Bis unter die Haut

Buch von Julia Hoban u.a.

Bewertungen

Bis unter die Haut wurde insgesamt 11 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,4 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Bis unter die Haut

    Da der Inhalt des Buches ja schon mehrfach erzählt wurde, lasse ich den Teil einfach mal aus ;)
    // Was ich denke //
    Well well well… this was in interesting read. Willow hat in mir sehr zwiespältige Gefühle hervor gerufen, sowohl positive als auch negative. Genau genommen wusste ich schon, was passiert, denn ich habe das Buch bereits vor ein paar Jahren gelesen. Da ich mich erinnern konnte, dass ich es sehr gut fand, wollte ich es schon seit einiger Zeit noch einmal lesen.
    Und tatsächlich ist meine Meinung noch die selbe: es ist eines der besten Bücher, die ich über das Thema SVV (Selbstverletzendes Verhalten) gelesen habe – und das waren einige. Julia Hoban schafft es unheimlich gut, die Gefühls- und Gedankenwelt von Willow, die sich seit ca. sieben Monaten selbst verletzt, darzustellen. Komplett von Schuldgefühlen zerfressen, ist das Schneiden für sie die einzige Möglichkeit, den emotionalen Schmerz zu unterdrücken. Sie macht sich nicht nur für den Tod ihrer Eltern verantwortlich, sondern genauso für alles, was dieser mit sich gebracht hat: dass sie nun bei ihrem Bruder David und dessen Frau Cathy wohnen muss, wo eigentlich weder der Platz noch das Geld für ein weiteres Familienmitglied übrig sind; dass sich eben dieser um Angelegenheiten kümmern muss, die eigentlich Eltern übernehmen, wie z.B. Elternsprechtage und schlechte Noten; dass sie ihn jeden Tag aufs Neue daran erinnert, dass sie ihrer beiden Eltern auf dem Gewissen hat. Willow schottet sich von allem und jedem ab, versinkt in ihrer eigenen Welt und hält sich eigentlich nur noch an ihren Klingen fest.
    Und ich muss einfach sagen, dass diese ganze Sache so eindringlich und realistisch beschrieben wird, dass ich es fast selber fühlen konnte. Ich hätte wirklich erwartet, dass ich zwischendurch denken würde “Gott, Mädchen, reiß dich doch mal zusammen”, aber das passierte nicht. Auch wenn alles sehr dramatisch ist und einem normalen Verstand vollkommen klar ist, dass Willow nicht für den Unfall, der ihre Eltern das Leben kostete, verantwortlich ist, kann man sie irgendwie nicht verurteilen.
    Ja, es ist eines der best geschrieben Bücher zum Thema SVV…
    Ja, es nimmt einen richtig mit…
    ABER…
    Wir können uns alle denken, dass irgendwann ein junger Mann auftaucht; immerhin handelt es sich hier um ein Jugendbuch und ein Mädchen mit Problemen. Und wir können uns genauso gut denken, was zwischen ihm – in diesem Fall Guy – und Willow passiert. Und genau da liegt für mich das große Aber.
    Willow und Guy lernen sich eher zufällig in der Bücherei der Universität, in der Willow arbeitet, kennen – sie muss ihm bei der Suche nach einem Buch helfen. Man versteht sich, man hat ähnliche Interessen, man mag sich irgendwie. Auch wenn Willow das an dieser Stelle noch nicht einmal annähernd zulassen kann. Und doch ist es Guy, der als erster ihr Geheimnis entdeckt, wenn auch eher unfreiwillig. Doch von da an fühlt er sich irgendwie für sie verantwortlich… was ich doch ein wenig merkwürdig fand. Ich meine, wenn ihr entdeckt, dass jemand – ein komplett Fremder wohl gemerkt – sich selbst verletzt, seine vernarbten Arme seht, würdet ihr euch an an ihn ran heften, damit ihm ja nichts passiert? Eher nicht. Hinzu kommt noch, dass er ihr vor allem immer wieder sagt, dass er da eigentlich keinen Bock drauf hat und nicht für sie verantwortlich sein will.
