Audur Jónsdóttir - Wege, die das Leben geht / Ósjálfrátt

  • Buchdetails

    Titel: Wege, die das Leben geht


    Verlag: btb Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 480

    ISBN: 9783442714872

    Termin: Oktober 2016

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  • Inhaltsangabe zu "Wege, die das Leben geht"

    Eyja muss Schluss machen mit dem Chaos in ihrem Leben. Das denken vor allem ihre Großmutter, ihre Mutter und deren beste Freundin Runa. Deshalb verbringt sie den Sommer mit Runa im idyllischen Schweden. Dort soll sie zu sich selbst finden und Zeit zum Schreiben haben, denn Eyja hat einen Traum: Sie möchte Schriftstellerin werden, wie ihr berühmter Großvater. Doch ganz so friedlich verläuft der Sommer nicht. Das war eigentlich auch nicht wirklich zu erwarten, schließlich mischt sich nicht nur die energische Runa ständig in ihr Leben ein, auch Eyjas eigensinnige Mutter und ihre dominante Großmutter haben immer ein Wörtchen mitzureden. Nicht zu vergessen, die Stimmen ihrer Urahninnen, die ihr noch aus dem Jenseits gute Ratschläge erteilen … Audur Jonsdottir ist in ihrem neuen Roman das vielschichtige Porträt einer Frau gelungen, der es gelingt, zwischen den so starken wie unterschiedlichen Frauen ihrer Familie einen eigenen Platz zu finden.
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  • "Nun verlass doch endlich diesen Mann." - "Tu mir den Gefallen und nimm irgendwas anderes zu dir als nur dieses Hurenfrühstück (Kaffee und Zigarette, Anm. der Leserin)!" - "Ich wünschte mir, du würdest etwas anderes mit deinem Leben anfangen, als zu qualmen wie eine abgehalfterte Seemannsbraut." - Das sind so Sätze, die Eyja von ihrer Oma zu hören bekommt. Und irgendwie hatte sie recht. Eyjas Mann war versoffen, arbeitsscheu und hätte vom Alter her ihr Vater sein können.


    Eyjas Mutter und beste Freundin Runa machen den Vorschlag, mit Rúna nach Schweden zu reisen. Oma schenkt ihr sogar das Geld dafür und wenn sie es nicht für sich selbst tun will, dann doch für ihren Roma. Aber Eyja ziert sich ein bisschen. Was soll aus ihrem Mann werden? Wer sorgt für ihn? Doch diesmal lässt sie sich schnell von den drei Frauen überreden.

    Ja, Eyja will einen Roman schreiben. Bisher hat es nur für eine Kolumne gereicht. Auch ihre Mutter hat für die Zeitung geschrieben. Bis Eyja kam. "Eyja hatte ihre Mutter umgebracht..." Ihre Mutter hat gut geschrieben:


    "Diese vergilbten Kolumnen waren wie eine echte italienische Pizza: knusprig und frisch. Jedes Wort war saftig, aromatisch und irgendwie genau deshalb an der richtigen Stelle, weil es an der falschen stand - so wie die Menschen in Mamas Zeichnungen durch ihre schiefen Proportionen genau richtig getroffen waren."


    Einige Wochen nach Eyjas erster Kolumne erfuhr sie, dass ihre Mutter aufgehört hat, für die Zeitung zu schreiben. Jahre später wurde Eyja klar, "dass sie nie eine so knusprige Pizza backen könnte wie ihre Mutter...".

    Eyja konnte ihrem Mann Garri noch gar nicht richtig klarmachen, dass sie für längere Zeit verreisen würde. Als sie mit ihm darüber sprach, war er zu besoffen. Und nun überraschte er sie, ihre Mutter, Rúna und eine frühere Freundin dabei, wie die Frauen die verdreckte Wohnung auf Vordermann bringen, da Eyja das Mietverhältnis gekündigt hatte. Die Miete war eh schon zwei Monate nicht bezahlt worden und wurde nun mit der Kaution verrechnet.
    Rechnen musste Eyja während ihrer Ehe immer, Garri brachte alles Geld in die Kneipe. Selbst das, was Eyja sich mühevoll zusammensparte. Wenn sie drohte, ihn zu verlassen, begann er eine Therapie, die er nach ein paar Tagen wieder abbrach. Oder er verlegte sich aufs Heulen und drohte mit Selbstmord. Was hielt Eyja bei ihm?

    "Er brachte ihr morgens Kaffee. Und er motivierte sie zum Schreiben, weil er wusste, wie es war, wenn man von der Welt in Frieden gelassen werden wollte. Er tröstete sie, wenn niemand anderes es tat."


    Aber machte das alles wett? Dass sie durch seine Trinkerei ihre Freunde verlor? Dass sie sich mit Geldeintreibern rumschlagen musste? Dass sie mehrere Jobs machte, damit wenigstens ein bisschen Geld reinkam? Ihre Schecks platzten. Selbst die Katze war am Verhungern.


    Und dann verabschiedet sie sich von Garri. Und verrspricht ihm, wiederzukommen. Oder war sie gerade dabei, ihn zu verlassen? Sie tat doch nur so, oder? Was geschieht in Schweden? Schafft sie es, ihren Roman zu schreiben? Lies selbst...

    Aber ich sage Dir gleich, es ist ein schwieriges Lesen. Nicht, weil das Buch zu anspruchsvoll wäre, nein. Diese vielen Sprünge zwischen heute und gestern, ja sogar morgen, sind nicht ganz leicht. Irgendwie stellt sich kein schöner Lesefluss ein.


    Und trotzdem hat es Spaß gemacht, Eyjas Erinnerungen zu folgen. Sie hat es wahrlich nicht leicht gehabt. Trotzdem hat sie sich einen Humor bewahrt, der mich oft lächeln ließ.


    Ich wäre gerne näher auf Garris Alkoholkrankheit oder überhaupt den Alkoholkonsum in dieser Geschichte eingegangen, aber das wäre für mich aufgrund von persönlichen Familienerfahrungen zu emotional geworden.


    Folgende Buchtitel und Autoren wurden in diesem Buch benannt:



    Àsta Sigurdóttir


    Der Meister und Margarita


    Der Tod in Venedig


    Die Brüder Karamasow


    Die Verschwörung der Idioten


    Don Quijote


    Dostojewski: Der Idiot


    ein Buch über van Gogh


    Enid Blyton: Fünf Freunde


    Fay Weldon


    Halldór Laxness' Salka Valka


    Harry Potter


    Hemingway: Fest fürs Leben


    Isabel Allende: Von Liebe und Schatten


    Kafka


    Madame Bovary


    Marilyn French


    Milan Kundera


    Paul Auster


    Régine Deforges: "Betty Blue", "Das blaue Fahrrad"


    Ulysses von James Joyce

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