Perlmanns Schweigen

Buch von Pascal Mercier

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Perlmanns Schweigen

Der angesehene Sprachwissenschaftler Philipp Perlmann trifft sich mit einer Gruppe von berühmten Kollegen in einem Hotel an der ligurischen Küste. Konfrontiert mit den hohen Erwartungen der anderen, zieht er sich so sehr in sich zurück, dass er bald in eine ausweglose Situation gerät, die ihn sogar an den Rand eines Mordes treibt.
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Bewertungen

Perlmanns Schweigen wurde insgesamt 9 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,6 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Perlmanns Schweigen

    Worum es geht
    Der renommierte Sprachwissenschaftler Philipp Perlmann lädt eine Gruppe anerkannter Kollegen zu einem mehrwöchigen Forschungsaufenthalt nach Italien ein.
    Perlmanns zunehmender Interessenverlust an seiner Arbeit, den er im universitären Routinebetrieb bislang noch kontrollieren konnte, wird im komfortablen Hotel an der ligurischen Küste zu einer Frage von Leben und Tod. Statt einen eigenen Text vorzubereiten, übersetzt der Professor lediglich die Arbeit eines russischen Kollegen, dem die Einreiseerlaubnis verweigert wurde.
    Als der Tag, an dem Perlmann seinen Vortrag halten soll, immer näher rückt, trifft er eine folgenschwere Entscheidung.
    Der Autor
    Peter Bieri, Jahrgang 1944, ist ein Schweizer Philosoph und Schriftsteller. Bekannt wurde er unter seinem Pseudonym Pascal Mercier als Romanautor.
    Er hat Indologie, Anglistik, Philosophie und Philologie in London und Heidelberg studiert. Einige Jahre war er als Dolmetscher tätig und wurde später Dozent für Linguistik. 1993 erhielt er eine Professur für Sprachphilosophie an der Freien Universität Berlin. 2007 zog er sich, verärgert über den Universitätsbetrieb, vorzeitig in den akademischen Ruhestand zurück.
    Zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis 2006 für sein literarisches Werk.
    Meine Gedanken und Eindrücke
    Ohne große Erwartungen bin ich an diesen Roman aus dem Jahre 1995 herangegangen, und sah mich unversehens mit einem Meisterwerk konfrontiert.
    Von Anfang an hat mich vor allem der Stil des Autors in seinen Bann gezogen, die detaillierte Beschreibung der Denk- und Handlungsweise des Professor Perlmann, die sich ständig verschärfende Konfliktsituation, weniger im Kreise seiner Kollegen, als vielmehr mit seiner eigenen, sich verändernden Persönlichkeitsstruktur. Unglaublich eindringlich führt der Autor seinen Lesern das Dilemma vor Augen, in dem sich der Wissenschaftler befindet. Im Laufe der Handlung gewinnt Philipp Perlmann immer mehr schizophrene Züge, die ihm die dunklen Abgründe der eigenen Seele offenbaren. Unmöglich ist es für den angesehenen Sprachforscher seine berufliche Unfähigkeit gerade bei einem Forschungsaufenthalt einzugestehen. Sein wenig kommunikatives und teamfreundliches Verhalten hat den Argwohn der Kollegen bereits erweckt, weshalb er sich umso mehr unter Druck gesetzt fühlt, deren hohe Erwartungen zu erfüllen. Der Ausweg, den Perlmann für sich zu finden glaubt, treibt ihn stattdessen immer tiefer in einen Strudel aus Lügen, Verrat und Schuld.
    Minutiös erlebt der Leser die Ausarbeitung eines mörderischen Planes und dessen Vorbereitung, manchmal so detailliert geschildert, dass sich die Spannung zeitweise beinahe ins Unerträgliche steigert. Hin und wieder konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, mit der Handlungsweise des Professors auf Gedeih und Verderb verbunden zu sein, ein Entrinnen schien unmöglich.
    Mit dem Auftritt des Russen Vasilij Leskov gelingt die Einführung einer äußerst ausdrucksstarken Persönlichkeit, die in ihrer behäbigen, bescheidenen und väterlichen Art sofort zum absoluten Sympathieträger wird. Kaum meint der Leser gemeinsam mit den beiden Protagonisten einer Gefahr entronnen zu sein, wartet der Autor bereits mit einer weiteren Spannungssteigerung auf, die in einer gleichermaßen einfachen wie raffinierten und glaubwürdigen Lösung ihr fulminantes Ende findet.
    Guten Gewissens darf ich behaupten, schon lange keinen Roman mehr gelesen zu haben, der eine derartige Sogwirkung auf mich ausübte. Die rund 640 Seiten waren in wenigen Tagen geradezu verschlungen, die Figuren hingegen werden mich gewiss noch länger begleiten.
    Wer meine anfängliche Befürchtung teilt, mit einer komplizierten Liebesbeziehung zwischen einem alternden Professor und einer viel jüngeren Kollegen gelangweilt zu werden, kann sich entspannt zurücklehnen. Keine „Altmännerliteratur“ erwartet ihn, dafür aber ein inhaltliches und stilistisches Highlight, wie ich es dem Autor von „Nachtzug nach Lissabon“ und „Der Klavierstimmer“ (beide Bücher konnten mich nicht begeistern) niemals zugetraut hätte.
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  • Rezension zu Perlmanns Schweigen