    Guy ist alles in allem ein Charakter, der zwischen Sorge und Unverständnis hin und her gerissen ist. An vielen Stellen wollte ich ihm einfach nur mal so richtig eins in die Fresse hauen… Andauernd fragt er Willow, warum sie nicht einfach aufhört, sich zu verletzten, verlangt es sogar von ihr, und sagt ihr, dass ihre Narben hässlich sind. Ich kann vollkommen nachvollziehen, dass man als Außenstehender die Gedanken und Gefühle, die mit dieser Klinge zusammenhängen, nicht verstehen kann, aber ein wenig Einfühlungsvermögen kann man doch wohl an den Tag legen. Und in anderen Situationen kümmert er sich dann rührend um Willow, verarztet sogar einen frischen Schnitt und berührt voller Zärtlichkeit ihre Wunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass man im Alter von 16 Jahren mit einer solchen Sache vollkommen überfordert ist, aber Guy erschien mir teilweise einfach so uneinsichtig, hart und einfach gefühlslos.
    Kommen wir also zum letzten Kritikpunkt an Willow: die Beziehung zwischen den beiden.
    Theoretisch hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Entwicklung. Wie schon gesagt: wir haben hier ein Jugendbuch vor uns und da gehört es ja irgendwie zum guten Ton, dass die Liebe Einzug erhält. Und Willow hat es wirklich verdient, aber… *seufz*
    Obwohl, ich glaube, ich muss etwas anders anfangen, denn im Grunde fand ich die Entstehung der Liebe okay. Es war nicht ganz so von Knall auf Fall wie man es aus anderen Romanen kennt, was ich sehr positiv fand. Auch, dass Willow am Anfang sehr gezweifelt hat und sich aufgrund ihrer tiefen Schuldgefühle gar nicht erlaubt hat, an so etwas zu denken, gefiel mir gut – weil es eben realistisch(er) ist. Dass sie irgendwann auftaut, ist nur logisch, aber wieder ist es ein Junge, der das Mädchen rettet. Ich möchte nicht bezweifeln, dass Liebe beim Überwinden einer Sucht helfen kann, aber ist eben keine Lösung! Ich habe zwar schon Bücher zu dem Thema gelesen, in dem es wesentlich krasser dargestellt wurde (Mädchen trifft Junge – bums, geheilt!) – was mich dann aber auch entsprechend doll aufgeregt hat -, da bekommt Willow einen Pluspunkt, aber trotzdem ist dieser Vibe doch spürbar. Und ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich es vollkommen nachvollziehen kann, dass Betroffene die ganze Sache scheiße fanden, ganz ehrlich. Wenn einen dieses Problem selber betrifft, empfindet man so etwas noch einmal ganz anders… I feel with you!
    Wie man sieht, hat das Buch mich ein wenig zerrissen. Auf der einen Seite hat es mich wirklich in Tränen zurück gelassen, doch im gleichen Moment klopfte eben dieses laute ARGH an. Dennoch bekommt das Buch von mir 4 Sterne, weil es alles in allem einfach sehr intensiver Stoff ist, der an einem zerrt.
    Und um die Rezension mit einem positiven Statement zu schließen: das Ende des Buches hat mir unheimlich gut gefallen, denn Willow ist eben nicht geheilt, sondern sieht einfach nur eine Chance, die Klingen irgendwann hinter sich zu lassen.
    // Schlusswort //
    Willow von Julia Hoban ist ein unheimlich berührendes Buch zum Thema Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen. Auch wenn es einige Kritikpunkte gibt, so ist es für mich doch einer der besten Romane, die ich bisher über dieses Thema gelesen habe. Intensiv, weitestgehend realistisch dargestellt und alles in allem einfach gut.
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  • Rezension zu Bis unter die Haut

