Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn

Buch von Michaela Vocelka

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn

Mit nur 18 Jahren bestieg Franz Joseph I. als Hoffnungsträger den Habsburger-Thron, den er fast 68 Jahre innehaben sollte. Michaela und Karl Vocelka haben anlässlich des herannahenden 100. Todestages eine spannende, umfassende und gründlich recherchierte Biographie dieses bedeutenden Monarchen vorgelegt. Sie beschreiben zunächst die Erziehung des künftigen Kaisers und erhellen den familiären Rahmen seiner Entwicklung. Zwar steht die Persönlichkeit des Monarchen im Vordergrund, doch um dessen Politik verständlich zu machen, arbeiten sie sorgfältig die Rahmenbedingungen seiner Herrschaft heraus – Familientraditionen, Lage der Monarchie, Hofhaltung und Verwaltung seines Reiches. Ebenso nehmen sie die kulturellen Entwicklungen während seiner Regierungszeit in den Blick, stellen die innenpolitischen Herausforderungen im Vielvölkerreich sowie die außenpolitischen Krisen dar, die in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs münden. Wer um die verheißungsvollen Anfänge des Kaisers weiß, der einst mit Elisabeth in Bayern – Sisi – eine der schönsten Frauen des 19. Jahrhunderts heiraten sollte, der wird die Tragik nachempfinden, die seine Herrschaft umgibt. Sie war überschattet von militärischen Niederlagen, der Hinrichtung seines Bruders, Kaiser Maximilians von Mexiko, dem Selbstmord seines Sohnes, Kronprinz Rudolf, unter skandalösen Umständen, der Ermordung seiner geliebten Frau und dem heraufziehenden Ende der Habsburgermonarchie als Folge des Ersten Weltkriegs.
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Bewertungen

Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn

    Worum es geht
    Im August 1830 als Sohn des österreichischen Erzherzogs Franz Karl und der bayrischen Prinzessin Sophie Friederike geboren, wird der heiß ersehnte Kaiserenkel von Anfang an auf seine Rolle als künftiger Kaiser vorbereitet. Der kleine Franzi ist ein munteres, an allem militärischen sehr interessiertes Knäblein, das schon als 7-jähriger bekennt, dass ihm der liebste Geruch der Pulverdampf sei. Aus dem heiteren Kinde wird ein sehr ernster, streng erzogener Jüngling, der in den Wirren der 1848-er Revolution unter starkem Betreiben seiner Mutter, der ehrgeizigen Erzherzogin Sophie, als Hoffnungsträger der Monarchie auf den Thron gelangt.
    Beinahe 68 Jahre sollte er ihn innehaben, doch nur kurze Zeiten ungetrübten Glücks waren dem Kaiser beschieden. In seiner Ehefrau Elisabeth hatte er keine Stütze für sein schweres Amt gefunden, und auch die politischen Verhältnisse im Vielvölkerstaat waren nicht dazu angetan, sorgenfrei in die Zukunft zu blicken. Die ersten 20 Regierungsjahre des Kaisers waren von blutigen Kriegen im Kampf gegen die italienische Einigung und um die Vorherrschaft in Deutschland geprägt. Bereits 1867 ist mit der Krönung Franz Josephs zum König von Ungarn der politische Höhepunkt seiner Amtszeit erreicht. Die folgenden (fast) 50 Jahre bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 werden vor allem von persönlichen Katastrophen und Schicksalsschlägen des Kaisers bestimmt, während sich der Balkan immer mehr zum Pulverfass der Monarchie entwickelt.
    Als Franz Joseph am 21. November 1916 stirbt und das Hofzeremoniell bei der Beisetzung in der Kapuzinergruft noch einmal seine ganze düstere Pracht entfaltet, wirkt dieses Szenario auf viele Beobachter wie ein Vorzeichen auch des nahenden Endes der Donaumonarchie.
    Wie es mir gefallen hat
    Dass zum 100. Todestag Kaiser Franz Joseph I. eine weitere Biografie erscheinen würde, habe ich fast erwartet, nicht aber, dass sie mir so gut gefallen würde. Schließlich habe ich schon andere Bücher zum Thema gelesen, und mich gefragt, was mich jetzt noch Neues erwarten sollte.
    Neu war zwar nicht die chronologische Schilderung der Ereignisse, doch hat mich die Art und Weise, wie das Autorenteam an diese Aufgabe herangeht, außerordentlich beeindruckt. Dazu gehört einerseits die strenge Orientierung an vorhandenem Quellenmaterial (wobei sich gezeigt hat, dass viele dem Kaiser zugeordnete Aussprüche bei näherer Betrachtung der Überprüfung nicht standhalten), andererseits eine bemerkenswerte Strukturierung dieses langen Herrscherlebens, bei dem stets die Persönlichkeit Franz Josephs im Mittelpunkt steht.
    Die beiden Autoren weisen darauf hin, dass die ersten 18 Lebensjahre des Thronanwärters besonders detailliert geschildert werden, weil die Erziehung auch sein Amtsverständnis entsprechend prägte. Die ersten 20 Jahre der Regierung Franz Josephs sind deshalb einer besonderen Würdigung wert, weil sie von weitaus mehr politischen Ereignissen bestimmt wurden, als die fast 50, die noch folgen sollten.
    Äußerst übersichtlich im Aufbau und verständlich erklärt, wird dem Leser nicht nur die Lebenswelt und das Umfeld des Kaisers vor Augen geführt, sondern auch die Spannungen im Volk. Um soziale Leistungen war es schlecht bestellt, Not und Elend gehörten zum Alltag des Großteils der Bevölkerung, während die Zensur vor allem von Studenten und Intellektuellen als geistige Fessel empfunden wurde.
    Der junge, noch unverheiratete Franz Joseph erscheint im gnadenlosen Vorgehen gegen die Revolutionäre von 1848 als unerbittlich, und kann mit dem später vorherrschenden Bild des milden Kaiservaters kaum in Einklang gebracht werden.
    Intensiv befassen sich die Autoren auch mit dem Charakter des Kaisers, seinem Verständnis vom Gottesgnadentum seines Amtes und seinem Widerwillen einer konstitutionellen Regierungsform gegenüber. Disziplin, Pflichtbewusstsein und die ihm anerzogene Distanz selbst zu ihm nahe stehenden Angehörigen lassen kaum Spielraum für unbeschwerte Erholung im Kreise seiner großen dynastischen Familie. Während Franz Joseph an die Mitglieder des Hauses Habsburg hohe moralische Erwartungen stellt, nimmt er es selber mit der ehelichen Treue wenig genau. Bereits vor der berühmten Katharina Schratt, die verharmlosend als die "Freundin" bezeichnet wird, hatte der Kaiser stets Mätressen, die er auch finanziell oft über viele Jahre versorgte.
    Sehr gut geschildert, weil möglichst objektiv beschrieben, finde ich das Verhalten Franz Josephs im Falle seiner persönlichen Schicksalsschläge, ebenso wie die Darstellung seiner späten Lebensjahre mit der Mühsal des Alters, denen in der Unterzeichnung der Kriegserklärung an Serbien ein trauriger Abschluss beschieden ist.
    Übersichtliche Strukturierungen, verständliche Erklärungen großer politischer Ereignisse, eine möglichst objektive charakterliche Darstellung des Protagonisten, und das alles in einem klaren, schnörkellosen, leicht zu lesenden Stil, sind die Pluspunkte dieser hervorragenden Biografie, der ich viele begeisterte Leser wünsche.
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