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Elisabeth Herrmann - Zartbittertod

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  • Inhalt:
    Mias Eltern betreiben eine Chocolaterie in Meißen, dort hängt schon immer ein Bild von ihrem Urgroßvater Jakob als Kind und seinem Lehrherrn. Daneben ein Schokoladen-Nashorn und genau dazu möchte Mia nun, für eine Aufnahmeprüfung an der Journalistenschule, die Geschichte herausfinden. Wie kam ihr Urgroßvater als schwarzes Kind mit seinem weißen Lehrherrn nach Deutschland und warum. Ihre Recherche führt sie in die Kolonialzeit und zu den Herders, wo sie mit ihren Fragen für ganz schön viel Wirbel sorgt.


    Meine Meinung:
    Ich liebe Schokolade und ich lese sehr gerne die Jugendbücher von Elisabeth Herrmann. So war es nur ein logischer Schluss dass ich Zartbittertod lesen wollte.


    Die Schokolade wird aber recht schnell nebensächlich, denn es geht um alte Schuld, die Kolonialzeit und die Zukunft von Mia. Ganz schön viel auf einmal. aber total spannend und fesselnd und das von Beginn an.


    Elisabeth Herrmann schafft es wiedermal mit ihrem Schreibstil zu überzeugen und mich als Leser direkt in den Bann der Geschichte zu ziehen. Es gibt keine große Einleitung und genau das ist gut so. Als Leser ist man fast so unwissend wie Mia selbst und so bleibt vieles ein Rätsel.
    Zugleich wird ein Thema behandelt, dass heute noch aktuell ist, denn auch heute noch werden Länder ausgebeutet um für uns billig zu produzieren und das nicht nur bei Kakao. So geht es hier nicht nur um spannende Unterhaltung, sondern auch ein wenig um Moral. Eine Geschichte die im nachhinein noch zum nachdenken und vielleicht auch umdenken anregen soll. Ob das bei der Zielgruppe sinnvoll ist, sei dahin gestellt. Es wäre aber wünschenswert.


    Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sind gespickt mit Seiten aus einem Tagebuch. Die Geschichte ist frei erfunden, hat aber geschichtliche Bezüge und kommt einem so schon Nahe. Sie spielt in der Gegenwart, zeigt aber das schon vor der Nazi-Zeit nicht alles in Ordnung war.


    Die Figuren sind recht überschaubar. Es gibt Mias Eltern, eine Namibische Delegation, Die Herders und ihr Personal, dazu noch Ermittler. Alles in allem kann man die Figuren aber gut auseinander halten. Ich kam nie durcheinander, selbst bei den Nebenfiguren nicht.
    Mia ist neben Will die Hauptfigur der Geschichte. Sie möchte mehr über ihre Familiengeschichte herausfinden und hätte nie gedacht was sie damit auslöst. Sie wirkt manchmal klein und schwach und empfindet sich wohl auch selber so, doch eigentlich ist sie recht stark und mutig.
    Will ist zwar der Sohn der großen Herders, doch wer hier ein arrogantes Papasöhnchen erwartet liegt falsch. Er hat mich in der Geschichte wirklich überrascht.


    Am Ende geht es um die Begleichung von Schuld, um das Aufzeigen von Dingen, die auch heute noch falsch Laufen, um Moral und Ausbeutung.

    All das zusammengefasst in einer sehr spannenden Geschichte um die Aufklärung einer Vergangenheit, die manche Leute lieber unter den Tisch kehren würden. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Liebe Grüße
    Natalie




    Gelesen 2013: 231 - 2014: 195 - 2015: 185 - 2016: 138 - 2017: 122 - 2018: 89 - 2019: 84

    Gelesen 2020: 47


    SuB: 235

  • Ich beziehe meine Darlegung auf die ersten Auflage 2020:


    Klappentext:


    Zart wie die Liebe, bitter wie die Schuld


    In der Chocolaterie ihrer Eltern hängt, seit Mia denken kann, ein beeindruckendes Foto: Es zeigt ein lebensgroßes Nashorn aus Schokolade daneben ihren Urgroßvater Jakob und seinen Lehrherrn. Der Lehrherr ist weiß. Jakob ist schwarz. Dass ihr Uropa damals aus Deutsch-Südwestafrika kam, ist Mia zwar bekannt. Aber als sie mehr darüber erfahren möchte und bei den Nachkommen von Jakobs Lehrer nachfragt, sticht sie in ein Wespennest. Bis Mia endlich versteht, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät.


    Meine Meinung:


    Dieses Werk ist der zweite Roman von Elisabeth Herrmann. Bereits mit Schattengrund hatte sie mich begeistert. Ein wahrhaftiges Kompositum aus Düsternis und Lebendigkeit. Auch diese Geschichte wird um den Tod eines Großelternteils gespannt und hat eine längere Fahrt als einleitendes Element. Auch hier wird zunächst ein kurzer Verbleib erwartet, der sich im Laufe der Geschichte als länger als angenommen herausstellt und schließt mit einem Ende, welches nicht zu erwarten war.


    Besonders gut gefallen haben mir, neben den Parallen hinsichtlich des Aufbaus mit Schattengrund, die Idee, die Seite der Schokoladenhersteller und -verkäufer zu beleuchten. Als Liebhaber der Schokolade sah ich hier einen besonderen Reiz, empfand bereits das Cover als wunderschön.


    Die Figuren sind nachvollziehbar. Mia, der Protagonistin, vermochte ich ohne größere Probleme zu folgen. Ihr stellten sich immer wieder Antagonisten emotionaler Natur in den Weg, die auf kreative Art und Weise eine Unvorhersehbarkeit des Plots generieren konnten.


    Zunächst wäre ich nicht darauf gekommen, dass es sich um eine Illumination der Konialzeit um Südwest-Afrika handelt und war mehr oder weniger baff, als es mir schließlich dämmerte. Innerhalb dieses Werkes taten sich Abgründe auf, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie existieren könnten.

    Freilich vermochte ich die Kolonialzeit in der deutschen Geschichte zu verorten, doch fehlten mir die weiterführenden Kenntnisse. Ich sehe mich in der Schuld, mich eingehend damit zu informieren.


    Ich gebe für die Lektüre: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: als ein Elaborat, welches sich nachhaltig in mein Gedächtnis eingebrannt hat und meinen Blick auf die Geschichte erweitert hat.

    "Ohne das Unbegrenzte macht es keinen Sinn, Grenzen setzen zu wollen." [Gunnar Ollson]


    "Unsere Phantasie ist grenzenlos und verleiht unserer Wahrnehmung Anstoß im Finden neuer Dinge, weswegen wir uns tadeln können - während wir mit Lob geizen." [Christina Fritz]


    "In der Moderne scheint Effizienz und Produktivität stets über dem Erhalt der Freude am Sein zu stehen." [Der Tod in "Mein Leben als Tod"]


    "Eine Wahrheit, die nicht weh tut, ist keine Ganze." [Gert Steinbäcker]

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