Das Liebesspiel
Buch von C. Dawn Tripp, Andrea Fischer
Titel: Das Liebesspiel
C. Dawn Tripp (Autor) , Andrea Fischer (Übersetzer)
Verlag: Arche Verlag
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 310
ISBN: 9783716026632
Termin: April 2012
Aktion
Bewertungen
Das Liebesspiel wurde insgesamt 6 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,1 Sternen.
Rezensionen zum Buch
-
Rezension zu Das Liebesspiel
- Buchdoktor
-
27. Mai 2019 um 18:25
InhaltWeiterlesen
Marne, die jahrelang in Kalifornien gelebt hat, kehrt in ihren Heimatort zurück. Grund für Marnes Rückkehr war ein Anruf ihres Bruders, vermutlich, weil es der Mutter schlechter geht. Marne verliebt sich in Ray Varrick, den Sohn Adas und den Enkel des Mannes, der vor Jahrzehnten am Tod von Marnes Großvater Luce Schuld gewesen sein könnte. Luces Verschwinden ist noch immer ungeklärt. Als Luces Enkelin und Janes Tochter muss man Rays Familie einfach hassen; eine Beziehung zwischen Mitgliedern der verfeindeten Clans scheint völlig undenkbar.
"Ada Varrick hatte fünf Söhne - Scott, Green, Huck, Ray und Junsie". Junsie lebt nicht mehr, Green starb schon mit dreizehn Jahren, Scott ist Veteran des Vietnamkriegs. Dawn Tripps Bericht über Adas Familie klingt sofort vertraut wie eine Familienanekdote. Erzählungen über unbekannte Familienmitglieder können Zuhörer manchmal erst Jahre später konkreten Personen zuordnen, indem sie Namen und Ereignisse wie ein Puzzle zusammenfügen. Anfangs wirkt die tragische Verbindung zwischen Marnes und Rays Familien wie eine noch unvollständige Patchworkdecke. Wer mit wem verwandt ist, Janes Kindheitserinnerungen, die Aufklärung von Luce Welds Tod, das Verhältnis zwischen Ada und Jane, sowie Marnes Liebe zu Ray verknüpft Dawn Tripp zu einem farbigen Geschichtenteppich. Der Roman wird von Marne, ihrer Mutter Jane, Rays Mutter Ada und weiteren Personen auf zwei Zeitebenen erzählt, die 25 Jahre auseinanderliegen.
Marne weiß als jüngste der Frauen am wenigstens von den Ereignissen. Sie ist damals aus der Enge ihres kleinen Heimatorts förmlich in den Westen des Landes geflohen, ließ sich offenbar ohne Beruf durchs Leben treiben und schlägt sich noch immer mehr schlecht als recht mit kleinen Aufträgen durch. Marne wirkt mühsam beherrscht im Verhältnis zu ihrer Mutter und beschreibt ihre Empfindungen in kargem, kritischem Tonfall. Ein Handlungsstrang des Romans besteht daraus, dass Jane und Ada (die Tochter des Toten und die Frau, der man die Schuld an dem Vorfall gibt) regelmäßig gegeneinander Scrabble spielen. Scrabble, das Spiel mit den Buchstaben-Steinen kann aus purer Freude am Wort gespielt werden, aber auch taktisch, um wie Ada den Gegner mit seinen Steinen auf Felder abzudrängen, die wenig Punkte für die Wertung bringen. Das Warten auf das Aufdecken der Steine und das Füllen des Spielbretts ähneln verblüffend dem Verlauf des Romans. Nicht nur beim Scrabble zeigen Tripps Figuren eine überschäumende Erfindungsgabe im Umgang mit Sprache, die Andrea Fischer in ausdrucksstarke deutsche Redensarten übersetzt hat. Auch ein Bibliotheksbuch, das nicht zurückgegeben wurde und in der Familie von einer Hand in die andere wandert, spielt eine wichtige Rolle für das Erinnern und die Verknüpfung der Ereignisse.
Fazit
In Dawn Tripps Familienroman kann man sich beim Lesen vergraben, wie Jane sich als Kind in den Geschichten ihres Vaters vergraben hat. Durch die schwer zu fassende Figur der Marne und die ineinander verschachtelten Familiengeheimnisse konnte ich mir nie sicher sein, ob ich schon alle Stücke der Flickendecke beieinander hatte oder ob die Geschichte noch eine andere Wendung nehmen könnte. Weil ich die Bezeichnung Liebes-Thriller ignoriert habe, konnte mich "Das Liebesspiel" - das sehr viel mehr als einen Liebes- oder Familienroman bietet - mit seiner bildmächtigen Sprache und der Verknüpfung der Vielzahl von Erzählperspektiven fesseln und vorzüglich unterhalten.
Textauszug
"Sie redete sich ein, sich an die Zeit erinnern zu können, als ihr Vater noch bei ihnen lebte, jene gefährliche, schwebend ausbalancierte Zeit, wenn es denn je eine Balance gab, als sie drei - ihre Mutter, er und sie - sich in dem kleinen Haus herumtrieben. Tatsächlich konnte Jane sich nicht daran erinnern, sie wusste nur, dass sein Schatten auf die Astlöcher in den Kiefernplanken auf dem Boden fiel, dass er seinen Tabak auf dem Blättchen verteilte, sich seine Zigaretten selbst drehte, am Holzofen saß, die langen Beine dem Feuer entgegengestreckt, während ihre Mutter einen Socken auf links drehte oder ein Buch umblätterte, jenes Knister-Knaster, wenn das Zündholz brannte, daneben die schaukelnde Wiege mit dem Baby, das sie einst war, und seine Stimme, ihr tiefes, weiches Timbre, vermischt mit den Gerüchen vom Kochen - geschmorte Zwiebeln, gebratenes Brot -, das Kratzen eines Löffels im Topf, seine Stimme, die sie bis heute manchmal zu hören glaubte, als werde sie von den Wänden, von Mörtel und Tünche noch immer festgehalten." (S. 69) -
Rezension zu Das Liebesspiel
- Xirxe
-
12. Oktober 2013 um 18:11
'Das Liebesspiel' ist eine Art Familiengeschichte, die durchaus shakespearsche Ausmaße annimmt, je mehr sich der Nebel um die Geschehnisse in der Vergangenheit lichtet.Weiterlesen
Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive der vier Hauptpersonen: Luce, der 1957 verschwindet und dessen Schädel drei Jahre später mit einem Einschussloch aufgefunden wird. June, Luces Tochter, die bei seinem Verschwinden 11 Jahre alt war. Marne, Junes Tochter, die 2004 wieder in ihr Heimatdorf zurückkehrt aufgrund eines Anrufes ihres Bruders, der sich Sorgen um ihre Mutter macht. Und Huck, der Sohn von Ada, der früheren Geliebten Luces. Niemand weiß, wie Luce damals umkam, aber alle vermuten, dass es Adas brutaler Ehemann Silas war, der ihn aus dem Weg räumte. Auch um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, spielt June bereits seit einigen Jahren regelmäßig Scrabble mit Ada und 2004, nach der Rückkehr Marnes, wird manches klarer. Doch dies ist nicht das einzige Geheimnis, was diese Personen miteinander verbindet. Immer mehr Beziehungen werden offengelegt und es wird immer deutlicher, weshalb sie so und nicht anders handeln konnten. Marne verliebt sich zudem in Adas jüngsten Sohn Ray, was nicht ohne Komplikationen vonstatten geht.
Macht man sich die Mühe, das Buch nach dem ersten Lesen nochmal durchzublättern (oder vielleicht sogar ein zweites Mal zu lesen), wird man mit dem Wissen um das Geschehene vermutlich viele der Ereignisse mit einem 'Aha' oder zustimmenden Kopfnicken begleiten, denn diese erschließen sich erst jetzt voll und ganz.
Hört sich ja alles ganz gut an, warum dann aber nur zwei Sterne? Weil es einem die Sprache von Dawn Tripp wirklich schwer macht, dabei zubleiben. Die Autorin hat eine Vorliebe für poetische Formulierungen, schießt jedoch häufig über's Ziel hinaus. 'Augen trocken wie Steine', 'Wie kratzende Nägel in der eigenen schorfig-süßen Mitte', 'sein Ellbogen wie ein Flüstern', 'Er liebt sie...wie man vielleicht nur einen verwässerten Himmel lieben kann' - Ausdrücke, die entweder im Widerspruch zum vermittelten Inhalt stehen oder einfach nur unverständlich sind. Und je weiter man liest, umso häufiger tauchen solche Forumulierungen auf. Ich hatte immer öfter das Gefühl, dass es weniger um den Inhalt ging, sondern mehr um die Sprache an sich. Je literarischer und poetischer, umso besser.
Schade, das hat mir das Lesen wirklich vermiest. Denn die Geschichte an sich ist richtig gut. -
Rezension zu Das Liebesspiel
- Aventurin
-
28. April 2012 um 16:47
Inhalt:Weiterlesen
1957 verschwindet Luce Weld scheinbar spurlos. Er hatte eine Affäre mit Ada Varick, deren Mann Silas scheinbar davon Wind bekommen hat. Luces Tochter Jane ist gerade einmal 12 Jahre alt, als ihr Vater verschwindet. Jahre später wird bei Bauarbeiten ein Schädel mit einem Einschussloch gefunden, keiner zweifelt daran, dass es sich dabei um Luces Schädel handelt. Etliche Jahrzehnte später wird Marne, Janes Tochter, von ihrem Bruder zu ihren Eltern zurück geholt. Eine Pflicht, die sie schnell hinter sich gebracht haben will. Aber auch für sie spielt die Vergangenheit eine größere Rolle, als sie wahrhaben will. Während Marne sich in Adas Sohn Ray verliebt, bestreiten Jane und Ada ihre letzte Partie Scrabble, in denen es um Antworten geht und um die Vergangenheit.
Meine Meinung:
Bei diesem Buch bin ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite ist der Schreibstil wirklich wunderschön, wenngleich auch anstrengend und manche Stellen sind unglaublich berührend. Auf der anderen Seite ist da aber diese Handlung. Es geht sehr langsam los, die Geschichte entwickelt sich sehr ruhig einmal im Jahr 2004, mit der letzten Scrabble-Partie zwischen Jane und Ada und der langsamen Annährung zwischen Marne und Ray. Eingeflochten sind immer wieder Rückblicke in Janes Jugend, die manche Geschehnisse näher beleuchten sollen. Es geht vor allem um Jane und Ada, aber auch um Marne, die versucht ihre Mutter zu verstehen und ihren Platz im Leben zu finden. Diese verschiedenen Sichtweisen halten ein paar mehr oder weniger überraschende Geheimnisse bereit, die nach und nach aufgedeckt werden.
Wie schon gesagt, fand ich die Sprache wunderschön, sinnlich und ätherisch. Auf der anderen Seite ist diese Sprache aber auch sehr anstrengend, schwermütig, melancholisch. Auch jenseits der Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, schweift die Handlung immer wieder ab zu Erinnerungen, Gedanken, sodass es mir verbunden mit dem anstrengenden Sprachstil, schwer gefallen ist der Handlung zu folgen. Es gibt so viele Andeutungen, verwirrende Satzkonstruktionen, so viel zwischen den Zeilen zu lesen, dass man nur sehr langsam vorankommt. Auch das Ende ist relativ offen gestaltet und lässt viel Freiraum für Interpretationen, wie ein großer Teil des Romans. Vieles wird hierbei nur angedeutet.
Einerseits konnte ich nicht sehr lange am Stück in dem Roman lesen, andererseits hat es mich immer wieder zu der Geschichte um Jane, Ada und auch Marne gezogen, sodass ich doch immer weiter gelesen habe. Es gibt sicherlich Leute, die diese ätherische und sinnliche Erzählweise, diese gedankenverlorene, verwobene und melancholische Handlung zu schätzen wissen, mir war es allerdings etwas zu viel.
Wer einen den angekündigten Liebesthriller erwartet, wird wohl bitter enttäuscht sein. In dieser Geschichte konnte ich keine Thrillerelemente ausmachen. Auch die Liebesgeschichte läuft nur im Hintergrund ab. Im Vordergrund stehen einzig und allein die Familiengeheimnisse, die ein halbes Jahrhundert in die Vergangenheit reichen und der Umgang mit ihnen.
Fazit:
Alles in allem bin ich sehr zwiegespalten. Der Schreibstil ist zwar wunderschön und poetisch, wird auf Dauer allerdings auch ziemlich anstrengend. Die vielen Abschweifungen in der Handlung machen es ebenfalls ziemlich schwer der Geschichte zu folgen. Einen Thriller darf man nicht erwarten, eine Liebesgeschichte kommt auch nur am Rande vor, vordergründig geht es um Familiengeheimnisse, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen. Vieles wird nur angedeutet und dem Leser somit selbst überlassen. Ich vergebe knappe !
