Marias Testament

Buch von Colm Toibin

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Marias Testament

Die Geschichte Marias, wie sie die Bibel nicht erzählt Lange Jahre nachdem Christus am Kreuz gestorben ist, will die Mutter Jesu von der Heiligkeit ihres Sohnes noch immer nichts wissen. Seinen Wundern gegenüber ist sie skeptisch, und den Schmerz über seinen Verlust hat sie nie verwunden. Ihre Version von der Passion Christi ist geprägt von ihrer persönlichen Trauer, ihrer fehlenden Frömmigkeit und ihrem Eigensinn. Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht verstehen will, weshalb ihr Sohn sich von ihr abwandte, und die auch nicht an den christlichen Gott glaubt. Durch ihre Augen eröffnet Colm Tóibín einen völlig neuen Blick auf das Christentum und erschafft ein ungeahnt menschliches Porträt der Ikone Maria.
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Bewertungen

Marias Testament wurde insgesamt 5 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Marias Testament

    Ja, was soll ich zu diesem Buch sagen ? Hat es mich also auch erschüttert ? Das wäre nun wirklich einem Buch zu viel Ehre geben, dass meines Erachtens zu oft in die Kerbe schlägt, in der sich so viele Zeitgenossen gefallen. Unter dem Schutzmantel, einen Aspekt des Geschehens der Bibel zu erzählen, « wie er nun wirklich (oder wahrscheinlicher) ausgesehen hätte », scheint vieles erlaubt.
    So sollte der eventuell interessierte Leser halt wissen, dass der Autor viele Dinge in seinem Sinne zurechtdreht ; unter welchen Kriterien oder mit welcher Intention ist mir persönlich verborgen. Hier einige dieser fragwürdigen Grundlagen des Toibinschen Ansatzes :
    - letztlich ist die Mutter Jesu eine verbitterte alte Frau, die auch vor gehässigen, abfälligen Worten nicht zurückschreckt, und zB an einer Stelle sie besuchende Jünger mit dem Messer bedroht
    - sie wird dargestellt als Frau, die letztlich zu Artemis beten wird und ihre jüdische Zugehörigkeit nicht mehr lebt
    - Jesus ist letztlich ein Spinner, der beim Reden seltsam hoch und künstlich die Stimme hat
    - seine Jünger sind allesamt Taugenichtse, eine « Bande » (oder Rotte, Menge...). Natürlich stehen sie später als Lügner und Täuscher da, die eine evangelische Wahrheit konstruieren, die von der « Wahrheit oder Wirklichkeit » weit entfernt ist. Petrus (?) und Johannes (?) sind nicht nur Täuscher, sondern freche und hämische, kalte Menschen, die die Wahrheit in ihrem Sinne verfälschen wollen und Maria gar Angst oder Verachtung einflößen.
    Etc...
    Ehrlicherweise muss man sagen, dass gewisse erwähnte Elemente durchaus ihren evangelischen Ursprung haben. Es ist sicherlich wahr, dass Maria und die weitere Familie im Augenblick des Geschehens dem Tun Jesu mit Unverständnis begegnete, und in diesem Moment ihn und seine Jünger für Spinner oder « von Sinnen » hielt (Originaltext). Aber zwischen diesem Verständnis der ersten Reaktion und der späteren Nähe und Solidarität mit den Jüngern und dem (nach)österlichen Glauben gibt es eine Entwicklung. Toibin zeigt keinerlei Zugeständnis an « Entwicklung » und Wachstum.
    Bewegend ist sicherlich die eindringliche Beschreibung des Leidensgeschehens, der Kreuzigung. Leider kommen dann aber auch wieder schnell andere Aspekte dazu, die ein unbeeinträchtigtes Lesen erschweren.
    Also vielleicht doch erschütternd, verstörend, mit welcher Selbstverständlichkeit man also schreiben kann und sich sein Geld verdient, in dem man – oder wie soll man es sich anders erklären ? - irgendwelche Rechnungen begleicht, kindliche Hasstiraden abfeuert, weil man vielleicht in seinem Werdegang verletzt worden ist ?
    Trost vielleicht, sich zu sagen, dass solch ein Buch wohl kaum noch in zweitausend Jahren den Menschen erbauen wird, sondern versunken sein wird in den Schubladen der ruhig – insgesamt gesehen - zu vergessenden Geschichten.
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  • Rezension zu Marias Testament

    Dieser wunderbare und beeindruckende kurze Roman des irischen Schriftstellers Colm Toibin erzählt die Geschichte Jesu auf eine ganz andere Art, wie wir sie aus den Evangelien kennen, ohne deren Überlieferung zu verfälschen oder die dort berichteten Ereignisse auch nur einen Moment lang anzuzweifeln.
    Erzählerin ist die Mutter Jesu, Maria, die viele Jahre nach dem Kreuzestod ihres Sohnes Jesus in Ephesus wohnt, wohin sie nach der Kreuzigung mit Hilfe einiger Jünger geflohen ist.
    Seit einiger Zeit bekommt sie regelmäßig Besuch von zwei Männern, deren Auftreten und Verhalten sie als unverschämt empfindet. Sie wollen, indem sie Marias Erinnerung manipulieren, sie in die frühchristliche Legendenbildung um sein Leben und seinen Tod einbinden. Doch sie weigert sich, sich an Ereignisse und Fakten zu erinnern oder sie zu bestätigen, die es gar nicht gegeben hat. Stattdessen erinnert sie sich für sich selbst (und den von dieser Prosa ebenso begeisterten wie erschütterten Leser), wie sie das damalige Geschehen um ihren Sohn erlebt hat.
    Als sie einen Hinweis erhält, die Verhaftung ihres Sohnes stehe kurz bevor, reist sie nach Kana, wo sie Jesus bei einer Hochzeit weiß, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen, nach Jerusalem zu gehen, in seinen sicheren Tod. Sie liebt ihren Sohn, hält wohl auch seine Wundertaten für real – sogar die Auferweckung des Lazarus wird ohne kritischen Unterton berichtet – doch das Gerede, er sei der Messias, nimmt sie nicht ernst. Im Gegenteil, je mehr Jesus in seiner Rolle als Prophet und Wundertäter aufgeht, desto fremder wird er ihr. Von der wachsenden Gruppe seiner Anhänger ganz zu schweigen. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie diese in ihrer großen Mehrheit für Spinner und Sektierer hält.
    Es geht Toibin die ganze Zeit über darum, wie den biblischen Texten übrigens auch, denen er ganz nahe bleibt, ganz tief zu verstehen, was der Mensch ist und was er sein könnte. Dieses Nachdenken hat das Leben Jesu angestoßen, er hat Generationen von Menschen beeinflusst bis heute. Doch in der Schilderung von Coibins Maria, in ihrem Testament, ist das damalige Geschehen von aller theologischen Reflexion befreit. So wie er sie das Geschehen am Kreuz erleben und schildern lässt, wie er sie dieses sie bis an ihr Ende verfolgendes Trauma in Worte fasst, ist erschütternd. Eben weil es keine religiöse Erhöhung des Geschehens gibt, ist es so dramatisch.
    Und als die beiden Besucher gegen Ende des Buches noch einmal kommen, um sie mit ihrem Geschwätz zu quälen, da sagt sie etwas, was gläubige Christen als Häresie empfinden werden:
    „Ich war dort. Ich floh, bevor es vorbei war, aber wenn ihr eine Zeugin braucht, dann bin ich eine Zeugin, und wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war. Das war es nicht wert.“
    Ein beeindruckendes und nicht nur für Christen zutiefst verstörendes Buch.
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Ausgaben von Marias Testament

Taschenbuch

Seitenzahl: 128

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 128

E-Book

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Marias Testament in anderen Sprachen

  • Deutsch: Marias Testament (Details)
  • Englisch: The Testament of Mary (Details)

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