat der kurze Roman mir gut gefallen, die Sprache des Ich-Erzählers wirkt authentisch.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich hab's leider schon wieder vergessen, aber hatte Scoresby nicht irgendeinen offiziellen Auftrag, die Überlebenden zu befragen?

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Ich hab's leider schon wieder vergessen, aber hatte Scoresby nicht irgendeinen offiziellen Auftrag, die Überlebenden zu befragen?

    Ja, das ist möglich, aber er hat sich ja total in diesen Fall verbissen und wollte auch ein paar Jahre später keine Ruhe geben.

    Anstelle des Schwagers (Ich-Erzähler) hätte es mir im Übrigen gar nicht gefallen, dass Scoresby ständig mit anderer Menschen Angelegenheiten beschäftigt war und seine Frau Elizabeth so vernachlässigte.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ja, die Ehefrau tat mir auch leid.


    Dass es manche Fälle gibt, die den Ermittler extrem beschäftigten und nicht loslassen, finde ich allerdings gar nicht mal so weit hergeholt. (Aber natürlich sehr anstrengend für dessen Umfeld.)

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

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