Lob des Optimismus
Buch von Sandra Richter
Titel: Lob des Optimismus
Sandra Richter (Autor)
Verlag: C.H.Beck
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 176
ISBN: 9783406591143
Termin: September 2009
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Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Lob des Optimismus
- Winfried Stanzick
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19. Dezember 2014 um 12:40
Manche Bücher haben eine lange und biographisch geprägte Geschichte. Wie die Autorin des vorliegenden Buches, die Stuttgarter Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter in ihrem kurzen Nachwort schreibt, begann die Geschichte ihrer hier als erweiterte Fassung in Buchform vorlegten Antrittsvorlesung in Stuttgart am 29. Oktober 2008 schon während ihrer Schulzeit in Hessen, in der sie immer wieder mit der Philosophie Theodor W. Adornos konfrontiert wurde, nach der es kein richtiges Leben im falschen geben könne.Weiterlesen
Bei Ihrer ersten richtigen Vorlesung, die sie noch als Schülerin bei der documenta 8 in Kassel hörte, sprach der französische Philosoph Jacques Derrida, Adorno noch überbietend, davon, dass wir überhaupt nicht wissen können, was mit richtig und falsch gemeint sei. „Diese Aussagen und Erlebnisse haben mich so nachdrücklich geprägt, dass ich im Rahmen meiner Stuttgarter Antrittsvorlesung den umgekehrten Weg einschlagen wollte: denjenigen des Optimismus, des Versuches, über ein richtiges, möglicherweise sogar bestes Leben nachzudenken und zu schreiben.“
Das Ergebnis, in einem kleinen Buch der beck`schen reihe publiziert ist ein sprachlicher Leckerbissen. Denn die Philologin Richter beherrscht eine wunderbare, reiche und tiefgängige Sprache, was man nicht von allen ihren Kollegen so sagen kann. Sie verfolgt den Begriff des Optimismus und was jeweils damit gemeint war und ist quer durch die Geistesgeschichte, bezieht dabei neben deutschen auch nichtdeutsche ein , nennt literarische Belege und nichtliterarische.
Ein anregendes und anspruchsvolles Panorama breitet sie da aus von der Entstehung des Optimismus insbesondere bei Leibniz und Wieland bis hin zu den eher destruktiven Optimismen der großen Ideologien. Das Buch tut einfach gut in einem Meer von auch intellektuell vorgetragener Skepsis, denn das Ideengut der Frankfurter Schule mit ihrem eher negativen Geschichtsbild reicht noch tief in die kulturtragende und -machende Schicht unserer Gesellschaft. Wenn nun sogar die Idee des Kommunismus jüngst auf einem Kongress in Berlin positiv besetzt Wiederauferstehung feiert, muss man für Bücher und Gedanken dankbar sein, wie sie Sandra Richter anbietet.
Wichtig allerdings für einen „verantwortungsvollen Optimismus“ wie sie das nennt, sei Kommunikation und innerhalb dieser die Redekunst. Um sie sei es in unserem Land und erst recht bei unseren Politikern schlecht bestellt. „Die Gattungen Lob, Hymnus und Preis, die noch dem 19.Jahrhundert geläufig waren, sind in die Abstellkammer verbannt worden und bedürfen der Wiederbelebung in einer Form, die mehr als nur antiquiert und ästhetisch überzeichnet wirkt.“ Als Theologe möchte ich darauf hinweisen, das diese Gattungen als zentrale Elemente des christlichen Gottesdienstes aus diesem fast verschwunden, nur noch abgespeckt und die Menschen nicht mehr erreichend vorhanden sind, und in ihrem vollen Umfang lediglich von theologischen Richtungen in ihren Gottesdiensten verwendet werden, die die Welt alles andere als optimistisch sehen und meist aus einer eher fundamentalistischen Deutung von Welt ihren Trost und ihre Energie erhalten.
Die Einbeziehung des Humors und der Ironie sei wichtig und der Respekt vor der Andersartigkeit des Anderen: “Deshalb gehört es zu den wichtigsten Aufgaben des kosmopolitischen Homo optimisticus, seine Umwelt sensibel wahrzunehmen, bevor er sich ihr mit optimistischer Energie nähert und sie zu bessern sucht. Und für den Fall, dass es mit der Besserung dieser Welt nicht gleich gelingt, hält Samuel Beckett ein so tröstliches wie optimistisches Motto bereit: ‚Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“
Es ist zweifellos optimistisch, darauf zu setzen, dass sich mit Hilfe dieser Haltung die Welt verbessern lässt. Und doch bleibt, wie auch die jüdische und die christliche Tradition wissen, keine andere Wahl. Es wird keine Massenbewegung geben, aber so wie ein einzelner Mensch mit seinem Wort und seiner Tat Berge versetzen kann, kann auch ein Mensch mit seinem Optimismus andere anstecken und in Bewegung bringen.
Allen Schwarzsehern, allen Kritikern, die an nichts etwas Gutes lassen können, allen Skeptikern und Zweiflern – ihnen allen sei dieses Büchlein ans Herz gelegt. Sie sollen ihre Kritik, ihre Skepsis und ihren Zweifel nicht ablegen, sondern ihn sozusagen infizieren lassen mit Optimismus. Dann würde etwas ungeheuer Lebendiges daraus werden, etwas , was die Einzelnen und unsere Gesellschaft wirklich weiter bringen würde.
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Update: 27. März 2018 um 02:18



