Stefan Zweig - Magellan

  • Buchdetails

    Titel: Magellan: Der Mann und seine Tat


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 336

    ISBN: 9783596903580

    Termin: August 2011

  • Bewertung

    4.2 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

    84% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Magellan: Der Mann und seine Tat"

    Für Stefan Zweig ist Magellans Weltumsegelung die vielleicht »herrlichste Odyssee« in der Geschichte berühmter Reisen und Entdeckungen. Auf der Spur dieses Abenteuers, das den ersten endgültigen Beweis für die Kugelgestalt der Erde liefert, erzählt Stefan Zweig die Geschichte eines Lebens, in dem Traum und Wirklichkeit eng verschwistert sind: »Ich hatte ununterbrochen das merkwürdige Gefühl, etwas Erfundenes zu erzählen, einen der großen Wunschträume, eines der heiligen Märchen der Menschheit.« Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.
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  • Klappentext (dem Buch entnommen)
    Magellan, der portugiesische Entdecker und erste Weltumsegler, war ein wagemutiger Mann und unbezwingbarer Charakter. Sein abenteuerliches Leben und tragisches Ende hat Stefan Zweig auf unnachahmliche Art geschildert: kenntnisreich, emotional und sprachmächtig, dabei spannend wie ein Krimi.
    „Magellan“ ist eine Romanbiografie aus der Zeit der spanischen Konquistadoren, als die Weltmeere zum Schauplatz einer kühnen Tat wurden.


    Autorenportrait (gefunden bei Thalia)
    Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren und lebte ab 1919 in Salzburg, bevor er 1938 nach England, später in die USA und schließlich 1941 nach Brasilien emigrierte. Mit seinen Erzählungen und historischen Darstellungen erreichte er weltweit ein Millionenpublikum. Zuletzt vollendete er seine Autobiographie „Die Welt von Gestern“ und die „Schachnovelle“. "Magellan" wurde 1938 veröffentlicht.
    Am 23. Februar 1942 schied er zusammen mit seiner Frau „aus freiem Willen und mit klaren Sinnen“ aus dem Leben.


    Meine Gedanken und Eindrücke
    In der Einleitung berichtet Stefan Zweig, dass ihn seine erste Brasilienreise zu diesem Buch inspiriert hatte. Dies ist weniger seiner Begeisterung für die Seefahrt zu verdanken, vielmehr plagten ihn während der Überfahrt Ungeduld und Langeweile. Erst im Gedenken an die Männer, die sich vor Jahrhunderten in ihren Nussschalen auf die Fahrt ins Unbekannte aufmachten, wird er sich des Luxus bewusst, der ihn umgibt. Aus diesem Schuldgefühl heraus ist ein wunderbares Werk der Weltliteratur entstanden, das ich mit großer Freude gelesen habe.
    Besonders gut hat mir gefallen, dass sich Stefan Zweig hinsichtlich Magellans Lebensdaten möglichst nahe an die bekannten Tatsachen hält, und sich keine dichterischen Freiheiten erlaubt. Wohl dem Stande eines Edelmannes angehörend, hat Magellan das Handwerk zur See und als Kriegsmann von Grund auf unter härtesten Bedingungen erlernt. Da es über den einfachen Matrosen und Soldaten keine Aufzeichnungen gibt, widmet sich der Autor der Seefahrt jener Zeit im allgemeinen, und würdigt die Leistungen Heinrich des Seefahrers, der zwar nie zur See fuhr, aber über Jahrzehnte die Grundlagen für die späteren Erfolge der portugiesischen Entdeckungsreisen legte.
    Als sich der Portugiese Magellan schließlich unter spanischer Flagge mit 5 Schiffen und 265 Mann Besatzung auf die Reise ins Ungewisse machte, war ich vom wagemutigen Unternehmen, das auf sehr vagen Annahmen basierte, ebenso gefangen wie von der ausdrucksstarken Sprache Stefan Zweigs. Ferdinand Magellan tritt uns als sehr schweigsamer, düsterer, aber äußerst um- und weitsichtiger Kapitän entgegen, der sich um jedes, auch noch so winzige Detail kümmert. Beinahe unlösbar muss ihm die Aufgabe erschienen sein, allein den Proviant für seine Mannschaft richtig zu berechnen. Der Kapitän verfügte über kein gesichertes Wissen hinsichtlich der Entfernungen, und wusste auch nicht mit letzter Sicherheit, ob tatsächlich eine Verbindungsstraße zwischen dem Atlantik und dem Pazifik existiert. Dennoch war er nicht bereit, seine Sorgen und Zweifel mit den Kapitänen der vier anderen Schiffe zu teilen. Eisern verlangte er die völlige Unterordnung unter sein Kommando; Kommunikation und Beratung sind nicht die Mittel seiner Wahl.
    Magellan erscheint allerdings nie ungerecht oder gar brutal, verfügt er doch über ein außergewöhnliches Maß an Geduld und vorausberechnender Weitsicht. Unüberlegte Handlungen gehören nicht zu seinem Wesen, dafür Unnachgiebigkeit und Festigkeit in allen einmal getroffenen Entscheidungen. Was ihn dennoch - trotz aller Härte - vor allen anderen Konquistadoren auszeichnet, ist sein unbeugsamer Wille zur Humanität. Wahrscheinlich bedurfte es genau dieses Charakters um die beinahe unmögliche Tat zu wagen.
    Unvorstellbar müssen dem heutigen Leser die Qualen erscheinen, die die gesamte Mannschaft auf ihrer Fahrt zu erdulden hatte, unglaublich der geringfügige Anlass, der Magellan nach seiner fast übermenschlichen Leistung schließlich das Leben kosten wird. Die Verbindungsstraße zwischen den großen Weltmeeren ist gefunden und durchfahren, doch die mutige Vollendung, die Umrundung der Erde, die siegreiche Heimkehr, wird er nicht mehr erleben. Und doch muss es wie ein Wunder erscheinen, dass wenigstens ein einziges, kaum noch seetüchtiges Schiff mit einer halb verhungerten Besatzung, aber kostbarer Fracht, den Heimathafen erreicht.
    Die letzten Gedanken Stefan Zweigs gelten nicht allein der glücklichen Heimkehr, sondern auch dem Nutzen der großen Tat für nachfolgende Generationen. Nur gut, dass die Mutigen, die unter schier unmenschlichen Strapazen ihr Leben gaben, davon keine Kenntnis mehr erlangten.
    Glaubwürdig hat Stefan Zweig den großen Seefahrer vor dem historischen Hintergrund seiner Zeit dargestellt, seinen Charakter behutsam erforscht und beschrieben, aber auch die Schwierigkeiten, die er seinen Schicksalsgenossen durch seinen Starrsinn bereitet hat, nicht verschwiegen.
    Mir hat dieses Buch einmal mehr gezeigt, dass allein das Leben die spannendsten Geschichten zu schreiben vermag, Stefan Zweig hat ihm Jahrhunderte später seine eindrucksvolle Stimme verliehen.

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