Jordan Harper - Die Rache der Polly McClusky / She rides shotgun / A Lesson in Violence

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Die Rache der Polly McClusky

4.1|4)

Verlag: Ullstein Hardcover

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 288

ISBN: 9783550081507

Termin: Februar 2018

  • Kurzbeschreibung/Amazon
    Vater und Tochter auf der Flucht: „Jordan Harpers Sätze treffen mit der Wucht einer Shotgun“ Los Angeles Magazine
    Polly McClusky ist elf und eigentlich zu alt für den Teddybär, den sie überallhin mitnimmt, als überraschend ihr Vater Nate vor ihr steht. Der ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um Polly das Leben zu retten. Denn auf Polly ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate hat sich im Knast einen mächtigen Feind gemacht: die Gang Aryan Steel hat ihn und seine Familie zu Freiwild erklärt. Nates Exfrau wurde bereits getötet, Polly ist die Nächste auf der Liste. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen einen selbstbewussten Fighter. Und durch Pollys Scharfsinn halten sie den Vorsprung vor ihren Verfolgern. Bald ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.
    "Ergreifendes Porträt einer Vater-Tochter-Beziehung, umzäunt von Stacheldraht." Booklist
    „Ein junger Autor, der nur noch kurze Zeit unter dem Radar bleiben wird. Jordan Harper schlägt ein wie das sanfte Brennen eines Schluck Whiskeys.“ Huffington Post
    Nominiert für den Edgar Award in der Kategorie Best First Novel


    Über den Autor/Amazon
    Jordan Harper wurde 1976 in Missouri geboren. Er war Musikjournalist, Filmkritiker und Fernsehautor. Als Drehbuchautor war er u.a. Lead Writer bei den Fernsehserien „The Mentalist“ und „Gotham“. Zurzeit lebt er in Los Angeles und arbeitet am Drehbuch von „Die Rache der Polly McClusky“. Er wird außerdem das Script zur TV-Serie "L.A. Confidential" schreiben.


    Meine Meinung
    Puh, wenn ich genauer gewusst hätte, was mich mit diesem Buch erwartet, hätte ich es vielleicht gar nicht gelesen, denn eigentlich ist so was nicht mein Ding. Aber nach einem neugierigen Blick in die Leseprobe hing ich am Haken, gefesselt von Anfang bis Ende von dieser verstörenden und unglaublich spannenden Geschichte.


    Polly ist elf Jahre alt und fühlt sich aktuell nicht besonders wohl in ihrem Leben. Sie ist hochintelligent, aber ohne Selbstbewusstsein und in ihrer Schule eher das, was man heutzutage „Opfer“ nennt. „Ein ganz und gar widerstandsloses Mädchen“, um es mit den Worten ihres Vaters zu sagen – und doch hat sie „seine Revolveraugen“. Als Nate, ihr Vater, sie überraschend von der Schule abholt, lässt sie ihr bisheriges Leben hinter sich zurück. „Das Gefühl, dass die ganze Welt, die ihr noch vor ein paar Minuten so stabil vorgekommen war, nur aus Glas bestand, verließ Polly nicht. Jetzt nicht und nie mehr wieder.“


    Er kommt geradewegs aus dem Gefängnis, von jetzt auf gleich wird sie in eine Welt voller Gewalt katapultiert – und ist davon, zwar widerwillig, aber zunehmend fasziniert. Als ihr Vater Polly in seinen Überlebenstechniken schult, erweist sie sich als gelehrige Schülerin und wird erschreckend schnell heimisch in dieser Welt. Was Nate zeitweise beängstigend findet, jedoch gleichzeitig auch als einzige Chance für ihr Überleben ansieht. In dieser Sache ist er erschütternd ehrlich mit ihr.
    Nate ist ein harter Typ, der in seinem Leben auch noch nicht viel Gutes erlebt und sich im Gefängnis so richtig in die Sch…. geritten hat, die nun auch seine Tochter bedroht. Um jeden Preis möchte er sie vor den tödlichen Konsequenzen bewahren…


    Und dann habe ich mich einfach mitreißen lassen, Seite für Seite für Seite.


    Knappe Sätze, meist kurze Kapitel und schnelle Perspektivwechsel halten das Tempo hoch.Der Plot ist spannend, geradlinig und brutal. Die Sprache so knallhart und direkt wie die Welt, in der Nate sich bewegt. Und doch manchmal zart, fast poetisch, gerade dann, wenn sich die verzweifelt unterdrückte Emotion einen Weg sucht, wenn man spürt, wie sehr Vater und Tochter ihre Liebe zu verbergen suchen. Für mich eine unwiderstehliche Mischung, die letztlich dafür gesorgt hat, dass mir das Buch trotz Gewalt und Brutalität gefallen hat.


    Polly und Nate waren für mich zwei ganz besondere Figuren, beide so introvertiert und distanziert, und gleichzeitig von besonderer Tiefe und Intensität. Ihre Bereitschaft zu Gewalt und Grausamkeit macht Angst, und doch hatte ich das verstörende Gefühl, sie in den Arm nehmen zu wollen und in ihr Ohr zu wispern, alles wird gut – auch wenn ich die ganze Zeit mit der Gewissheit gelesen habe, gut kann das nicht ausgehen. Trotz allem hat mir das Ende sehr gefallen, gerade weil es Raum lässt für eigene Gedanken.
    Man sollte dieses Thriller nicht unbedingt an seiner Glaubwürdigkeit messen (hoffe ich jedenfalls), und ganz bestimmt werde ich mir die bereits in Arbeit befindliche Verfilmung nicht ansehen. Visuell packe ich solche Geschichten nicht.