[…]
Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen! Ohne die Leserunde wäre ich nicht so motiviert gewesen und einiges wäre mir ganz bestimmt nicht aufgefallen. Auch von mir vielen Dank! -
Rezension zu Das Liebesspiel
- Felicitas18
-
28. April 2012 um 16:03
Ich bin seit langem wieder mal wirklich ratlos, wie ich meine Rezension anpacken soll. Da meine Vorschreiberinnen den Inhalt schon wunderbar umrissen haben, halte ich mich kurz.Weiterlesen
In diesem Buch spiegelt das Scrabblespiel zwischen den beiden Protagonistinnen Jane und Ada das Leben ihrer beiden Familien. Bei den ausführlich beschriebenen Scrabble-Szenen geht es um die Begriffe, die gelegt werden, aber auch um die Lücken zwischen den Buchstaben, die zu anderen Begriffen ergänzt werden können. Entsprechend geht es beim langen Gespräch zwischen den beiden um Dinge die gesagt werden genau so wie um Dinge, die verschwiegen werden.
Das Buch beinhaltet einerseits sehr viel Poesie. Licht in allen möglichen Formen stellen ein Leitmotiv dar. Ein anderes Objekt, das den Leser von Anfang bis zum Ende begleitet ist ein Boot. Weiße Lilien werden immer wieder erwähnt, die vermutlich auch ihre Bedeutung haben. Daneben noch einiges, wo man das Gefühl hat, das wird noch wichtig werden. Aber so richtig klar wird einem manches nicht. Ich bin sicher, dass dieses Buch Literaturliebhabern sehr viel Stoff bietet für Analysen und Interpretationen. Da ich kein geisteswissenschaftliches Studium genossen habe, fehlt mir vermutlich die Fähigkeit, die wahren Qualitäten des Buches zu schätzen. Dennoch habe ich mich sehr bemüht, den Inhalt zu erschließen. Aber ich bin nicht wirklich zufrieden mit dem Gefühl das zurückbleibt.
Aufgrund der Ankündigung als „Liebesthriller“ habe ich gewisse Erwartungen gehabt, die leider nicht erfüllt wurden. Ich habe kaum Spannung empfunden und die Antworten auf viele Fragen blieben nur vage angedeutet. Das Scrabblespiel, das einen sehr großen Raum einnimmt, habe ich versucht nachzulegen: Entweder, die Beschreibung des Spiels ist trotz Ausführlichkeit nicht genau genug oder es geht tatsächlich nicht so, wie es beschrieben ist. Ich hätte mir mehr von den Bedeutungen der gelegten Begriffe versprochen, ich weiß aber nicht, ob der mir nicht erkennbare Zusammenhang mit der Handlung eine Folge der Übersetzung ist. Es ist ja nicht ganz einfach, die Begriffe aus dem Englischen so zu übersetzen, dass sowohl die Bedeutung als auch die Einordnung ins Scrabble-Netz stimmen.
Etwas Probleme haben mir die zeitliche Einordnung der Handlung bzw. deren Erzählungen bereitet. Zumindest einmal bin ich sicher, dass es sich um einen logischen Bruch handelt. Das wird von einem Ereignis in der Vergangenheit berichtet, das erst in der Zukunft stattfindet – zumindest, wenn man davon ausgehen kann, dass die Zeitangaben zu Beginn der Kapitel für das gesamte Kapitel gelten.
Eigentlich bin ich nicht zufrieden mit dieser unfertigen, unausgegorenen Rezi. Das ist nicht so wirklich mein Stil. Aber ich habe beschlossen, das mal so stehen zu lassen und es positiv als Stilmittel zu betrachten.
Meine Rezension bildet das Buch so ab, wie ich es bei der Lektüre empfunden habe.
Bei diesem Buch empfehle ich die Lektüre im englischen Original. Ich denke wirklich, dass bei der Übersetzung einfach zuviel verloren gegangen ist.
Von mir bekommt dieses Buch nur2
für die wirklich schöne sprachliche Ausdrucksweise. Eine Leseempfehlung kann ich für die deutsche Ausgabe nicht aussprechen.
