Kritische Masse
Buch von Sara Paretsky, Else Laudan, B. Szelinski
Titel: Kritische Masse
Sara Paretsky (Autor) , Else Laudan (Übersetzer) , B. Szelinski (Übersetzer)
Band 16 der Vic Warshawski-Reihe
Verlag: Argument Verlag mit Ariadne
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 544
ISBN: 9783867542364
Termin: Dezember 2018
Aktion
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Kurzmeinung
mapefue “…trage dein bestes Sonntags-Kevlar“
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Kritische Masse
Der Sommer geht zur Neige. Im ländlichen Illinois stehen schwere Missernten bevor, in der Großstadt Chicago geht die soziale Schere immer weiter auseinander. Die panische Nachricht einer haltlosen Frau auf Dr. Herschels Anrufbeantworter führt Privatdetektivin Vic Warshawski nach Palfry County. Doch statt der erwarteten Landkommune findet sie
dort nur noch eine verlassene Methküche vor und einen toten Hund.
Zurück in Chicago ist Warshawski zwar auf vertrautem Terrain, aber ihre Vermisstensuche weitet sich aus zu einer Odyssee durch Zeit und Raum, und die Gegenseite hat fast unbegrenzte Ressourcen.
Großmeisterin Sara Paretsky demonstriert die gewaltige Erzähl kraft der Kriminalliteratur in diesem elegant geplotteten Hardboiled-Roman mit Privatdetektivin Vic Warshawski, die hier einmal mehr an ihre Grenzen gerät. Die Suche nach einer Vermissten führt die Ermittlerin erst in die Prärie, dann zu einem Chicagoer Hightech-Unternehmen und schließlich in die Geschichte der physikalischen Speichermedien. Denn an der verschollenen Judy Binder und ihrem ebenfalls abgetauchten Sohn hängt ein dunkles Rätsel, das zu knacken Gefahr für Leib und Leben mit sich bringt. Was hat die abgedrehte Junkie-Frau mit einem Nobelpreisträger für Physik aus den 1950ern zu tun? Und inwiefern ist durch Warshawskis Nachforschungen die Familienehre einer IT-Dynastie bedroht?
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Serieninfos zu Kritische Masse
Kritische Masse ist der 16. Band der Vic Warshawski Reihe. Diese umfasst 26 Teile und startete im Jahr 1982. Der letzte bzw. neueste Teil der Serie stammt aus dem Jahr 2024.
Bewertungen
Kritische Masse wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,5 Sternen.
Meinungen
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“…trage dein bestes Sonntags-Kevlar“
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Kritische Masse
- mapefue
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13. Mai 2021 um 14:12
In God we trust, all others show data.Weiterlesen
Kritische Masse („critical mass“ im Originaltitel) bezeichnet in der Kernphysik und Kerntechnik die Mindestmasse eines aus spaltbarem Material bestehenden Objektes, ab der die effektive Neutronenproduktion eine Kettenreaktion der Kernspaltung aufrechterhalten kann.
Professioneller Rat an V.I. Victoria Iphigenia ‚Vic‘ Warshawski, Chicagos weiße Privatdetektivin.“…trage dein bestes Sonntags-Kevlar“. Unerschrocken, professionell, impulsgesteuert, emphatisch: „Wenn du eine Waffe hast, willst du sie benutzen, und wenn du deine benutzt, will dein Gegner seine auch benutzen, und dann wird einer von euch schwer verletzt oder stirbt, während die andere eine Menge Zeit damit verbringen muss, sich dem Staatsanwalt zu erklären.“
Die Suche nach einer Vermissten führt die Privatdetektivin erst in die staubige Prärie von Illinois, wo die verlassenen Farmen des verarmten Palfry County nur noch als Drogenküchen dienen. Warshawski entdeckt dort die Leiche des Drogendealers, seine Gefährtin ist auf der Flucht. Diese Frau, Judy Binder, ist eng mit der Geschichte Lotty Herschels verbunden. Lotty ist mit der Mutter, Käthe Binder, zusammen in den dreißiger Jahren in Wien aufgewachsen. Doch nicht nur die drogenabhängige Judy ist auf der Flucht, sondern auch ihr Sohn Martin, der für den IT-Konzern Metargon arbeitet. Martin, ein Urenkel der jüdischen Wissenschaftlerin Martina Saginor, ein genialer Mathematiker und Computerspezialist. Er hat etwas entdeckt „was nicht aufgeht“ und ist untergetaucht, hat auf „dark gestellt“ sein Dienstgeber, der IT-Konzern Metargon vermutet Geheimnisverrat, ist in Panik und setzt den Heimatschutz auf ihn an.
Die Wissenschaftlerin Martina Saginor im Roman ist an die Österreicherin Marietta Blau angelehnt, die Bahnbrechendes in der Erforschung kosmischer Strahlung leistete, jedoch nie den Nobelpreis bekam, obwohl Erwin Schrödinger immer wieder dafür plädierte, und die in den USA kein Exil bekam, obwohl Albert Einstein sich für sie einsetzte.
Paretzski führt zurück zu den Anfängen der Computer-Technologie, zur Atomforschung und Raketentechnik, Paranoia und Überwachungswahn, zu jüdischen Physikerinnen und opportunistischen Nazi-Wissenschaftlerinnen, die mit der Operation Paper Clip in die USA geholt wurden, nur, damit sie die Sowjetunion nicht bekommt.
Kritische Masse ist pures Genre, ist Spannung, Unterhaltung und Bildung zugleich, eine Lupe in die Vergangenheit und ein Spiegel der Gegenwart, erzählt mit Herz und Verstand von eine großen Kriminalschriftstellerin unserer Zeit.
Ein feministischer Kriminalroman mit einer hartgesottenen Privatdetektivin, von hardboild bis verletzlich, von Frauen, die Täter und Opfer waren.
Cover
Das Umschlagmotiv aufgenommen von Bruno Passigatti mit dem Originaltitel „Dark City Alley“ zeigt eine dunkle Gasse in Chicago. -
Rezension zu Kritische Masse
- K.-G. Beck-Ewe
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20. September 2014 um 10:18
Eigenzitat aus amazon.de:Weiterlesen
Während Sue Grafton ihre Heldin weiter tapfer in den 80er Jahren ermitteln lässt, wo dies auf Grund des Fehlens vieler moderner Medien und Rechercheelemente eine ganz andere Form der Herausforderung darstellt und einige Gefahren einfach deswegen bestehen, weil es bestimmte Hilfsmittel noch nicht gibt, zerrt Sara Paretsky ihre Detektivin Victoria Iphigenia Warshawski gnadenlos ins 21. Jahrhundert mit all seinen neuen Gefahren und Risiken.
Eine alte Bekannte der Familie Herschel – Judy Binder – meldet sich in Lotty Herschel Klinik gerade, als diese eine Operation durchführt und versucht sie um Hilfe zu bitten. Da sich Lotty, die diese Person eigentlich nicht sonderlich schätzt, ist sie erst irritiert und dann voller Schuldgefühle, weswegen sie V.I. bittet, sich mal anzuschauen, was die extrem drogensüchtige Judy nun wieder angestellt hat.
Dieser private Auftrag führt V.I. zunächst in ein Methadon-Labor auf dem Lande, das offensichtlich kurz zuvor überfallen worden ist. Ein toter Rottweiler und eine verletzte Rottweilerhündin, sowie eine Leiche in einem nahe gelegenen Feld bedingen, dass V.I. die Gebietspolizei einschalten muss, die ihr mit dem gewohnten Misstrauen begegnet, das die Detektivin aus vielen anderen Fällen kennt.
Aus diesen unerfreulichen Anfängen erwächst die Erkenntnis, dass Judy an diesem Ort zum Einen von ihrem Sohn Martin besucht worden ist und sie sich wahrscheinlich mit einem gestohlenen Auto nach Chicago begeben hat, wo sie V.I. in einem Crackhaus, in das sie mehr oder weniger einbricht, beinahe erwischt. Und auch hier scheint der Sohn gedanklich irgendwo im Hintergrund zu schweben.
Judys Mutter, die sich als eine Erzfeindin Lottys sieht, seit der Zeit, da ihre beiden Familien in Wien zusammen im Ghetto gelebt haben, bevor die Mädchen außer Landes gebracht wurden und die unter einer ausgeprägten Paranoia zu leiden scheint, gibt V.I. den weitergehenden Auftrag, ihren Enkel zu finden und ihn nach Möglichkeit vor dem gefährlichen Lebensstil seiner Mutter zu schützen. Und Martin, wie der junge Mann heißt, ist tatsächlich seit etwa zwei Wochen verschwunden. Und das nicht nur aus seinem direkten sozialen und beruflichen Umfeld, sondern auch aus dem Internet, wo er als Softwaretechniker für eine Energie- und Rüstungsfirma eigentlich ziemlich präsent gewesen ist. Deswegen interessieren sich auch diese Firma und das Büro für Heimatsicherheit für den Verbleib des jungen Manns, da man befürchtet, dass dieser rüstungsrelevante Entwicklungen an einen Konkurrent oder einen feindlichen Staat verscherbeln könnte.
Verfolgt von Firmenagenten und Bundesagenten der Terrorabwehr und in einem Bereich, der weit außerhalb ihrer bisherigen Erfahrungen liegt muss sich V.I. über die Geschichte der Kernwaffen in der Welt schlau machen und gleichzeitig einen Crashkurs zur Nuklearforschungsgeschichte durchlaufen, denn dieser Fall hat Wurzeln, die über 60 Jahre zurückreichen.
Treue Hunde, Mr. Contreras, Erinnerungen an Boom-Boom Warshawski und ihren eigenen Dienst bei den Ordnungshütern sind fester Bestandteil von V.I.-Warshawski-Romanen und diese werden hier zum Teil ein wenig mechanistisch abgehakt, was zumindest Mr. Contreras für Neulinge der Reihe etwas blaß erscheinen lassen wird.
Die Kerngeschichte wird immer wieder durchbrochen mit Erinnerungen von die Geschichte betreffenden Charakteren an die Vor- und Nachanschlusszeit in Wien und den Uranverein bei Innsbruck sowie an die 50er Jahre in den USA. Dabei beinhalten vergleichsweise lange Passagen nur sehr wenige Informationen zu dem Fall im 21. Jahrhundert, was für historisch weniger interessierte Leserinnen und Leser wahrscheinlich eine Lesebremse darstellen dürfte. Daneben werden im aktuellen Erzählbogen wieder viele Aspekte der neueren Form der Strafverfolgung in den USA unter die Lupe genommen, wie etwa die Befugnisse und Verantwortlichkeiten der Behörde für Heimatschutz oder die umfassenden Überwachung der amerikanischen Bevölkerung durch Konzerne und die Sicherheitsdienste ihrer eigenen Regierung.
Ein interessanter und informativer Roman, der als Thriller aber einige Kürzungen vertragen hätte.
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Update: 13. Mai 2021 um 14:12




