Der letzte Sommer

Buch von Helen Simonson, Michaela Grabinger

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Der letzte Sommer

Stürmische Zeiten in bester britischer Gesellschaft Im Sommer 1914 besucht der Medizinstudent Hugh seine geliebte Tante Agatha, deren Ehemann ein hoher Beamter in der Regierung ist. Er wird begleitet von seinem Cousin Daniel, der von einem Leben als Poet und englischer Gentleman träumt. Agatha besteht darauf, dass das Säbelrasseln auf dem Balkan unbeachtet verklingen wird und dass König, Kaiser und Zar wie immer in ihren Sommerurlaub gehen werden. Zudem ist sie mit weitaus Wichtigerem beschäftigt: Seit kurzem ist sie Mitglied des örtlichen Schulbeirates und befürwortet die Einstellung einer weiblichen Lehrkraft. Als Beatrice Nash mit einem Schrankkoffer und riesigen Bücherkisten in der Kleinstadt ankommt, ist schnell klar, dass sie deutlich freidenkender - und attraktiver - ist, als eine Lateinlehrerin es sein sollte. Beatrice, die kürzlich ihren Vater verloren hat, will vor allem in Ruhe gelassen werden. Ihre ganze Energie fließt in ihre Schriftstellerei und in das Entmutigen möglicher Heiratskandidaten. Nichts ist Beatrice wichtiger als ihre Unabhängigkeit. Doch Daniels Charme und Hughs scharfer Verstand wie auch sein nobler Charakter lassen sie in ihrer Haltung schwanken. Mit Ausbruch des Krieges findet der idyllische Sommer ein jähes Ende. Als die Bewohner von den ersten Soldaten Abschied nehmen müssen, ahnen alle, dass sich ihr Leben grundlegend ändern wird.
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Bewertungen

Der letzte Sommer wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,3 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der letzte Sommer

    Im Sommer 1914 kommt Beatrice Nash ins beschauliche Rye an der englischen Südküste und hofft auf eine Anstellung als Lateinlehrerin in der örtlichen Schule. Sie leidet noch sehr unter dem Tod ihres Vaters, mit dem sie die ganze Welt bereist hat, und es fällt ihr schwer, sich in das Kleinstadtleben einzufügen, in dem tausend Konventionen zu beachten sind und eine junge Frau, die es nicht gewohnt ist, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sehr aufpassen muss, nicht in Verruf zu geraten.
    Ihre erste Anlaufstelle dort ist die resolute und im Gesellschaftsleben des Städtchens sehr engagierte Agatha Kent, die ihr eine Unterkunft bei einer neugierigen Vermieterin vermittelt und sie für diverse Komitees und Vereine rekrutiert, noch bevor klar ist, ob Beatrice überhaupt bleiben wird. Bei Agatha leben auch ihre beiden Neffen, der etwas spinnerte Jung-Poet Daniel und der bodenständige Hugh, der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat.
    Die Unbeschwertheit des Sommers ist getrübt von der politischen Lage, und bald kann Agathas Ehemann, der in höheren politischen Kreisen in London arbeitet, die schlimmsten Befürchtungen bestätigen: England befindet sich im Krieg mit Deutschland. Zunächst herrscht Euphorie und Hurra-Patriotismus. Junge Männer melden sich eifrig zum Einsatz, und der allergrößte Teil der restlichen Bevölkerung ist sich einig, dass dieser Krieg eine gute Sache ist und von nun an sämtliche Kräfte in den Dienst des Vaterlandes zu stellen sind.
    Beatrice betrachtet das alles mit aus heutiger Sicht gesunder kritischer Distanz, und Hugh entscheidet sich zwar - angestachelt von seiner Möchtegern-Verlobten - auch, als Arzt in den Dienst des Militärs zu treten, ist sich aber nicht wirklich sicher, ob das eine gute Idee ist.
    Einige Monate später sind alle mit den schrecklichen Auswirkungen des Krieges nur zu vertraut. In den Zeitungen liest man viel mehr Todesanzeigen junger Männer als Heiratsaufgebote, Lebensmittel werden rationiert und kriegswichtige Güter wie Automobile von Privatleuten requiriert und belgische Flüchtlinge werden in Rye einquartiert, teils schwer traumatisiert von furchtbaren Erlebnissen beim Einmarsch der Deutschen.
    Die typischen Charaktere und Dynamiken einer Kleinstadt werden wohl beim Lesen allen bekannt vorkommen, die in einem ähnlichen Umfeld leben oder gelebt haben, all die Machtspielchen und Eifersüchteleien, Aktivitäten und Vereine und nicht zuletzt, die Argusaugen, mit denen alle anderen betrachtet werden, insbesondere diejenigen, die irgendwie auffallen. Helen Simonson überspitzt ihre Darstellung manchmal ein klein bisschen und bringt damit die Eigenheiten und Seltsamkeiten des Kleinstadtlebens wunderbar auf den Punkt. Insbesondere im Original machen die pointierten Dialoge Spaß, gerade die zwischen den Rival(inn)en in der Hackordnung der Stadt.
    Die Liebe spielt natürlich auch eine Rolle, wobei das meiste ganz im Sinne der damaligen Zeit nur angedeutet wird, gerade wenn es um eine gleichgeschlechtliche Beziehung geht, und eine andere sich auf dem Papier langsam entwickelnde Liaison sich für versierte Leser bereits ziemlich früh abzeichnet.
    Im letzten Viertel des Buches wechselt der Schauplatz zeitweise nach Frankreich, wo wir die grauenhaften Zustände auf den Schlachtfeldern und in den Feldlazaretts aus nächster Nähe erleben. Das ist eindrücklich geschildert, steht aber auch in etwas seltsamem Kontrast zu dem bei allen schweren Themen stets beschaulich bleibenden Rest des Buches.
    Der Roman läuft nämlich erst sehr gemächlich an, was selbst mir fast ein wenig zu gemütlich vonstatten ging, bis dann die ersten schlagfertigen Gespräche ins Spiel kamen, über die ich mich sehr amüsieren konnte. Im Laufe des Buches habe ich dann durchaus mitgebangt, gehofft und gelitten mit den Figuren - und mich über das Verhalten so einiger auch ziemlich geärgert, wobei ich da der Autorin zugute halten muss, dass sie gerade an den Stellen realistisch geblieben ist und den Charakteren nicht die Ansichten von heute in den Mund gelegt hat.
    Ein ganz klein wenig fand ich das Buch mit verschiedenen schwerwiegenden Problematiken überfrachtet, vielleicht hätte man da den einen oder anderen Aspekt auch weglassen können. Andererseits, bei Downton Abbey finden sich ja auch sämtliche Probleme dieser Welt in einem überschaubaren Mikrokosmos und es stört mich nicht. Im Erzähltempo und der Art der Figurenzeichnung sehe ich da die eine oder andere Parallele zur Serie, gerade bei all den Komiteechen musste ich immer mal an Oma Grantham und Lady Isobel denken.
    Hat ein paar Längen und kleinere Mängelchen, unterm Strich hat es mir aber durchaus gefallen.
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Ausgaben von Der letzte Sommer

Hörbuch

Laufzeit: 00:09:38h

Hardcover

Seitenzahl: 576

Taschenbuch

Seitenzahl: 592

E-Book

Seitenzahl: 576

Der letzte Sommer in anderen Sprachen

  • Deutsch: Der letzte Sommer (Details)
  • Englisch: The Summer Before the War (Details)

Besitzer des Buches 5

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