Noch eine Ergänzung: Wir haben das Buch in einer Mini-Leserunde gelesen, was mir sehr gut gefallen hat. Ohne diesen Ansporn hätte ich mich bestimmt schwerer getan, das Buch so zügig zu lesen. Lieben Dank an meine Mitleserinnen! -
Rezension zu Das Liebesspiel
- Illusion
-
28. April 2012 um 11:38
Aufbau und Inhalt:Weiterlesen
Der verheiratete Luce Weld hat ein Verhältnis mit der ebenfalls verheirateten Ada Varrieck. Eines Tages verschwindet Luce spurlos, als Jahre später sein Schädel samt Einschussloch gefunden wird, halten alle Adas Mann Silas Varrieck für den Täter. Gut 40 Jahre später sitzen Ada Varrieck und Luces Tochter Jane bei einer Partie Scrabble. Dabei blicken sie tief in die Vergangenheit. Währenddessen bahnt sich zwischen Adas Sohn Ray und Janes Tochter Marne eine Beziehung ein. Den beiden steht allerdings mehr als ein Familiendrama im Weg.
Das Buch ist in 7 Teile geteilt, die wiederum jeweils aus mehreren Kapiteln bestehen. Dazu gibt einen Prolog und am Ende des Buches folgt eine editorische Notiz in der die Quellen der im Buch verwendeten Zitate zu finden sind. In dem Buch gibt es 5 Erzählstränge in 3 verschiedenen Zeiten. Marne und ihre Mutter Jane erzählen einen Großteil der Geschichte aus jeweils ihrer Sicht im Jahre 2004. Dazu erzählt Jane zusammen mit Huck einem weiteren Sohn von Ada aus dem Jahr 1962, ein kleiner Teil wird schließlich aus dem Jahre 1957 aus Luce Welds Sicht erzählt.
Eigene Meinung:
Ich muss ehrlich zugeben, dass mich das Buch sehr enttäuscht hat. Ich habe nicht nur etwas völlig anderes erwartet. Es war der sprachliche Stil, der es mir unmöglich gemacht hat in die Geschichte einzutauchen. Lange verschachtelte Sätze, teilweise völlig unlogisch im Aufbau, eine blumige, sperrige Sprache, alles triefte vor Metaphern, besonders das Licht und die Sterne scheinen es der Autorin angetan zu haben. Ich will nicht bestreiten, dass einige Stellen wirklich wunderschön waren, die Sprache zur Situation passte und ich mir auch mal ein Zitat herausgeschrieben habe. Aber leider war es die meiste Zeit einfach nur anstrengend zu lesen und es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Autorin sich etwas zurück gehalten hätte.
Der Stil war an einigen Stellen für mich so kryptisch, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich die Handlung richtig verstanden habe. Auch für diese Rezension fiel es mir sehr schwer, den Inhalt zusammenzufassen, weil alles irgendwie total schwammig war. Viele Nebensächlichkeiten wurden überaus ausführlich behandelt, während wirklich wichtige Dinge fast unter den Tisch gefallen sind. Dazu haben auch andere Dinge während des Lesens zu wachsender Verwirrung beigetragen. So werden die Familienverhältnisse im Verlauf des Buchs immer komplizierter und verwirren zusätzlich. Ich möchte darauf nicht genauer eingehen, um nicht zu viel zu verraten, aber an manchen Stellen hätte ich mir wirklich einen Stammbaum gewünscht. Hinzu kommt dass während der Teile 1-6 Marne aus dem Juni 2004 erzählt, während Jane aus dem Juli 2004 erzählt. Im letzten Teil erzählen jedoch beide aus der gleichen Zeit, sodass ich zwischenzeitlich über einige Abläufe sehr irritiert war.
Die Idee den Aufhänger für das Gespräch zwischen Jane und Ada in ein Scrabble-Spiel zu packen, fand ich eigentlich ziemlich gut und witzig. Leider war die Umsetzung nicht so gelungen. Ich hätte mir mehr Doppeldeutigkeiten und Herausforderungen mit Worten zwischen den Beiden gewünscht. Stattdessen kam das Gespräch erst sehr gegen Ende des Buches überhaupt in Fahrt. Möglicherweise ist dies der Auflösung am Ende geschuldet. Aber für mich hatte es leider die Folge, dass ich mich durch diese Passagen des Buches sehr gequält habe.
