Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen

Buch von Franziska Wilhelm

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen

Millas Familie, das sind die dominante Großmutter Lucia und ihre in die Jahre gekommene Mutter Rosana - eine Dorfschönheit, die für jeden, der wegen ihres Lächelns nicht auf dem Bahngleis endet, mit dem Zitronenmesser eine Kerbe in den Tresen ritzt. Und dann gibt es noch Millas Onkel Jano, mit dem Milla am liebsten den öden Kneipenalltag hinter sich lassen würde. Janos und Millas Beziehung ist eng - zu eng, wie Großmutter Lucia meint. Als die beiden eines Abends beim Tête-à-tête erwischt werden, bekommt Jano kalte Füße und verschwindet. Milla bleibt allein in Strottenheim zurück. Ausgerechnet mit einem Paketfahrer, der noch mehr in Schwierigkeiten steckt als sie, macht sie sich auf, Jano zu suchen.
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Bewertungen

Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen

    Ein ganz erstaunliches und unterhaltsames Romandebüt hat die 1981 in Erfurt geborene junge Autorin Franziska Wilhelm mit ihrem Roman vorgelegt. An diesem Buch ist nicht nur der lange Titel ungewöhnlich, der die Wesensart der beiden wichtigsten Frauen im Leben der Ich-Erzählerin Milla Enders beschreiben soll.
    „Großmutter war so fest im Boden verankert, dass sich ihre Füße beim Gehen nur wenige Millimeter von der Erde lösten. Großmutters Lucias Fußabdrücke waren keine Fußabdrücke, sondern Furchen.
    Die Spuren meiner Mutter waren ganz anders. Wenn sie einen Weg entlanglief, sah man hier und da nur kleine Dreiecke im Schnee. Meine Mutter trat nie mit dem ganzen Fuß auf…. Alle Bewegungen meiner Mutter waren langsam, schwingend und gleichförmig. Wenn sie neben meiner Großmutter ging, wirkte sie schwerelos.“
    Großmutter Lucia und Mutter Rosana führen seit langem das Cafe Enders, eine Sportplatzkneipe in dem kleinen ostdeutschen Ort Strottenheim, in der direkten Nähe der ICE –Strecke. Das ist insofern von Bedeutung, als seit vielen Jahren Selbstmörder in der Kneipe ihr letztes Bier trinken, bevor sie sich vor den Zug werfen. Rosana, die solche Kandidaten sofort erkennt, wenn sie die Gaststätte betreten, hat schon viele durch ihren Charme vom Selbstmord abgehalten und für jeden von ihnen eine Kerbe in den Tresen geschnitzt.
    Lucia stammt aus der Slowakei und ist eine Roma, die jedoch alles, was auf ihre Herkunft deuten könnte verdrängt. So muss Rosana, die gerne Gästen aus den Karten liest, diese Wahrsagungen in einem Hinterzimmer vornehmen, wo sie sich auch manches Mal von einem männlichen Gast, der ihr gefällt, etwas Gutes tun lässt.
    Milla hilft in der Gaststätte und hat mit ihrem Onkel Jano eine Beziehung, die aber der Großmutter zu eng ist. Über die Gründe wird man später im Verlauf des Buches mehr erfahren. Jedenfalls werden die beiden bei einem Liebesspiel in der Villa eines Dorfbewohners erwischt, und Jano verschwindet am nächsten Tag aus dem Dorf. Milla denkt, er scheue den Konflikt, der sich schon bald anbahnt, aber hier wird der Leser, durchaus überraschend, im weiteren Verlauf des Buches eines Besseren belehrt.
    In der Zwischenzeit ist Milla dem Paketfahrer Kalle, der vorher in der Kneipe sein obligatorisches Bier getrunken hat an den Bahndamm gefolgt, wo sie beobachtet, wie er im letzten Moment , wohl durch ihre Anwesenheit irritiert, von seinem selbstzerstörerischen Vorhaben ablässt und im letzten Moment vor dem bremsenden ICE weg springt.
    Als Kalle am nächsten Tag wieder in der Kneipe auftaucht, hat Milla auch in der Zwischenzeit herausgefunden, wo Jano eventuell hin verschwunden sein könnte und sie machen sich beide mit Kalles alten und klapprigen Lieferwagen auf in Richtung Bratislava.
    Ein sehr ungewöhnlicher Roadtrip mit allerlei Abenteuern beginnt. Eine Geschichte, die davon erzählt, wie sowohl Milla, als auch Kalle und Jano auf eine sehr sympathisch geschilderte Weise versuchen, sich selbst zu finden, und dabei eine Freiheit entdecken, von der sie vorher nichts wussten.
    Franziska Wilhelm gelingt es hervorragend, diese Suche ohne Klischees und Kitsch zu erzählen. Frisch und locker, mit einer einladenden Sprache, die auf jeder Seite unterhaltsam ist und doch Tiefgang besitzt und mit einem trockenen Humor erzählt sie von der Suche ungewöhnlicher, manchmal auch skurriler Menschen nach ihrem Glück und ihrer wahren Geschichte. Dabei hält sie den Leser bis kurz vor dem Ende des Buches in gespannter Aufmerksamkeit, weil die Handlung immer wieder ungeahnte Wendungen nimmt, bis zu einem – vielleicht doch nicht ganz so- überraschenden Ende.
    Auf den nächsten Roman dieser Schriftstellerin bin ich gespannt. Franziska Wilhelm besitzt ein großes erzählerisches Talent.
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Ausgaben von Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 200

E-Book

Seitenzahl: 209

Besitzer des Buches 2

  • Mitglied seit 31. Januar 2021
  • Mitglied seit 12. Juli 2016
Update: