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Und es schmilzt

Buch von Lize Spit, Helga van Beuningen

  • Kurzmeinung

    Emili
    Kein Wohlfühlroman. Eine tragische und dramatische Geschichte, die ich so nicht erwartet habe.
  • Kurzmeinung

    elmores
    Es gab ein paar köstliche Lacher, aber alles in allem viel zu kompliziert und langatmig...

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Und es schmilzt

Ein Roman, der alles gibt und alles verlangt Mit einem Eisblock im Kofferraum fährt Eva in ihr Heimatdorf. Jahrelang ist sie nicht dort gewesen. Und sie hat nie zurückgeblickt – bis eine Einladung ihrer beiden ältesten Freunde alles wieder hochspült. Die Schubkarre, in der sie den Hauptpreis, einen Farbfernseher, und ihre betrunkene Mutter vom Gemeindequiz nachhause karren musste; die Schlinge, die der Vater ihr im Schuppen zeigte; den Sommer, in dem Evas Freunde zu ihren dunkelsten Dämonen wurden; den Sommer, den Eva seit jeher zu vergessen versucht. Damals war sie machtlos. Diesmal wird sie sich Gehör verschaffen. Und das wird so schnell keiner vergessen. Lize Spit wurde mit »Und es schmilzt« zum literarischen Shootingstar. Mit Präzision und erzählerischer Brillanz treibt sie ihre Geschichte einem Ende entgegen, das im Innersten erschüttert. Preis des niederländischen Buchhandels für den besten Roman des Jahres Das radikalste Update zu »Der Fänger im Roggen«! Pressestimmen: »Dieser Roman ist eine Granate, die erst nur einen dunklen Schatten wirft und dann mit kaltblütiger Präzision einschlägt.« De Standaard »Geschrieben mit der Treffsicherheit eines Messerwerfers. Ein Todesstoß.« Bregje Hofstede »Diese Geschichte packt Sie an der Kehle.« De Standaard »Übertrifft alle Erwartungen!« De Morgen »Aufregend, manchmal lustig, am Ende beängstigend und ergreifend.« Het Nieuwsblad »›Und es schmilzt‹ besetzt eine besondere Stelle in Ihrem Kopf – irgendwo zwischen Behaglichkeit, Unruhe, Vertrautheit und Entsetzen.« Saskia de Coster »Dieses Buch knistert vor Spannung. Vertraut, überraschend, einfallsreich, erbarmungslos.« De Standaard Stimmen aus dem Buchhandel »Wow! Was für ein Buch. Ich habe es zugeschlagen und hätte es am liebsten gleich noch einmal von vorn begonnen. Das ist großartig erzählt, hat einen unglaublichen Sog. … Tesje werde ich sicher nie mehr vergessen. « Juliane Barth, Dussmann, Berlin »Lize Spits Erzählkraft ist beispiellos und treibt dem Leser mitunter Schweißperlen auf die Stirn. ›Und es schmilzt‹ ist ganz großes beklemmendes Kopfkino! Thomas Bleitner, Buchhandlung Lüders, Hamburg. »Das Buch hat mich überrascht, beeindruckt, abgeschreckt, fasziniert, begeistert! ... Mutig und kompromisslos! Eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann … es haut einen einfach um! Brigitte Drees, Buchhandlung Köhl, Erftstadt »Ein Meisterwerk mit einer ganz eigenen Stimme und Stimmung, das man gelesen haben muss.« Alex Schütz, Pieper Bücher, Saarlouis »Man wird über dieses Buch reden, reden müssen, weil man sich nach der Lektüre austauschen will.« Frank Menden, Stories! Die Buchhandlung, Hamburg
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Bewertungen

Und es schmilzt wurde insgesamt 50 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,6 Sternen.

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Meinungen

  • Kein Wohlfühlroman. Eine tragische und dramatische Geschichte, die ich so nicht erwartet habe.