    Es ist 6 Monate her, dass Willows Eltern durch einen Autounfall gestorben sind. Ein Autounfall, bei dem Willow selbst hinter dem Steuer saß. Aufgefressen von Schuldgefühlen hat sie begonnen, sich zu ritzen. Die Rasierklinge ist ihr bester Freund (oder Feind). Nur mit ihm kann sie ihren innerlichen Schmerz ertragen. Nach dem Tod der Eltern lebt sie bei ihrem ca. 10 Jahr älteren Bruder David, dessen Frau Cathy und ihrer kleinen Nichte. Um etwas Geld zum Lebensunterhalt beizusteuern, arbeitet sie in einer Bibliothek. Eines Tages lernt sie dort Guy kennen. Willow lässt ihn abblitzen, aber Guy lässt nicht locker. Als Guy unglücklicherweise von Willows streng gehüteten Geheimnis erfährt, ändert sich ihr Leben. Er lässt nicht locker und Willow muss sich ihrer Trauer und ihrem Schmerz stellen.
    "Bis unter die Haut" ist ein Buch, das tatsächlich sehr unter die Haut geht. Willows Geschichte gleicht einer Tragödie, die man niemanden wünscht. Es leuchtet jedem ein, dass sie am Tod der Eltern keine Schuld hat. Ein schrecklicher Unfall, der jedem so hätte passieren können. Und dennoch kann ich gut nachvollziehen, dass die eigenen Schuldgefühle Willow geradezu auffressen.
    Willow hatte nie die Gelegenheit, richtig zu trauern. Ihr hat nie jemand geholfen, über das Erlebte hinwegzukommen. Sie wurde komplett allein gelassen. Dass Willow ein Ventil gesucht hat, liegt auf der Hand. Bei ihr war es das Ritzen.
    Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich mit Willow als Charaktere angefreundet habe. Sie war verständlicherweise unnahbar und taute nur ganz allmählich auf.
    Guy habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Seine Art und seine Hartnäckigkeit haben mir imponiert. Aber war es realistisch? Wenn ich mir vorstelle, ich lerne jemanden kennen und merke, dass dieser Jemand eigentlich ein psychisches Wrack ist und sich die Haut blutig schneidet, was würde ich tun? Hätte ich die Kraft, solch eine schwere Zeit durchzustehen? Ich kenne die Person doch eigentlich noch gar nicht. Hmm, ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich das könnte.
    Es war ein Buch, das mich nachdenklich gemacht hat.
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  • Rezension zu Bis unter die Haut

