Nell Leyshon - Die Farbe von Milch / The Colour Of Milk

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Die Farbe von Milch

4.2|21)

Verlag: Eisele Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 208

ISBN: 9783961610006

Termin: September 2017

  • Dass sie Zeichensetzung nicht beherrscht, ist weniger verwunderlich als ihre gute Rechtschreibung.

    Die Verfasserin kann eben die Erzählperspektive nicht konsequent durchhalten - das ist verständlich. Mich hat das nicht gestört, und Dich

    offenbar auch nicht.

    Ich sagte es oben schon: GERADE diese Auslassungen bzw. die Beschränkung auf die Fakten haben - jedenfalls bei mir - eine

    unglaublich emotionalisierende Wirkung gehabt, und mir geht diese Geschichte immer noch nach.

    :study: Robert Seethaler, Das Feld.

    :study:Claudia Bausewein, Sterben ohne Angst. Chancen und Möglichkeiten der Palliativmedizin.

    :musik:Jo Nesbo, MacBeth.

  • Das Buch ist in meinen Augenhochemotional.

    Absolut - sie werden eben nur nicht geschrieben, sondern beim Leser ausgelöst und nachempfunden.

    Was die „Farbe von Milch“angeht: Milch war einmal eine satt gelb-weiße Masse, wenn man sie eine Zeitlangim Eimer stehen ließ, und nicht unserewässrig weiße Flüssigkeit im Karton. Ich gehe davon aus, dass Marys Haare eineFarbe haben, die wir heute „weizenblond“ nennen würden.

    Das ist natürlich eine Erklärung. Ich hatte auch überlegt, ob dieses Symbol der weißen Haare auch für die Unschuld des Kindes Mary stehen könnte. :-k


    Ich freu mich, dass Dir das Buch genauso gut gefallen hat wie mir.

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Tad Williams - The Witchwood Crown
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

    :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • Nachdem Squirrel und Marie diesem Buch nun ihren Segen erteilt haben, habe ich mich zum ersten Mal seit Monaten leibhaftig in die Stadtbücherei begeben und es entliehen. Bei NetGalley könnte ich es sogar ohne Anfrage herunterladen, aber dann hätte ich - zumindest vor mir selbst - eine moralische Rezensionsverpflichtung... und ich weiß eben nicht, ob ich dieses Buch ganz lesen möchte (oder kann: Die fehlende Zeichensetzung irritiert mich schwer.).

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Die fehlende Zeichensetzung irritiert mich schwer.

    Du weißt, dass ich in dieser Beziehung auch zur pingeligen Sorte gehöre. Doch bei diesem Buch hat es mich nach ein paar Seiten, ich ich zum Eingewöhnen brauchte, nicht mehr gestört, weil es einfach zur Ich-Erzählerin, ihrer Art des Erzählens und dem Handlungsumfeld gepasst hat.

    Ich warte jetzt ganz gespannt darauf, ob es mit Dir und diesem Buch klappt. Ansonsten ist sehr viel drin, was zu Deinen bevorzugten Lesegewohnheiten gehört: England (obwohl das Buch überall spielen könnte), Vergangenheit und einfache Leute. :wink:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Ansonsten ist sehr viel drin, was zu Deinen bevorzugten Lesegewohnheiten gehört: England (obwohl das Buch überall spielen könnte), Vergangenheit und einfache Leute.

    Das dachte ich mir eben auch, deshalb möchte ich es unbedingt (an)lesen. Wenn ich mein Challenge-Buch für den Juli beendet habe, mache ich mich gleich daran.

    Bei Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt" habe ich mich allmählich an das Fehlen der wörtlichen Rede gewöhnt, obwohl mich das am Anfang auch sehr gestört hat. Hoffentlich geht es mir hier auch so, denn ich bin eigentlich ein großer Freund von Interpunktion...

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Inzwischen habe ich "Die Farbe von Milch" gelesen und kann bestätigen, dass die fehlerhafte Zeichensetzung und das Fehlen der Kennzeichnung wörtlicher Rede mich nach und nach weniger störten, da ich mich daran gewöhnte. Die ansonsten korrekte Rechtschreibung passte nicht so ganz dazu, aber immerhin ist der Erzählstil von Mary so einfach und wenig elaboriert, dass man ihr ihre Herkunft (Mädchen aus einer Bauernfamilie ohne Bildung) abnimmt.

    Dieser Erzählstil ist in der Tat ziemlich "unemotional"; dass Mary durchaus Emotionen hat, wird jedoch am Ende des Romans deutlich. Zuvor ist es meiner Interpretation nach so, dass sie in gewisser Weise resigniert hat und die Bestimmung Anderer über ihr Leben und auch die Gewaltausbrüche ihres Vaters als naturgegeben hinnimmt. Umso bemerkenswerter ist es allerdings, dass sie trotz drohender Repressalien ihre Meinung sagt.

