Yasunari Kawabata - Die schlafenden Schönen / Nemurero bijo

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Die schlafenden Schönen

2.5|2)

Verlag: Suhrkamp Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 130

ISBN: 9783518396858

Termin: Juli 2004

  • Autor: Yasunari Kawabata
    Titel: Die schlafenden Schönen, aus dem Japanischen übersetzt von Siegfried Schaarschmidt
    Originaltitel: Nemurero bijo erschien erstmals 1960
    Seiten: 130 Seiten in fünf Kapiteln
    Verlag: Suhrkamp Taschenbuch
    ISBN: 9783518396858


    Der Autor: (Suhrkamp-Verlagshomepage)
    Yasunari Kawabata, 1899 in Osaka als Sohn eines Arztes geboren, studierte englische und japanische Literatur. 1926 wurde er mit seiner Erzählung Die Tänzerin von Izu bekannt. 1968 erhielt Yasunari Kawabata den Nobelpreis für Literatur. Von 1948 bis 1965 war er Präsident des Japanischen PEN-Zentrums. Yasunari Kawabata hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der japanischen Literaturszene nach dem Zweiten Weltkrieg. 1972 nahm sich Kawabata das Leben.


    Inhalt: (Klappentext, leicht gekürzt)
    Ein Mann an der Schwelle zum Alter wird von einem Freund eingeführt in ein Freudenhaus besonderer Art. Es ist für alte Männer bestimmt und bietet junge Frauen im Tiefschlaf an. Eguchi verbringt - in kürzer werdenden Abständen - mehrere Nächte in diesem Haus neben immer anderen jungen Frauen und Mädchen, die zurückhaltend und genau, sinnlich und diskret beschrieben werden. Eine jede ist anders. Eine jede weckt andere Phantasien, andere Erinnerungen an Frauen, die Eguchi in seinem Leben gekannt hat, an die eigene Ehefrau und die Töchter, an Geliebte, an Bekanntschaften einer Nacht.


    Meinung:
    Rund vier Jahre ist es nun schon wieder her, seit ich Kawabatas empfehlenswerte Novelle „Tausend Kraniche“ las. Noch immer ist mir diese Erzählung im Gedächtnis und längst wollte ich weitere Bücher des japanischen Literaturnobelpreisträgers lesen. Nun also „Die schlafenden Schönen“, ein wohl nicht nur für westliche Leser sonderbares Buch.
    In fünf Kapiteln werden fünf Nächte geschildert, in denen der 67-jährige Eguchi eine sonderbare Herberge aufsucht: Junge Frauen werden durch eine nicht näher bestimmte Droge in Tiefschlaf versetzt, und ältere Herren dürfen nochmals die „jugendliche Frische“ erleben, Mädchen „nach Milch riechend“, mit „unverdorbenen Lippen“ und „langen, anmutigen Zehen“.
    Auch wenn Eguchi sich viel darauf einbildet, im Gegensatz zu den vermutlich älteren Gästen noch ein „echter Mann“ zu sein und noch kein „Greis“, ist der Zweck dieser Zusammenkunft eher sinnlicher Art. Der Sexualverkehr verstößt gegen die Hausregeln. Somit bleibt es bei Schilderungen der weiblichen Schönheit, der Geruch oder die weiblichen Bewegungen im Schlaf erinnern den Erzähler an seine Jugendliebe, Ausflüge mit seinen Töchtern, an einen früheren Kuss, usw. Zu Beginn fragt er sich noch, ob es moralisch in Ordnung ist als hässlicher, alter Mann neben wehrlosen, wie Spielzeug hergerichteten Frauen zu liegen. Er überlegt, wie es wohl wäre, wenn er der Frau den Hals zudrückte, oder sie im Schlaf schwängerte. Natürlich erhielte er dann wohl Hausverbot, aber welches Abenteuer bietet eine ruhige Nacht neben einer jungen Dame sonst noch?
    Und so sind alle fünf Kapitel eine Mixtur aus Beschreibungen weiblicher Formen, Gerüche und Erinnerungen an vergangene Leidenschaften. Anfangs fragt sich Eguchi wie der Leser, welchen Sinn ein solches Etablissement hat, auf welche Art die Frauen in den Schlaf versetzt werden, welche Frauen das eigentlich sind, aber mit den weiteren Besuchen wird Eguchi immer abgeklärter, aber auch aggressiver.
    Eine merkwürdige Geschichte, die hauptsächlich aus den Gegensätzen Jugend und Alter, Frauen und Männer, Schönheit und Hässlichkeit sowie Unschuld und Gewaltphantasien besteht. 130 spannungsarme Seiten mit einem unbefriedigenden, offenen Ende. Kawabata war bereits über sechzig Jahre alt, als er diese Geschichte verfasste. Er hätte damit gegen seine eigenen Ängste des Älterwerdens angeschrieben, las ich irgendwo. Vielleicht bin ich dafür noch zu jung, aber ich konnte mit dem Text nicht viel anfangen, und wüsste auch nicht, ob ich ihn „älteren Herren“ in meinem Bekanntenkreis empfehlen würde.

  • Er hätte damit gegen seine eigenen Ängste des Älterwerdens angeschrieben, las ich irgendwo.

    In diesem Zusammenhang fällt doch auch manchmal der Ausdruck "Altmännerliteratur". Dabei denke ich an Gabriel Garzia Marquez, Günter Grass oder J. M. Coetzee. So großartig auch war, was sie am Höhepunkt ihrer Schaffenskraft geschrieben haben, mit den Werken der älteren Autoren konnte ich mich nicht so richtig anfreunden.

  • Hallo @Nungesser, das scheint ja ein interessantes Buch zu sein.
    Die Kombination von Eros und Thanatos - habe ich das richtig verstanden?

    :study:Claudia Bausewein, Sterben ohne Angst. Chancen und Möglichkeiten der Palliativmedizin.

    :musik: und :study: Jo Nesbo, MacBeth.

    :study: Shakespeare, MacBeth.

    :study: Ursula Podnanski, Aquila.

  • Ja, allzu viel solcher "Altmännerliteratur" habe ich noch nicht gelesen. Kommt vielleicht wenn auch ich älter werde... Mit GG Marquez kann ich jetzt schon nicht viel anfangen, und Grass und Coetzee wollte ich schon lange mal lesen, aber irgendwie erschienen mir andere Autoren stets interessanter.
    Von Max Frisch las ich hingegen auch die späteren Werke sehr gerne, insbesondere "Montauk" und "Der Mensch erscheint im Holozän", die sich ebenfalls mit den Ängsten des Älterwerdens befassen. Insofern gibt es sicherlich auch hier gute und schlechte Romane

  • Kawabata war bereits über sechzig Jahre alt, als er diese Geschichte verfasste. Er hätte damit gegen seine eigenen Ängste des Älterwerdens angeschrieben

    In diesem Zusammenhang fällt doch auch manchmal der Ausdruck "Altmännerliteratur"

    :uups:

    Kawabata war bei diesen Buch 62 da passt das wirklich noch nicht

    Du hast natürlich recht, in diesem Alter arbeiten sie ja alle noch. Also dann Männer-im-besten-Alter-Literatur, die Angst vor dem Älterwerden haben.

  • Die Kombination von Eros und Thanatos - habe ich das richtig verstanden?

    Ja, kann man ruhig so verstehen, auch wenn die Götter nicht namentlich erwähnt werden. Aber ja, die alten Männer sind sich ihres nahen Todes sehr bewusst, begehren sozusagen ein letztes Mal auf, müssen keine Versagensängste fürchten, weil die Damen nicht wach zu bekommen sind... Das Begehren und Verlangen des Eros ist vorhanden, aber mehr als Erinnerung und Wunschvorstellung.

  • Ein (Online-) Bekannter von mir ist riesiger Kawabata-Fan und versucht schon seit längerem, mir seine Bücher schmackhaft zu machen. Nach deiner Rezension bin ich umso mehr davon überzeugt, dass das nichts für mich ist.


    (Montauk ist übrigen mein Paradebeispiel für Altmännerliteratur. Mit dem Buch konnte ich so gar nichts anfangen - war aber auch erst 17, als ich es gelesen habe, eventuell würde ich das heute auch schon wieder anders sehen).

    "Selber lesen macht kluch."


    If you're going to say what you want to say, you're going to hear what you don't want to hear.
    Roberto Bolaño

  • Montauk ist übrigen mein Paradebeispiel für Altmännerliteratur

    Max Frisch war damals übrigens 64 Jahre alt. Ab wann darf man denn von Altmännerliteratur sprechen?
    Auch wenn ich Deinen Geschmack schwer einschätzen kann, denn Du liest ja auch breit gefächert, so tue ich mich generell schwer asiatische Literatur zu empfehlen. Klar, Murakami ist beliebt, aber Kobo Abe, Kawabata, Banana Yoshimoto und auch Yoko Tawada (die ja auf deutsch schreibt) - sie alle schreiben sehr speziell, und in meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der diese Autoren gerne liest (Murakami ausgenommen).

  • Max Frisch war damals übrigens 64 Jahre alt. Ab wann darf man denn von Altmännerliteratur sprechen?Auch wenn ich Deinen Geschmack schwer einschätzen kann, denn Du liest ja auch breit gefächert, so tue ich mich generell schwer asiatische Literatur zu empfehlen. Klar, Murakami ist beliebt, aber Kobo Abe, Kawabata, Banana Yoshimoto und auch Yoko Tawada (die ja auf deutsch schreibt) - sie alle schreiben sehr speziell, und in meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der diese Autoren gerne liest (Murakami ausgenommen).

    Asiatische Literatur lese ich tatsächlich selten. Hier geht es mir aber um was anderes: Literatur von älteren Männern, die Frauenfiguren nur als Werkzeug nutzen, um über ihre Ältere-Herren-Probleme zu reflektieren, macht mir normalerweise keinen Spaß. :wink:

    "Selber lesen macht kluch."


    If you're going to say what you want to say, you're going to hear what you don't want to hear.
    Roberto Bolaño

  • Vielleicht bin ich dafür noch zu jung, aber ich konnte mit dem Text nicht viel anfangen, und wüsste auch nicht, ob ich ihn „älteren Herren“ in meinem Bekanntenkreis empfehlen würde.

    Danke für die Rezi. Ich halte ja immer mal Ausschau nach japanischen Romanen für den Japan-Liebhaber unter unseren Söhnen, aber dieses Buch brauche ich wohl nicht auf den Merkzettel zu setzen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich kann der Diskussion zur Instrumentalisierung nur in Eurem Sinne beipflichten

    Und so sind alle fünf Kapitel eine Mixtur aus Beschreibungen weiblicher Formen, Gerüche und Erinnerungen an vergangene Leidenschaften.


    ... dieser Hinweis geht aber auch in eine eventuell anders zu deutende Richtung. Sinnlich? Nun, im Allgemeinen war Kawabata als "Ästhet" bekannt, der diese allerdings bis zur berühmten Palmspitze trieb. Ich hoffe nicht, dass reiner Voyeurismus da mitspielte, oder die hier erwähnten Männerphantasien, sondern teils ein nicht instrumentalisierter Blick?


    Äh, ich drücke mich wahrscheinlich schlecht aus. Hoffentlich werde ich nicht mißverstanden.



    Nungesser schrieb:

    Klar, Murakami ist beliebt, aber Kobo Abe, Kawabata, Banana Yoshimoto und auch Yoko Tawada (die ja auf deutsch schreibt) - sie alle schreiben sehr speziell, und in meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der diese Autoren gerne liest (Murakami ausgenommen).

    Ich habe Kobo Abe und Tawada gelesen (als auch einige andere japanische Autoren). Ja, das ist sicherlich speziell, da wir hier - auch bs heute hinein (vielleicht bei Murakami schon weniger spürbar?!) einen anderen Kulturkreis betreten. Das fällt uns nicht so leicht, da wir unsere Denkstrukturen verlassen bzw relativisieren müssen.


    Von Tawada gibt es allerdings Bücher, die diese kulturellen Unterschiede auch beleuchten und ansatzweise erklären. Da denke ich zB an folgendes Buch, das mich sehr beeindruckte...:

  • Ich halte ja immer mal Ausschau nach japanischen Romanen für den Japan-Liebhaber unter unseren Söhnen, aber dieses Buch brauche ich wohl nicht auf den Merkzettel zu setzen.

    Nein, dieses Buch wohl eher nicht. Den Autoren aber vielleicht schon. Tausend Kraniche fand ich ganz gut und hat nur 100 Seiten. Zum Ausprobieren also gut geeignet, denke ich.

    1. (Ø)

      Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag


  • Den Autoren aber vielleicht schon.

    Ich glaube, ich habe ihm schon mal ein Buch von diesem Autor geschenkt. :-k Ich bringe japanische Namen schnell durcheinander, aber dieser kommt mir bekannt vor.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ja, kann man ruhig so verstehen, auch wenn die Götter nicht namentlich erwähnt werden

    Ich meinte eigentlich weniger die Götter als die Freudschen Triebe, die sich
    hier, wie Du das schreibst, ausgesprochen interessant verbinden.
    Mir kommt die Geschichte auch nicht wie eine Geschichte vor, die in dieser Form hätte
    passieren können, sondern eher wie eine Parabel.

    :study:Claudia Bausewein, Sterben ohne Angst. Chancen und Möglichkeiten der Palliativmedizin.

    :musik: und :study: Jo Nesbo, MacBeth.

    :study: Shakespeare, MacBeth.

    :study: Ursula Podnanski, Aquila.

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