    Willow lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Bruder zusammen mit dessen Frau und Tochter. Sie gibt sich die Schuld am Tode, denn sie war es, die das Auto fuhr, als ihre Eltern nach Hause wollten und zu viel getrunken hatten, sie war es, die die Kontrolle verlor und sie war es, die ihre Eltern hat sterben sehen.
    Seit diesem Tag an lebt Willow in ständiger Schuld. Sie hat ihre alte Schule und ihre alten Freunde verlassen, ihre gewohnte Umgebung und all die Erinnerungen hinter sich gelassen, um einen Neubeginn zu starten. Doch dieser scheint nicht zu klappen, da ihr Bruder dicht macht und nicht über das Geschehene sprechen will und Willow sich sehr viele Gedanken und Sorgen macht.
    In all ihrer Verzweiflung begann sie sich irgendwann, selbst zu verletzten. An den Armen, am Bauch und lebt seitdem in ständiger Panik, dass ihr Bruder oder ihre Klassenkameraden was merken oder gar entdecken.
    Dann trifft sie eines Tages Guy und beginnt zu lernen, dass das Leben nicht nur aus Schuld und Selbsthass besteht.
    Dieses Buch hat mich gefühlsmäßig recht überrascht, obwohl mir klar war, dass man bei einem Jugendbuch, in dem es um SVV geht, nicht gerade seinen Spaß haben wird. Die Thematik ist besonders für junge Frauen oftmals hochbrisant und daher finde ich es gut, dass es nicht wie oftmals in der Gesellschaft totgeschwiegen wird, sondern hier offen behandelt wird.
    Da ich „Ohne-Schutzumschlag“-Leser bin, fiel mir sofort die Rückenverzierung auf. Der Schriftzug „Bis unter die Haut“ wird begleitet mit roten, zackigen Linien. Das Buch selber ist hautfarben. Sehr schockierend, wie ich fand. Zwar passend zur Story, dennoch für ein Jugendbuch sehr heikel.
    Willow ist ein sehr nettes junges Mädchen. Sie war mir von Anfang an sympathisch. Ihre Gedankengängen und Ängste konnte man sehr gut verstehen und ihre Panik war authentisch. Die Geschichte entwickelt sich recht schnell: Dem Leser ist schnell bewusst, worunter Willow leidet, was ihre Probleme sind und dass sie in völliger Schuld lebt. Die eigenen Eltern „auf dem Gewissen zu haben“ konnte ich mir als Leser selbst kaum ausmalen. Daher war mir absolut bewusst, wie gefühlsgeladen und endlos traurig Willow sein musste. Ich konnte als Leser demnach sehr gut nachempfinden, was natürlich auch dank des klaren und deutlichen Schreibstils der Autorin möglich war.
    Zum Thema SVV möchte ich sagen, dass ich die Einbeziehung, so wie dies geschehen ist, zwar gut fand, jedoch wurde das Thema für mein Gefühl zu oberflächlich behandelt. SVV ist eine wahrlich schwere und heikle Erkrankung, mit der nicht zu spaßen ist. Guy, welcher in Willows Leben tritt und beginnt, sich für sie zu interessieren, gibt ihr nach und nach Hoffnung und Kraft, stößt aber auch oft an seine Grenzen. Dies wirkte sehr authentisch und ehrlich.
    Das Buch rüttelt einen wach und lässt einen sehr nachdenklich zurück. Es kommen viele verschiedene Gefühlslagen ins Spiel und genauso kann ich mir vorstellen, muss man sich fühlen, wenn man solch einen Verlust erlebt hat.
    Ein intensives Buch, mit vielen Höhen und Tiefen, vielen Gefühlen und Gedanken, welches ich jedem, der schicksalhafte Jugendbücher gerne liest, nur wärmstens empfehlen kann.
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  • Rezension zu Bis unter die Haut

    Hier ist meine Meinung zum Buch:
    Klappentext:
    Vor einem halben Jahr tranken Willows Eltern bei einer Einladung ein Glas zu viel und baten ihre Tochter, sie nach Hause zu fahren. Doch sie kamen niemals an. Willow verlor die Kontrolle über den Wagen und ihre Eltern starben vor ihren Augen.
    Jetzt hat Willow all das hinter sich gelassen. Sie ist weggegangen von ihrer alten Schule, von ihren alten Freunden – von den Erinnerungen. Den Schuldgefühlen jedoch kann sie nicht entrinnen. Die erträgt sie nur, indem sie sich ritzt.
    Da kommt Guy in ihre Klasse, ein Junge, so sensibel und nachdenklich wie Willow selbst. Er entdeckt ihr gut gehütetes Geheimnis. Und durch seine bedingungslose Liebe lernt Willow, sich selbst zu vergeben und an sich zu glauben.
    Über die Autorin:
    Julia Hoban ist sehr vielseitig talentiert: Sie studierte Physik und Philosophie, entwirft Kleidung und Handtaschen und schreibt Kinder- und Jugendbücher. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in New York und arbeitet derzeit an einem neuen Roman.
    Allgemeines zum Buch:
    „Bis unter die Haut“ umfasst 350 Seiten und gliedert sich in 16 Kapitel. Zu Beginn des Buches sind diese noch relativ kurz, werden aber zum Ende hin immer länger. Denn auch die Handlung wird nach und nach intensiver und benötigt Raum, um sich zu entfalten. Vereinzelt sind die Kapitel in Absätze unterteilt, um während des Lesens bequem Pausen einlegen zu können, ohne das Kapitel unbedingt zu Ende lesen zu müssen.
    Das Buch beginnt ein gutes halbes Jahr nach dem Unfall, bei dem Willows Eltern ums Leben gekommen sind. Dieser Unfall wird nicht groß thematisiert. Es finden sich an einigen Stellen Rückblicke, in denen man etwas dazu erfährt, aber im Vordergrund des Buches steht eindeutig Willows jetziges Leben
    Geschrieben ist das Buch aus der Sicht eines allwissenden Erzählers in der Gegenwartsform. Rückblicke in die Vergangenheit, insbesondere Willows Erinnerungen an den schrecklichen Autounfall, sind in der Vergangenheitsform geschrieben. Willows Gedanken werden an einigen Stellen in kursiver Schrift verdeutlicht.
    Sehr passend zum Inhalt des Buches ist dessen Cover. Dies finde ich sehr gut gestaltet und bringt stöbernde Leser in der Buchhandlung dazu, das Buch zur Hand zu nehmen und genauer zu betrachten.
    Die Originalausgabe von „Bis unter die Haut“ erschien 2009 unter dem Titel „Willow“ bei DialBooks, a member of Penguin Group, New York.
    Meine Meinung zum Buch:
    Wie verzweifelt muss ein junger Mensch sein, um sich selbst grausame Verletzungen und Schmerzen zuzufügen? Liegt es nicht in der Natur des Menschen, Angst vor Schmerzen zu empfinden? Was muss geschehen, um diese Angst zu überwinden? Vielleicht so etwas, das Willow zugestoßen ist? Ein schrecklicher Autounfall, der zwei Menschen das Leben nahm? Und an dem sie sich selbst schuldig fühlt?
    Mit ihrem Buch „Bis unter die Haut“ ist Julia Hoban ein Buch gelungen, das wahrlich unter die Haut geht. Der Autorin gelingt es, das Leben der jungen Protagonistin auf eine sehr authentische Weise zu zeichnen. Willow hat Angst vor dem Umgang mit Altersgenossen, da sie befürchtet, über den Unfall ausgefragt zu werden und alles noch einmal durchleben zu müssen. Sobald in ihrer Nähe getuschelt oder gekichert wird, ist sie sich sicher, dass sie der Grund dafür ist. Sie ist eine Einzelgängerin und zu ihren Freunden von früher hat sie keinen Kontakt mehr, da sie nicht an ihr altes Leben erinnert werden will.
