Herztier

Buch von Herta Müller

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Herztier

Herta Müllers zweiter Roman »Herztier«, 1994 erstmals erschienen, zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und den elementaren Gefühlen seiner Bewohner: allgegenwärtige Angst und rauschhafte Liebe, gefährdete Freundschaft und schwarzer Hass. Zugleich entsteht unter den Augen des Lesers ein Sprachkunstwerk von ganz eigener Poesie und Schönheit – metaphernreiche, magische Prosa. Spätestens mit diesem Roman wurde Herta Müller zu einer der bedeutendsten und eigentümlichsten Autorinnen der deutsprachigen Literatur und in ihr eine absolut unverwechselbare und originelle Stimme.
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Bewertungen

Herztier wurde insgesamt 6 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,4 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Herztier

    Ein Genuss, wenn man sich auf diese schwere Kost einlässt.
    Vier Freunde, die in einem rumänischen College Russisch studieren, kommen immer mehr ins Bedrängnis und werden vom Regime Ceausescus verfolgt und bespitzelt. Und dabei denken sie gar nicht revolutionär oder gefährlich, sondern die Jugendlichen denken und philosophieren einfach, schreiben Gedichte und führen Tagebuch.
    Eine Kameradin, Lola, die sich ziemlich naiv, sie möchte noch etwas im Leben erreichen und sieht nur diese Möglichkeit, auf die Securitate einlässt, verübt einen augenscheinlichen Selbstmord. Eine Situation, die die Freunde wachrüttelt und sie zur Vorsicht zwingt. Aber ihre verschlossenen Koffer, werden dennoch geöffnet und Papiere verschwinden.
    Und so überwacht und bespitzelt können die Menschen nur in einem hohen Maß mit Skepsis zueinander stehen, denn Verrat gibt es an jeder Ecke. Oder man schafft sich eine Parallelwelt mit einer codierten Sprache und bestückt Briefe mit Haaren.
    Der Roman beginnt direkt mit der Codierungen: Was ist der Sack? Was hat es mit Maulbeerbäumen, Blättern und Gras auf sich? Haare und Nägel? Und die Dürre?
    Der Leser steht vor einem Rätsel, und hier liegt der Schlüssel: Ob man nun das Buch angewidert in die Ecke wirft oder ob man gewillt ist das Rätsel zu knacken? Wenn man aber anfängt das Metaphernmosaik zu erobern, kann es leicht passieren, dass man Sätze, die 1:1 zu verstehen sind, auch enträtseln möchte.
    „Und Lola hing an meinem Gürtel im Schrank.“
    Herta Müller erreicht es durch ihren einmaligen Stil, dass der Leser dieses beklemmende Gefühl, die Furcht und das Entsetzen ganz real spürt. Man ist teilweise fast überfordert und fühlt die Spitzel, durch diese Verschlüsselung, überall. Es ist ein Kampf sich durch diese Lektüre zu wühlen, aber zum Schluss ist es eine Bereicherung, denn man erahnt die Qualen und kann das Leben in solchen Regimen nachvollziehen. Ganz schrecklich, aber wunderbar transportiert!
    „Ich kann mir heute noch kein Grab vorstellen. Nur einen Gürtel, ein Fenster, eine Nuß und einen Strick. Jeder Tod ist für mich wie ein Sack.“
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  • Rezension zu Herztier

    Klappentext
    Rumänien in den achtziger Jahren: Eine Gruppe von Freunden leistet Widerstand gegen das Terrorregime Ceausescus, sie schreiben oppositionelle Gedichte und dokumentieren die alltägliche Überwachung durch die Securitate. Allmählich aber werden sie selbst Opfer der Verfolgung. Als drei von ihnen in den Westen ausreisen, geht dort der Terror weiter.
    Herta Müller zweiter Roman "Herztier", 1994 erschienen, zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und den elementaren Gefühlen seiner Bewohner: allgegenwärtige Angst und verzweifelte Liebe, gefährdete Freundschaft und schwarzer Hass. Zugleich entsteht unter den Augen des Lesers ein Sprachkunstwerk von ganz eigener Poesie und Schönheit - metaphernreiche, magische Prosa.
    Spätestens mit diesem Roman wurde Herta Müller zu einer der bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur und in ihr eine absolut unverwechselbare und originelle Stimme.
    Die Autorin
    Herta Müller wurde 1953 in einem deutschsprachigen Dorf in Banat/Rumänien geboren. Nach einem Publikationsverbot und Repressionen durch die Securite konnte sie 1987 nach Berlin ausreisen, wo sie auch heute lebt. Zu ihren bekanntesten Werken gehören der Erzählband "Reisende auf einem Bein" und der Roman "Der Fuchs war damals schon der Jäger.
    Für "Herztier" erhielt Herta Müller 1998 den Impac Dublin Literary Award, den weltweit höchstdotierten Literaturpreis für ein einzelnes Werk. Darüber hinaus wurde sie mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter den aspekte-Literaturpreis, der Kleist-Preis, der Franz-Kafka-Preis und der Walter-Hasenclever-Literaturpreis.
    Meine Meinung
    "Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, wenn wir reden, werden wir lächerlich.«
    Dieser Satz ist der erste und der letzte Satz des Romans.
    Die "Ich"-Erzählerin lernt nach dem Selbstmord ihrer Mitstudentin Lola drei junge Männer kennen: Edgar, Kurt und Georg. Diese leisten Widerstand, schreiben Gedichte, die dem Regime nicht passen und kommen so in das Visier des Staatsapparates. Sie werden verhört, ihre Wohnungen durchsucht. Ihre Angehörigkeit zu der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien fördert sicher auch das Misstrauen ihnen gegenüber. Selbst nach der Ausreise sind sie Repressalien ausgesetzt. Sogar nach der Ausreise stürzt sich ein Freund in den Tod. Die Trostlosigkeit und die Verzweiflung werden dem Leser gut "rübergebracht".
    Der Name Ceauşescu fällt nur ein einziges Mal in diesem Roman.
    Herta Müller bedient sich einer sehr bildhaften, dichten und zum Teil auch derber Sprache. Manchmal waren die Bilder zumindestens für mich zu verschlüsselt. Es gibt Passagen, die man einfach mehrfach lesen muss und einige Metaphern habe ich sicher überlesen. Wahrscheinlich muss man das Buch zweimal lesen, um alles zu verstehen. ;)
    Und es ist auf gar keinen Fall ein Roman, der sich schnell lesen lässt -man muss sich auf ihn einlassen.
    Wegen der Bezeichnung "Herztier" habe ich gegoogelt:
    Herztier:
    "Von einer ihrer Großmütter lernt sie das Wort »Herztier«, dessen genaue Bedeutung freilich im Dunkeln bleibt. Aus Andeutungen lässt sich nur vermuten, dass es sich bei dieser – höchst privaten – Vorstellung um den vitalen und unverwechselbaren Teil eines jeden Lebewesens handelt. Dieser kann nur durch den Tod vernichtet werden, ist aber unter den Bedingungen einer Diktatur größter Gefahr ausgesetzt." (Quelle: Buchreport)
    Auf dem Cover ist eine Schüssel voller Pflaumen abgebildet - Pflaumen werden im Roman mehrfach erwähnt
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Ausgaben von Herztier

Taschenbuch

Seitenzahl: 256

Hardcover

Seitenzahl: 256

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