Mareike Fallwickl - Dunkelgrün fast schwarz

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Dunkelgrün fast schwarz (Debütromane in ...

4|3)

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 480

ISBN: 9783627002480

Termin: März 2018

  • "Ein österreichisches Debut, das einschlagen wird wie ein Böller auf einem Blechdach".

    Rotraud Schöberl, Buchhändlerin, bei Puls 4 "Cafe Puls"


    Verlag:

    "Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn – mit unberechenbarer Wucht. Mareike Fallwickl erzählt von Schatten und Licht, Verzweiflung und Sehnsucht, Verrat und Vergebung. Ihr packendes Debüt bringt alle Facetten der Freundschaft zum Leuchten, die Leidenschaft, die Sanftheit – und die Liebe, in ihrer heilsamen, aber auch funkelnd grausamen Pracht."


    Die Autorin (Klappentext):

    Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog. Für ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.


    Und meine Meinung:

    Die Geschichte wird in zeitlichen Sprüngen erzählt sowie aus verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Erzählhaltungen und -Zeiten. Nur die Hauptperson spricht nicht, über sie wird gesprochen, und so entfaltet sich die Geschichte einer kranken "Freundschaft".


    Der Plot ist, für sich betrachtet, spannend und interessant. Eine problematische Dreiecksbeziehung, die sich nach 17 Jahren in einer Art Katharsis (?) entlädt. Im Mittelpunkt steht Raffael: ein devil in disguise. Er heißt wie ein Engel, er sieht aus wie ein Engel, aber er ist ein Dämon. Er manipuliert, quält, dominiert. Wieso ist er so? Fallwickl macht es sich einfach: er ist eben ein "Arschlochkind", Punkt. Und damit der Leser nicht nachfragt, wieso das denn so ist, ob es vielleicht wirklich von Natur aus böse Menschen gibt und vielleicht einen Einblick in seine Seele erwartet, wiederholt sie das ständig.

    Wie so vieles andere auch.

    Gegen Ende des Buchs ein neuer Gedanke: seine Mutter ist schuld, zu wenig Liebe, und sein Vater war auch schon so. Aha? Transgenerationale Weitergabe? Auch da hätte ich mir mehr Differenzierung gewünscht...


    Moritz, Raffaels "Freund" und Opfer, ist offenbar synästhetisch begabt und sieht einige seiner Mitmenschen in einer farbigen Aura. Das ist doch mal ein schöner Ansatz, den die Autorin nicht nutzt. Sie erwähnt es wiederholt und macht nichts draus. Schade, aber das passiert ihr öfter.


    Andere Motive wiederum finden kein Verständnis bei mir. So erhält z. B. Moritz keine Ausbildung mit der Begründung, seine Freundin sei schwanger -?? Sein Vater durfte in derselben Situation immerhin sein Medizinstudium abschließen.

    Oder: die Ehefrauen sind unzufrieden, durch die Bank. Und auch der Grund dafür wird undifferenziert angeboten: die beiden Kinder. Klar.

    Solche und viele andere Klischees durchziehen das Buch und haben mir das Lesen erschwert.


    Ein Literaturblog rühmt die Sprache, "in die man eintauchen möchte, in der man Worte schmecken, fühlen und riechen kann und die die Buchstaben auf Papier zum Tanzen bringen. Sätze, nach denen man seine Hand ausstrecken will, um sie heranzuziehen und zu umarmen."

    Boahhhhh .....


    Fallwickl hat durchaus sprachmächtige Momente, aber ich habe den Eindruck, dass sie die Latte zu hoch gelegt hat.

    Einige Beispiele:


    " Er sieht den zementfarbenen Schleier der Erschöpfung auf ihren Augenlidern. Eine schimmerblaue Unsicherheit in ihrem Schulterkreisen. Ihre Empörung macht ein klackendes Geräusch." (S. 221)


    "Die Wut klebt an ihrem Körper wie eine Zuckerschicht, feinkörnige Brösel aus Zorn." S. 224


    "Das Sehnen sitzt auf ihrer Schulter und kratzt über ihre Haut, sie kann es im Spiegel sehen, als verwischten Schatten. Fick dich, sagt Jo. " S. 291


    Das mag vielen gefallen, mir nicht. Ich finde es nur gewollt und überzogen, aber ich bin offensichtlich nicht der richtige Leser für dieses hochgelobte Buch.