    Doch Willows Probleme gehen natürlich noch viel weiter: Sie ritzt sich selbst und niemand darf davon erfahren. Sie befürchtet neugierige Fragen beim Kauf von Rasierklingen, sie versteckt diese heimlich unter ihrer Matratze, sie vergräbt blutverschmierte Blusen im Park. Willows Leben wird von ihrer Gier nach Schmerzen total bestimmt. Ihre Gedanken drehen sich allein darum, an welcher Stelle sie sich das nächste Mal ritzen kann, ohne dass es auffällt.
    Julia Hoban scheut sich nicht davor, ausführlich zu beschreiben, wie Willow vorgeht, wenn sie sich selbst verletzt. Ausführlich wird beschrieben, wie die Rasierklinge in Willows empfindliche Haut eindringt. Was sie bei mir als Leserin damit erreicht hat, ist vor allem Abscheu und ein Gefühl von Befremdlichkeit. Und ebenso wenig zimperlich geht Julia Hoban vor, wenn sie die Unfallereignisse beschreibt. Hier spritzt Blut, Köpfe knallen gegen das Armaturenbrett.
    Nachdem ich Willows Verhalten nach den ausführlichen Beschreibungen ihrer Selbstverletzung mit Kopfschütteln begegne, bin ich der Autorin dankbar dafür, dass diese nun versucht, Gründe für Willows Verhalten zu finden: Willow verdrängt ihren inneren Schmerz durch eine andere Art von Schmerz, nämlich körperlichen Schmerz, der sie taub und immun gegen alles andere macht. Sie sucht und findet darin eine Ablenkung. Und mit diesen Erklärungsversuchen schafft es die Autorin doch noch, mir Willow nahe zu bringen. Ich kann ihr Verhalten nun besser nachempfinden und es teilweise sogar verstehen.
    Doch Willow ist nicht die Einzige, die lernen muss, mit den Folgen des Unfalls zu leben. Denn sie hat einen Bruder, David, der ein paar Jahre älter ist als sie, und mit dem sie nun zusammenwohnt, gemeinsam mit seiner Frau und dem Baby der beiden. Auch David hat einen Weg gefunden, die schrecklichen Ereignisse zu verarbeiten: Er weint nachts heimlich in der Küche. Und Willows Schuldgefühle wachsen, als sie ihren Bruder heimlich beobachtet, denn für sie steht fest, dass David ihr die Schuld am Unfall gibt.
    Vieles ändert sich, als Willow Guy kennenlernt. Denn Guy ist nicht nur sehr nett zu Willow, sondern er kümmert sich um sie, er bemüht sich um sie, er kämpft um sie. Guy vermittelt Willow andere Sichtweisen auf Vieles. Während Willow von der Einstellung anderer Menschen ihr gegenüber fest überzeugt ist, schafft Guy es, ihr die Augen zu öffnen und sie lernt, das Verhalten der Anderen neu zu erkennen und einzuschätzen.
    Natürlich entwickelt sich zwischen Willow und Guy eine zarte Liebesgeschichte und mir hat es großen Spaß gemacht, die beiden dabei zu beobachten. Ihre Beziehung ist von Hochs und Tiefs und starken Stimmungsschwankungen geprägt. Wird Willow es schaffen, sich für Guy und gegen das Ritzen zu entscheiden?
    Am Ende des Buches ist nicht alles gut. Willow ist nicht geheilt und ihre Narben sind auch noch nicht verblasst. Aber es hat sich einiges in ihrem Leben verändert und auch Willow selbst ist bereit, an sich etwas zu ändern. Ich fand dieses Ende sehr passend und authentisch. Es ist nicht zu erwarten, dass alle Probleme sofort verfliegen. Willow muss an sich arbeiten und vor allem an sich glauben. Ich denke, das ist die Nachricht, die Julia Hoban jungen Lesern, die in ähnlichen Situationen wie Willow stecken, mitgeben will.
    Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und auf die Zielgruppe jugendlicher Leser abgestimmt. Das Buch liest sich leicht und flüssig. Größtenteils lebt es von seinen Dialogen. Diese wirkten an manchen Stellen sehr konstruiert und gestellt auf mich, treiben dafür aber stetig die Handlung voran. Der Autorin ist es aufgrund ihres eindringlichen Schreibstils gelungen, mich sehr für das Schicksal von Willow zu interessieren.
    Mein Fazit:
    Eine Geschichte, die wahrlich unter die Haut geht!
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  • Rezension zu Bis unter die Haut

    Bis unter die Haut (orig. "Willow")
    Klappentext:
    Vor einem halben Jahr kamen Willows Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Hinter dem Steuer saß Willow. Jetzt erträgt sie die Schuldgefühle nur, indem sie sich ritzt. Da kommt Guy in ihre Klasse. Er kämpft um Willow, entdeckt ihr Geheimnis - und Willow muss sich entscheiden:
    zwischen dem Ritzen und Guy
    Inhalt und Aufbau:
    Seit dem Autounfall von Willows Eltern, bei dem sie ums Leben gekommen sind, gerät ihr Leben mit jedem Tag außer Kontrolle, denn sie hat hinter dem Steuer gesessen, obwohl sie erst seit kurzem ihren Führerschein hat und die Straße nass und rutschig gewesen ist.
    Aber alles Bedauern und Weinen hilft nicht, denn das bringt ihre Eltern nicht zurück, sodass sie nur eine einzige Möglichkeit sieht ihrem Schmerz zu entkommen: Sich selbst verletzten als Strafe dafür, was sie ihren Eltern angetan hat und Gegenmittel für ihre Schmerzen. Denn der körperlich Schmerz lässt sie für eine kurze Zeit ihren seeligen Zustand vergessen. Sie gibt sich nicht nur die Schuld am Tod ihrer Eltern, sondern auch am Zustand von David, ihrem Bruder, denn seit dem Unfall lebt sie bei ihm und seiner Frau Cathy, die beide alles versuchen, um sie zurück ins Leben zu bringen, aber alles kämpfen und bangen bringt nichts, denn Willow schließt sich von Außenwelt völlig ab und strahlt nach außen eine selbstbewusste und strake Persönlichkeit. Sie gibt diese Fasade vor, um die Menschen um sie herum nicht zu belasten und kein Mitleid zu erregen, was auch sehr gut funktioniert, bis Guy, ein neuer Junge aus der Schule in ihr Leben kommt. Sie treffen zufällig aufeinander und fühlen sich sofort zu einander hingezogen, doch Willow will keine Gefühle zulassen, vor allem Gefühle, dir Freude bereiten, denn ihrer Meinung nach darf sie keine Freude mehr am Leben empfinden, sodass sie ihn abblockt. Doch er lässt sich nicht aufhalten und bemüht sich immer weiter um ihre Freundschaft, bis er ihr langgehütetes Geheimnis entdeckt und vor der Frage steht, ob er es verraten darf. Auf die Bitte hin, zu schweigen, versucht er selbst einen Weg zu finden, um an Willow heranzukommen und sie so davon abzuhalten, sich selbst Schmerzen zuzufügen. Und nach einer langen Zeit des Kämpfens und Bangens scheint sich Willow wirklich zu öffnen und Gefühle, wie Freundschaft und Liebe zuzulassen. Doch allzubald muss sie festellen, dass ihr Gewissen und vor allem ihr Schmerz zurückkehren, um sie noch einmal daran zu erinnern, was sie getan hat und das ist der Moment, in dem sie sich vor der Frage stellt, was ihr wichtiger ist. Ein neues Leben anfangen oder aber an der schönen Vergangenheit mit ihren Eltern festzuhalten.
    Die Geschichte um Willow, einem 17-jährigen Mädchen, das sich am Rande der Vezweiflung sieht, ist in 16 Kapiteln auf ca. 350 Seiten aufgeteilt. Aufgrund dessen kann man sehen, dass die einzelnen Kapitel recht lang sind, um die traurige Geschichte zu erzählen. Der Sprachstil der Autorin ist meist einfach gehalten, sodass sich das Buch relativ schnell lesen lässt.
    Eigene Meinung
    Was mich in erster Linie dazu veranlasst hat, dieses Buch zu kaufen, war zu allererst das Cover, welches das Gesicht, oder zumindest den größten Teil davon, eines Mädchens zeigt. Schon zu Beginn hat man das Gefühl, dass die Geschichte äußerst traurig ist und einem bis "unter die Haut" geht wie der Titel bereits sagt, den man mMn auf zwei verschiedene Varianten interpretieren kann.
    Meiner Meinung erzählt das Buch auf eine sehr authentische Art und Weise die Geschichte eins Mädchens, die kurz davor ist, ihrem schlechten Gewissen zu verfallen, dann aber unverhofft auf Rettung hoffen kann. Ich hatte das Buch innerhalb von zwei Tagen durch und auch lange danach kein anderes Buch zu Hand nehmen können, da die Geschichte von Willow noch immer in meinem Kopf herumgespukt hat. Das zeigt, dass man als Leser auch nach dem Ende des Buchs, lange Zeit über den Inhalt und die Botschaft, die dahinter steckt nachdenkt.
    Von mir gibt es
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Ausgaben von Bis unter die Haut

Hardcover

Seitenzahl: 352

E-Book

Seitenzahl: 353

Taschenbuch

Seitenzahl: 352

Besitzer des Buches 17

Update: