Emma Tennant - Pemberly

Anzeige

  • Die Geschichte des Buches setzt etwa ein Jahr nach der Hochzeit von Elizabeth mit Mr. Darcy und Jane mit Mr. Binlgey ein.
    Elizabeth hat noch immer ihre Problemchen mit ihrer Rolle als Herrin von Pemberly. Doch Weihnachten steht vor der Tür und Elizabeth entschließt sich das Fest der Liebe als Familienfeier auf Pemberly auszurichten. Bereits im Vorfeld bereitet ihr die Zusammenstellung der Gäste Kopfzerbrechen. Da ist ihre Mutter Mrs. Bennett, selbstverständlich samt ihrer beiden jüngeren Schwestern Kitty und Mary. Elizabeths Lieblingsschwester Jane erwartet in Kürze ihr zweites Kind - kann ihr eine Reise nach Pemberly, egal wie kurz sie sein mag - überhaupt noch zugemutet werden? Doch neben Gästen auf die sich Lizzy von Herzen freuen kann, hat sich auch nicht ganz so erfreulicher Besuch angemeldet. Lady Catherine de Bourgh höchstselbst gibt sich die Ehre, genauso wie Lizzys Schwester Lydia samt Ehemann Wickham und Caroline Bingley. Das klingt bereits beim Lesen nach jeder Menge Weihnachtsstress, bei dem man bereits als Leser die Feier direkt am liebsten absagen würde. Aber ihre Gäste sind nicht das einzige Problem der jungen Herrin von Pemberly.
    Denn im Gegensatz zu ihrer Schwester Jane hat Elizabeth noch kein Kind zur Welt gebracht. Nicht genug, dass Lizzy in diesem Umstand ihre eigene Unfähigkeit bestätigt sieht, auch die liebe Verwandschaft stürzt sich wie Geier darauf. Es kommt immer wieder zu Situationen, bei denen nicht nur Lizzy die Worte fehlen, sie hinterlassen auch den Leser sprachlos zurück.
    Und es kommt wie es kommen muss - es gibt jede Menge Knatsch, aus der geselligen Familienfeier wird ein turbulentes Chaos mit fremden Gästen, Intrigen und verletztem Stolz.



    "Emma Tennants Buch ist deswegen so ansprechend, weil sie Austens Ton genau trifft"

    Mit diesem Satz auf der Rückseite wird das Buch beworben. Ich muss dieser Werbung ganz vehement widersprechen. Emma Tennant trifft ganz und gar nicht Jane Austens Ton. Es fehlt die Spritzigkeit einer Jane Austen, sowie ihre gekonnte Zeichnung von schwierigen Personen wie etwa Mrs. Bennett. Jane Austen hat diese Figur überspitzt dargestellt, mit den Ängsten und Sorgen einer Mutter ihrer Zeit. So sind ihr zwar häufig Taktlosigkeiten herausgerutscht, dies jedoch in einer Art und Weise, dass man als Leser ein eher amüsiertes Kopfschütteln nicht verbergen konnte. Emma Tennant hat aus Mrs. Bennett dagegen eine überspannte Hysterikerin mit nicht einem Funken Charme oder Freude gemacht. Mit ihrer Gestaltung der Lady Catherine und Caroline Bingley hat sie Lizzys Mutter auch gleich passende Giftspritzen zur Seite gestellt. Das ganze Buch ist so furchtbar negativ geschrieben, dass es schon fast keinen Spaß macht es zu lesen. Da hilft es auch nicht, dass es sich nur um 205 Seiten handelt.
    Außerdem scheint sich die Autorin bei der Länge ihrer Geschichte ziemlich verkalkuliert zu haben. Auf 200 Seiten wird ein Geflecht aus Intrigen und Gerüchten aufgebaut, dass dann mal eben - husch husch! - innerhalb von 4 Seiten sehr unbefriedigend aufgelöst wird. Das Ende hat mich dann auch entsprechend mit einem "Das war's jetzt?"-Gefühl zurückgelassen.
    Und richtig, richtig ärgerlich ist auch die Übersetzung gelungen. Dass sich hier und da mal ein Rechtschreibfehler dem Auge des Lektorats entzieht - kein Problem, kann passieren. Aber so geballt wie in diesem Buch, ist mir das auch noch nie passiert. Da tauchen auch mitten im Satz Fenster auf, wo eben noch gar keine Rede davon war. Da werden die Namen der sprechenden Personen grotesk vertauscht, so dass die Gespräche keinen Sinn mehr machen. Da spricht Lady Catherine davon, sie hätte die Nachbarin "angerufen". Als dann auch irgendwann ein Telefon in der Geschichte auftauchte, war ich endgültig raus. :-#


    Es gibt noch einen zweiten Teil, "Die Erben von Pemberly". Diesen habe ich bereits nach den ersten Seiten abgebrochen, denn dort ist der Autorin der größte Klops überhaupt unterlaufen. Dort heißt es: "Selbst nach neunzehn Jahren Ehe galten Elizabeth und Mr. Darcy noch als das glücklichste Paar in Derbyshire und darüber hinaus." Und etwas später im Text wird berichtet "Jane hatte jetzt fünf Kinder und war mit dreißig weit davon entfernt völlig verbraucht zu sein...."
    Und das passt einfach nicht mit dem Original zusammen. Wenn ich zu Grunde lege, wie halt Jane und Lizzy bei ihren Hochzeiten waren (Jane etwa 22, Lizzy knapp 20, wenn ich das richtig erinnere) und ich davon ausgehe, dass beide Schwestern auch etwa zur gleichen Zeit geheiratet haben dürften - dann geht die von Tennant genannte Angabe überhaupt nicht auf. Jane müsste demnach mit 11 geheiratet haben. Lydia müsste dann ja samt ihrer Windeln mit Wickham durchgebrannt sein. (Sollte ich an dieser Stelle einen Denkfehler haben, macht mich gerne darauf aufmerksam!)
    Au weia. Fantasie hin oder her - etwas so elementares darf einfach nicht passieren. ](*,)


    Tja, und wie bewerte ich das Buch nun? Mit allem Wohlwollen - :bewertung1von5::bewertungHalb:

Anzeige