Haruki Murakami - Eine Idee erscheint / Arawareru idea

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Die Ermordung des Commendatore Band 1: E...

4|11)

Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 480

ISBN: 9783832198916

Termin: Januar 2018

  • Nun, so allmählich wiederholt sich auch der gute Haruki Murakami in seinen Werken - die tendenzielle Grundidee seiner mittlerweile doch zahlreichen Werke, nämlich vordergründig bittersüße Absurditäten die in der Regel ein mit der Einsamkeit in der Gesellschaft des mordernen Japans fremdelnder, männlicher Eigenbrötler erlebt, zieht sich doch ein wenig wie ein roter Faden durch die Bibliographie meines Lieblingsautors. Im neuesten Werk, dem ersten Band des Zweiteilers mit dem Namen 'Die Ermordung des Commendatore', ist mir das erstmals so richtig bewusst geworden, denn die Parallelen zu anderen Werken (Mr Aufziehvogel, die beiden Schafsmann-Romane u.w.) sind hier doch sehr offenkundig.
    Ähnlich wie in anderen Geschichten Murakamis, wird der männliche Protagonist durch die unfreiwillige Beendigung einer Liebesbeziehung ordentlich aus der Bahn geworfen. In diesem Fall zieht sich der namenlose Hauptcharakter, hauptberuflich Portraitmaler, in die Abgeschiedenheit eines Anwesens im Gebirge zurück, wo er sich mehr oder minder treiben lässt, bis er den Auftrag erhält, den in der neuen Nachbarschaft residierenden, ebenso mysteriösen wie in Geld schwimmenden Menshiki zu portraitieren.
    Gleichzeitig spielt sich auch in und um das Haus, in welches sich der Hauptcharakter zurückgezogen hat, und welches früher von dem berühmten Maler Tomohiko Amada bewohnt wurde, höchst gespenstisch-mysteriöses ab...
    Murakamis neuestes Werk steht insbesondere Hinsichtlich des Gruselfaktors anderen Werken wie 'Tanz mit dem Schafsmann' (erwähnt sei hier nur die schaurige Szenerie im Hotel Delfin und den dortigen Aufzügen...) in nichts nach. Darüber hinaus verfliegen die knapp 470 Seiten sehr schnell - trotz der für Murakami nicht unüblichen, eher langsamen Erzählweise.
    Das Lesevergnügen war auch in diesem Fall sehr groß und in jedem Maße fesselnd - der vorliegende Murakami ist in vielerlei Beziehung typisch für den Autor und man bekommt, was man erwarten kann - nicht mehr aber auch nicht weniger - wenngleich das Werk aufgrund der zahlreichen Anleihen aus anderen Büchern des Autors eine besondere Eigenständigkeit für meinen Geschmack vermissen lässt. Möglicherweise kommt das aber noch im zweiten Teil, welcher im April diesen Jahres erscheint - ich freue mich schon sehr darauf.

    "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)


    :montag:

  • Ich möchte doch darum bitten, den Buchtitel hier nicht zu kürzen. Das Buch heißt 'Die Ermordung des Commendatore' und nicht lediglich 'Eine Idee tritt auf'.

    "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)


    :montag:

  • Nicht ganz. "Die Ermordung des Commendatore" ist der Reihentitel - immerhin gibt es ja auch einen zweiten Band, der im April heraus kommt (s.u.). Und wie wir immer wieder erwähnen, gehören Reihentitel hier bei uns nicht in die Titelzeile. 8)

  • Dann wünsche ich dem nächsten BT-User viel Spaß, wenn er oder sie demnächst in der Buchhandlung nach Haruki Murakami's neuem Buch 'Eine Idee tritt auf' sucht. :montag:
    Ein Buch, welches aufgrund des Umfangs in zwei Teilen separat veröffentlicht wird, ist für mich auch keine ''Reihe'' im klassischen Sinne, wie du es beschreibst - oder wie wäre das dann bspw. bei Murakamis Werk 1Q84, von welchem die ersten beiden Teile gemeinsam, und der abschließende dritte Teil als Einzelband veröffentlicht wurden. Diesen müsste ich nach dieser Logik hier also unter dem Namen 'Buch 3' rezensieren, da der Reihentitel 1Q84 ist? Und die Titelzeile wäre bspw. in diesem Thread hier demnach auch falsch?


    (Diese Anfrage könnt ihr gerne löschen, hat sie mit der Rezension ja nicht direkt zu tun - eine entsprechende Rückmeldung wäre dennoch hilfreich.)

    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


    "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)


    :montag:

  • Ich muss oder darf hier @Eol zustimmen. Da ich im Moment gerade den Literaturclub in SRF anhöre und dieses Buch besprochen wird. Es heisst klar und deutlich "Die Ermordung des Commendatore" - Untertitel "Eine Idee tritt auf"
    Es wäre schade nun willkürlich die Titelzeile der Rezension (übrigens eine Rezension welche sehr gefällt) zu ändern, denn das wäre eine Verfälschung, und die nächsten Leser finden das Buch nicht.


    Zudem ist ja schon bekannt wie der zweite Band heisst. Da ist nichts mehr mit "Eine Idee tritt auf"
    sondern
    "Die Ermordung des Commendatore Band 2: Eine Metapher wandelt sich"

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

  • Zunächst einmal wird der Gesamttitel zusammen mit dem Titelbild ja dank der Verlinkung mit der Amazon-Datenbank unterhalb der Titelzeile vollständig angezeigt, weswegen es unwahrscheinlich erscheint, dass Beitragsleserinnen und - leser dies nicht mitbekommen und man ihnen in der Buchhandlung nciht weiterhelfen kann. Außerdem dürfte bei einem so profilierten Autoren wie Murakami jeder im Buchhandel wissen, was "der neue Murakami" ist, wenn man danach fragt. :D


    Die Frage, was als Reihe definiert wird ist immer ein wenig problematisch, da Verlage und Autoren da je nach Veröffentlichungssituation sehr unterschiedlich vorgehen. Bei 1Q84 - genau wie bei anderem merhbändigen Titel, wo es als einziges Unterscheidungsmerkmal eine laufende Nummer gibt lassen wir natürlich den Reihentitel vor der Nummer stehen, weil wir sonst ziemlich viele Bechreihen hätten, die alle nur 1 - n in der Titelzeile stehen hätten. Hier, wo jeder Band einen eigenen Namen hat, wie ich ja bereits in meinem ersten Beitrag hier erwähnt hatte, ist der "Reihentitel" allerdings nicht in gleichem Maße zu Identifikation notwendig. "Band1" und "Band 2" mit jeweils eigenem klar unterschiedbaren Titel sind da doch wesnetlich klarer als zwei Titel einer - wenn auch kleinen - Reihe zu identifizieren.

  • Habe gerade noch den Originaltitel dieses Einzelbandes (das Buch erscheint wohl auch in Japan als Doppelband) oben eingesetzt. Der Titel des zweiten Bands im Original ist übrigens: Utsurou metaphor 遷ろうメタファー

  • Haruki Murakami zählt für mich zu den am schwersten zu rezensierenden Autoren überhaupt. Eben weil seine Bücher oft an der Grenze zwischen Realität und Fiktion, Handlung und surrealem Gedankenspiel angesiedelt sind. Und weil sich ihre Bedeutung in den allerseltensten Fällen in einer Nacherzählung dessen erschöpft, was in dem Buch geschieht. Dennoch will ich es in diesem Fall einmal versuchen.


    Man muss sicherlich wissen, dass dieses neueste Epos aus dem Hause Murakami auf zwei Bände angelegt ist – der zweite erscheint im April 2018. Es ist also nur natürlich, dass dieser Band mit vielen offenen Fragen und losen Handlungsfäden endet.


    Vieles ist typisch für Murakami – wir haben einen namenlosen, von seiner Frau verlassenen Helden, der zur Einsamkeit und Nachdenklichkeit neigt. Wir haben in seiner unmittelbaren Umgebung etliche rätselhafte Figuren und Geschehnisse. Wir haben Menschen, die verschwinden, Menschen, die ein Geheimnis aus sich machen. Wir haben flüchtige Liebschaften. Und wir haben die Kunst und das Leben, sowie eine Prise Übernatürliches.


    Ungewöhnlich an diesem Band finde ich eines der Hauptthemen – eben die Malerei, und die Kunst. Murakami wendet sich hier einem für ihn neuen Bereich zu. Er lässt sehr lebendig werden, wie der Schaffensprozess eines Künstlers, zudem eines Malers, verläuft. Wir folgen vielen Gedankengängen über Authentizität, Ausdruck und Schaffensdrang.


    Den Klappentext kann man, wie öfters bei Murakami, getrost vergessen. Sicher, es geht um diesen einsamen Maler, der einen rätselhaften Auftrag annimmt. Aber zugleich geht es überhaupt nicht darum. Es geht darum, dass sich nach dem Auffinden eines geheimnisvollen Bildes auf dem Dachboden die seltsamen Geschehnisse häufen. Der Maler beginnt zu ahnen, dass mysteriöse Kräfte am Werk sind, die etwas von ihm erwarten. Nur was? Das wird sich sicher erst im zweiten Band auflösen lassen. Möglich scheint eine Verwicklung mit dem Bereich der Politik, da das Buch mit dem Zitat eines Malers im KZ endet. Aber hier wäre ich vorsichtig.


