Stille Tage. Oder Lenz feiert Weihnachten

Buch von Klaus Kordon

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Stille Tage. Oder Lenz feiert Weihnachten

    Ein großartiger, schmaler Band mit fünf Kurzgeschichten, in denen Klaus Kordons Alter Ego Manfred "Freddie" Lenz, bekannt etwa aus Krokodil im Nacken, in ganz unterschiedlichen Momenten seines Lebens und stets vor dem Hintergrund der deutschen Teilung Weihnachten erlebt: Mitte der 1950er-Jahre mit dem Ende seiner umsorgten Kindheit, das Weihnachtsfest nach dem Mauerbau im Jahr 1961, nach seinem gescheiterten Republikfluchtversuch im Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen 1972, dann nach seinem Freikauf als politischer Häftling durch die BRD Mitte der Siebziger nach langer Zeit wieder im Kreise seiner Familie und schließlich zurück in Berlin beim zögerlichen Gang durch das Brandenburger Tor im Dezember 1989.
    Der Autor vermag es, in wenigen Szenen mit nüchterner Sprache und inneren Monologen dreißig Jahre deutsch-deutscher Geschichte lebendig werden zu lassen, wofür andere, um das zu erreichen, dicke Wälzer füllen voller exemplarisch zu lesender Alltagsszenen des "real existierenden Sozialismus", die doch nur historische Staffage bleiben.
    Klaus Kordon gelingt das Wunderwerk, sich dabei von keiner Ideologie vereinnahmen zu lassen, weder die DDR zu verklären, noch die Bundesrepublik zu hoffieren oder einseitige Ostenschelte zu betreiben. Er singt ein Loblied des kritischen Geistes in einer Welt der DDR-Duckmäuser und der BRD-Schaumschläger - ein kritischer Geist, der oft genug verliert, aber in der Lage ist, auch eigene Entscheidungen neu zu überdenken: Was sind die wahren Gründe zur Flucht aus der DDR? Ist es die Freiheitsliebe wert, das eigene Leben oder das Glück seiner Familie zu gefährden? Oder wollte er doch, wie so viele, nur dahin, "wo alles glänzt"? Einer auch, der sich sträubt, nach 1989 als Besserwisser auf Stammtischniveau die gedankliche Demontage des Sozialismus mitzumachen, sondern weiterhin ein Leben gegen die Borniertheit, angepasstes Insichselbstverliebtsein und die Diktatur der Funktionäre führt und dagegen als Autor anschreibt.
    Da Kinder- und Jugendliteratur leider immer als getrennt von "richtiger", erwachsener Literatur wahrgenommen wird, rutschen auch so herausragende Schriftsteller wie Klaus Kordon leicht aus der Perspektive erwachsener Leser heraus. Eine Schande und ein großes Versäumnis, was dieser sehr erwachsene (der Kinderecke in der Buchhandlung eigentlich schon entwachsene) Erzählband beweist: am ehesten Literatur, die auch für Jugendliche geeignet ist - wenn man denn Abgrenzungen braucht. Auf ähnlich kleinem Raum einen so tiefsinnigen literarischen Einblick in das Trauma der deutschen Teilung und ihren Einfluss in das Dasein der Menschen zu geben, gelingt nur wenigen.
    Jeder, der immer noch sehnlichst auf einen überzeugenden Wenderoman wartet, sollte einmal dieses im Januar 1990 veröffentlichte Buch zur Hand nehmen! Ganz große Schreibkunst!
    Der Autor (anhand Wikipedia): Klaus Herbert Kordon ist ein deutscher Schriftsteller im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, geboren 1943 in Berlin-Prenzlauer Berg. In seinen Büchern verarbeitet er oft geschichtliche Stoffe, unter anderem in seiner Trilogie der Wendepunkte. Seine Akteure sind meist Arbeiter, "kleine Leute" oder andere von der Gesellschaft marginalisierte Gruppen. Einige Bücher sind stark autobiografisch geprägt, unter anderem Krokodil im Nacken, in dem er seine Hafterfahrung als politischer Gefangener in Stasi-Haft nach seinem DDR-Republikfluchtversuch 1972 verarbeitete. 1973 kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland frei. Andere Werke sind von seinen Reisen inspiriert. Mit Die Zeit ist kaputt schrieb Kordon eine Biografie von Erich Kästner für Jugendliche und Erwachsene.
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Ausgaben von Stille Tage. Oder Lenz feiert Weihnachten

Hardcover

Seitenzahl: 134

Besitzer des Buches 1

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