Sayaka Murata - Die Ladenhüterin/Konbini ningen

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Die Ladenhüterin

4.1|7)

Verlag: Aufbau-Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 160

ISBN: 9783351037031

Termin: April 2018

  • Keiko Furakawa ist 36 Jahre, ledig und arbeitet seit 18 Jahren als Aushilfe in einem Konbini, einem Supermarkt. Sie ist intelligent, doch Emotionen sind ihr völlig fremd, das Leben und die Menschen um sie herum verwirren sie, denn sie geht an Alles ausschließlich mit Logik heran (vielleicht ein bisschen wie Mr. Spock ;-)) Schon als Kind ist ihr klar, dass sie anders ist als alle Anderen und sich ihre Eltern große Sorgen um sie machen. So versucht sie nicht aufzufallen und wird ein stilles zurückgezogenes Mädchen. Sie besucht die Universität und arbeitet nebenher in einem Konbini, in dem sie sich zunehmend wohler zu fühlen beginnt. Dort wird sie als 'normaler' Mensch akzeptiert, auch deshalb weil sie sich angewöhnt, die Verhaltensweisen ihrer Kolleginnen zu imitieren, was niemandem auffällt. Doch ihre 'FreundInnen' beginnen sie argwöhnisch zu betrachten: in ihrem Alter, unverheiratet, kein richtiger Beruf - was stimmt nicht mit ihr? Da kommt sie auf eine aberwitzige Idee - ganz logisch natürlich.
    Würde man der Ich-Erzählerin Keiko im wahren Leben begegnen, würde sie einem sicherlich nicht auffallen, denn ihr Verhalten dürfte kaum von dem ihrer Kolleginnen zu unterscheiden sein. Doch durch ihre Gedanken wird einem klar, wieviele Mühe es sie kostet, diesen Schein aufrecht zu erhalten und wie absurd eigentlich dieses scheinbar so normale Verhalten im logischen Sinne wirkt. Durch ihre Augen sieht man die Welt in ihrer Irrationalität und bald schon drängt sich die Frage auf, wer hier eigentlich zu den 'Normalen' gehört.
    Doch ebenso deutlich wird, wie wichtig diese vermeintliche Irrationalität ist. Keiko zieht, ganz rational, den Sinn ihres Lebens allein aus ihrer Arbeit. Als diese wegfällt, bricht ihr Leben in sich zusammen: Weshalb soll sie sich noch pflegen, regelmäßig schlafen, essen, trinken?
    Ein dünnes Büchlein (gerade einmal 141 Seiten hat es), das einem nicht nur die Absurditäten unseres Lebens vor Augen führt, sondern auch nach meinem Empfinden ein Appell für mehr Menschlichkeit ist.

  • Klappentext:

    Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.


    Autorin:

    Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman "Die Ladenhüterin" gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.


    Allgemeines:

    Erscheinungsdatum: 9. März 2018

    Seitenanzahl: 145

    Verlag: Aufbau

    Originaltitel: Konbini Ningen


    Eigene Meinung:

    Bitte bitte mehr davon! Ich bin verliebt!

    Sayaka Muratas Schreibstil hat mich sofort gefesselt. Nüchtern erfasst Keiko ihre Umwelt. Sie versteht nicht, warum manche Menschen Dinge kompliziert machen und ist mit sich und der Welt im Reinen. Keiko arbeitet und lebt für ihre Arbeit in einem Konbini. Doch aus ihrem Umfeld wird sie ständig gefragt, wann sie denn heirate, ob sie denn ewig als Aushilfe arbeiten wolle, wolle sie denn kein Kind?

    Mir gefällt sehr wie Murata aus Keikos Sicht diese Situationen beschreibt und wie sie uns das Denken in Japan näher bringt. Doch bei weiterem Lesen des Romans wird einem auch klar, dass die Manipulation von außen nicht nur in Japan der Fall ist. Die Autorin gibt jedem auf den Weg seinen eigenen Weg zu finden und das man mit sich selbst im Reinen sein sollte. Das Ganze aber ganz unspirituell und unterhaltsam.


    Fazit: Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und ich werde es sicher nochmals lesen und die Autorin im Auge behalten! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb::love:

    :study: Isenhart - Holger Karsten Schmidt

    :montag: Das Kupferversprechen - Jen Williams

    :montag: Der Mond des Vergessens - Brian Lee Durfee (MLR)

    :musik: Wolkenschloss - Kerstin Gier

  • Nachdem mir die ersten 40 Seiten sehr gut gefallen haben, bin ich insgesamt nun doch etwas enttäuscht.


    Ich mag alles, was die Autorin bezüglich des Konbini schreibt und wie sich Keiko verändert (über ihr Verhalten musste ich öfter lachen, schon bisschen verrückt, die Gute) aber Shiraha hat mir die Leselust genommen.

    Für mich ist er zu gemein zu Keiko (und das in einem Land, in dem Höflich so wichtig ist). Er wiederholt sich mit seinen nervigen Ansichten auch immer wieder. Das ist etwas schade, weil das Büchlein eh so kurz ist.


    Also mein Fall ist „Die Ladenhüterin“ nicht ganz; :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: wurden es letztlich.

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