    Sehr berührend finde ich das Verhältnis von Mary zu ihrem Großvater, er ist der Einzige, der ihr menschliche Wärme entgegenbringt und sie ist die Einzige auf dem Hof, die sich um ihn kümmert.

    Mr. Graham ist für mich der typische Vertreter einer Kirche, die ich insgesamt ablehne: ein Heuchler! Für mich war der Handlungsverlauf absolut vorhersehbar, auch wenn der Herr des Hauses sich zunächst als milder Arbeitgeber und humanitär eingestellter Mensch kreiert. Der Missbrauch einer schutzbefohlenen Minderjährigen ist absolut unverzeihlich - wenn der Herr Pfarrer seine Triebe nicht beherrschen kann, hätte er erneut heiraten oder auch bei seinen Reisen eine Prostituierte aufsuchen können. Letzteres wäre auch nicht "sündiger" als seine Lösung, ein von zuhause quasi verstoßenes, behindertes junges Mädchen auszunutzen. Ich habe mich darüber gefreut, wie Mary handelte, als für sie eine rote Linie überschritten wurde und konnte mich sehr gut damit identifizieren.

    Das Ende hat mich traurig gestimmt und bei mir große Empörung hervorgerufen, aber ich empfand es nicht als überraschend.

    Squirrel  

    Meiner Ansicht nach spricht Mary in ihrer Erzählung den Leser direkt an. Offenbar ist es ihr ein Bedürfnis, sich vor diesem zu rechtfertigen, indem sie erklärt, was sie zu ihrem drastischen Schritt bewegte. Vielleicht sollte es auch eine Rechtfertigung gegenüber ihrer Familie sein, wenn man dieser den Inhalt des Tagebuchs nahebrächte.

    Ein sehr bedrückendes, aber auch eindrückliches Buch, das man sicher nicht so schnell aus seinen Gedanken verbannen kann!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Im Jahre 1830 ist Mary ein Teenager, die mir ihren Eltern und ihren drei älteren Schwestern auf einem Bauernhof lebt. Da ihr Vater keinen Sohn bekommen hat, müssen seine Töchter von morgens bis abends schuften, um diesen „Fehler“ wieder gut zu machen. Marys Leben ändert sich jedoch, als sie ins Pfarrhaus zieht. Sie soll dem Pfarrer und seiner Haushaltshilfe bei der Pflege seiner Ehefrau helfen. Dort lernt Mary ein ganz anderes Leben kennen. Sie muss zwar auch viel arbeiten, aber diese Tätigkeiten sind körperlich nicht so anstrengend und sie hat sogar Zeit in Lesen und Schreiben unterrichtet zu werden. Ein paar Monate später ändert sich Marys Leben jedoch erneut.


    Aufgrund der vielen positiven Rezensionen und der Thematik gemäß der Kurzbeschreibung wollte ich das Buch schon lange lesen. Zunächst war ich über den Schreibstil verwundert. Mary hat gerade erst Lesen und Schreiben gelernt und die Autorin hat ihren Roman so verfasst, als würde Mary die Geschehnisse des letzten Jahres selbst zusammentragen. Dadurch ist der Schreibstil sehr einfach, es gibt keine Kommata und auch keine Anführungszeichen bei wörtlicher Rede, was zunächst etwas wunderlich zu lesen ist. Trotz der Schlichtheit habe ich mich manchmal gefragt, ob das Niveau nicht trotzdem etwas zu hoch ist für einen Lese- und Schreibanfänger.

    Mary ist eine sehr interessante Protagonistin. Sie ist einfühlsam, fleißig und obwohl sie eigentlich nie in einer Position ist, in der sie sich etwas herausnehmen darf, lässt sie sich den Mund nicht verbieten und sagt ihre ehrliche Meinung frei heraus. Leider ist diese Figur auch das Beste am Roman, welcher wenig Atmosphäre besitzt und so ungefähr jedes Klischee bedient, dass man sich bei diesem Setting vorstellen kann. Obwohl der Roman recht kurz ist, gibt es zahlreiche Wiederholungen (in Marys Leben gibt es halt nicht viel Abwechslung) und leider war alles an der Handlung für mich vorhersehbar. Natürlich darf ein Roman ungeschönt die Position von Frauen in der damaligen Zeit aufführen und dabei darf der Autor sich auch Klischees bedienen, denn die gab es damals sicherlich zuhauf, aber das alleine reicht meiner Meinung nach nicht und das hebt sich nicht von anderen Roman ab.


    Fazit: Marys Leben im frühen 19. Jahrhundert wird anschaulich geschildert. Sie ist eine tolle Protagonistin, aber leider konnte mich der Roman inhaltlich nicht überzeugen. Man kann den Roman lesen, aber ich hatte mehr davon erwartet.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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