    Und da diese Rezension sowieso niemand liest, mag es damit genug sein.






    :study:Thea Dorn, Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten.

    :study:immer wieder mal: Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum.

    :musik:Christoph Ransmayr, Der fliegende Berg.

  • drawe

    Hat den Titel des Themas von „Mareike Fallwickl - Dunkelgrün, fast schwarz“ zu „Mareike Fallwickl - Dunkelgrün fast schwarz“ geändert.
  • Oh doch...hab sie gelesen, deine Rezension und sie gefällt mir.

    Die Beispielsätze sind ja auch genau mein Fall :) Da fragt man sich dann, was soll eine "schimmerblaue Unsicherheit" sein. Als müsste man alles so krampfhaft "poetisch" ausdrücken.


    So vom Inhalt hört es sich aber an als könnte es mir gefallen. Hat es vielleicht Ähnlichkeit mit "Das Wunschspiel" von Patrick Redmond so von der Stimmung her?

  • Hat es vielleicht Ähnlichkeit mit "Das Wunschspiel" von Patrick Redmond so von der Stimmung her?

    Den Titel kenne ich nicht - vielleicht musst Du das selber herausfinden:)

    Danke für Dein positives Echo!

    :study:Thea Dorn, Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten.

    :study:immer wieder mal: Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum.

    :musik:Christoph Ransmayr, Der fliegende Berg.

  • Ich denke schon, dass die Rezensionen hier von vielen Usern gelesen werden, wenn auch meistens nicht kommentiert oder gelikt. Ich bin da leider auch nicht besser. Ich lese sie, schreibe aber nichts dazu. :uups:


    Nun, auf jeden Fall habe ich diese Rezension gelesen, die mir vom Aufbau her gut gefällt. Sachlich, übersichtlich gegliedert, mit Beispielen versehen - was will man mehr.

    Davon mal abgesehen, dass mich die Story an sich nicht reizt, enthält deine Rezi einige wirklich gut erklärte Gründe, die mich davon abhalten, dieses Buch jemals lesen zu wollen. (Und die Beispielsätze, die du außerdem rausgesucht hast, sind ja echt zum Schütteln.)


    Was ich damit sagen will: Lass dich vom fehlenden Feedback bitte nicht beirren oder entmutigen, drawe . Das wäre schade. :winken:

  • Wie so oft sieht man auch an Deiner Rezi, dass die über Bücher, die man nicht mochte interessanter sind als solche über 4-5 - Sterne - Werke:).


    PS: Das letzte Zitat musste ich mehrmals lesen, bis ich verstand, dass die Frau keine Nackenverspannungen hat. Ja, ja, das Sehnen und die Sehnen... :loool:.

  • Ich habe deine Rezension mit großem Interesse gelesen. :thumleft:


    Als der Roman im Februar erschienen ist, überschlug sich die Bloggerszene mit Begeisterungsstürmen. Die Marketingabteilung des Verlags hatte vorab ganze Arbeit geleistet. Sofern mich das Thema interessiert, was hier der Fall ist, lasse ich mich gern vom Hype anstecken und hole mir das Buch in der Bücherei, um mir selbst eine Meinung zu bilden. Ich habe es recht zügig und auch gern gelesen, aber es gab auch einiges, was mich gestört hat. Vor allem die Metaphern wirkten oft überzogen und gekünstelt. Hier wäre weniger oft mehr gewesen. Auch das sprachliche Abdriften ins Vulgäre hätte der Roman meiner Ansicht nach nicht gebraucht. Leider habe ich das Buch nicht mehr hier und kann keine Textbeispiele beisteuern, aber die von drawe genannten Zitate gehen sehr in die Richtung. Durch die wechselnde Erzählperspektive blieb die Spannung konstant und hat mich das Buch nur ungern aus der Hand legen lassen.


    Was das "Arschlochkind "angeht,



    Interessant fand ich, dass die Autorin Moritz mit einer synästhetischen Wahrnehmung ausgestattet hat. Das passte für mich gut zu seinem sensiblen Charakter und war auch eindrücklich umgesetzt. Anders als drawe hat mir da nichts gefehlt.


