Die Geheimnisse der Welt

Buch von Lisa O\'Donnell, Stefanie Jacobs

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Die Geheimnisse der Welt

Der elfjährige Michael Murray kann zwei Dinge am allerbesten: Ballhochhalten und Geheimnisse bewahren. Seine Familie findet, dass er für Erwachsenenangelegenheiten noch zu jung ist, also lauscht er an Türen. Es ist der einzige Weg, um irgendetwas mitzubekommen. Und Michael hat ein Geheimnis mitbekommen – eines, das vielleicht die Prellungen im Ge-sicht seiner Mutter erklärt. Als das Flüstern zu Hause und in der Nachbarschaft zu laut wird, um es zu ignorieren, fragt sich Michael, ob hinter der ganzen Sache doch mehr steckt, als er dachte. Also macht er sich daran, die Wahrheit herauszufinden, in der Hoffnung, dass dann endlich alles wieder normal wird. Er darf dabei nur ein paar Sachen nicht vergessen: sich auf den bevorstehenden Talentwettbewerb im Dorf vorzubereiten, ein Auge auf seine Erzfeindin »Dirty Alice« zu haben und auf jeden Fall die wässrigen Eintöpfe seiner Granny zu vermeiden. ›Die Geheimnisse der Welt‹ beschwört in einfühlsamer Weise die Ängste und Freiheiten der Kindheit. Es ist ein eindringlicher Roman über die Liebe, den Verlust der Unschuld und die Bedeutung der Familie in schwierigen Zeiten.
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Bewertungen

Die Geheimnisse der Welt wurde insgesamt 4 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,8 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Die Geheimnisse der Welt

    Inhalt
    Zu Jahresbeginn 1983 wird Michael Murray 12 Jahre alt. Michael pubertiert zwischen Kindsein und Heranwachsen; er weiß noch nicht, ob er Mädchen faszinierend oder abstoßend finden soll. Es ist das Jahr, nachdem der Eurovision Song Contest zum Groll der Briten und Schotten mit „Ein bisschen Frieden“ gewonnen wurde und Jungen ein Rad mit Bananensattel und Fransen an den Griffen geschenkt bekommen. Es ist auch die Zeit, in der Kinder aus dem Zimmer geschickt werden, wenn Erwachsene sich über Dinge unterhalten, die sie ungeeignet für Kinderohren finden. Schlimm wird es erst, wenn Kinder nicht mehr aus dem Raum geschickt werden, weil die Erwachsenen deren Anwesenheit im Eifer nicht bemerken. Wie vermutlich alle andere Kinder auf der kleinen schottischen Insel im Firth of Clyde an der Küste vor Glasgow versucht Michael, sich zurück zu schleichen und hinter die Geheimnisse zu kommen. In seiner Familie köcheln diverse Konflikte unter der Oberfläche, ausgelöst durch Arbeitslosigkeit, persönliche Schicksalsschläge und dörfliche Moral.
    Obwohl Michaels Mutter sich wunderbarerweise im gemeinsamen Haushalt mit ihrer Schwiegermutter sehr gut versteht, wird über die Arbeitslosigkeit des Vaters gestritten, über die Thatcher-Politik und darüber, wie katholisch ein Kind sein kann, dessen Mutter Protestantin ist. In dieser Situation der Sprachlosigkeit wird Michaels Mutter abends im dunklen Park überfallen und deutlich sichtbar verletzt. Was wirklich vorgefallen ist, wird Michael eisern verschwiegen, obwohl die unausgesprochene Angst der Erwachsenen vor dem großen Unbekannten nicht zu übersehen ist. Aus Angst vor dem Dorftratsch will die Mutter die Tat auf keinen Fall bei der Polizei anzeigen. Wie man sich leicht vorstellen kann, bringt sie damit ihren Mann, der gern mal tief ins Glas schaut, in eine peinliche Situation. Durch ihr Schweigen verhindert sie außerdem, dass mögliche weitere Opfer des Täters gewarnt werden. Selbst ein Gespräch zwischen Vater und Sohn kann Michaels Problem nicht lösen, weil die Fakten noch immer nicht auf den Tisch kommen.
    Fazit
    Die Ereignisse in der Folge einer Gewalttat werden konsequent aus der Sicht eines Elfjährigen erzählt, dessen Sprache aus heutiger Sicht sehr naiv wirkt. Wie hätte sie zu der Zeit auch anders sein können, wenn Kinder entweder im Lexikon zwischen aufgeschnappten Reizwörtern hin und her blättern oder ihr Halbwissen miteinander vergleichen konnten. Michael spricht zwar wie ein viel jünger wirkendes Kind, aber seine Schlussfolgerungen sind alles andere als naiv. Am Ende überwindet seine Mutter Angst und Scham, Michael erfährt Dinge, vor denen seine Eltern ihn lieber bewahrt hätten – und die Sache mit den Mädchen stellt sich als nur halb so schlimm heraus.
    (25.7.2015)
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  • Rezension zu Die Geheimnisse der Welt

