Cyberpsychologie: Leben im Netz: Wie das Internet uns verändert

Buch von Catarina Katzer

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Bewertungen

Cyberpsychologie: Leben im Netz: Wie das Internet uns verändert wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Cyberpsychologie: Leben im Netz: Wie das Internet uns verändert

    Inhalt
    Kleine Kinder können inzwischen „wischen“, noch ehe sie sprechen lernen. Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, wie Kinder zukünftig noch sprechen lernen, wenn Mütter ihre Babys beim Sprechen nicht mehr angucken, weil sie dauerhaft mit ihrem Smartphone beschäftigt sind? Nutzer zwischen 17 und 23 schalten inzwischen ihr Smartphone 130x am Tag an. Während der Zeit, die sie wach verbringen, ist das circa alle 7 Minuten. Seit der Jahrtausendwende wird von uns 24-stündige Erreichbarkeit vorausgesetzt, das Smartphone macht sich neben dem Bett wie auf dem Esstisch breit. Folgen davon sind, dass nur wenige Menschen noch von der virtuellen Welt abschalten können und der Griff zum mobilen Endgerät längst die Form von Suchtverhalten angenommen hat. Catarina Katzer hat sich auf die psychologische Wirkung des Web 4.0 auf das menschliche Gehirn spezialisiert und herausgefunden, dass Multitasking an mobilen Endgeräten eine Illusion ist, da nur 2% der Menschen wirklich zum Multitasking in der Lage sind. Alle anderen sind vom ständigen Perspektivwechsel zwischen realer und virtueller Welt, zwischen privat und öffentlich überfordert, unsere Konzentration ist durch die ständige Ablenkung erheblich schlechter, als wir uns einbilden. Die Vorgänge beim Mailen, Surfen, Selftracking u. ä. Aktivitäten sind immer komplexer geworden, die Konzentrationsfähigkeit wurde jedoch gleichzeitig schlechter. Diese fatale Kombination wird beim Online-Shoppen, Online-Banking und auf diversen Online-Profilen vermutlich zu zahlreichen Fehlern führen.
    Ebenfalls seit der Jahrtausendwende wirkt beklagt, dass junge Menschen egozentrischer wären als vorige Generationen, weniger Interesse für andere Menschen zeigten und die Empathiefähigkeit dieser Generation abgenommen hätte. Genauer untersucht scheint der Zusammenhang bisher nicht zu sein. Vorsicht vor vorschnellen Urteilen ist geboten; denn bei zwei Erscheinungen, die gleichzeitig auftreten, muss nicht eine die Ursache für die andere sein, wie wir von der Sache mit den Störchen und den Babys wissen.
    Catarina Kratzer befasst sich mit unterschiedlichsten Themen, unserem Peer-Group-Verhalten, das wir in die virtuelle Welt übertragen, sowie mit Gruppenprozessen wie der Verrohung innerhalb von virtuellen Gruppen, wenn die üblichen Normen außer Kraft gesetzt zu sein scheinen. Sie analysiert unser Bedürfnis, nichts zu verpassen, die Wirkung von Belohnungssystemen, wie sich Vertrauen in Nachrichten und Urteile bildet, wie Glaubwürdigkeit entsteht und wie sich generell unser Denken seit der Entwicklung des Internet entwickelt hat. Im Netz beherzigt inzwischen kaum noch jemand die gute journalistische Regel, jede Information doppelt zu checken, ehe sie verbreitet wird. Während herkömmliche Medien in den letzten Monaten rasant an Glaubwürdigkeit verloren haben, hat im Internet die Menge der Falschmeldungen rapide zugenommen, die ungeprüft weiter verbreitet werden. Noch bis 2012 vertrauten die meisten Menschen realen Personen stärker als Informationen aus dem Internet; dieses Verhältnis scheint zurzeit zu kippen. Wie hoch die Ansprüche an unserer Medienkompetenzen inzwischen sind, zeigt sich daran, dass selbst Catarina Katzer, die sich ständig mit dem Thema befasst, als Beispiel einer Online-Kampagne eine Nachricht anführt, die sich später als Fälschung erwies (S. 194). Weiteres Thema des Buches ist die Unterscheidung zwischen Zugang/Verfügung über ein Gerät und Bildung, oder auch zwischen Fundort einer Information und der Fähigkeit, die Meldung einzuordnen und zu beurteilen. Teilhabe an technischen Möglichkeiten konnte bisher Bildung noch nicht ersetzen.
    Es geht im Buch u. a. um Cyberchondrie, das Googeln nach Krankheitssymptomen, um Gewaltdarstellungen und ihre Wirkung, um die Illusion eines „Sharing“ auf kommerziellen Vermittlungsplattformen, Internetdating, Whistleblowing, die Flucht großer Konzerne aus der Verantwortung für ihre Plattformen durch geschickte Wahl des Firmensitzes, das unkontrollierte gratis Verschleudern unserer Daten an Konzerne, ohne dass wir beurteilen können, was diese Konzerne damit genau betreiben.
    Fazit
    Angesichts von Katzers Erkenntnissen zu unserer schwächelnden Aufmerksamkeitsspanne finde ich es mutig, ein 345 Seiten dickes Buch zu schreiben. ;-)
    Interessant ist das Buch besonders für Eltern von Kindern und Jugendlichen, weil es sich speziell zur Wirkung von Internet-Inhalten auf Jugendliche äußert, d. h. Gewalt, Pornografie, extremistische Inhalte, Essstörungen als Folge manipulativer Körperbilder, sowie ausführlich zum Reiz des virtuellen Spiels mit Rollen und Identitäten bei Jugendlichen. Ein (im Jahr 2016 noch) umfassendes, aktuelles und dabei auch für psychologische Laien problemlos zu lesendes Buch.
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Ausgaben von Cyberpsychologie: Leben im Netz: Wie das Internet uns verändert

Taschenbuch

Seitenzahl: 352

E-Book

Seitenzahl: 352

Besitzer des Buches 4

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