    Ich freue mich, eine neue Autorin kennengelernt zu haben, die ich trotz einiger Kritikpunkte im Auge behalten werde. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :montag: Verena Lueken - Alles zählt


    "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
    (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)


  • Das passte für mich gut zu seinem sensiblen Charakter

    Ja, das habe ich auch so gesehen. Und von daher hätte ich mir da etwas mehr gewünscht.

    Für mich blieben die Farben, auch die Farbspiele und ihre Positionierung, reines Ornament.


    überschlug sich dieBloggerszene mit Begeisterungsstürmen

    ... und an solche Bücher geht man mit einer gewissen Erwartungshaltung heran. Vielleicht bin ich deswegen eher enttäuscht

    als begeistert.


    Was das Vulgäre angeht: mich haben die ständigen "F... dich", "A..." etc. zunehmend mehr gestört - aber sie zeigen auch das Triebhaft-Böse

    des Raffael. Ich konnte mich irgendwie arrangieren:)

    :study:Thea Dorn, Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten.

    :study:immer wieder mal: Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum.

    :musik:Christoph Ransmayr, Der fliegende Berg.

  • Danke für die Rezension drawe , hat mich echt neugierig gemacht. Natürlich haben mich auch die weiteren Beiträge etwas "angefixt"

    Morgen kann ich es von der Onleihe runterziehen - "bin gespannt wie ein flitzebogen" :wink:

    Denn bei den Bloggern!!! mag sie hochgelobt sein, denn sie ist ja ebenfalls eine Bloggerin. Jedoch ich habe schon andere Literaturseiten gelesen welche nicht so positiv klingen.

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

  • schon andere Literaturseiten gelesen

    Die habe ich nicht gelesen, leider.


    Es ist nämlich ein unangenehmes Gefühl, wenn man mit seiner Meinung - die man sich ja gut überlegt hat -

    alleine dasteht.

    Ich denke da immer an den Aphorismus von Lichtenberg, der sinngemäß sagt:

    Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist nicht immer das Buch schuld.


    :study:Thea Dorn, Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten.

    :study:immer wieder mal: Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum.

    :musik:Christoph Ransmayr, Der fliegende Berg.

  • Es ist nämlich ein unangenehmes Gefühl, wenn man mit seiner Meinung - die man sich ja gut überlegt hat -

    alleine dasteht.

    "Das erste Mal tat's noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr und heut weiss ich, daran stirbt man nicht mehr" :lol::winken:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Lass dich vom fehlenden Feedback bitte nicht beirren oder entmutigen

    Du bist ja eine Liebe ...:love:

    Es war eigentlich mehr die Tatsache, dass niemand sonst das Buch hatte - jedenfalls als ich die Rezension geschrieben habe.

    Und da hatte ich so das Gefühl, dass ich die nur für mich schreibe.

    Ist ja auch kein Fehler ... :)

    :study:Thea Dorn, Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten.

    :study:immer wieder mal: Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum.

    :musik:Christoph Ransmayr, Der fliegende Berg.

  • vielleicht habe ich in die Endzeile deiner Rezension mehr hineininterpretiert, als du damit sagen wolltest.

    Nein, ich gebe es zu - es klang bisschen Frust mit.

    :friends:

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  • Ich habe etwas Angst, denn nach 20 Seiten lesen, befürchte ich durch die gelesenen Beiträge voreingenommen zu sein, denn wie ich -Moritz 2017 gelesen habe und nun -Marie 1986 habe habe ich den Eindruck das sind zwei verschiedene Personen welche das Buch geschrieben haben so unterschiedlich ist der Stil.


    Bei Moritz klingt die Sprache farbig, "An behäbige Eisbären und Weiß in allen Schattierungen, Zinkweiß, Bleiweiß, verräterisch strahlendes Barytweiß."

    Bei Marie sehr nüchtern, ohne grosses "Brimborium" erzählt sie ihre Geschichte.


    Ich kann mir noch kein richtiges Bild machen, vielleicht ist das gewollt von der Autorin. Da muss man sich jedoch daran gewöhnen.

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

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