    Trotzdem absolute Leseempfehlung für diesen harten, atemberaubend spannenden Thriller, der großartig und sprachgewaltig erzählt ist. Eine Vater-Tochter-Geschichte der besonderen Art, deren widerwillige Emotionalität es mir besonders angetan hat.
     :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Komisch, dass das Buch quasi innerhalb eines Jahres zwei mal bei verschiedenen Verlagen erscheint.

    Oder einmal USA und einmal UK :-k 

    Das erscheint aber erst am 22. März 2018 laut Amazon, glaub ich.

    Das Taschenbuch das gebunde Buch erschien 2017

      :study:  Ich bin alt genug, um zu tun, was ich will und jung genug, um daran Spaß zu haben. :totlach:

  • Das hatte ich schon dringlich auf dem Kieker, wollte es mir dann aber doch nicht auf die Wunschliste packen, da ich die ganzen Dringlich-Besorg-Bücher vom letzten (und manche von vorletzten) Jahr noch gar nicht gelesen hab... :-, Ist es wegen deiner Begeisterung, @Smoke, jetzt dann doch auf der Wunschliste! :applause: Trotz des irre einfallslosen, hässlichen Covers. :loool:

    Richard Flanagan "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (313/438)

    Sinclair Lewis "Das ist bei uns nicht möglich" (98/446)

    Tim Willocks "Die Gefangenen von Green River" (206/414)


    Jahresbeste: Welch (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king: 
    Gelesen: 75 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: David Foster Wallace "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" (17.6.)

  • Das hatte ich schon dringlich auf dem Kieker, wollte es mir dann aber doch nicht auf die Wunschliste packen, da ich die ganzen Dringlich-Besorg-Bücher vom letzten (und manche von vorletzten) Jahr noch gar nicht gelesen hab... :-, Ist es wegen deiner Begeisterung, @Smoke, jetzt dann doch auf der Wunschliste! :applause: Trotz des irre einfallslosen, hässlichen Covers. :loool:

    Das freut mich :) . Ich bin gespannt wie es dir gefällt.
    Stimmt, das Cover ist nicht der Burner und auch den Titel finde ich nicht besonders.
    She rides the shotgun ist mir zu martialisch/amerikanisch, besser gefällt mir Lesson in violence, passt für meinen Geschmack auch am besten zum Inhalt.

  • Ein Todesurteil


    Nate McClusky sitzt für seine Straftaten nicht zu Unrecht im Gefängnis. Doch er führt sich gut und wird vorzeitig entlassen. Das kommt ihm sehr gelegen, denn zufällig erfährt er, dass seine Exfrau und seine Tochter auf der Todes-Liste eines mächtigen Gegners stehen. Ganz klar, dass er alles daran setzen möchte, beide zu retten.
    Sascha Rotermund transportiert wunderbar den Unterschied zwischen den extrem harten, trocken erzählten Szenen und Pollys Gefühls- und Gedankenwelt. Auch wenn nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, zieht Jordan Harper den Leser (bzw. Hörer) super tief in die Story hinein, gleich vom ersten Satz an. Das mag ich sehr und das ist nicht immer so (oft muss man sich eine ganze Reihe Seiten in ein Buch hineinlesen, bevor man tatsächlich in der Story ankommt).
    Ohne albern oder stumpf zu werden, wird die Zerrissenheit von Polly super gut dargestellt mit so gegensätzlichen Sätzen wie: „Polly fand nicht, dass sie nicht richtig tickte.“ und kurz darauf (nur fünf Sätze später) dann: „Wahrscheinlich tickte sie nicht richtig.“ Auch so wunderbare, gleichermaßen lustige wie traurige Sätze und Satzteile wie: „und plötzlich rülpste ihr der Gedanke vollständig ausgebildet aus dem Gehirn“ gefallen mir wahnsinnig gut. Da ist zudem so viel Liebe, dass es mich ganz schön beutelt, denn zur Story selbst ist Liebe so krass gegensätzlich.
    Es berührt mich sehr, wie stark Polly leiden muss, ohne dass ihr jemand hilft. Als Kind eines Verbrechers ist sie doppelt gestraft: die Mitschüler sind gemein zu ihr. Mich macht wütend, dass weder ihre Mutter, noch der Stiefvater (musste das auch noch sein?) und auch nicht die Lehrer etwas tun. Was kann Polly für die Taten ihres Vaters?
    Nach der Entführung durch ihren Vater muss Polly schneller erwachsen werden, als es gut sein kann für eine Elfjährige. Die Situation überrollt sie jedoch nicht ganz. Polly wächst über sich selbst hinaus, um nach ihrem großen Kampf Seite an Seite mit ihrem Dad wieder – oder auch zum ersten Mal – ein ganz normales Mädchen werden zu können. Jordan Harper ist es dabei gelungen, die Szenen sehr realistisch, aber nicht übertrieben detailliert und brutal zu schildern. Alles passt stimmig zusammen, die Wendungen sind überraschend, aber nicht unlogisch. Mich erinnert der Stil sehr an Joe R. Lansdale und den lese ich super gerne.
    Die Wechsel zwischen sanft und liebevoll zu knallhart und doch voller Liebe sind beeindruckend. Ich habe hier ein Buch entdeckt, das absolut zu meinem Lesegeschmack passt! Volle Anzahl Sterne!

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