Betty Smith - Ein Baum wächst in Brooklyn / A Tree Grows in Brooklyn

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Ein Baum wächst in Brooklyn

5|4)

Verlag: Insel Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 621

ISBN: 9783458363804

Termin: November 2018

  • Ein Baum wächst in Brooklyn von Betty Smith hat mir meine Buchverkäuferin empfohlen. Betty Smith soll eine vergessene Autorin sein, und tatsächlich findet sich zumindest bei Wikipedia kaum Biografisches über sie.


    Am 15. Dezember 1896 wurde sie in Brooklyn, New York, als Elizabeth Lillian Wehner geboren. Ihre Eltern, John Wehner und Kate Hummel, waren beide Kinder deutscher Einwanderer.
    Vom Klappentext erfahre ich noch, dass sie in armen Verhältnissen aufwuchs. Sie zog mit ihrem ersten Ehemann nach Michigan, durfte sich zwar nicht an der Universität einschreiben, nahm aber an den dortigen Kursen teil.
    Am 17. Januar 1972 starb Betty Smith in Shelton, Connecticut.


    Ihr erster Roman Ein Baum wächst in Brooklyn (1943) schlug sofort ein und führte die amerkanische Bestsellerliste an. Er wurde sogar für den Pulitzer-Preis nominiert. Elia Kazan verfilmte das Buch 1945; er bekam einen Oscar für James Dunn als Bester Nebendarsteller und einen Juvenile Award (Jugendoskar, der in der Filmgeschichte nur zwölf Mal verliehen wurde) für Peggy Ann Garner. 1951 wurde die Geschichte am Broadway aufgeführt.
    1947 erschien das Buch in Deutschland und wurde jetzt, übersetzt von Eike Schönfeld, vom Insel Verlag neu aufgelegt. Schönfeld wurde 1949 geboren, übersetzt aus dem Englischen, z. B. Vladimir Nabokov, J. D. Salinger, Jeffrey Eugenides und Richard Yates.


    Es ist der Sommer des Jahres 1912 in Brooklyn, New York. Hier lebt Francie mit ihrem Bruder Neeley und den Eltern in ärmlichen Verhältnissen. Die Eltern sind aus Irland hierher eingewandert. Für ein paar Pennys sammeln Neeley und Francie Lumpen, Papier, Metall, Gummi und anderen Trödel.
    Ihre Mama ist Hausmeisterin und hält drei Mietshäuser sauber. Ihr Vater ist ein Trinker, von Beruf singender Kellner. Er träumt von einer Zeit, wo der Mensch arbeitet und auch noch Zeit für sich hat.
    Francie ist eine Leseratte. Aus der Bücherei liest sie in alphabetischer Reihenfolge jeden Tag ein Buch. Samstags holt sie sich zwei. Da lässt sie sich zusätzlich von der Bibliothekarin eines vorschlagen. Die scheint aber unter ihrem Tresen immer dieselben zwei Bücher liegen zu haben. Und da sie die vielen Kinder nie anschaut, liest Francie jedes Wochenende dieselben Bücher.


    Mich überrascht, dass zu dieser Zeit schon so viele Kinder eine Bibliothek besuchten.

  • Betty Smith gefällt mir äußerst gut. Habe heute Vormittag 90 Seiten gelesen.


    Francies Familie wurde nun näher vorgestellt. Die Eltern, Großeltern und nähere Verwandtschaft.
    Besonders schön zu lesen war ein Gespräch zwischen Francies Mutter und Oma. Die Oma hat ihrer Tochter gelehrt, ihren Kindern unbedingt das Lesen und Schreiben beizubringen. Was diese auch tat. Francie hat von klein auf vorgelesen bekommen.
    Zwei Bücher soll sie unbedingt kaufen: Einen gewissen Shakespeare und eine protestantische Bibel. Und sie soll sich eine Spardose anlegen und Geld sammeln für ein eigenes Haus mit Grund und Boden, damit sie unabhängig wäre.
    Und währen Francies Vater seit ihrer Geburt nichts mehr auf die Reihe bekommt, weil er sich vom Leben betrogen fühlt, nimmt die Mutter sich die Worte ihrer Mutter zu Herzen und verfolgt ihren Lebensplan.

  • Ein Baum wächst in Brooklyn gefällt mir immer mehr. Betty Smith hatte eine sehr schöne Sprache. Diese nimmt dem Traurigen, über das man liest, ein wenig den Stachel.
    Francie entdeckt eine Schule, in die sie viel lieber gehen würde, als in ihre eigene, wo die Kinder den meisten Lehrerinnen egal sind. Sie tun sich nur mit den Kindern aus gutbetuchten Elternhäusern gut.
    Um in diese andere Schule gehen zu können, müsste die Familie aber umziehen und Francie weiß genau, dass ihre Mutter das nicht macht. So ersinnt der Vater eine List: Er schreibt an die Rektorin einen Brief mit der Mitteilung, dass Francie zu Verwandten in ein anderes Viertel zieht und sie möge sie dort bitte an der Schule anmelden.
    Und Francie kann ihr Glück kaum fassen, als das wirklich klappt. Und sie ist eine vorbildliche Schülerin, sodass niemand je einen Grund hätte, einen Brief an die Eltern zu schreiben.


    Mit der Zeit lernt Francie, dass es außer ihrer eigenen kleinen Welt auch noch eine andere gibt.


    Unterdes macht sich ihre Mutter so ihre eigenen Gedanken über ihre Kinder. Sie merkt, wie Francie ihr langsam entgleitet. Und sie weiß jetzt schon, dass sie später noch weniger miteinander auskommen werden, als jetzt. Sie erinnert sich daran, was ihre Mutter ihr erzählt hat. Aber sie weiß auch, dass täglich eine Seite vorlesen nicht reicht. Das Zauberwort heißt Bildung.

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