Paolo Cognetti - Acht Berge/Le otto montagne

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Acht Berge

4.5|4)

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 256

ISBN: 9783421047786

Termin: September 2017

  • Inhalt:
    Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben? (Quelle: Verlagsseite)


    Der Autor:
    Paolo Cognetti, 1978 in Mailand geboren, verbringt die Sommermonate am liebsten in seiner Hütte im Aostatal auf 2000 Metern Höhe. Er hat Mathematik studiert, einen Abschluss an der Filmhochschule gemacht und Dokumentarfilme produziert, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Auf Italienisch sind von ihm schon Erzählbände und zwei Romane veröffentlicht worden. »Acht Berge« stand über Monate auf Platz 1 der Bestseller in Italien; der Roman erhielt u.a. den renommiertesten italienischen Literaturpreis, den Premio Strega, und erscheint in rund 40 Ländern.(Quelle: Verlagsseite)


    Mein Eindruck:
    Vor der Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück und den verschiedenen Lebenswegen.
    Im Sommer lassen Pietro und seine Eltern ihr Mailänder Stadtleben hinter sich und verbringen die Ferien im Aostatal. Sein Vater ist ein begeisterter Bergsteiger, der allerdings nur das Erreichen des Gipfels im Sinn hat. Er macht nie Pausen, schaut nie nach rechts oder links.
    Auch Pietro soll diese Begeisterung teilen und muss den Vater begleiten. Doch Pietro leidet unter Höhenangst, für ihn sind die Touren kein Vergnügen. Wäre seine Mutter nicht gewesen, der die Mitte reichte, die Bergdörfer und Wiesen liebt und sich gerne dort aufhält,so hätte er keine Zuneigung zu der Umgebung und den Bergen gefasst.
    Pietro lernt Bruno, ein typisches Naturkind kennen. Mit ihm erkundet er die Umgebung, es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die das ganze Leben anhalten wird.
    Bruno lebt bei seinem Onkel und arbeitet als Hirtenjunge für ihn. Sein Vater ist ein Trinker und seine Mutter hat sich ganz in sich zurückgezogen.
    Bruno und Pietro verbringen viel Zeit miteinander, brauchen nicht viele Worte und vertrauen einander, obwohl ihre Lebenswelten nicht unterschiedlicher sein könnten.
    Pietro kehrt nach den Sommerferien mit seinen Eltern zurück nach Mailand, wissend, dass er Bruno im nächsten Sommer wiedersehen wird.
    Doch wie das Leben so spielt, treibt es die beiden dennoch erst einmal auseinander. Während Bruno im Dorf bleibt und den familiären Traditionen folgt, bereist Pietro als Dokumentarfilmer die Welt und kommt sogar bis zum Himalaya. Dort lernt er die Legende von den acht Bergen kennen, welche Sinnbild für seine Freundschaft ist.

    Pietro, der zwischen Heim-und Fernweh schwankt, stellt sich Fragen nach dem Sinn des Lebens, welcher Lebensentwurf der richtige ist.
    Der Roman beantwortet diese Frage zum Glück nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden und die Entscheidung des anderen akzeptieren.
    Nicht zu vergessen sind die wunderbaren Naturbeschreibungen, die Beschreibungen der Landschaft, der Berge - wobei nicht vergessen wird, dass auch in dieser archaischen Welt Veränderungen stattfinden - Modernisierungen, wie Skilifte und Straßen entstehen.
    Wenn ich mir die Biographie des Autoren ansehe, ist doch sicher eine autobiographische Färbung des Romanes nicht auszuschließen?

    1. (Ø)

      Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt


    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Eine unerschütterliche Freundschaft. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Die Sehnsucht nach Heimat


    Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?


    Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche archaische Geschichte über die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals, über das Leben, die Liebe und den Tod...(Klappentext)


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    Dieser Roman erzählt die Geschichte von zwei Männern die sich schon seit ihrer Kindheit kennen und so grundverschieden wie Tag und Nacht sind. Doch trotzdem, oder gerade deswegen, verbindet sie eine ganz besonders innige Freundschaft. Eine Freundschaft die oft ganz ohne Worte auskommt und über weite Distanzen bestehen bleibt.


    Erzählt wird aus der Perspektive von Pietro und somit seine Reise des Erwachsenwerdens - eine Reise auf den verlassenen Tälern des Lebens und immer eng verbunden mit den Bergen und der Freundschaft zu Bruno.
    Jeder geht als Erwachsener seiner eigenen Wege, den einen treibt es fort, der andere bleibt. Jeder sucht auf seine Weise sein Glück und seine Bestimmung, doch in den Bergen kommen sie immer wieder zusammen.


    Der Schreibstil ist flüssig und die Erzählweise in ruhigen und melancholischen Tönen gehalten. Und trotzdem fesselt die Geschichte und lässt einen immer weiterlesen.
    Zudem enthält der Roman atemberaubende Naturbeschreibungen über Gebirgsbäche, Gletscher und Almen, die einem die Liebe zu den Bergen spüren lässt und die Empfindungen einer Besteigung dieser näher bringt.


    "Meine Qualen endeten abrupt. Ich überwand eine letzte Steigung, umrundete eine Felsnase und fand mich auf einmal von einem Turm aus Steinen oder einem von Blitzeinschlägen gezeichneten Eisenkreuz wieder. Der Rucksack meines Vaters lag am Boden, und um uns herum war nichts als Himmel..." (S. 43)


    Doch dieser Roman enthält so viel mehr als die bloße Geschichte zweier Jungen und ihr Erwachsenwerden. Er enthält eine Biographie des Lebens mit all seinen Fragen, Hürden und Kämpfen. Und obwohl der Schreibstil einfach gehalten wird, besitzt er so viel Poesie, welche sich durch die Berge zum Ausdruck bringt.


    "Die Vergangenheit ist das Tal und die Zukunft der Berg [....]. Was auch immer das Schicksal für uns bereithält - es kommt von den Bergen, die über uns emporragen..." (S. 32)


    Dies lässt einem selbst so manches im Leben verstehen oder zumindest über so manches nachdenken.


    "Denn ein Ort bewahrt immer auch die eigene Geschichte, damit man sie bei jedem Besuch als neue Revue passieren lassen kann. Und solche Berge kann es nur einmal im Leben geben. Im Vergleich dazu sind alle anderen bedeutungslos, sogar der Himalaja" (S. 230)


    Man könnte unendlich aus diesem Roman zitieren, dabei träumen, verstehen und nachdenken.


    Fazit:
    Ein Roman mit wenig Dialogen, vielen Gedanken und Poesie und noch mehr Liebe zu den Bergen.
    Eine Geschichte die einen über das Leben nachdenken und manchmal begreifen lässt. Unglaublich schön, unglaublich intensiv.
    Absolute Leseempfehlung! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: 


    © Pink Anemone

  • Danke für Eure Beiträge! Ich verspüre schon eine große Vorfreude auf das ! Das sollte dieses Jahr noch drin sein…


    ... bereist Pietro als Dokumentarfilmer die Welt und kommt sogar bis zum Himalaya. Dort lernt er die Legende von den acht Bergen kennen, welche Sinnbild für seine Freundschaft ist.

    Nach dem Zitat hört es sich arg esoterisch an, ist das so?

    Wenn ich diesen Abschnitt richtig verstehe, handelt es sich also bei « den acht Bergen und den acht Meeren » um eine Anspielung auf einen Mythos, eine Legende von der Schöpfung, bzw der Welterklärung aus dem Himalaya. Insofern nicht einfach eine Esoterik, sondern eine Form der Annäherung um die Welt zu entschlüsseln. Elemente erinnern dabei zB an den Mythos aus der Schöpfungsgeschichte in Genesis. Siehe auch :http://www.himalayanvoices.org…plore/factsheets/myth/467


    Von einem anderen Buch Cognettis her schätze ich ihn eher als einen modernen Thoreau ein…


    Was allerdings das Symbol des achträdrigen Kreises anbetrifft, findet man es auch durchaus als Bild in einigen christlichen Darstellungen und Bildern, zB ganz besonders berühmt bei Dorotheus von Gaza (Wüstenvater und Mönch aus dem VI.Jahrhundert). Wenn es ums Wesentliche geht kommt man oft an Bildern, Analogien, Gleichnissen nicht vorbei:


    Imagine that the world is a circle, that God is the center, and that the radii are the different ways human beings live. When those who wish to come closer to God walk towards the center of the circle, they come closer to one another at the same time as to God. The closer they come to God, the closer they come to one another. And the closer they come to one another, the closer they come to God.


    Übrigens hat das Monte-Rosa-Massiv zB alleine schon zwölf Gipfel über viertausend Meter… :
    https://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Rosa

  • Da nun von den "Acht Bergen" die Rede war, dachte ich unweigerlich an schon gelesene Bücher des Autors. Ich hatte eines schon hier kommentiert Paolo Cognetti – Il ragazzo selvatico-Quaderno di montagna / Le garçon sauvage-Carnet de montagne
    Und ich fand manche Bemerkungen in diesem Fred hier, die mich eben stark an meine Lektüre erinnerten. Nun überprüfte ich, ob es eventuell übersetzt worden ist. Und, taratara, hat man Lunte gerochen, und dieses hier renzensierte Buch ist auf Deutsch erschienen! Bitte den Fredtitel erweitern:


    Eine Schaffenskrise und das festgefahrene Leben in Mailand bringen Paolo auf die Idee, sich für eine Zeit von der Zivilisation zu verabschieden. Inspiriert von Henry David Thoreau, Chris McCandless und anderen Eremiten mietet er eine Hütte in den Bergen Fontane Numero 1 , nicht weit von dort, wo er als Kind die Sommer verbracht hat. Als Ende April das Abenteuer beginnt, erwarten ihn da oben Reste von Schnee, das Rauschen des Winds und das Schweigen der Steine.


    Das Dasein auf 2000 Meter Höhe bringt die einfachen Dinge zurück: Holz hacken, Feuer machen, die Gegend erkunden, einen Garten anlegen. Paolo spricht mit den Tieren, liest Bücher, hört seltsame Geräusche in der Nacht. Wochenlang sieht er keine Menschenseele, bis aus dem Nebel doch eine Gestalt auftaucht.


    Paolo Cognettis Hüttenbuch erzählt von der schönen, schrecklichen Einsamkeit, in der man sich selber näherkommt, von einer nicht gekannten Freundschaft und wir lesen den Beweis von der Wiederkehr der verlorenen Sprache.

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