    Emili

  • Es gab ein paar köstliche Lacher, aber alles in allem viel zu kompliziert und langatmig...

    elmores

  • zu ausführlich, für mich nicht nachvollziehbar

    hennie

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Und es schmilzt

    Klappentext
    Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.
    Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.
    Meine Meinung
    Eva bekommt eine Einladung zu einem Einweihungsfest in ihrem Heimatdorf - ein Auslöser, der all die Erinnerungen wieder aufleben lässt, die sie mit scheinbar kühler Distanz in all den Jahren in sich getragen hat. Diese Gefühlskälte spiegelt sich im Titel und auch in der Erzählweise wieder und zeigt überaus deutlich, wie distanziert die Protagonistin alles betrachen muss, um von der Flut der Gefühle nicht weggespült zu werden.
    Während man ihrem Weg nach Bovenmeer folgt, erzählt sie in der Ich-Perspektive aus ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit und ihrer Jugend in dieser scheinbaren "Dorf Idylle", bis hin zu dem verhängnisvollen Sommer im Jahr 2002. Dabei bleibt sie stets in einem nüchternen, unaufgeregten Stil, als wäre sie eher Beobachterin als Teilnehmerin. Allerdings merkt man schon zu Beginn, das etwas gehörig schief gelaufen ist und sich in ihrem Bericht aus der Vergangenheit etwas anbahnt, das ihr Leben für immer zerrüttet hat.
    Ich habe in einigen Rezensionen gelesen, dass diese Geschichte unnütz sei, zu brutal, zu offen - und wofür es gut sein soll, sowas zu veröffentlichen. Für manche mögen diese Einblicke ein Horrorszenario sein, für andere sind sie aber "Normalität". Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben und damit irgendwie weiter- und überleben müssen. Es soll schockieren, natürlich, und es soll aufmerksam machen auf die vielen, im Herzen einsamen Seelen, die leiden und keine Chance sehen, auf ihren zerrüttenden Trümmern ihrer Vergangenheit ein "gutes" Leben aufzubauen.
    Evas Kindheit ist geprägt davon, dass sie sich nirgends zugehörig fühlt. Von den alkoholabhängigen Eltern nicht angenommen, von den Geschwistern auch nicht so recht wahrgenommen, klammert sie sich an die einzigen Menschen, die ihr zur Verfügung stehen: Pim und Laurens, zwei Jungs, die als einzige in dem kleinen Dorf in ihrem Alter sind und mit denen sie zumindest eine Art von Freundschaft verbindet. Sie ist gefangen in einer Abhängigkeit, einen Halt zu finden, doch entwickelt sich ihre Rolle in dem Dreiergespann in der Pupertät zu einer Art Zuschauer. Ihre verzweifelte Suche nach Akzeptanz und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit lassen sie Entscheidungen treffen, die aus einem "Spiel" bitteren Ernst werden lassen und zu einer grauenvollen Tragödie führen.
    Durch den nüchternen Erzählstil konnte ich auf gewisse Weise Abstand halten. Vieles ist nur zwischen den Zeilen zu erkennen, manches aber auch in deutlichen Worten und einer emotionslosen Tragik, die erst nach und nach ihre Wirkung entfaltet. Man weiß aber, dass einem noch etwas schreckliches bevorstehen wird, man wartet geradezu auf diesen Moment, der einem dann wirklich den Boden unter den Füßen wegzieht.
    Es gibt explizite Details von Gewalt, der man sich vor dem Lesen klar sein sollte und die mir grade durch die rationale Beschreibung umso mehr unter die Haut ging. Diese Bilder werden einem wohl längere Zeit nicht mehr loslassen.
    "Zu grausam und überzogen", auch das hab ich in anderen Rezensionen gelesen, dem ich mich aber nicht anschließen kann. Ob man sowas jetzt lesen muss ist die andere Frage, aber es zeigt nunmal einfach in aller Deutlichkeit, was leider in der Welt passiert. Die Eva in dieser Geschichte ist "nur" ein Beispiel für viele Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die mit ihren Erinnerungen leben müssen, die schreckliches durchlitten haben und keine Worte finden, um sich mitzuteilen. Deren Selbstwert kaum vorhanden ist und die so vieles über sich ergehen lassen, in den unterschiedlichsten Lebensbereichen, weil sie es nicht schaffen, sich aus dieser "wertlosen" Rolle freizukämpfen.
    Die Details, die hier schockieren, sind auf jeden Fall heftig, aber anscheinend war es für die Autorin nötig, es in dieser Form aufs Papier zu bringen. Warum, diese Fragen werden wir nicht ergründen können, ich kann nur hoffen, dass sie auf keine eigenen Erfahrungen zurückgegriffen hat.
    Den Schutz, den Eva um sich aufgebaut hat, die "eingefrorenen" Gefühle, die sie nicht an sich herankommen lassen kann, schmelzen dahin wie der Eisblock, den sie im Kofferraum bei sich hat. Er scheint ihr einziger Ausweg, um ein für allemal mit der Vergangenheit abzuschließen und abzurechnen; für all ihre Hilflosigkeit und Einsamkeit ein Ende zu finden und endlich Gehör zu bekommen.
    Eine unendlich traurige, bittere Geschichte, die eine ungeschönte Realität zeigt, die ungern wahrgenommen wird. Eine "Sterne" Bewertung ist hier echt schwer, denn der Stil verlangt Durchhaltevermögen und ein dickes Fell - aber für den Mut, die Eindringlichkeit und Offenheit muss ich 5 Sterne vergeben.
    Weltenwanderer
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  • Rezension zu Und es schmilzt

    Inhalt
    Die Icherzählerin Eva ist auf den Hof ihres Jugendfreundes Pit zur Einweihung seines neuen Melkcomputers und zugleich zum Gedenken an seinen verstorbenen Bruder Jan eingeladen. Eva stammt aus Bovenmoor, einem kleinen flämischen Polderdorf und ist wie die Autorin Lize Spit 1988 geboren. Ihr Bruder Jolan ist drei Jahre älter, Schwester Tesje drei Jahre jünger. Auf den Weg nach Bovenmoor nimmt Eva eine Eisplatte mit, die sie für diesen Zweck in der Kühltruhe der Nachbarn gefrieren ließ. In Rückblenden erinnert sie sich an die Ereignisse im Sommer 2002, als sie 13 war und mit Laurens, dem Schlachtersohn, und Pim, dem Bauernsohn, als die „Drei Musketiere“ unterwegs war. Weil in ihrem Jahrgang zu wenige Kinder geboren wurden, unterrichtete die Lehrerin die Dreierbande als Beiklasse zusammen mit eine älteren Klasse. Eva wächst in einer dysfunktionalen, desinteressierten Familie auf; die Eltern trinken und sind vermutlich psychisch krank. Die jüngere Schwester Tesje zeigt eine Reihe von beunruhigenden Zwängen, so dass Eva für ihre Eltern und ihre Schwester stets mit dem Schlimmsten rechnet, wenn sie ins Haus der Familie zurückkehrt. Nur in Häusern, in denen keine Katastrophen lauern, fühlt sie sich sicher. Monströse Ereignisse zogen Eva schon immer an; denn wer im Dorf etwas darstellen wollte, musste etwas zu erzählen haben. Pim und Laurens nehmen bei den Drei Musketieren die Rollen obsessiver Forscher ein, sie befassen sich zunächst theoretisch mit den Körpern der Mädchen aus ihrer Schule. Eva dient bei sonderbaren Spielen ihrer Freunde als Scriptgirl und Komplizin, sie agiert wie ein Junge, der irritierender Weise eine Menstruationsblutung bekommt. Mit den Veränderungen ihres Körpers bleibt sie alleingelassen und vertraut sie nur den Lesern des Romans an.
    Nach nostalgischen Exkursen in die 90er Jahre mit gelungenen Bildern und Dialogen eskalieren die pubertären Streiche von Laurens, Pim und ihrer willigen Assistentin in einem Gewaltexzess, der mich in seinem Ausmaß ratlos zurückließ. Ob im Dorf fern von Hilfsangeboten niemand den psychischen Abstieg der Familie de Wolf und das Abgleiten der Drei Musketiere wahrgenommen haben will, habe ich mich gefragt. Bei drastischen Gewalt- und Vernachlässigungs-Szenen wie hier kann weniger oft mehr sein.
    Fazit
    Als Shooting Star der Flämischen Literatur legt Lize Spit einen Roman über Pubertierende in der flämischen Provinz vor, dessen Gewaltszenen mich in ihrem Umfang abstießen. Die gleichmütige Reihung von Gewalt und Vernachlässigung wirkte als schier unglaublicher Sumpf aus Beschränktheit und Gewalttätigkeit in der belgischen Provinz. Die erwachsene Protagonistin protokolliert, ohne im Rückblick zu reflektieren, wie sie sich in die gewalttätigen Machenschaften ihrer Freunde verstricken konnte. Kaum zu glauben, dass so etwas zu Beginn unseres Jahrhunderts stattfinden konnte, aber die Schilderung wirkte auf mich wie ein Wettbewerb um die krasseste Pubertät und die hinterwäldlerischste Provinz. Wer bisher meinte, in einem engstirnigen Kaff eine schreckliche Kindheit verbracht zu haben, wird sich eines Besseres besinnen … Das Rätseln um Jans Tod, um den Zweck der Eisplatte und die über allem drohende Eskalation bauten zwar von Anfang an Spannung auf, aus der Feder einer inzwischen erwachsenen Erzählerfigur ist mir diese Reihung ohne Reifung der Figur jedoch zu schlicht gestrickt. Mir fehlt ein tieferer Einblick in Sein und Bewusstsein von Spits Figuren aus Evas Sicht. Um in den Hype um einen 500-Seiten-Erstlingsroman einzustimmen, genügen mir nüchtern wiedergegebene Gewaltszenen nicht. Spits Erstling wirkt leider nur wie ein Wallpaper zum Foto-Shooting für die Marke Lize Spit.
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  • Rezension zu Und es schmilzt

    Was für ein Buch... Ich habe noch nie etwas so gnadenlos, ja schon schmerzhaft ehrliches und schonungsloses gelesen. Da wird nichts beschönt, keinerlei Hoffnung geweckt, wo es keine gibt, das Leben in all seiner Trostlosigkeit und Tristess geschildert. Wie kann man so leben? Das war die Frage, die mich die ganze Zeit bewegt hat. Wie können Eltern so gleichgültig werden? Wie kann ein Mensch (in diesem Fall vor allem Evas Mutter) sich so komplett verlieren? Wie kann ein ganzes Dorf so abgestumpft gegen das Elend der anderen vor sich hin leben? Wie können junge Menschen so grausam werden? Fragen über Fragen und auf viele gibt es keine echte Antwort. Meine Gefühlslage schwankte beim Lesen zwischen Wut, Ratlosigkeit, Verzweiflung und wieder Wut. Es war wahrlich keine leichte Lektüre.
    Aber das Buch hallt nach, es setzt sich fest. Und es regt zum Nachdenken an und zum intensiven Wahrnehmen seiner Umwelt. Das schaffen nur wenige Bücher. Und deshalb bekommt es von mir , auch wenn es kein Vergnügen war, es zu lesen. Dennoch hatte diese Geschichte etwas, das einen nicht losgelassen hat und zum immer weiter lesen zwang. Ich glaube, "beeindruckend" ist das passende Wort für dieses Buch. Menschen, die zu Depressionen neigen, rate ich entschieden vom Lesen ab, aber allen anderen würde ich es gern ans Herz legen.
    Nun möchte ich auf ein paar Dinge eingehen, die hier zu unterschiedlichen Zeiten genannt wurden.
    […]
    Genau dieser "schlichte" Stil ist es, der für mich das Buch ausmacht. Genauso reden und denken Menschen, die in so einem Umfeld lesen. Mich hat die offene, nichts beschönigende und nichts verschweigende Sprache sehr beeindruckt. Aber man muss sich erstmal dran gewöhnen, dass alle Dinge beim Namen genannt werden, das ist unbestritten.
    […]
    Dem kann ich mich nur komplett anschließen. Eigentlich ist Eva ein unglaublich starkes Kind gewesen, sonst wäre sie an all den Erlebnissen schon lange zerbrochen.
    […]
    Lize Spit nennt die Dinge beim Namen, aber eklig fand ich das alles nicht. Schockierend vielleicht, aber ich hab mich bei diesem Buch nicht ein einziges Mal geekelt. Ich war grenzenlos wütend und hab mit und für Eva gelitten und versucht, nachzuempfinden, wie es ihr erging. Es ist mir wohl eher nicht gelungen.
    […]
    Das und auch ihre Rolle haben sich mir nicht erschlossen. Vielleicht haben sie aber auch einfach nur einen gewissen Zeitpunkt in Evas Leben markiert.
    […]
    […]
    Mich nicht.
    […]
    Ich kenne den Zusammenhang für diese Äußerung nicht, aber mir macht es viel Spaß, mich mit euch hier über Bücher auszutauschen.
    @Siebenstein zu dem Anruf am Ende
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  • Rezension zu Und es schmilzt

    Hallo miteinander, gerade habe ich das Buch zu Ende gelesen und muss es eventuell noch etwas sacken lassen.
    Mein erstes Gefühl nach dem Zuklappen war, dass ich mich geärgert habe: Wozu schreibt man solch ein Buch, was soll es mir sagen? Oder besser: Was es sagen soll, dafür gibt es ja diverse Ansätze, die hier alle schon genannt wurden - aber muss man es so sagen, wie Lize Spit es getan hat?
    Ich betone die Subjektivität meiner Einschätzung (!), vielleicht habe ich die Geschichte nicht zum passenden Zeitpunkt gelesen, vielleicht passt der Tonfall der Autorin einfach nicht zu meinem persönlichen Tonfall, oder irgendetwas anderes verhindert, dass wir "zueinander gehören". Mir bleibt am ehesten der Ärger über den riesigen Hype ["Übertrifft alle Erwartungen!" - "Eine literarische Sensation!" - "Dieses Buch packt Sie an der Kehle!"] um dieses Debüt. Den kann ich nicht teilen. Vielleicht aus dem Grund, weil ich nicht den Eindruck habe, dass aus dieser Geschichte etwas Positives entstehen kann. Es ist eine Geschichte u.a. über Desinteresse, Lieblosigkeit, Wegschauen... sie ist meiner Meinung nach allerdings nicht so geschrieben, dass sie in mir als Leserin den Impuls weckt, dem etwas Aktives, Positives entgegenzusetzen. Im Gegenteil. Die Geschichte ist deprimierend, ernüchternd, bedrückend, desillusionierend, grausam fast, und zieht einen runter. Daher meine Einstiegsfrage: Weshalb schreibt man solch ein Buch und weshalb wird man dafür mit Literaturpreisen überhäuft - ich verstehe es nicht.
    Aber - ich kann es nicht oft genug betonen - das ist meine ganz persönliche Meinung, und ich kann trotzdem auch die Gründe derer nachvollziehen, die das Buch hier sehr hoch bewertet haben. So unterschiedlich unser aller Biographien sind, so unterschiedlich nehmen wir auch dieses Buch auf, und das ist vollkommen okay so, finde ich.
    Ach ja: Das Rätsel kenne ich auch seit meiner Kindheit, von daher gab es für mich in der Hinsicht leider überhaupt keinen Überraschungsmoment.
    Und noch ein Wort zu den Charakteren: Ich fand nahezu alle Personen unerträglich - bis auf Tesje. Sie ist mir im Verlauf der Geschichte immer mehr ans Herz gewachsen und
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  • Rezension zu Und es schmilzt

    Dieses Buch war für mich wie ein Unfall, es übte eine morbide Faszination aus. Eigentlich wollte ich nicht weiterlesen, hatte immer die Erwartung, dass es noch schlimmer würde, aber weggucken bzw. aufhören zu lesen konnte ich auch nicht.
    Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf – erst recht, nachdem ich die Eindrücke der Leser hier im Thread gelesen habe – und werde mal versuchen meine Gedanken zu ordnen.
    Ich weiß nicht, ob dieses Buch autobiografische Züge hat, dies zu wissen, ist für mich auch nicht wichtig – für mich ist klar, dass der Autorin nichts Menschliches fremd ist, mag es noch so abstoßend für andere sein. Schonungslos berichtet sie darüber und nimmt dabei, was ihre Wortwahl und ihre Schilderungen an sich angeht, kein Blatt vor den Mund. Gleichzeitig beschränkt sie sich in ihrer Erzählweise darauf, die Fakten, ja den Tathergang, zu schildern. Die Emotionen, die dabei aufkommen, überlässt sie dem Leser. So hat es jeder selbst in der Hand, welche Gefühle dieses Buch beim Lesen hervorruft. Bei mir zumindest, waren es überwiegend negativ belegte Gefühle, abgesehen von zwei kurzen Momenten, in denen ich Situationskomik herauslas.
    Für mich besteht die Geschichte dieses Buches hauptsächlich aus folgenden Themen: Passivität, benutzt werden, Wegsehen, menschliche Kälte, Beziehungsunfähigkeit,Erniedrigung. Und da fehlen bestimmt noch eine ganze Menge andere.
    Das Ende des Buches:
    Die Luftverkäufer:
    Der Eisblock:
    Meine Bewertung des Buches: Für mich ist ein Buch immer dann gut, wenn ich es nicht aus der Hand legen kann. Egal, ob ich die Geschichte bzw. deren Verlauf mag oder nicht. Wenn ein Autor es schafft, mich mit seiner Geschichte so in den Bann zu ziehen, dass ich auf jeden Fall weiterlesen möchte, dann hat er in meinen Augen, einen „guten Job“ gemacht.
    Fünf von fünf Sternen
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  • Rezension zu Und es schmilzt

    BEI MIR SCHMOLZ DIE GEDULD
    Zunächst möchte ich auf das sehr schöne Cover von Lize Spits Roman „Und es schmilzt“ eingehen. Das kühle Weiß sticht einem sofort ins Auge mit den gefrorenen Buchstaben, in denen Pflanzen eingeschlossen sind. Der Schnitt ist in einem satten Grünton gestaltet, der wiederum mit dem violetten Lesebändchen harmoniert. Ein Buch in einem sehr geschmackvollen Outfit, dass zum Anfassen einlädt!
    Das Buch ist das Debüt der jungen Belgierin Lize Spit und ich hoffe, dass sie auf den 505 Seiten nicht ihr eigenes Schicksal preisgibt. Die Autorin gehört dem gleichen Jahrgang wie ihre drei Hauptfiguren an.
    Die Geschichte beginnt zunächst harmlos in einem kleinen Dorf namens Bovenmeer im Kempener Land. Die Hauptakteure heißen Eva, Pim und Laurens. Sie sind gleichaltrig und die Einzigen ihres Geburtsjahres, so dass sie als „Beistellklasse“ zu anderen Schülern dazukommen. Sie nennen sich die „Drei Musketiere“. Ich würde sie nach dem Lesen dieses Buches als „Trio infernale“ bezeichnen wollen.
    Das Geschehen entwickelt sich aus der Ich-Perspektive Evas und zog sich für mich in der ausführlichen, detailverliebten Erzählweise der Autorin sehr hin. Die Kapitel wechseln sich mit Uhrzeitangaben, welche die Gegenwart kennzeichnen sowie den Datumsangaben des Sommers 2002 und allgemeinen Überschriften, die Vergangenheit betreffend, ab.
    Eine Haupthandlung oder einen roten Faden vermochte ich nicht zu erkennen. Mich schockierten nicht die erotischen Erfahrungen der Jugendlichen, sondern die Eiseskälte und die seltsame Distanziertheit der ausführlichen Schilderungen Evas von den Übergriffen bis hin zu der grausamen, sexuellen Gewalt ihr gegenüber. Vor allem, was ist der Auslöser dafür? Jeder Mensch entwickelt doch einen gewissen Selbstschutz. Warum erduldete sie das?
    So, wie Lize Spit in einer Ausführlichkeit, die seinesgleichen sucht, die Umstände in Evas Familie schildert, kann ich nur vermuten, dass die Ursachen in dem Milieu zu finden sind. Die Familie de Wolf ist eine desolate Gemeinschaft von fünf Personen. Sie besteht aus der alkoholkranken Mutter, dem suizidgefährdeten Vater, der jüngeren, zwanghaft gestörten Schwester Tesje und dem älteren Bruder Jolan, der sich so oft es geht, verkrümelt. Auch bei Eva scheint sich eine schwere Störung ihrer Persönlichkeit entwickelt zu haben. Mir ist die Geschichte eindeutig zu lang, zu ausschweifend, zu unübersichtlich geraten, um das Ganze als logisch, folgerichtig und eindeutig einordnen zu können.
    Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch sehr stark polarisiert. Mich konnte es nicht überzeugen trotz des überbordenden Hypes, der um diese Geschichte gemacht wird. Bei mir „schmolz“ immer mehr das Verständnis für das verstörende Verhalten der drei Jugendlichen. Mit großer Überwindung las ich das Buch zu Ende.
    Ich vergebe drei von fünf Sternen!
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Ausgaben von Und es schmilzt

Hardcover

Seitenzahl: 512

Taschenbuch

Seitenzahl: 512

E-Book

Seitenzahl: 508

Hörbuch

Laufzeit: 00:06:21h

Und es schmilzt in anderen Sprachen

  • Deutsch: Und es schmilzt (Details)
  • Niederländisch: Het smelt (Details)

Besitzer des Buches 69

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