Warum dieses Buch überdies als "Liebesthriller" angepriesen wurde, ist mir ein einziges Rätsel. Das Liebesspiel hat überhaupt nichts von einem Thriller. Gut, am Anfang stirbt jemand und am Ende weiß man durch wen. Aber einen Thriller macht doch um einiges mehr aus. In meinen Augen gibt es keinen erkennbaren Spannungsbogen. Im Gegenteil wird jede aufkommende Spannung durch den sperrigen Stil eher wieder zerstört. Vor allem nachdem ich zuvor "Nachricht von Dir" von Musso gelesen hatte - in meinen Augen tatsächlich ein Liebesthriller - war ich von dem Buch sehr enttäuscht. Meiner Meinung nach kann man das Buch irgendwo zwischen einem Roman und Lyrik einordnen, im weitesten Sinne ist es vielleicht auch ein Familiendrama. Mag sein, dass dieser poetische Stil mich auch einfach nur überfordert hat, mein Ding war es jedenfalls nicht.
Der Originaltitel passt in meinen Augen deutlich besser zu dem Buch. Es gibt zwar auch die ein oder andere Liebesgeschichte, aber darum geht es eigentlich nicht vornehmlich. Es geht eher um unaufgedeckte Familiengeheimnisse und ein Scrabble-Spiel.
Fazit:
Für die Fans von bildhafter, poetischer Sprache, denen die Geschichte möglicherweise nicht ganz so wichtig ist, vielleicht interessant. Keinesfalls ist das Buch zu empfehlen, wenn man einen Thriller und Spannung sucht.
Von mir: -
Rezension zu Das Liebesspiel
- *Bücherwürmchen*
-
25. April 2012 um 19:08
KlappentextWeiterlesen
1957: Jane Weld ist elf Jahre alt, als ihr Vater Luce verschwindet. Niemand in ihrer kleinen Stadt in Neuengland weiß, was mit ihm geschehen ist, bis man drei Jahre später in einer Kiesgrube seinen Schädel mit einem Einschussloch findet. Es geht das Gerücht, der Ehemann seiner Geliebten Ada habe ihn aus Eifersucht getötet.
Fast ein halbes Jahrhundert später ist Jane noch immer auf der Suche nach der Wahrheit. Besondere Brisanz bekommt diese Suche, weil sich Janes Tochter Marne unerwartet in einen von Adas Söhnen verliebt hat. Während sich die beiden jungen Leute näherkommen, treffen sich Jane und Ada jeden Freitag zur einer Partie Scrabble, die sich zu einem Katz-und-Maus-Spiel um die unausgesprochenen Worte und streng gehüteten Geheimnisse des Ortes entwickelt. Die letzte Partie der beiden Frauen gerät zu einem Ringen um die Antwort auf die Frage, wie viel Wahrheit die Liebe erträgt.
Ich weiß nicht so recht, wo ich das Buch einordnen soll. Es wird als Liebesthriller beschrieben. Einen Thriller definiere ich anders. Das Gleiche gilt für eine Liebesgeschichte. Deshalb habe ich das Buch in „Romane/Erzählungen eingeordnet“.
Das Liebesspiel ist aufgeteilt in 7 Teile. Neue Kapitel beginnen grundsätzlich auf ungeraden Seiten. Übersetzt wurde das Buch von Andrea Fischer. Am Ende des Buches befinden sich noch Quellnachweise der Zitate sowie die Danksagung.
Es wird weitestgehend aus der Sicht von Jane und Marne aus der Ich-Perspektive erzählt. Bei Luce und Huck wechselt die Erzählweise. Ich fand den Schreibstil schwer zum lesen. Die Sätze sind zum Teil sehr lang, ebenso die Absätze. Den Originaltitel „Game of Secrets“ finde ich passender als „Das Liebesspiel“.
Mit den Charakteren konnte ich nicht so recht warm werden.
Es steht zwar immer dabei, aus wessen Sicht zu welcher Zeit erzählt wird. Zum Ende hin war ich allerdings völlig verwirrt.
Spannung hat sich für mich nicht aufgebaut, auch nicht zum Ende hin. Die Liebesgeschichte war für mich nicht überzeugend. Das Ende kam für mich plötzlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch auf den Showdown warte.
Ich bin ein bisschen enttäuscht, habe ich doch mehr von der Geschichte erwartet. Die Auflösung des Mordes fand ich unspektakulär.
Mehr als kann ich nicht vergeben.
Ausgaben von Das Liebesspiel
Besitzer des Buches 9
Update: 24. Januar 2022 um 18:47