    Eine Erzählung die eine ausführliche Vorstellung verdient.
    Das Interesse an der sprachlichen Wissenschaft hatte für Philipp Perlmann an Bedeutung verloren, der Glauben an deren Wichtigkeit. Dennoch musste er nun an diese Tagung, welche sich über mehrere Wochen hinzieht, an die ligurische Küste fahren, zu dem er sich überreden liess. Er soll eine Forschungssgruppe leiten, zu der er berühmte Kollegen eingeladen hat, um über sprachwissenschaftliche Thematik diskutieren. Ein Grund wieso er zugestimmt hatte, war seine Frau Agnes gewesen, welche für Italien im Herbst, zum Fotografieren schwärmte. Agnes war jedoch Tod, und alles in Perlmann sträubte sich, mit namhaften Kollegen zusammenzutreffen, um die Sprache und deren Bedeutung in einzelnen Bereichen des Lebens, zu erörtern.
    Es war jedoch nicht der Tod von Agnes, der ihn zu dem machte, was er nun war, das war ihm klar, sondern ihn quälte das Gefühl, nichts mehr zu sagen zu haben. Unsicherheit und Zerrissenheit, die Angst des versagt zu haben, bohrt in ihm und lassen ihn schweigen. Hin und wieder, bei ganzen seltenen vertrauten Gelegenheiten, einem Spaziergang mit einer Kollegin, versucht er sich zu offenbaren. Jedoch die starren Konventionen, in denen er gefangen ist, lassen dies nicht zu.
    Einzig bei der Bearbeitung eines Manuskript, den er von einem russischen Autor erhalten hat und dessen Text er, der russisch lernt, ins Englische übersetzt, überkommt in die alte Euphorie für Sprache.
    Während er an dem Text arbeitet, verfällt er immer wieder in Erinnerungen an die Vergangenheit. Überhaupt ist das Zurückerinnern ein wesentlicher Bestandteil des Aufenthalts. Eine Vergangenheit, in der vieles nicht richtig verarbeitet wurde und zu der er erst jetzt langsam Zugang findet.
    Während den einzelnen Sitzungen ist er seltsam, benimmt sich seltsam und ist oftmals mit seinen Gedanken total abwesend. Nur ab zu und greift er aktiv in die Diskussionsrunde ein und beweist sich als exzellenter Rhetoriker, wie er von den Kollegen erwartet wird, verfällt jedoch je länger je mehr in eine eigentümliche Lethargie.
    Unaufhörlich verrinnt die Zeit und der Tag an dem Perlmann sein Referat halten muss, stellt ihn vor ein sehr grosses Problem, denn er hat nichts vorzuweisen. Alle seine Aufzeichnung misslingen und so trifft er eine Entscheidung die gleichzusetzen ist mit einer Niederlage, die ihn voller Scham erfüllt und er weiss, nichts wird mehr sein wie vorher.
    Ich weiss, dass leider auf amazon.de, in einigen der Rezensionen, sehr ausführlich beschrieben wird, wie sich die Geschichte entwickelt, was ich persönlich sehr schade finde.
    Nachdem ich begeistert war von dem Buch „Der Nachtzug nach Lissabon“, „Lea“ allerdings enttäuschend fand, habe ich mich an diese mehr als 600 Seiten umfassende Erzählung gewagt. Und ich darf sagen sie hat mich nicht enttäuscht. Pascal Mercier spielt mit Sätzen, lässt Worte schmelzen und formuliert mit ihnen unglaubliche Wendungen.
    Man spürt als Leser wie Perlmann von Tag zu Tag in sich verfällt, wie er sich in eine verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung hineinsteigert.
    Nicht zu vergessen sind die gut gezeichneten weiteren Figuren in diesem Roman, die Empfindungen, die Perlmann ihnen gegenüber hegt, die Haltung die er ihnen gegenüber bezieht, um die Täuschung aufrecht zu erhalten.
    Manchmal musste ich einige Seiten zweimal lesen denn dieses genau analysieren und interpretieren von Text und Aufzeichnungen, denen sich Perlmann widmet, ist für denjenigen der nicht unbedingt etwas mit Linguistik „am Hut“ hat, etwas anstrengend zu lesen.
    Man braucht etwas Geduld und Zeit für dieses Buch, welche sich jedoch ganz sicher lohnt.
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Ausgaben von Perlmanns Schweigen

Taschenbuch

Seitenzahl: 640

E-Book

Seitenzahl: 641

Hörbuch

Laufzeit: 00:10:37h

Besitzer des Buches 31

Update:

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