64

Buch von Hideo Yokoyama

  • Kurzmeinung

    Melgarion14
    beeindruckender Einblick in die japanische Mentalität, dazu ein spannender Kriminalfall
  • Kurzmeinung

    Deadwood
    Meiner Meinung nach kein Thriller, aber trotzdem ein guter Krimi
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Zusammenfassung

Serieninfos zu 64

64 ist der 3. Band der Prefecture D Reihe. Sie umfasst 6 Teile und startete im Jahr 1998. Der letzte bzw. neueste Teil der Serie stammt aus dem Jahr 2018.

Bewertungen

64 wurde insgesamt 9 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,5 Sternen.

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Meinungen

  • beeindruckender Einblick in die japanische Mentalität, dazu ein spannender Kriminalfall

    Melgarion14

  • Meiner Meinung nach kein Thriller, aber trotzdem ein guter Krimi

    Deadwood

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu 64

    Inhalt Im Januar 1989 wird in Tokio ein siebenjähriges Mädchen entführt. Die verzweifelten Eltern tun alles, um die Forderungen des Entführers zu erfüllen. Doch alle Bemühungen sind vergebens. Der Entführer entkommt unerkannt mit dem Lösegeld, kurz darauf wird die Leiche des Mädchens gefunden. Die Ermittlungen der Polizei laufen ins Leere. Der Fall geht unter dem Aktenzeichen 64 als ungelöstes Drama in die Kriminalgeschichte Japans ein. Vierzehn Jahre später verschwindet die Tochter von Yoshinobu Mikami, dem Pressesprecher eines kleinen Polizeireviers. Mikami, selbst Gefangener eines übermächtigen Verwaltungsapparats, stößt kurz darauf auf ein geheimes Memo zu Fall 64. Getrieben von einer dunklen Ahnung beginnt er, auf eigene Faust zu ermitteln …
    (Quelle: amazon.de)
    Meinung Am Anfang hatte ich gezögert, mich an das über 700 Seiten lange Werk zu wagen. Kein klassisches Action-Spektakel, wie man es von Thrillern gewohnt ist. Dafür Machtspielchen in einem streng hierarchischen Polizeiapparat, ständige Rückblenden, ein großes Aufgebot an Personen mit einander ähnelnden Namen. So heißt z. B. der Protagonist Mikami, seine Ehefrau Minako und seine Büromitarbeiterin Mikumo. (Zum Glück gibt es am Anfang ein Namensregister.) Und dennoch übte das Ganze auf mich einen Sog aus, der mich immer mehr hineinzog in diese fremdartige Welt mit ihren Verbeugungen und Ritualen, ihrem Ehr- und Pflichtgefühl. Eine Männerwelt, doch auch die wenigen Frauenfiguren, vor allem die genannten Minako und Mikumo, sind interessant und psychologisch einfühlsam dargestellt.
    Es gibt keine Perspektivwechsel. Alles ist konsequent aus der Sicht von Mikami erzählt, einem Kriminalbeamten, der auf den ungeliebten Posten des Pressedirektors versetzt wurde und sich ständig mit einer Meute aus Journalisten auseinandersetzen muss. Privat kämpft er damit, dass seine 16-jährige Tochter von zu Hause ausgerissen ist, was seine Ehe auf eine harte Probe stellt. Und da ist dieser unaufgeklärte Fall "64" aus dem Jahr 1989 (die Gegenwart des Romans ist 2002), der weder ihn noch den Rest der Polizei loslässt. Ein siebenjähriges Mädchen wurde damals entführt und ermordet, was Mikami als Vater einer ebenfalls verschwundenen Tochter natürlich besonders berührt. Nun muss er sich wegen interner Verwicklungen erneut damit befassen und ihm wird klar, dass damals irgendetwas mit den Ermittlungen schiefgelaufen ist.
    Der Roman funktioniert auf mehreren Ebenen: als Kriminalroman. Mikami versucht, den "Cold Case" aufzuklären. Das Ganze wird immer wieder von den anderen Handlungselementen unterbrochen. Doch der Showdown am Ende kam.
    Als psychologischer Roman: Mikami reflektiert seine Rollen als Polizist, als Ehemann, Familienvater ... Auch über seine Frau lernt er viel, was er nicht wusste. Ich hatte das Gefühl, den Figuren sehr nahe zu kommen.
    Als Porträt der japanischen Gesellschaft und der internen Machtspiele in einem undurchschaubaren Verwaltungsapparat.
    Löblich hervorheben möchte ich das Glossar am Ende, in dem einige japanische Besonderheiten erklärt werden. Ein wenig schade fand ich, dass der Text nicht direkt aus dem Japanischen, sondern aus dem Englischen übersetzt wurde. Da geht sicher einiges verloren. Dennoch ist mir rein sprachlich nicht viel Negatives aufgefallen.
    Fazit Keine leichte Kost. Man braucht ein gewisses Durchhaltevermögen, muss sich drauf einlassen. Doch ich fand die Lektüre lohnend und bin dankbar für die vielen Einblicke in eine (mir) recht fremde Kultur.
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  • Rezension zu 64

    Verlagstext
    Im Januar 1989 wird in Tokio ein siebenjähriges Mädchen entführt. Fünf lange Tage versuchen die verzweifelten Eltern alles, um die Forderungen des Entführers zu erfüllen. Doch alle Bemühungen sind vergebens. Der Entführer entkommt unerkannt mit dem Lösegeld, kurz darauf wird die Leiche des Mädchens gefunden. Die Ermittlungen der Polizei laufen ins Leere. Der Fall geht unter dem Aktenzeichen 64 als ungelöstes Drama in die Kriminalgeschichte Japans ein. Vierzehn Jahre später verschwindet die Tochter von Yoshinobu Mikami, dem Pressesprecher eines kleinen Polizeireviers. Mikami, selbst Gefangener eines übermächtigen Verwaltungsapparats, stößt kurz darauf auf ein geheimes Memo zu Fall 64. Getrieben von einer dunklen Ahnung beginnt er, auf eigene Faust zu ermitteln – und öffnet eine Tür, die besser für immer verschlossen geblieben wäre.
    Der Autor
    Hideo Yokoyama, geboren 1957 in Tokio, arbeitete als investigativer Journalist und gilt als der japanische Stieg Larsson. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und schrieb zehn Jahre an ›64‹, wobei er einen Schlaganfall erlitt. ›64‹ eroberte Platz 1 der japanischen Bestsellerliste und wurde als bester japanischer Kriminalroman des Jahres 2013 ausgezeichnet. In der Folge wurde ›64‹ auch in Großbritannien und in den USA zu einer Sensation.
    Inhalt
    Mitten im Winter in Eis und Schnee verschwindet Ayumi Mikami, die Tochter des Polizei-Pressesprechers in einem Polizeidistrikt im nördlichen Japan. Sie ist die dritte verschwundene Jugendliche innerhalb kurzer Zeit. Gleich zu Beginn wundert man sich als ausländischer Leser, dass Mikami sich seinen Kollegen im ganzen Land besonders verpflichtet fühlt, die nach Ayumi gesucht haben. Sollte es nicht das Berufsethos jedes Polizisten sein, mit allen Mitteln nach Vermissten zu fahnden, auch wenn sie keine Angehörigen von Kollegen sind?
    Yoshinobu Mikami hatte sich seine Karriere bei der Polizei anders vorgestellt und ist nach zwanzig Jahren nun doch wieder in der Presseabteilung gelandet. Für Konflikte zwischen Polizei und Öffentlichkeit ist er offenbar als Lakai der Medien vorgesehen, während die Verantwortlichen ihre Hände in Unschuld waschen können. Aktuell hat Mikami mehrere heikle Themen auf der Agenda. Bei einem Fall von Preisabsprachen in der Bauindustrie tappt seine Abteilung völlig im Dunklen, ein Verkehrsunfall hat wieder einmal den willkürlichen Umgang der Polizei mit persönlichen Daten von Zeugen und Opfern gegenüber der Presse hochkochen lassen und schließlich droht ein ungeklärter Altfall von 1989 zu verjähren. Nach Ablauf der Verjährungsfrist würde die Sonderkommission aufgelöst; es würde aber auch endgültig unter den Teppich gekehrt, dass die Polizei im Entführungsfall eines kleinen Mädchens 1989 einen fatalen Fehler vertuscht hat. Der Umgang mit dem Fehler steht hier aus meiner Sicht stellvertretend für die Unfähigkeit der japanischen Nation, aus Fehlern zu lernen, Reue zu empfinden und sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Japans aktuelle Probleme als überaltertes Land (u. a. weil es standhaft Frauen vom Arbeitsmarkt fernhält und Zuwanderung ablehnt) zeigen sich wie in einem Brennglas in der mangelhaften Fehlerkultur. Als sich der Generalinspekteur der Polizei zu einem Besuch ankündigt, hat Mikami dafür zu sorgen, dass dem Inspekteur keine unbotmäßigen Fragen gestellt werden. Mikami nickt, wahrt nach außen die Fassade, verbeugt sich, überreicht Geschenke zur Festigung verpflichtender Beziehungen. Als betroffener Vater vom ungelösten Fall besonders berührt, macht er sich jedoch auch unauffällig daran, das verkrustete System zu reformieren, das lieber seinen Pressesprecher aufgebrachten Journalisten zum Fraß vorwirft, als drängende Probleme auf politischer Ebene zu regeln.
    Mikami ist spürbar vom Verschwinden seiner Tochter gezeichnet und kann nur schwer mit seiner Frau über den Verlust sprechen. Minako Mikami war vor ihrer Heirat selbst Polizistin. Im Polizeidienst gibt es zwar Polizistinnen; die Herren in Anzügen erwarten jedoch, dass attraktive Frauen gefälligst heiraten und Posten für Männer freimachen sollen.
    Die Zahl 64 bezieht sich auf das 64. Jahr der Showa-Zeit (die 1989 mit Kaiser Hirohitos Tod endete) und an die sich die Heisei-Epoche anschloss (Regentschaft Kaiser Akihitos). Hochsymbolisch könnte sich in der Zahl die Hoffnung verbergen, dass eine neue Epoche auch die Chance für Reformen bietet.
    Fazit
    Gemessen daran, dass für die Ermittler die Zeit drängt, fand ich Hideo Yokoyamas gesellschaftskritischen Roman wenig spannend. Sehr aufschlussreich ist er zur Situation berufstätiger Frauen, zum Umgang mit Angehörigen von Verbrechensopfern und mit psychischen Problemen Jugendlicher. Die Männer in Anzügen im aktiven Polizeidienst machen das Lesen streckenweise zur Geduldsprobe, weil sie sich im Temperament kaum unterscheiden - und alle Namen mit dem Buchstaben M zu beginnen scheinen. "64"/Six Four könnte sich als gesellschaftskritische Schrift erweisen, ähnlich den Romanen von Sjöwall/Wahlöö, die zu ihrer Zeit die Frage aufwarfen, welchen Platz Polizei und Justiz in einer Gesellschaft einnehmen sollten.
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Ausgaben von 64

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 768

Taschenbuch

Seitenzahl: 768

E-Book

Seitenzahl: 777

64 in anderen Sprachen

Besitzer des Buches 37

Update: