Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen

Buch von Rüdiger Safranski

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen

Ein Buch über das Leben: Was macht die Zeit mit uns? Und was machen wir aus ihr? Rüdiger Safranski ermutigt uns, den Reichtum der Zeiterfahrung zurückzugewinnen. Jenseits der Uhren, die uns ein objektives Zeitmaß vorgaukeln, erleben wir die Zeit ganz anders: In der Langeweile, bei der Hingabe, bei den Sorgen, beim Blick auf das Ende, streng gegliedert in der Musik und lose gefüllt beim Spiel. Und wieder anders im gesellschaftlichen Termingetriebe, in der beschleunigten Wirtschaftswelt, in den Medien, in der globalen Gleichzeitigkeit. Facettenreich beschreibt Safranski das Spannungsfeld zwischen Vergehen und Beharren und ermuntert uns, aufmerksam mit diesem wertvollen Gut umzugehen.
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Bewertungen

Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen wurde insgesamt 4 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,3 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen

    Die verschiedenen Aspekte der Zeit
    Safranski spricht die unterschiedlichsten Themen an, die mal mehr, mal weniger offensichtlich mit der Zeit und ihren Facetten zu tun haben. Darunter ist manches, über das man sich vielleicht selber schon Gedanken gemacht hat, aber auch vieles, für das man sich erst einmal frei machen muss von festgefahrenen Vorstellungen - von dem, was man bisher schlicht als so unumstößlich und unveränderlich angesehen hat, dass es das Nachdenken nicht zu lohnen schien.
    Zitat aus dem Kapitel 'Zeit der Langeweile':
    "In dem Maße, wie die Ereignisse ausdünnen, wird die Zeit auffällig. Es ist, als käme sie aus ihrem Versteck, denn für unsere gewöhnliche Wahrnehmung ist sie hinter den Ereignissen verborgen und wird nie so direkt und aufdringlich erlebt. Ein Riss also im Vorhang, und dahinter gähnt die Zeit."
    Der Autor lädt ein, um die Ecke zu denken, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, den Gedanken über die Zeit ganz bewusst Zeit einzuräumen. Man sollte sich vom Klappentext aber nicht verleiten lassen, ein seicht-erbauliches Büchlein für den Kaffeetisch zu erwarten: es erfordert aktives Mitdenken, denn allzu einfach macht es einem dieses Werk nicht. Obwohl ich sonst eine rasche Leserin bin, habe ich ein paar Wochen dafür gebraucht; für mich ist es kein Buch, durch das man nebenher durchhetzen kann. Sätze wie den folgenden musste ich mehrfach lesen und in Gedanken in ihre Einzelteile zerpflücken, um wirklich zu verstehen, was sie aussagen:
    Zitat aus dem Kapitel 'Lebenszeit und Weltzeit':
    "Ähnlich hat Edmund Husserl das Erlebnis von Gegenwärtigkeit phänomenologisch als ein Zugleich von Protention und Retention analysiert: Nur deshalb fällt uns die Zeit nicht in Zeitpunkte auseinander und nur deshalb können wir sie als sukzessives Kontinuum erleben, weil im jeweiligen Moment das soeben Vergangene noch präsent ist (Retention) und man zugleich erwartend angezogen wird vom Künftigen (Protention)."
    Aber die Mühe lohnt sich meines Erachtens, denn Safranski nimmt einen mit auf eine sehr umfassende Reise, die das Thema "Zeit" in all ihren Aspekten abdeckt.
    In ruhigem Tonfall und anspruchsvoller, dennoch oft heiterer und unterhaltsamer Sprache teilt er seine Gedanken und Überlegungen mit, durchwebt sie aber stets mit Querverweisen, Zitaten und Quellenangaben. Er lässt sie alle zu Wort kommen: Dichter und Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler, Psychologen - sprich, Denker und große Geister jeglicher Couleur, seien es nun Kafka, Heidegger, Einstein, Demokrit oder sogar literarische Figuren wie Hamlet.
    Gelegentlich fand ich die Häufung anderer Quellen ermüdend. Zwar sind sie hilfreich, wenn man sich zu einem Thema weitergehend informieren will, aber ich hatte manchmal den Eindruck, dass Safranksi eigene Worte unter dem Berg von Zitaten begraben wurden, dann hätte ich lieber mehr über seine ganz persönliche Meinung erfahren. Selten verliert er sich auch ein wenig in Allgemeinplätzen, die dem sonstigen Niveau nicht gerecht werden.
    Frank Arnold ist meines Erachtens eine gute Wahl für die Hörbuchumsetzung: seine Stimme klingt konzentriert und präzise, aber dennoch lebendig, mit einem sehr angenehmen Sprachrhythmus, dem man gut folgen kann, ohne dass es ermüdend wird oder man den Faden verliert.
    Das Hörbuch ist als Download sowohl in einer gekürzten wie einer ungekürzten Version erhältlich, als Audio-CD nur in der gekürzten, die die Essenz des Buches aber ebenfalls gut wiedergibt.
    Fazit:
    "Zeit" ist kein Selbsthilfebuch; es gibt keine praktischen Tipps zur Entschleunigung des Alltags oder Ähnliches. Es ist eine philosophische Rundreise durch das Wesen der Zeit und all ihre Aspekte (von der Langeweile bis zur Unfähigkeit, sich den eigenen Tod vorzustellen), und als Reiseführer fungieren nicht nur Safranski selber, sondern auch eine Vielzahl an großen Denkern, die er ausführlich und mit Quellenangaben zitiert.
    In meinen Augen ist es kein einfaches Buch, sondern eines, bei dem man sich anstrengen muss, um allen Gedankengängen zu folgen und sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen. Ein gewisses Grundinteresse an Philosophie, Literatur und Wissenschaft sollte man mitbringen!
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  • Rezension zu Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen

    Zeit- es gibt wenig, was den Menschen an und für sich oder auch die Menschheit in ihrer Gesamtheit so nachhaltig beeinflusst.Sei es das Füllen der Zeit, mit schönen Dingen, sei es das Festhalten an einem bestimmten Augenblick in der Zeit, der uns besonders viel bedeutet, sei es das Sinnieren über die Zeit, die schon vergangen ist und noch ganz viel mehr. Aber wirklich er-fassen kann die Zeit niemand.
    Und das versucht Rüdiger Safranski in seinem neuesten, philosophisch geprägten Werk auch nicht. Vielmehr schärft er das Auge des Lesersfür einen genaueren Blick auf die Zeit. Und weil die Zeit sich nicht betrachten lässt, wenn man ihr direkt ins Gesicht schaut- denn wie wir alle wissen, vergeht die Zeit am schnellsten, wenn man darüber nachdenkt, wie schnell sie vergeht- wählt er einen Blick aus dem Augenwinkel heraus- und betrachtet sie, um mit Safranskis eigenen Wortenzu sprechen „auf der Spur ihrer Wirkungen“. In zehn Essays, die die Zeit in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen beschreiben, nähert sich Safranski dieser treibenden Kraft im menschlichen Dasein. Dabei sind es so unterschiedliche Zeiten wie die Zeit der Langeweile, die Zeit des Anfangens, die vergesellschaftete Zeit und auch die Weltraumzeit und sogar die Ewigkeit finden –unter anderem- ihren Platz.
    Safranski führt allerdings nicht nur eine Art Bestandaufnahme des Zeit-Empfindens in der heutigen, westlichen Welt durch, sondern macht dieses kleine Büchlein auch zu einer Kulturgeschichte der Zeit. So lässt er immer wieder philosophische und literarische Größen verschiedener Epochen zu Wort kommen. Das sind die schönsten Momente im Buch, bei dem der Autor zu besonderen Höchstleistungen aufläuft: Wenn er die Worte eines Heidegger oder eines Goethe in Bezug setzt zu seinen eigenen Überlegungen und dabei, im Vorbeigehen sozusagen, zeigt, dass die Zeit zu anderen Epochen anders empfunden wurde als heute.
    Aber der Autor betrachtet nicht nur das Gestern, sondern auch das Heute und zeigt auf, dass es eine gewaltige Umstellung für das Denken des Menschen ist, in Echtzeit mit Menschen auf der anderen Seite des Globus zu kommunizieren. Und in den Kapitel über die Welt- und die Weltraumzeit zeigt er, dass die Zeit auch physikalisch gesehen relativ ist und nicht nur in dergefühlten Eigenzeit eines jeden einzelnen von uns.
    In diesen Kapiteln hat der Autor es fast geschafft, mir Einsteins Relativitätstheorie nahe zu bringen- und ich verfüge über keinerlei physikalische Begabung. Ihm gelingt dies an hand von Beispielen und Situationsbeschreibungen aus dem Alltag- übrigens ein weiterer Grund, warum ich es genossen habe, dieses Buch zu lesen: neben dem geistigen, philosophischen schafft es Safranski auch immer wieder, die Thematik im Hier und Jetzt, im Alltag des Lesers zu verankern und Dinge zu beschreiben die jeder kennt. Das macht diese doch sehr schwer zu fassende Thematik fassbarer.
    Diesees schmale Bändchen enthält ein ganzes Panoptikum an Möglichkeiten, über die Zeit nachzudenken und die Zeit zu erleben. Safranski geht allen Ideen, allen Ansätzen sehr behutsam und bedacht nach und behält dabei immer das große Ganze im Blick. Den Leser nimmt er dabei mit auf eine Reise, an deren Ende man vielleicht nicht über mehr Zeit verfügt, aber sie bewusster wahrnimmt.
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Ausgaben von Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen

Hardcover

Seitenzahl: 272

Taschenbuch

Seitenzahl: 272

E-Book

Seitenzahl: 273

Besitzer des Buches 10

Update: