Der kleine Rest des Todes
Buch von Ulla Lenze
Titel: Der kleine Rest des Todes
Ulla Lenze (Autor)
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
Format: E-Book
Seitenzahl: 160
ISBN: 9783627021825
Termin: März 2012
Aktion
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Der kleine Rest des Todes
Seit ihr Vater bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt ist, ist auch Ariane irgendwie nicht mehr da. Und die rauschende Stille der indischen Palaniberge, in denen sie Monate in einem Zen-Kloster verbracht hat, scheint Lichtjahre entfernt. Spätestens als sie eines Morgens unter dem Fenster ihres Liebhabers erwacht, weiß sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Doch wie ließe sich vernünftig und gradlinig leben, wenn doch der Tod sich nicht ins Leben einfügen will, wenn doch immer ein Rest bleibt: die Erinnerung an ein letztes Winken am Bahnsteig, die befremdliche Präsenz der gespeicherten Nachrichten des Anrufbeantworters und die quälende Frage, ob der eigene Vater bei vollem Bewusstsein verbrannt ist.
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Bewertungen
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Der kleine Rest des Todes
- Winfried Stanzick
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28. August 2012 um 08:58
Als ihr Vater mit seinem Sportflugzeug, für das er erst sehr spät die Lizenz erworben hat, hinter der deutschen Grenze in Holland abgestürzt und umgekommen ist, ist für die Ich-Erzählerin Ariane in Ulla Lenzes neuem Roman eine Welt zusammengebrochen. Sie schreibt seit längerer Zeit eine Doktorarbeit über die Negation bei Hegel, Adorno und im Zen-Buddhismus, und war für diese Arbeit mehrere Monate in den indischen Palanibergen in einem von einem Jesuiten geleiteten Zen-Kloster.Weiterlesen
Doch das scheint alles weit weg. Sie hat nicht nur ihren Vater verloren, über dessen Beziehung zu Ariane wir in dem Buch erstaunlich wenig erfahren, nur dass sie wohl besonders war, sondern auch ihre alte Liebe Arndt. Doch auch ihr neuer Freund Leander zieht sich von ihr zurück,und all diese Verluste bringen sie fast um den Verstand. Die Worte, die sie Leander in dichten Sätzen schreibt, drücken aus, in welcher Verfassung sie ist:
„Lieber Leander, ich bin nicht ganz bei den Dingen, die Dinge sind nicht bei mir, eine Unruhe schiebt mich über sie hinaus. Der Eindruck, im gleich nächsten Moment zu straucheln, zu fallen, wenn ich nicht achtgebe. Dann gehe ich meistens schlafen am helllichten Tag. Darum kann ich auch heute nicht mir Dir ins Kino gehen. Da ist niemand in mir, den ich dazu mobilisieren könnte. Vielleicht reden Trauernde so, denn wer jemand verliert, verliert auch sich selbst.“
Nicht nur in diesem Zitat, sondern quer durch das ganze Buch führt Ulla Lenze den Leser mit einer fast schmerzhaften und stellenweise quälenden Poesie an jene Grenzerfahrungen heran, in die der Tod eines wichtigen und geliebten Menschen uns stürzen kann.
Man fragt sich, in dem man mit Mitgefühl den Berichten Arianes folgt, ob sie aus dem Sog der Schwärze, in den sie immer mehr gerät, irgendwann wieder herauskommen wird. An manchen Stellen geraten Ulla Lenzes sprachliche Kompositionen etwas übertrieben gekünstelt; man ist nicht sicher, geht es jetzt um den Fortgang der Erzählung oder um Schreibübungen.
Dennoch hat „Der kleine Rest des Todes“ seine eigene Qualität als ein Stück Prosa, das sich ohne Wenn und Aber dem Verlust und der Trauer aussetzt. Und das seiner Erzählerin folgt bis an den Punkt, an den sie hintreiben muss. Ariane muss herausfinden, was geschehen ist. Und sie ruht nicht, bis sie den Ort gefunden hat.
Ausgaben von Der kleine Rest des Todes
Update: 27. August 2017 um 16:14