    Ich habe das Buch in tiefsten Zügen genossen. Die Sprache ist wieder einmal einfach, klar und lebendig. Noch die beiläufigsten Episoden werden mit einer schwülen Atmosphäre aufgeladen, dass man als Leser ganz „wuschig“ wird. Man stellt sich, zusammen mit dem Helden, unzählige Fragen. Sinnfragen, Fragen über die Liebe, das Jenseits, die Kunst. Und natürlich Fragen über die Geschichte des mysteriösen Bildes vom Dachboden…


    Mehr mag ich gar nicht erzählen über dieses Buch. Es ist für mich in sich selbst ein sprachliches Kunstwerk sondergleichen. Und ich frage mich – wenn Murakami jetzt nicht bald den Nobelpreis für Literatur gewinnt, dann bin ich ehrlich gesagt ratlos.

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)

  • Ih habe jetzt knapp die Hälfte gelesen und komme aus dem Kopfschütteln und Augenrollen gar nicht mehr heraus. Was soll das denn??? ?(
    Eine Geschichte, die sich zieht wie Kaugummi, an den Haaren herbeigezogene Spannung, flache Charaktere, dümmliche Dialoge und eine nichtssagende Sprache machen es mir wirklich schwer, dem Buch irgendetwas Positives abzugewinnen. Ich habe den Hype um Murakami noch nie verstanden und wollte ihm mit diesem Buch noch eine letzte Chance geben, aber so wie es aussieht, wird das nichts mit uns. Die Geschmäcker sind verschieden, ich weiß, und ich weiß auch, dass ich nicht jeden Hype verstehen muss, aber Murakami allen Ernstes mit dem Nobelpreis für Literatur in Verbindung zu bringen, halte ich für einen schlechten Scherz. :roll:


    Das bisher einzig Gute an dem Buch: Es liest sich flüssig runter und ist bestens geeignet als Lektüre für unterwegs oder um Wartezeiten zu überbrücken. Deshalb werde ich es auch zu Ende lesen und mich abschließend noch mal melden.

    :montag: Celeste Ng - Was ich euch nicht erzählte


    "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
    (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)


  • aber Murakami allen Ernstes mit dem Nobelpreis für Literatur in Verbindung zu bringen, halte ich für einen schlechten Scherz.

    Nobelpreis für Literatur war aber Ishiguro :mrgreen:
    Ich mag von Murakami auch nur diese etwas abgedrehteren Bücher. Hardboiled Wonderland zum Beispiel :love:

    :study: Isenhart - Holger Karsten Schmidt

    :montag: Das Kupferversprechen - Jen Williams

    :montag: Der Mond des Vergessens - Brian Lee Durfee (MLR)

    :musik: Wolkenschloss - Kerstin Gier

  • Nobelpreis für Literatur war aber Ishiguro

    Ich glaube, @Siebenstein bezieht sich auf den Post über ihrem, wo der Nobelpreis für Murakami gefordert wird. :wink:


    Das Buch habe ich eben in meiner Bücherei entdeckt und vorbestellt. Dann kann ich hier auch mitreden. Es gibt Bücher von ihm, die ich großartig fand wie "Kafka am Strand", "Hard-boiled Wonderland" habe ich abgebrochen.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Ich glaube, @Siebenstein bezieht sich auf den Post über ihrem, wo der Nobelpreis für Murakami gefordert wird. :wink:
    .

    Danke, @Marie, so war es gemeint. Man hört und liest ja immer mal wieder, dass Murakami den Nobelpreis für Literatur verdient hätte. Ich bin dann jedesmal fassungslos und frage mich, wie man darauf kommen kann. :scratch:

    :montag: Celeste Ng - Was ich euch nicht erzählte


    "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
    (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)


  • Eine Geschichte, die sich zieht wie Kaugummi, an den Haaren herbeigezogene Spannung, flache Charaktere, dümmliche Dialoge und eine nichtssagende Sprache machen es mir wirklich schwer,

    Da muss ich dir recht geben, Siebenstein. Die Geschichte langweilt ein wenig, Wiederholungen und Plattitüden machen es nicht besser.
    Andere Romane des Autoren habe ich lieber gelesen.

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Ja, zum Glück sind die Geschmäcker verschieden...
    Ich gönne jedem von Herzen seine Meinung.


    Scheinbar bin ich nunmal so veranlagt, dass mir Murakamis "Schreibe" etwas sagt... :uups::uups:

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)

  • Murakami ist einer von denen, die die Leserschaft enorm spalten - die einen lieben ihn, die anderen können gar nichts mit ihm anfangen (ich gehöre auch eher zur zweiten Fraktion ...)

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