    Titel: Die Geheimnisse der Welt
    Autorin: Lisa O'Donnell
    Seiten: 255
    ISBN: 978-3-8321-9779-7
    Verlag: DuMont
    Autorin:
    Lisa O'Donnell ist Drehbuchautorin und Schriftstellerin und wurde für Ihr Drehbuch "The Wedding Gift" mit dem Orange Screenwriting Prize ausgezeichnet. Ihr Debutroman "Bienensterben" erschien 2013 im DuMont-Verlag. Auch dieses wurde ausgezeichnet. Mit ihrer Familie lebt sie in Schottland. "Die Geheimnisse der Welt" ist ihr zweiter Roman.
    Inhalt:
    Der elfjährige Michael Murray lebt mit seiner Familie auf einer kleinen schottischen Insel. Jeder kennt hier jeden, und alle glauben, alles über die anderen zu wissen. Doch gibt es auch Geheimnisse - und Michael muss bald herausfinden, wie gefährlich sie sein können. Vor allem, wenn es dabei um die eigene Mutter geht. (Klappentext)
    Rezension:
    Wer nicht gerade in einer anonymen Großsstadt sondern etwas kleinstädtisch ländlicher lebt, kennt das Gefühl alle zu kennen und selbst von jedem erkannt zu werden. Wie intensiv muss diese Art zu leben auf einer kleinen Insel sein? Die Murrays, eine durch Arbeitslosigkeit, Tristesse und den jeweiligen Problemen der einzelnen Personen gebeutelte Familie müssen bald die Negativ-Erfahrung eines solchen Daseins machen. Rosemary, Michaels Mutter wird auf dem Weg durch das nahe Wäldchen überfallen und vergewaltigt. Fortan beschließt die Familie, niemanden etwas zu verraten um Klatsch und Dorf-Tratsch zu entgehen. Und der elfjährige Michael wird plötzlich zum Träger dieses Geheimnisses, welches um so schwerer auf seinen Schultern lastet als es eine weitere Frau beinahe Opfer wird.
    Eigentlich wächst Michael behütet auf, trotz aller Probleme, die seine Familie so schon hat aber in den turbulenten Zeiten der Thatcher-Jahre geht es niemanden richtig gut. Jeder ist betroffen. Doch mitder Entdeckung des Geheimnisses seiner Mutter bricht für ihn das ohnehin labile Konstrukt heiler Welt zusammen, welches die Erwachsenen um ihn herum aufgebaut haben. Der Elfjährige sieht zum ersten Mal, das Erwachsene auch an überdimensionierten Problemen zerbrechen können und es aus manchen Situationen so schnell einen Ausweg nicht gibt. Dazu kommen seine eigenen Freunde, vor denen er plötzlich ein Geheimnis bewahren muss, welches zu groß für ihn ist und jedem, der darum weiß. Und er droht daran, wie seine Mutter zu zerbrechen.
    Es ist ein starker Roman, den Lisa O'Donnell hier vorlegt mit nicht unbedingt leichter Kost. Ein Plädoyer dafür, offen zu sein, die Wahrheit zu sagen auch wenn sie schmerzlich ist und für die Liebe und Kraft, die eine Familie schenken kann. Es ist ein Aufruf, in schwierigen Situationen zusammen zu halten und zu helfen, bei Problemen aufeinander zu zugehen und sich, ja, auch helfen zu lassen. Ein Roman mit einer traurigen erschreckenden Thematik, die man keinem Menschen wünscht, sie jemals am eigenen Leib zu erfahren aber auch eine Geschichte, in der immer wieder Witz und Humor zum Vorschein kommt. Oder zumindest im Form vom Schmunzeln über bestimmte Eigenheiten der Charaktere der Dorfgemeinschaft.
    Nichts ist so stark wie der Zusammenhalt einer Familie und besonders in schweren Zeiten kann es gelingen dadurch Halt zu finden und sich gegen Erdrückendes zu wehren. Lisa O'Donnell kommt dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, offenbart aber Konflikte, denen die Opfer von Vergewaltigungen durch unserer Gesellschaft ausgesetzt sind. In Form der Protagonisten, besonders Rosemary und Michael, die einem sofort sympathisch sind, zeigt sie, wie schwer es ist mit dem gesellschaftlichen Ansichten umzugehen und das, egal wie man handelt, es keinen richtigen aber viele falsche Wege gibt. Am Ende ist jedoch nur wichtig, dass man zusammenhält und füreinander da ist.
    Ein schöner, trauriger, lebensbejahender toller Roman.
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  • Rezension zu Die Geheimnisse der Welt

