Hala Kodmani - Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen / Seule dans Raqqa

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»Sie können mir den Kopf abschlagen, abe...

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Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 144

ISBN: 9783423261838

Termin: März 2018

  • Autorin: Hala Kodmani

    Titel: "Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen" - Ruqias tödlicher kampf auf Facebook

    Seiten: 144

    ISBN: 978-3-423-26183-8

    Verlag: dtv

    Übersetzerin: Elisabeth Liebl


    Autorin:

    Hala Kodmani ist Mitglied der Internationalen Organisation für Frankophonie und ehemals Mitarbeiterin der Arabischen Liga in Paris. Als Redakteurin schreibt sie für "Liberation", und beteilt sich an dokumentarische Arbeiten zum Nahen Osten. Sie ist die Schwester der Mitgründerin des Syrischen Nationalrats (der syrischen Opposition in Paris). Im Mai 2011 gründete sie den Verband Souria houria, der sich für den Sturz von Assad einsetzt. 2013 wurde sie für ihre Berichterstattung zu Syrien ausgezeichnet,


    Inhalt:

    Tagsüber war sie Lehrerin für Philosophie an einer Mädchenschule, abends schrieb sie zornige Kommentare auf Facebook: Ruqia Hassan lebte in Rakka und postete unter Pseudonym gegen Assad und den IS. Bis sie verraten und vom IS ermordet wurde. Hala Kodmani erzählt Ruqias Geschichte und lässt Ruqia mit ihren Original-Facebook-Einträgen zu Wort kommen. Kodmani hat das Lebensumfeld von Ruqia genau recherchiert. So gelingt es ihr, Ruqias Ängsten, ihren Hoffnungen, ihrer Liebe zu ihrem Land und ihrer wachsenden Wut Ausdruck zu verleihen. (Klappentext)


    Rezension:

    Inzwischen ist es ein undurchsichtiger Kampf an vielen Fronten geworden. Die Nachbarstaaten ringen um Einfluss im zerrüttelten Krisengebiet, Großmächte diesseits und fernab der Grenzen ergreifen mal Partei für die eine, mal für die andere Seite. Örtliche Machthaber tun ihr Übriges, um das Land im Zangengriff zu halten. Leidtragende sind die Bewohner Syriens. Eine von ihnen ist Ruqia, die sich unter den Pseudonym Nissan Ibrahim bemerkbar macht, und auf Facebook den Beginn und Zerfall des Arabischen Frühlings kommentiert, schließlich die Schreckensereignisse unter Assad, schließlich den IS, kommentiert. Die schlaue junge Frau beobachtet ihre Umgebung sehr genau, fällt schließlich den Ereignissen selbst zum Opfer. Zurückbleibt eine Facebookseite als Mahnmal gegen die Unmenschlichkeit.


    Hala Kodmani beschäftigt sich seit Jahren bereits mit der Situation Syriens und nimmt diese Geschichte zum Anlass, wachzurütteln. Stellvertretend für das Leben Tausender nimmt sie sich das Schicksal Ruqias vor, zeigt, wie die Ereignisse aus dem Ruder liefen, und vollzieht nach, wie dieses junge Leben mit Füßen getreten wurde. Dabei herausgekommen ist ein eindrücklich halbdokumentarisches Portrait einer Frau, die wusste, was sie wollte, jedoch sich ob der schrecklichen Ereignisse nicht verwirklichen und leben konnte, wie sie wollte. Sensibel wird das Leben Ruqias dargestellt, nichts geschönt, was zeigt, wie hart und grausam der Alltag zu den Menschen in Syrien geworden ist, wo jeder Tag ein neuer Kampf ums Überleben ist.


    Mehr gibt es dann auch nicht zum Inhalt zu sagen. Zu bedrückend ist diese Geschichte, diese biografische Kurzstück. Klar, in eindeutiger Sprache beschreibt Kodmani den Weg Ruqias in den syrischen Widerstand gegen Assad und den Terror des IS, zumindest der verbale auf Facebook, welches zum wichtigsten Austauschobjekt der syrischen Opposition wurde. Anhand ihrer dortigen Einträge lässt sich der Leidensweg der Menschen im Spannungsfeld des Krieges nachvollziehen. Mehr braucht es nicht, um Wut und Verzweiflung zu verdeutlichen, der Weg, der in die Katastrophe führt.


    Ein Augenzeugenbericht, die Biografie einer Zeitzeugin, die man nicht vergessen darf, deren Geschichte viel mehr verbreitet und bekannter werden muss. Stellvertretend für alle Menschen in Syrien ein Hilfeschrei, den man erhören sollte. Unbedingt lesenswert.

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Hala Kodmani - "Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen" / Seule dans Rakka“ zu „Hala Kodmani - Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen / Seule dans Raqqa“ geändert.
  • Ein Augenzeugenbericht, die Biografie einer Zeitzeugin, die man nicht vergessen darf, deren Geschichte viel mehr verbreitet und bekannter werden muss. Stellvertretend für alle Menschen in Syrien ein Hilfeschrei, den man erhören sollte.

    Es gibt mittlerweile schon so viele Bücher welche sich mit dem Elend was sich in Syrien abspielt beschäftigen. Trotzdem hat sich in den sieben Jahren nichts, aber auch gar nichts geändert.

    Der Leser wirkt im ersten Moment erschüttert wenn er bei dieser Lektüre ist, aber sehr schnell verfliegt das schlechte Gewissen, genau so schnell wie es gekommen ist. Das ist leider eine Tatsache, auch wenn es vielleicht traurig klingt, jedoch...

    Ich bestreite nicht dass solche Bücher wichtig sind, aber diese einfach zu lesen und wieder ins Regal stellen bewirkt nichts.

    Es ist die Weltgemeinschaft welche sich zusammen raufen sollte und erst dann, jedoch das ?...

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

  • Es gibt mittlerweile schon so viele Bücher welche sich mit dem Elend was sich in Syrien abspielt beschäftigen. Trotzdem hat sich in den sieben Jahren nichts, aber auch gar nichts geändert.

    Da hast Du Recht, aber manchmal stimmt das Sprichwort vom steten Tropfen, der den Stein höhlt. Es gibt Missstände, auf die immer und immer wieder hingewiesen werden musste, ehe die Verantwortlichen in die Gänge kamen.

    Natürlich, es gibt kein Rezept, aber für viele der Betroffenen ist es ihre einzige Möglichkeit, ihren Kampf zu führen. Auch wenn er aussichtslos erscheint.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Die Gefahr ist tatsächlich groß, dass wir jene Bücher zur "eigenen Rechtfertigung" lesen: wir fühlen uns darin bestätigt empört zu sein und laut aufzuschreien, aber letztlich ändert es nichts. Bzw wusste man auch ohne das innere Sich-Ereifern, wo der Hase langläuft.


    Ich hatte das Buch tatsächlich auf Französisch gekauft und einem Bekannten gegeben, der oft im Nahen Osten unterwegs ist, auch mit Syrien sich beschäftigen muss. Und er gab es mir zurück und sagte, dass das bekannt sei und letztlich nicht weiterhelfe. Manches diene dann nur noch dazu, unsere Urteile zu verfestigen, wie hinterwäldlerisch diese Lander doch alle sind... Sicherlich gilt das auch für andere Themen, die immer wieder behandelt werden.


    Was aber wird wirklich nicht nur empören, sondern unser Handeln und Sein ändern???


    (Fragen, Fragen...)

  • Ich bin der Meinung, dass es schon hilft, immer wieder an solche Themen erinnert zu werden, dass sie ja nicht ins Vergessen geraten, wie es z.B. mit den Ukraine-Konflikt oder diversen Konflikten auf der Welt der Fall ist (Denkt nur an all die Bürgerkriege und Hungersnöte in Afrike, als Beispiel.). Klar ist das alles hinlänglich bekannt, und man stumpft ab, aber die Gefahr ist eben da, dass wir vergessen, und Menschen vergessen gerne, so dass uns immer wieder Berichte weiter verdeutlichen müssen, dass es diesen Konflikt, diese Katastrophe noch immer gibt. Wenn die Menschen nicht vergessen, können es sich auch unsere Politiker nicht leisten, zu vergessen. Natürlich kann der Einzelne nicht viel ändern, aber sich und seiner unmittelbaren Umgebung in Erinnerung rufen, dass jetzt und gerade Dinge in einem anderen Teil der Erde passieren, die schlimme Folgen haben werden. Und wenn das Buch nur dazu dient, selbst politisch interessiert zu sein, es zu bleiben, und seine Rechte wahrzunehmen, damit es zu einer solchen Situaion bei uns nicht kommt, ist das doch auch schon etwas.


    Die Menschen ändern ihr Verhalten zu Lebensmitteln, zum Konsum von Fleisch oder den Verpackungsmüll, nachdem sie entsprechende Bücher gelesen haben, warum also nicht auch ihren Zugang zu Menschen, die vor Kriegen und Krisen flüchten, Abstimmungen und Wahlen, Diskussionen zum Datenschütz, die wir hier führen können, während woanders diese Techte und Pflichten mit Füßen getreten werden. Deshalb ist es wichtig, solche Bücher zu lesen.

  • Die Menschen ändern ihr Verhalten zu Lebensmitteln, zum Konsum von Fleisch oder den Verpackungsmüll, nachdem sie entsprechende Bücher gelesen haben, warum also nicht auch ihren Zugang zu Menschen, die vor Kriegen und Krisen flüchten, Abstimmungen und Wahlen, Diskussionen zum Datenschütz, die wir hier führen können, während woanders diese Techte und Pflichten mit Füßen getreten werden. Deshalb ist es wichtig, solche Bücher zu lesen.

    Das mag alles zum Teil stimmen, aber eben nur zum Teil. Denn ehrlich, natürlich ist der Mensch bereit etwas zu ändern, aber und ich betone ein grosses ABER, es darf ihn nicht allzusehr einschränken, und es darf ihn nicht schmerzen.

    Heute Abend kam ihm "Weltspiegel" der ARD ein Bericht über den Kongo. Ich werde daraus nur auf einen Aspekt hinweisen -

    Zitat

    Seit 1996 tobt im Osten der Demokratischen Republik Kongo ein unerbittlicher Krieg. Es geht um Rohstoffe: Diamanten, Gold, Coltan. Bodenschätze, mit denen weltweit viel Geld verdient wird.

    Weltspiegel

    Es ist schon sehr lange bekannt das Coltan für unser alltäglich gebrauchtes "Handy" unter unmenschlichen Zuständen abgebaut wird. Ehrlich wer verzichtet darauf, trotz des Wissens.

    Zitat

    Im Jahr 2017 belief sich der Absatz von Smarthphons auf mehr als 1,4 Milliarden Geräte

    Statista

    Und wenn jetzt jemand denkt ach ....dem würde ich empfehlen sich die Sendung anzusehen.


    Nein wir lesen diese Bücher, wir sehen Sendungen im TV, wir hören dies in den Medien, jedoch wir müssen uns ehrlich eingestehen, anschliessend gehen wir wieder zur Tagesordnung über.

    Und wir sind nur allzugerne bereit das Vergessen zu üben, und alles "Schönreden" dass solche Bücher wichtig sind, dient eigentlich nur dazu unser Gewissen zu beruhigen, alles andere wäre heuchlerisch.


    Ich begreife dass diese Menschen sich ihr Leid von der Seele schrieben müssen, aber wie gesagt wir...

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

  • Nein wir lesen diese Bücher, wir sehen Sendungen im TV, wir hören dies in den Medien, jedoch wir müssen uns ehrlich eingestehen, anschliessend gehen wir wieder zur Tagesordnung über.

    Tatsächlich? Ich habe Kampagnen erlebt, die, wenn auch in kleinem Rahmen, zum Umdenken und Anders-machen geführt haben.


    Was wäre denn die Alternative? Hände in den Schoß legen, drei Affen spielen, sich zurücklehnen und aufgeben, bevor man angefangen hat?

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Nein wir lesen diese Bücher, wir sehen Sendungen im TV, wir hören dies in den Medien, jedoch wir müssen uns ehrlich eingestehen, anschliessend gehen wir wieder zur Tagesordnung über.

    Tatsächlich? Ich habe Kampagnen erlebt, die, wenn auch in kleinem Rahmen, zum Umdenken und Anders-machen geführt haben.


    Was wäre denn die Alternative? Hände in den Schoß legen, drei Affen spielen, sich zurücklehnen und aufgeben, bevor man angefangen hat?

    Ich denke, auch wenn wir tagelang darüber diskutieren würden, es würde uns genau so gehen wie vielen andern ebenfalls "resigniert die Hände in den Schoss legen" hoffen...


    Alternative - das wissen wir genau was zu machen wäre, und es kann nur bei uns selber beginnen, aber wie schon erwähnt es ist schmerzhaft sein eigenes gutes Leben dass man sich gönnt in Frage zu stellen.

    Ich selbst bin ehrlich, es würde mir sehr schwer fallen, und ich muss sagen lieber ehrlich sein wie...


    Wie schon im ersten Beitrag erwähnt, ich spreche diesen Büchern ihre Wichtigkeit nicht ab, jedoch dieses "Mantra" muss man lesen usw. wie wenn man demjenigen welche diese Bücher nicht liest ein schlechtes Gewissen einreden möchte,...


    Etwas was wir uns einprägen sollten "Helfen ist nicht einfach, wenn man wirklich helfen will"

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

  • dieses "Mantra" muss man lesen

    Dieses "lesen-müssen" nervt mich bei vielen Rezensionen. Es gibt kein Buch auf der Welt, das man gelesen haben MUSS. [-( Und daher höre ich es nicht, wenn jemand versucht, mir ein Buch, egal welchen Genres, aufzuzwingen.

    Etwas was wir uns einprägen sollten "Helfen ist nicht einfach, wenn man wirklich helfen will"

    Genau, und daher ist es wichtig, sich vorab zu informieren. Wobei wir wieder bei den Büchern sind, um die es hier geht.


    Noch was: Immer wieder höre ich, dass Menschen (davon nimmt man sich selbst dann nicht aus) sich nicht ändern oder auf nichts verzichten wollen, so dass Missstände dieselben bleiben. Aber einer muss anfangen, muss sich auslachen lassen, unverstanden fühlen, und trotzdem kann sein Verhalten Kreise ziehen. Dass niemand hier bei uns aktiv Frieden nach Syrien bringen kann, ist klar. Aber es gibt genügend andere Baustellen auf der Welt, an denen es auf das Verhalten des einzelnen ankommt, und wer sagt: Niemand ändert sich, und ich allein bewirke nichts! hat seine Chance schon verpasst.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Einerseits stimmt es: Man liest derart Bücher, macht drauf aufmerksam und das war es dann. Aber ehrlich gesagt: Wenn ich in den sozialen Medien all die rassistischen und Hasskommentare lese, bin ich über jede vernünftige Stimme im Netz froh, die dagegen hält.

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