Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft

Buch von Joachim Radkau, Lothar Hahn

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft

Mit Fukushima endete eine Ära – zumindest in Deutschland. Die kurze Geschichte der Atomwirtschaft ist ein perfektes Lehrstück dafür, wie Zufälle vollendete Fakten schaffen, welche Eigendynamik einmal getroffene Entscheidungen entwickeln und wie schwer es ist, die Geister, die man einstmals rief, wieder los zu werden. Wer geglaubt hat, die „friedliche“ Nutzung der Atomenergie war ein durchdachter, von Verantwortungsgefühl getragener Akt, muss seine Meinung korrigieren – im Kern war sie nicht einmal friedlich, denn Adenauer liebäugelte lange mit dem Bau einer deutschen Atombombe. Dass die Atomenergie nicht sicher sein würde, wussten ihre Kritiker schon immer – dass sich die Befürworter wider besseren Wissens für Reaktortypen entschieden haben, die von Beginn an enorme Sicherheitsrisiken bargen, ist weit weniger bekannt. Radkau und Hahn arbeiten ein Stück deutsche Zeitgeschichte auf, von der Atomeuphorie der Nachkriegszeit über die Anti-Atomkraft-Bewegung bis zum endgültigen Aus der Risikotechnologie. Sie beleuchten eine von illusionärem Optimismus, vielfältigen Machtinteressen und ehrgeizigen Spekulationen geprägte Epoche, und zeigen, wie die Verheißungen der Technik blind machen für ihre unkalkulierbaren Risiken.
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Bewertungen

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft

    Als der damals noch junge Wissenschaftler Joachim Radkau, der nach etlichen entsprechenden Publikationen in den letzten zehn Jahren (vgl. etwa das Werk „Holz. Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt“ Oekom 2007) als Begründer der Umweltgeschichte bezeichnet wird, im Jahr 1983 sein Werk „Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft. 1945-1975. Verdrängte Alternativen in der Kerntechnik und der Ursprung der nuklearen Kontroverse“ veröffentlichte, da legte er nicht nur einen Grundstein der kritisch- wissenschaftlichen Dokumentation der Atomwirtschaft, sondern gab mit diesem Buch damals der Anti-Atom-Bewegung die kritischen Daten an die Hand, mit der auch naturwissenschaftliche Laien lernen konnten, in öffentlichen Debatten den Vertretern der Atomwirtschaft und ihren politischen Bündnispartnern so etwas wie Paroli zu bieten. Ich erinnere mich sehr genau, wie wichtig dieses Buch für mich war, als ich als junger Pfarrer und überzeugter Atomkraftgegner eine Pfarrstelle in Biblis übernahm, wo man gerade plante, einen Block C zu bauen.
    Das vorliegende Buch knüpft an das alte an und führt zusammen mit dem ehemaligen Mitarbeiter des Öko-Instituts und späteren Vorsitzenden der Reaktorsicherheitskommission, Lothar Hahn, die Geschichte fort bis zum Atomausstieg nach Fukushima und den neuen zentralen Herausforderungen eines Rückbaus der Atomanlagen.
    Von der Euphorie der Nachkriegszeit, die sogar den Philosophen Ernst Bloch im „Prinzip Hoffnung“ angesteckt hatte, über die Entstehung und Blüte der Anti-Atom-Bewegung, für die beide Wissenschaftler eine unschätzbare Bedeutung hatten, bis zum endgültigen Aus beschreiben die beiden Wissenschaftler die Geschichte einer Technik und eines Wirtschaftszweigs, der mit vielen Verbandelungen in der Politik von Illusionen und Machtinteressen durchsetzt eine ganze Epoche prägte und riesige Mengen nicht nur an nuklearem Brennstoff verbrannte und den entsprechenden Abfall hinterließ, sondern auch ein Maß an gesellschaftlichem Reichtum und Geld „verbrannte“, das unvorstellbar ist.
    Was man an diesem Buch sehr gut sehen und lernen kann, ist, wie Verheißungen der Technik blind machen können für ihre Risiken, die unkalkulierbar waren von der ersten Stunde an. Eine Geschichte der Vertuschungen und Pannen, die der Rezensent mehrmals in Biblis miterlebt und auch dagegen vor dem höchsten hessischen Gericht geklagt hat. Doch man darf sich als überzeugter und früher Gegner dieser Technik bei und nach der Lektüre dieses Buches nicht zurücklehnen, denn es mahnt zur Vorsicht bei der Einschätzung auch neuer Techniken. So hat mir etwa noch niemand überzeugend darlegen können, wo und wie nach Ablauf ihrer Haltbarkeit (ca. 20 Jahre) all die vielen Millionen aus Steuergeldern finanzierten Solarzellen auf den Dächern unseres Landes umweltgerecht entsorgt bzw. recycelt werden können.
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Ausgaben von Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft

Hardcover

Seitenzahl: 416

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