    Wir befinden uns im Jahr 1982 auf einer kleinen schottischen Insel. Margaret Thatcher regiert in Großbritannien, die wirtschaftliche Lage ist schlecht und ein Krieg mit Argentinien um die Falkland-Inseln steht kurz bevor.
    Auf dieser Insel lebt der ich-erzählende elfjährige Michael Murray in einem kleinen Dorf zusammen mit seiner Großmutter, seinem arbeitslosen Vater Brian und dessen Ehefrau Rosemary. Michaels Mutter putzt nachmittags und abends die Schule, in der Michael mit etlichen anderen Kindern des Dorfes unterschiedliche Freundschaften und Rivalitäten pflegt.
    In dem kleinen Dorf bleibt nichts geheim, auch wenn insbesondere die Großmutter versucht, die katholisch geprägten Traditionen aufrechtzuerhalten. Rosemary passt da nicht so recht hinein, das sie aus einem protestantischen Elternhaus kommt.
    Schon von der ersten Seite an spürt man, dass die Familie durch die Arbeitslosigkeit und das Trinken von Brian unter erheblichen Spannungen leidet. Streit und Sprachlosigkeit dominieren in einem Familiensystem, das stark versehrt ist und auseinanderzubrechen droht.
    Als dann Michaels Mutter auf dem Rückweg von der Arbeit in einem Wäldchen, das sie durchqueren muss, überfallen und vergewaltigt wird, erklären die Erwachsenen dem erschütterten Michael, sie sei auf der Flucht vor einem Exhibitionisten gestürzt und habe sich daher ihre schweren Verletzungen im Gesicht zugezogen.
    Fortan muss Michael mit einem schweren Geheimnis leben, denn auch als er immer mehr von der wahren Geschichte herausbekommt, muss er schweigen und die Gerüchte im Dorf erdulden, sein Vater habe seine Mutter so übel zugerichtet. Rosemary zieht sich in sich selbst zurück, fängt zum Entsetzen ihre Mannes etwas ganz Eigenes an, als sie bei Open University zu lernen beginnt, kann aber trotz Medikamenten nicht zu einem normalen Leben zurückfinden. Dennoch weigert sie sich zur Polizei zu gehen, auch dann als, noch zwei weitere Frauen aus dem Dorf Opfer des Vergewaltigers werden. Alle Familienmitglieder sehen sich verpflichtet, dieses Geheimnis zu wahren. Schon hier wird für den erzählenden Michael trotz häufigen Streits deutlich, welche Kraft durch die gegenseitige Liebe und Wertschätzung in seiner Familie liegt.
    Aufmerksam, nachdenklich, stellenweise sehr witzig und vollkommen glaubwürdig erzählt Michael die Geschichte seiner Familie, der es gegen alle Anfeindungen gelingt, sich neu zu erfinden. Besonders die Rolle, die Michaels Vater spielt, wie er trotz aller Anfeindungen zu seiner Frau hält, die das Erlittene stark verändert hat, ist beeindruckend und beeinflusst schon in der Zeit der Handlung seinen Sohn positiv. Denn der erfährt in den Beziehungen zu anderen Kindern, mit denen er aufwächst, mit Paul, mit Dirty Alice und dem dicken Ralph, wie sich Menschen verändern und Beziehungen verbessern können.
    Zunächst als ein Buch für Erwachsene gedacht, ist es aber auch für ältere Jugendliche zu empfehlen, Ein wunderbarer Roman, der in einfühlsamer Weise die Ängste und die Freiheiten der Kindheit beschreibt. Es geht um Liebe, den Verlust der Unschuld und die immense Bedeutung der Familie gerade in schwierigen Zeiten, in Zeiten, in denen „die Geheimnisse der Welt“ sie auseinanderzureißen und ihre Mitglieder daran zu zerbrechen drohen lässt.
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Ausgaben von Die Geheimnisse der Welt

Hardcover

Seitenzahl: 256

Taschenbuch

Seitenzahl: 256

E-Book

Seitenzahl: 257

Besitzer des Buches 11

Update: