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Elena Ferrante - Die Geschichte des verlorenen Kindes/Storia della bambina perduta

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Die Geschichte des verlorenen Kindes: Ba...

4.3|8)

Verlag: Suhrkamp Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 614

ISBN: 9783518425763

Termin: Februar 2018

  • Lila und Lenu, die Ich-Erzählerin, sind nun beide in den Dreißigern und treffen sich im Rione wieder, dem Ort ihrer Kindheit. Lila hat sich gemeinsam mit Enzo, einem Freund ihrer Kindheitstage, ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, während Lenu nach ihrem Studium eine erfolgreiche Autorin wurde. Für ihre große Jugendliebe Nino hat sie ihren Mann verlassen und ist gemeinsam mit ihren beiden Töchtern zurück nach Neapel gezogen. Noch immer verbindet die beiden Frauen ihre Freundschaft aus Kindertagen und als sie zeitgleich schwanger sind, kommen sie sich fast so nahe wie früher. Doch das Leben Beider erfährt jeweils eine dramatische Wendung, die Alles verändert.
    So, wie sich die beiden Protagonistinnen im Laufe der Zeit verändern, wandelt sich auch der Stil des Buches. Während in den vorhergehenden Bänden das 'Außenleben' eine wichtige Rolle spielte, sind es nunmehr die Reflexionen der Ich-Erzählerin über sich selbst und ihre Freundin Lila, die überdies zunehmend komplexer werden. Obwohl Lenu mittlerweile gebildet und erfolgreich ist und Lila gerade einmal die fünfte Klasse Grundschule abgeschlossen hat, verspürt Lenu noch immer Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihrer Freundin. Doch man spürt auch, welchen Einfluss der Rione, ihre neue alte Heimat, auf sie hat. Noch immer ist es ein Ort der Gewalt und der Unterdrückung, obendrein ist mit dem Drogenhandel ein neues Geschäftsfeld aufgetaucht. Die gebildete, erfolgreiche Autorin realisiert, dass ihr diese Welt fremd geworden, während ihre Freundin, die den Rione nie verlassen hat, noch immer ein Teil davon ist. Zunehmend fühlt sich Lenu von Lila manipuliert und benutzt, damit diese ihre eigenen Interessen durchsetzt.
    Beim Lesen war ich immer wieder auf's Neue hin- und hergerissen: Ist Lila tatsächlich so ein Biest, wie Lenu sie gelegentlich beschreibt? Oder ist sie nicht vielmehr eine Art Lichtgestalt, einer der wenigen Menschen, die ihre Werte und Überzeugungen auch dann vertreten, wenn sie ihnen zum Nachteil gereichen? Jemand, die sich der Konsequenz ihrer (eventuellen) Handlungen bewusst ist und entsprechend verstandesmäßig entscheidet? Ihren Verstand stets über ihre Gefühle stellt? Und Lenu nur aufgrund ihrer Komplexe Lila alles Mögliche unterstellt? Ich bin mir sicher, diese vier Bände werden künftigen GermanistikstudentInnen eine Menge Material für Interpretationen und Erörterungen bieten ;-)
    Ich habe die Figuren dieser Neapel-Saga während des Lesens der vier Bände lieb gewonnen und hatte das Gefühl, mich tatsächlich im Rione ein bisschen auszukennen. Vielleicht sollte ich nun, nachdem ich von dort nichts mehr zu Lesen bekomme, mal selber nach Neapel fahren :wink:

  • Danke Xirxe!


    Ich habe die Figuren dieser Neapel-Saga während des Lesens der vier Bände lieb gewonnen und hatte das Gefühl, mich tatsächlich im Rione ein bisschen auszukennen. Vielleicht sollte ich nun, nachdem ich von dort nichts mehr zu Lesen bekomme, mal selber nach Neapel fahren :wink:

    Nu, diese Serie ist vorbei, aber wenn Du noch Literatur zu und von Neapel suchst, solltest Du fündig werden, oder? Es gibt wohl mehrere Bücher von Erri de Luca, die dort spielen. Oder Roberto Saviano, Oder, siehe: https://www.perlentaucher.de/stichwort/neapel/buecher.html

  • Nu, diese Serie ist vorbei, aber wenn Du noch Literatur zu und von Neapel suchst, solltest Du fündig werden, oder? Es gibt wohl mehrere Bücher von Erri de Luca, die dort spielen. Oder Roberto Saviano, Oder, siehe: perlentaucher.de/stichwort/neapel/buecher.html

    :lol: Ob die aber auch Alle vom Rione handeln :wink: ? Doch im Ernst: Ich vermute, Saviano kommt den Beschreibungen Ferrantes ziemlich nahe, wobei er ja meist dokumentarisch ist. Denn 'Das Gegenteil von Tod' war beeindruckend und bedrückend zugleich, allerdings könnte ich von diesem 'Stoff' wohl keine vier Bände lesen, ohne danach einen Heulkrampf zu bekommen. 'Gomorrha' liegt aber schon hier und auch sein neues Buch 'Der Clan der Kinder' hört sich vielversprechend an.
    Danke auf jeden Fall für Deine Hilfestellung :)

  • Ja, Saviano hat etwas Dokumentarisches. Das Gegenteil von Tod hat mir sher gut gefallen, wenn es auch etwas stickig dabei wird. Gomorrha muss schon harter Tobak sein. Ich hätte ihn noch eine "Gangart" schärfer eingeschätzt als Ferrante.
    Atmosphärisch könnte ich mir vorstellen, dass dieses natürlich viel kürzere Büchlein von Erri de Luca in die Richtung von Ferrante geht: Erri de Luca - Ich bin da / Montedidio ? De Luca ist gebürtiger Napoiltaner, und hat einige seiner Romane dort angesiedelt. Leider sind sie nicht (alle) auf Deutsch übertragen... (nun, die Welt ist nicht vollkommen!)

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